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Torische weiche Contactlinsen
Geschrieben am Donnerstag, 10. März 2005 von Galifa

Verschiedene Statistiken zeigen, dass zwischen 33% und 45% der fehlsichtigen Menschen eine astigmatische Korrektur benötigen. Ein unkorrigierter Astigmatismus von 0.75 dpt senkt den Visus um ca. 1-2 Visusstufen. Wenn man die Verteilung der Astigmatismen bei Fehlsichtigen betrachtet, so ist zu erkennen, dass über die Hälfte der Astigmatismen grösser als 0.75 dpt sind.

Wer bei der Anpassung von Contactlinsen auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingehen und diese fachgerecht versorgen möchte, kommt an der Anpassung torischer Contactlinsen nicht vorbei.

Nachfolgend haben wir Ihnen eine kurze Zusammenfassung über die Grundlagen torischer weicher Contactlinsen und deren Anpassung beschrieben.

Hauptaufgabe einer torischen Contactlinse ist, die astigmatische Fehlsichtigkeit zu korrigieren. Anders als bei einer Brille, deren Brillengläser statisch im Rahmen fixiert sind, bewegt sich eine Contactlinse bei jedem Lidschlag. Untersuchungen haben ergeben, dass pro Lidschlag die Contactlinse eine Drehbewegung nasal aufwärts erfährt, um dann, im Idealfall, ihre Ursprungsposition wieder zu finden. Um diese Position stabil zu gestalten, darf sich die Contactlinse möglichst wenig auf dem Auge verdrehen. Geschieht dies dennoch, sollte die Verdrehung möglichst konstant sein. Der gute Contactlinsensitz und die sichere Stabilisierung sind daher massgeblich für den Erfolg einer Anpassung mit torischen weichen Contactlinsen.

Bei rücktorischen formstabilen Contactlinsen stabilisiert die Contactlinse über die Radiendifferenzen der Innenfläche und orientiert sich am flachen und steilen Hornhautmeridian. Dies ist jedoch bei weichen Contactlinsen nicht nur über die Radiendifferenz möglich. Das Stabilisationsverhalten muss auf einem anderen Wege erzielt werden. Bei weichen Contactlinsen von GALIFA sind die verschiedenen Stabilisationsprinzipien auf der Vorderfläche der Contactlinse angebracht. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Stabilisationsprinzipien.

Prismatische Stabilisation

torisch prismatisch
Abb1: Schematischer Aufbau einer torisch prismatischen Contactlinse

Die Contactlinse ist mit einem Prismenballast versehen. Das Profil der Contactlinse ist keilförmig und im unteren Bereich dicker. Das Standardprisma (Keil) hat bei GALIFA bis dato den Wert von 1.00 cm/m. Durch diese Geometrie ist die Contactlinse im oberen Bereich dünner, im unteren Bereich dicker, vergleichbar mit einem Keil. Dieser Contactlinsen – Typ wird bei GALIFA unter dem Namen TP (torisch prismatisch) geführt. Aufgrund der lentikularen Ausführung der Aussenseite entsteht im oberen Bereich eine dynamische Zone, daher wird diese Form als dynamisch prismatisch bezeichnet.

Entgegen der Annahme, dass eine torisch prismatisch stabilisierte Contactlinse ihre Position durch die Gewichtsverteilung findet, hat bereits 1976, Cohen, in einer mathematischen Untersuchung über die Rolle der Schwerkraft bei der Stabilisierung weicher Contactlinsen mit Prismenballast bewiesen, dass diese nicht ausschliesslich über die Schwerkraft stabilisiert werden. Reibung, Lidkräfte und Lidstellung spielen hierbei ebenso eine Rolle. Massgeblich für die Stabilisation ist bei diesem Contactlinsentyp das Oberlid verantwortlich. Bei jedem Lidschlag gleitet das Oberlid über eine nach unten dicker werdende Fläche (Keil) und drückt dabei die dickste Stelle nach unten weg.

Dynamische Stabilisation

torisch dynamisch
Abb 2: Schematischer Aufbau einer torisch dynamischen Contactlinse

Eine weitere Methode zur Stabilisierung weicher Contactlinsen ist die dynamische Stabilisation. Bei diesem System ist die Contactlinse im oberen und im unteren Bereich ausgedünnt, so dass die seitlich dickeren Zonen von beiden Lidern verdrängt werden und dadurch eine Stabilisation gewährleistet wird. Dieser Contactlinsentyp wird bei GALIFA unter dem Namen TD (torisch dynamisch) geführt. Bei dieser Stabilisationsmethode tragen sowohl das Ober- als auch das Unterlid zur Stabilisation bei.

Wann kommt welches Stabilisationsprinzip zum Einsatz?

Betrachtet man die obigen Skizzen des Contactlinsenaufbaus und stellt sich diese Contactlinsen auf dem Auge vor, kann man deren Anwendungsgebiete ableiten.

 
TP (torisch prismatisch)
TD (torisch dynamisch)
Einsatzgebiet - grosse Lidspalten
- geringe Lidspannung
- tiefe Unterlidposition
- kleine Contactlinsen –Durchmesser

- oder eine Kombination der einzelnen Faktoren
- enge Lidspalten
- hohe Lidspannung
- grössere Contactlinsen– Durchmesser (Dicke)
- hohe Fehlsichtigkeiten und hohe Cylinder-Werte
- oder eine Kombination der einzelnen Faktoren

Bei weichen torisch dynamischen Contactlinsen ist, aufgrund des dünneren Designs der Contactlinse, der Tragekomfort vor allem bei hohen Korrekturen besser, als bei torisch prismatischen Contactlinsen. Ebenso gewährleistet die dünnere Ausführung der Contactlinsen eine bessere Sauerstoffversorgung des Auges.

Markierung der Contactlinsen

Wie oben schon erwähnt, muss sich eine torische Contactlinse in einer gewissen Position auf dem Auge einfinden. Diese Position muss gemessen werden, damit eine Kontrolle des Contactlinsensitzes und der richtigen dioptrischen Korrektur ermittelt werden kann. Diese Stabilisationsachse wird mit Hilfe der auf der Contactlinse angebrachten Markierungen gemessen und in einer Gradzahl gemäss dem TABO-Schema angegeben.

TABO Schema
Das TABO Schema

Alle weichen torischen Contactlinsen werden bei GALIFA Contactlinsen AG horizontal mit zwei Punktgravuren zur Stabilisationsmessung versehen. (s. Abb 1 + 2). Einige Hersteller versehen ihre Contactlinsentypen mit Gravuren in 90° und 270°. Der Nachteil bei dieser vertikalen Anordnung ist, dass die Gravuren meist vom Ober- und Unterlid verdeckt werden. Zur Stabilisationsmessung müssen oft Ober- und Unterlid manuell verschoben werden, um die Gravuren zu erkennen. Diese Manipulation beeinflusst jedoch wiederum die Stabilisationsachse. Daher hat sich GALIFA Contactlinsen AG für die Gravur im 0-180° - Meridian entschieden, die bei geöffnetem Auge mit der Spaltlampe sehr gut zu erkennen und sicher zu messen sind.

Probleme bei der Anpassung torischer Contactlinsen

Zu den Hauptproblemen, mit denen der Contactlinsen – Anpasser bei torischen Contactlinsen zu kämpfen hat, zählen meist die mangelnde oder unzureichende Stabilisation der angepassten Contactlinse.

Diese Schwankungen in der Stabilisation lassen sich auf folgende Ursachen zurückführen:

Damit eine weiche torische Contactlinse richtig und sicher stabilisiert, ist der allgemeine Contactlinsensitz entscheidend. Das heisst, die Contactlinse muss im richtigen Durchmesser, der richtigen Basiskurve und der richtigen Geometrie gewählt worden sein. Ist eine torische Contactlinse zu flach, zentriert diese schlecht, ist zu beweglich und die Stabilisation beim Lidschlag schwankt stark. Bei einer zu steil angepassten weichen, torischen Contactlinse, macht der daraus resultierende Festsitz das Stabilisationssystem unwirksam. Als erstes muss also der allgemeine Contactlinsen – Sitz überprüft und ggf. optimiert werden.

Eine häufige Ursache mangelnder Stabilisation bei weichen torischen Contactlinsen ist die falsche Auswahl des Stabilisationsprinzipes.

schlechte Stabilisierung
Abb 3: Unsichere Stabilisierung einer torisch dynamischen Contactlinse

Dieses Auge wurde aufgrund der engen Lidspalte und der Lidbedeckung der Contactlinse im oberen und unteren Bereich mit einer torisch dynamischen Contactlinse versorgt. Trotz vermeintlich richtiger Auswahl des Stabilisationsprinzipes stabilisiert die Kontaktlinse unzureichend und in einer schiefen Achslage. Die Lidspannung hingegen ist gering, der Liddruck reicht nicht aus, um die Contactlinse sicher zu positionieren.

gute Stabilisierung
Abb 4: Sichere Stabilisierung einer torisch prismatischen Contactlinse

Das selbe Auge wurde mit einer Contactlinse mit gleichen Parametern, jedoch mit torisch prismatischer Stabilisation versorgt. Die Contactlinse positioniert sich damit sicher in 175°. Die Lidspannung ist ein massgebliches Kriterium zur Auswahl des richtigen Stabilisationsprinzipes.

Es kommt in der Praxis vor, dass obwohl das richtige Stabilisationsprinzip gewählt wurde, die Contactlinse nicht zufriedenstellend stabilisiert.

Standardprisma
Abb 5: Torisch prismatische Contactlinse mit Standardprisma 1.00 cm/m

Dieses Auge wurde mit einer weichen torisch prismatisch stabilisierten Contactlinse versorgt. Das Stabilisationsprisma ist standardmässig 1.00 cm/m . Bei dem gewählten Contactlinsen – Durchmesser unter der Stellung der Lider ist die Wahl einer Contactlinse mit prismatischer Stabilisation richtig. Das Unterlid bedeckt die Contactlinse nicht grossflächig, dynamische Stabilisationszonen könnten hier nicht greifen. Trotzdem schwankt bei diesem Beispiel die Achse und der Contactlinsensitz verdreht in 150° (TABO). Bei jedem Lidschlag pendelt die Contactlinse und verursacht damit Visusschwankungen.

Stabilisationsprisma
Abb 6: Torisch prismatische Contactlinse mit Stabilisationsprisma 1.25 cm/m

Auf das selbe Auge wurde anschliessend in Bezug auf Basiskurve und Durchmesser eine identische Contactlinse aufgesetzt, das Stabilisationsprisma (KEIL) wurde jedoch von 1.00 auf 1.25 cm/m erhöht. Dadurch wird eine bessere und stetigere Stabilisation erreicht. Erfahrungsgemäss ist eine Erhöhung des Stabilisationsprismas vom Standard 1.00 auf 1.25 cm/m ausreichend und wirksam. Eine Erhöhung auf 1.50 cm/m kann sich wiederum gegenteilig auf die Stabilisation auswirken. Die Contactlinse wird dann, vor allem bei Pluskorrekturen, im unteren Bereich zu dick. Das erhöhte Prisma in Kombination mit der Contactlinsendicke wirkt dann unten wie eine Stutzkante die am Unterlid blockieren kann und führt zudem oft zu einer Reduktion des Tragekomforts.

Eine abweichende Stabilisation führt zwangsläufig neben der Visusreduktion immer zu einer, manchmal immens und unsinnig erscheinenden, Überrefraktion. Grundsätzlich gilt, dass die Korrektur einer weichen Contactlinse immer der aktuellen Brillenrefraktion auf den HSA 0 umgerechnet entsprechen sollte. Die Achse des korrigierenden Cylinders der Contactlinse ist analog der Achse der Brillenrefraktion unter Berücksichtigung der Stabilisationsachse der Contactlinse. In folgender Tabelle werden die Refraktionsdefizite aufgelistet, die bei einer Verdrehung der Contactlinse aus der "Soll- Stabilisationsachse" heraus entstehen.

Refraktion: plan –3.00 180°, Idealer Sitz der Contactlinse in 180°

Stabilisation der Contactlinse in
resultierende Überrefraktion
160°
+1.03 –2.05 35°
165°
+0.78 –1.55 38°
170°
+0.52 –1.04 40°
175°
+0.26 –0.52 42°
180° (Sollwert)
plan
+0.26 –0.52 137°
10°
+0.52 –1.04 140°
15°
+0.78 –1.55 142°
20°
+1.03 –2.05 145°

Um Sie in der Auswahl der richtigen Contactlinsengeometrie und vor allem des richtigen Stabilistionsprinzipes zu unterstützen, hat GALIFA den Premium Service entwickelt. Auf diesem Formular können Sie sämtliche, für die Berechnung passender Contactlinsen wichtigen, gemessenen Werte eintragen. Mit unserem Know How über unsere Materialien, Geometrien und Contactlinseneigenschaften und unserer langjährigen Anpasserfahrung, berechnen wir Ihnen die für Ihren Kunden idealen und passenden Contactlinsen nach Mass in allen Stärken und Achslagen.

Die Vorteile für Sie und Ihre Kunden liegen auf der Hand:

  • Sie benötigen keine Messlinsen mehr
  • Ihr Contactlinsen -Träger erhält sofort eine passende Contactlinse
  • Ihr Contactlinsen-Träger erreicht sofort einen guten Visus
  • Sie profitieren von unserer umfangreichen Erfahrung

Oder nutzen Sie einfach den Contactlinsen – Assistenten auf unserer Homepage www.galifa.ch. Dieser Assistent hilft Ihnen mit wertvollen Tipps bei der Berechnung der in Frage kommenden Contactlinsen.

Aktuell ab 01.03.2005

Aufgrund der sicheren Stabilisation mit einer Keilwirkung von 1.25 cm/m bei torisch prismatischen Contactlinsen vor allem bei Korrekturen mit Plancylindern oder schiefen Achslagen, haben wir uns entschieden, ab 01.03.2005 alle torisch prismatischen Contactlinsen mit diesem neuen Standard (1.25 cm/m) zu liefern. In Bezug auf den Tragekomfort entstehen hier für den Contactlinsen – Träger keine Nachteile. Bei Nachbestellungen, die Sie mit dem "alten" Stabilisationsprisma 1.00 cm/m möchten, geben Sie uns entweder die Seriennummer der bisherigen Contactlinse an oder aber Sie bestellen die Contactlinsen mit Keilwirkung 1.00 cm/m. Unter dem Stichwort "Literatur" finden Sie auf unserer Homepage interessante und hilfreiche Veröffentlichungen, mit praxisbezogenen Tipps für eine erfolgreiche Contactlinsen – Anpassung. Wir unterstützen Sie gerne.

Autor dieses Artikels: Karin Spohn

GALIFA Contactlinsen AG
Zürcherstrasse 204e
CH-9014 St. Gallen

Tel Österreich 05522 35 34 8
Fax Österreich 0810 20 55 01

Tel. international ++41 (0) 71 272 30 00
Fax international ++41 (0) 71 272 30 10

Tel. Deutschland 0180 546 54 54
Fax Deutschland 0800 88 77 77 8

Galifa

Internet: www.galifa.ch
Email: info@galifa.ch



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