4. Optometrietagung von Zentral- und Südost-Europa in Kooperation mit EAOO und ECOO

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4. Optometrietagung von Zentral- und Südost-Europa in Kooperation mit EAOO und ECOO

Vom 11 – 13. Mai fand im kroatischen Pula die 4. Optometrie Tagung von Zentral-  und Südost-Europa in Kooperation mit der European Academy of Optometry and Optics (EAOO) nebst einem ECOO Treffen statt. Neben einer Vielzahl an guten Vorträgen wurden auch interessante Workshops geboten. 

Die European Academy of Optometry and Optics (EAOO) wurde 2009 gegründet und hat das Ziel, zur Aufwärtsentwicklung und Höherpositionierung der Augenoptik und Optometrie in Europa beizutragen, ein internationales Forum für alle Experten auf dem Gebiet des guten Sehens zu bilden und lebenslanges Lernen zu unterstützen. Das Konferenzprogramm der jährlichen EAOO-Tagung umfasst an drei Tagen mehr als 20 Vorträge und Workshops zu Forschungs-, Bildungs- und klinischen Themen aus den Bereichen Augenoptik und Optometrie.
 
Frühjahrs-Generalversammlung des European Council of Optometry and Optics (ECOO)Peter Gumpelmayer (ECOO President), Cindy Tromans (ECOO Vice-President und Peer), Mike Isles (ASOP EU) und Fabienne Eckert.
 
Als Key Note Speaker an der Frühjahrs-Generalversammlung des European Council of Optometry and Optics (ECOO) bot Mike Isles von der Alliance of Safe Online Pharmacy Informationen. Isles referierte über den Markt und den Machenschaften von gefälschten Medikamenten und Kontaktlinsen im World Wide Web. Des Weiteren wurden die Verbände Aleo und SOPTI aus Italien in den Europäischen Rat für Optometrie und Optik aufgenommen.
 
optikum Redakteure haben unter anderem drei Workshops besucht um einen Einblick über die Fortbildungsveranstaltung zu erlangen.

Workshop: Practical skills in direct ophthalmoscopy
Pavel Beneš und Svatopluk Synek

In der direkten Ophthalmoskopie wird ein 2-3 Millimeter großes Feld unter 16facher Vergrößerung beobachtet. Pavel Beneš und Svatopluk Synek von der Masaryk Universität stellten bei ihrem Workshop den Simulator Eyesi® Direct Ophthalmoscope zum Trainieren an einem Phantomkopf mit virtuellen Klienten vor. Der Virtual Reality-Simulator wird dabei wie ein reales direktes Ophthalmoskop gehandhabt. Beim Blick durch das Ophthalmoskop können unterschiedliche Netzhautbilder von virtuellen Patienten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher ethnischer Herkunft evaluiert werden. Das Setting verhilft zu einem stressfreien Erlernen der direkten Ophthalmoskopie. Die Software enthält eine umfassende Datenbank an retinalen Pathologien.

Pavel Beneš

Der Phantomkopf beinhaltet vier Kameras – zwei in den Augen, eine im Kinn und eine in der Stirn – welche laufend die Handhaltung des Ophthalmoskops evaluieren und beurteilen. Mittels Touchscreen können Augenbewegungen des virtuellen Klienten gesteuert werden um bis in die periphere Retina zu beurteilen. Zudem kann die Pupillengröße – analog zu einer Dilatation – geändert werden. Auch kann eine exzentrische Fixation geprüft werden. Der/die Trainer/in kann an einem Bildschirm exakt jenes Bild sehen, welches der Student durch das Ophthalmoskop wahrnimmt.

Practical skills in direct ophthalmoscopy

Die Trainings sind in vier Gruppen aufgeteilt. Im Teil A wird die Handhabung des Ophthalmoskops geübt. Im Teil B projiziert das System farbige Objekte auf die Retina, welche aufgefunden werden sollen. Teil C bietet eine Einführung in die Anatomie und Pathologie der Retina. Gezeigt werden unauffällige und auffällige Befunde. Häufig vorkommende Pathologien werden demonstriert und beschrieben. Im Teil D überprüft die Software das erworbene Wissen im Rahmen eines Tests. Das System zeigt anschließend grafisch den evaluierten Netzhautbereich, die verwendete Lichtstärke, die Untersuchungszeit und die Vorgehensweise bei der Evaluierung der Retina.

Nach einer praktischen Trainingseinheit der Teilnehmer/innen referierte Svatopluk Synek zu verschiedenen retinalen Pathologien und deren Erscheinungsbilder und komplettierte damit den Workshop.

Workshop: Visual Stress in practice
Rupal Lovell-Patel und John Mc Gann

Bei einem Auftreten von visuellem Stress wird der Komfort beim Lesen nachteilig beeinflusst. Für die korrekte Evaluierung von Symptomen muss vorerst die binokulare Situation geklärt werden, da dekompensiertes Binokularsehen ähnliche Erscheinungsbilder zeigt. Auch ist initial eine umfassende Brillenrefraktion unabdingbar – die korrekte Korrektion sollte zudem bereits getragen worden sein, da erst danach weitere Evaluierungen Sinn machen.

Rupal Lovell-Patel und John Mc Gann

Nach einer Auffrischung des Wissens zu verschiedenen Binokulartests erklärte Rupal Lovell-Patel von der Anglia Ruskin Universität den Pattern Glare Test. Der Test beinhaltet eine Darstellung von drei verschiedenen Testbildern mit Hell-Dunkel-Streifen unterschiedlicher Frequenzen. Zudem zeigte die Referentin die konkreten Zusammenhänge von Lesetests und visuellem Stress.

Visual Stress in practice

Hinweise stellen bewegende Wörter, ineinander verschobene Wörter, Schatten im Text, Text welcher dreidimensional abgehoben vom Blatt erscheint, aufgehellter oder zu dunkel erscheinender Text und Probleme beim Lesen unter künstlichem Licht dar.

Visual Stress in practice

Die Referentin empfahl zur Linderung der Erscheinungsbilder eine Verwendung von speziell getönten Brillengläsern – etwa von Cerium. Die für den Klienten am besten geeignetsten Farben können zuvor mittels Folien evaluiert werden. Im Rahmen des Workshops wurden die einzelnen Tests besprochen und die Wirkung von unterschiedlichen Farben selbst ausprobiert.

Workshop: Evidence Based Clinical Decision-Making in Optometric Care
Melisa Vitek und Robert Andersson

Melissa Vitek und Robert Andersson von der Salus Universität hielten einen Workshop zum Thema Hilfestellung und Recherche zur Entscheidungsfindungen bei unterschiedlichen optometrischen Befunden. Melissa Vitek ermutigte die Teilnehmer/innen zum Beginn des Workshops Vermutungen und persönliche Erfahrungen immer zu hinterfragen. Als Beispiel brachte Sie den Zugang zum plötzlichen Kindestod, der bis zu den 80ern dazu führte, dass Fachpersonal Eltern empfahl ihre Kinder am Bauch schlafen zu lassen. Hintergrund war die Vermutung und die Erfahrung der Fachleute, dass Kleinkinder etwa beim Erbrechen in der Rückenlage schlechtere Chancen auf das Überleben hatten und dies als mögliche Ursache für einen plötzlichen Kindstod angenommen wurde. Erst die aufkommende, konkrete Frage nach einer signifikanten Untersuchung der Schlafstellung von Kleinkindern zeigte genau das Gegenteil auf – es stellte sich heraus, dass Babys in Rückenlage wesentlich bessere Überlebenschancen hatten als jene, die in Bauchlage schliefen. Übernommen auf die tägliche Praxis empfahl Vitek sich nicht nur auf persönliche Erfahrungen zu verlassen, sondern auch immer wieder Fragen nach relevanten Daten zu dem jeweiligen Themengebiet zu stellen.

Melisa Vitek und Janice Scharre

Im Weiteren Ihres Vortrages referierte Vitek zu den PICO und FRISBE Prinzipien, mit denen eine Formulierung und die Beantwortung optometrisch relevanter Fragen nebst einer nachfolgenden korrekten Handlungsweise erfolgen kann. Sie bot in dem Zusammenhang hilfreiche Tipps, wie in Datenbanken wie PubMed effektiv recherchiert werden kann. In praktischen Workshops von jeweils drei Kolleg/innen wurden in Folge nach dem PICA und FRISBE Prinzip konkrete Fälle erarbeitet und danach den anderen Gruppen präsentiert.

Weitere Impressionen von der Tagung