Augenblick! Ein neues Buch über Geschichte und Geschichten rund ums Auge

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Die Medizinhistorikerin und Medizinjournalistin Dr. Sibylle Scholtz hat ein beachtenswertes Buch über historische Begebenheiten rund um das Auge geschrieben. In ihrem neuen Werk stellt Sie dem Leser zwölf Menschen vor, deren Geschichte im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Auge oder einer Fehlsichtigkeit steht. Die Autorin hat es mit dem Buch geschafft auf spannendste Art und Weise dem Fachpublikum und den Laien Historisches zum Thema Sehen zu vermitteln.

Vom Lesestein zum Vorläufer der Augenlaserbehandlung

Wussten Sie zum Beispiel, dass der Erfinder des Lesesteins vor über 1000 Jahren in Ägypten lebte, optische Berechnungen mit Gleichungen des vierten Grades durchführte und sich trotzdem als geisteskrank ausgab?

Welche dramatischen Konsequenzen ein kurzsichtiger Herrscher im 17. Jahrhundert erlitt, erfährt der Leser beim Kapitel über Gustav II. Adolf, König von Schweden. Vielleicht wären heute mehr deutsche Staatsbürger Protestanten, wäre da nicht seine damals wenig bekannte Kurzsichtigkeit gewesen. Wie erging es eigentlich unseren Vorfahren, wenn ihnen ein Katarakt das Sehen raubte? Scholtz zeigt am Beispiel von Johann Sebastian Bach, wie lebensgefährlich die damals durchgeführte Technik des Starstichs war.

Die Erfindung der ersten Bifokalbrille durch Benjamin Franklin erleichterte Generationen nach ihm das Leben mit Presbyopie. Der große Mann des 18. Jahrhunderts erfand aber auch noch andere medizinische Erneuerungen und prägte Begriffe wie plus und minus. Der englische Maler William Turner stellte bereits als 15-jähriger seine Bilder in der Royal Academy in London aus. Der Künstler malte in seinem Leben etwa 20.000 Bilder. Ein fortschreitender grauer Star kann sich da durchaus durch veränderte Stil-Nuancen im Schaffen bemerkbar machen.

Durch seine Erfindung eröffnete Louis Braille vor etwa 180 Jahren den Blinden die Welt der Bücher. Mittels punktförmiger Erhebungen können Blinde seitdem komplexe Texte mit den Fingern ertasten. Wenig bekannt ist, dass der Genius auch eine Notenschrift für Blinde erfand. Kaiserin Elisabeths Bruder Carl Theodor war nicht ganz so bekannt wie seine kaiserliche Schwester. Dennoch gebühren ihn für über 5.000 durchgeführte Kataraktoperationen Respekt und Anerkennung. Der Augenarzt und Bruder von Kaiserin Elisabeth setzte sich unter anderem auch für finanziell schwache Augenleidende ein. Kurzsichtigkeit und Grauer Star setzten Claude Monet im fortgeschrittenen Alter zu. Der Vater des Impressionismus erfuhr mit zunehmender Krankheit eine veränderte Wahrnehmung der Farben, aber auch andere Details in seinen späteren Werken zeugen von einem Fortschreiten seiner Linsentrübung.

Eigentlich wollte der in Wien geborene Augenarzt Eduard Konrad Zirm ursprünglich Bildhauer oder Schriftsteller werden, entschloss sich dann allerdings doch Medizin zu studieren. Richtig berühmt wurde Zirm im Jahr 1905 – er führte die erste erfolgreiche Organtransplantation am Auge durch.

Erst in den späten siebziger Jahren setzte sich mehr und mehr die Implantation von Intraokularlinsen im Zuge von Kataraktoperationen durch. Die Entwicklung der ersten Intraokularlinsen verdanken wir einer Beobachtung des englischen Truppenarztes Harold Ridley an Militärpiloten im zweiten Weltkrieg.

Der Siegeszug der Kontaktlinse begann im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Mit nur unglaublich einfachen Hilfsmitteln erfand der tschechische Chemieprofessor Otto Wichterle 1961 die weiche Kontaktlinse in seiner heimatlichen Wohnung.

Laser sind aus der augenärztlichen Praxis nicht mehr wegzudenken. Der deutsche Ophthalmologe Gerhard Meyer Schwickerath entwickelte lange vor der Verfügbarkeit des Lasers einen Apparat, der Sonnenstrahlen in das Auge lenkte und behandelte damit bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts zahlreiche Netzhauterkrankungen.

Ausführliche Berichte über das Leben und die Erfindungen der 12 Pioniere findet man im neu erschienen Buch "Augenblick!". Dr. Sybille Scholtz garantiert mit ihrer neuen Publikation eine spannende Lektüre. Das 80 Seiten umfassende Buch ist im VDM Verlag Dr. Müller erschienen und kostet 43,20 Euro.

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