Dry Eye Disease – ein neues Standardwerk zum Thema trockenes Auge

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Im Thieme Verlag ist ein erwähnenswertes Buch zum Thema trockenes Auge in englischer Fassung erschienen. „Dry Eye Disease, the Clinician’s Guide to Diagnosis and Treatment“ besteht aus 20 Einzelarbeiten zu dieser relativ häufig auftretenden Erscheinung. Die Prävalenz des trockenen Auges ist ansteigend und hat multifakturelle Ursachen. Augenoptiker und Optometristen sind täglich mit dem Problemkreis trockenes Auge konfrontiert.

Risikogruppen

Alan Tomlinson beginnt im ersten Abschnitt des Buches mit einer Übersicht über die Epidemiologie des trockenen Auges. So ist ein trockenes Auge eines der häufigsten Gründe weswegen unsere Mitmenschen einen Optometristen oder Ophthalmologen aufsuchen. Als Risiko definiert Tomlinson Alter, Frauen (2:1), Augenentzündungen, Augenoperationen (insbesondere refraktive Chirurgie und Kataraktoperation), generell schlechter Gesundheitszustand, Medikamenteneinnahme, Kontaktlinsenträger, Rauchen und andere Umwelteinflüsse. Der Autor berichtet im Zusammenhang mit der höheren Prävalenz im Frauenanteil über reduzierte Androgenproduktion und die Verwendung von Hormonersatzstoffen als Mitauslöser eines trockenen Auges. Eine nicht unerhebliche Anzahl von Erkrankungen und Medikamenten begünstigt oder verursacht ein trockenes Auge. Tomlinson führt einzelne Erkrankungen (und dazu erstellte Studien) mit einem Häufigkeitsfaktor an einem trockenen Auge tabellarisch an.

Pathogenesis und Klassifikation

Im 2. Kapitel beschreibt Michael A. Lemp die Pathogenesis und Klassifikation eines trockenen Auges. Der Autor weist darauf hin, dass beispielsweise ein durch Muzinmangel ausgelöstes trockenes Auge in einem Vitamin A Mangel begründet sein kann. Lemp differenziert im Zusammenhang mit einem Sicca Syndrom zwischen verringertem Tränenvolumen, Muzindefiziten oder Störungen der Meibomschen Drüsen. Auch geht der Autor auf chronischen hyperosmolaren Stress und deren Auswirkungen ein. Er berichtet unter anderem auch über eine Studie aus dem Jahr 1996, welche bei 50% der Weichlinsenträger und bei 80% der RGP-Linsenträger Tränenfilmabnormalitäten aufgedeckt hat.

Fragetechnik und Untersuchungspraktiken

Das 3. Kapitel wurde von Kelly N. Nichols verfasst und beschäftigt sich mit der korrekten Aufnahme der Klientengeschichte, Symptomen und einer geeigneten Fragetechnik zur Erfassung eines trockenen Auges. Im 4. Kapitel beschreibt J. Daniel Nelson objektive Routinetests, welche zur Beurteilung eines trockenen Auges angewandt werden können. Nelson beschreibt habituelle Auffälligkeiten, Untersuchungspraktiken mit der Spaltlampe, Testmethodiken und Hilfsmittel. Das Kapitel schließt mit einer empfohlenen Vorgangsweise im Zuge einer Routinekontrolle hinsichtlich eines möglichen trockenen Auges.

Kapitel 5 berichtet über weitergehende Tests. Autor Christophe Baudouin beschreibt unter anderem die Interferenzmethode, mit der die Qualität der Lipidschicht des Tränenfilms beurteilt werden kann. Weitere Schwerpunkte dieses Kapitels bilden die Beschreibung der conjuntivalen Impressionszytologie, des Osmolaritätstest, der Elektrophorese, der Messung von Lactoferrin Lysozymen und dem Ferning Test. Kapitel 6 wurde von Maurizio Rolando und Marina Papadia verfasst und beschäftigt sich mit dem Erkennen von Lid- und Corneaproblemen und möglichen Hilfeleistungen für Betroffene. Einleitend befassen sich die Autoren nochmals mit der Anatomie und Physiologie des Tränenapparates. In weiterer Folge erklären die Autoren die Klassifikation unterschiedlicher Blephariden.

Tränenersatzmittel und deren Zusammensetzung

Im 7. Kapitel geben Kazuo Tsubota und Murat Dogru eine Übersicht über mögliche Behandlungsmethoden eines trockenen Auges. So erfährt der Leser unter anderem Interessantes über corneale Effekte bei der Verwendung von Tränenersatzmitteln unterschiedlicher Zusammensetzung. Das 8. Kapitel berichtet über die Rolle von Entzündungsprozessen im Falle trockener Augen. Stefano Barabino, Saadia Rashid und M. Reza Dana erklären den Einsatz von Cyclosporin A, topischen Kortikosteroiden, nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID), Tetracyclinen und gesättigte Fettsäuren.

Das 9. Kapitel zeigt mögliche ergänzende und alternative Strategien für Klienten mit trockenen Augen. So fasst Janine A. Smith die Erkenntnisse über Akupunkturbehandlungen und Nahrungsergänzungs-Stoffen zusammen. Wiewohl viele Präparate laut Smith kontrovers diskutiert werden, zeigt die Autorin Studien, die einige Stoffe als möglicherweise sinnvoll zur Verwendung beim Vorliegen eines trockenen Auges erscheinen lassen. Kapitel 10 gibt einen Überblick über neue Ansätze zur Linderung eines trockenen Auges mit Hilfe von Muzinstimulatoren und Hormonersatzstoffen. Die Autoren Harminder Singh Dua und Friedrich E. Kruse berichten über neuartige, klinische Ansätze für Klienten mit trockenen Augen.

Kontaktlinsen und refraktive Chirurgie

Penny A. Asbell und Ömür Ö. Ucakhan berichten im 11. Kapitel über den Zusammenhang von trockenen Augen und Kontaktlinsen. Die Autoren beleuchten in diesem Abschnitt des Buches die Epidemiologie, die Symptome und mögliche Tests um ein trockenes Auge bereits vor der Kontaktlinsenanpassung zu erfassen. Weiters geben die Autoren Auskunft über mögliche Strategien bei der Kontaktlinsenanpassung an trockenen Augen. Jay S. Pepose und Mujtaba A. Qazi schreiben im 12. Kapitel über trockene Augen nach refraktiver Chirurgie, welches häufig in der frühen postoperativen Phase auftreten kann. Klienten welche bereits präoperativ mit Fluoreszein oder Bengalrosa anfärbbare Epitheldefekte aufweisen haben laut den Autoren ein höheres Risiko für ein Sicca Syndrom mit Beschwerden nach einem LASIK Eingriff.

Im 13. Kapitel schreiben Charles D. Reilly und Mark J. Mannis über Diagnose und Behandlung eines stark ausgeprägten, trockenen Auges. Neben Pathologien wie dem Steven-Johnson-Syndrom, dem okulären Pemphigoid und dem Sjögren Syndrom, befassen sich die Autoren auch mit den Erscheinungsbildern nach einer refraktiven Chirurgie.

Kapitel 14 erweist eine Übersicht über chirurgische Möglichkeiten zur Behandlung eines trockenen Auges. Friedrich E. Kruse und Leonhard M. Holbach erklären unter anderem den Einsatz von Punctal Plugs. Im 15. Kapitel erklären Shigeru Kinoshita und Norihiko Yokoi systemische Auslöser trockener Augen, wie zum Beispiel beim Sjögren Syndrom. Auch gehen die Autoren auf Hormon basierende Initiatoren wie Androgene, Östrogene und Hormonersatzbehandlungen ein. Gary N. Foulks widmet sich im 16. Kapitel klinischen Versuchen zum Themenkomplex. Im 17. Kapitel erhält der Leser von Gary D. Novack eine Übesicht über Online-Literaturquellen zum Thema trockenes Auge um am neuesten Stand zu bleiben. Im 18. Kapitel werden von Teruo Nishida zukünftige Trends in der Behandlung trockener Augen verdeutlicht. Ein ausführliches Stichwortverzeichnis komplettiert das vorliegende Werk.

Fazit

Die 27 Autoren haben in 20 Kapiteln ein neues Standardwerk in englischer Sprache zum Thema trockenes Auge verfasst. Ein trockenes Auge kann zum Beispiel mit refraktiver Chirurgie, Kataraktoperation, Dauermedikamentation und dem Tragen von Kontaktlinsen im Zusammenhang stehen. Das frühzeitige Erkennen eines trockenen Auges und das Wissen über adäquates Management ist deshalb nicht nur für Ophthalmologen sondern auch für Optometristen und Kontaktlinsenoptiker von Bedeutung. Die Aufteilung in unterschiedliche Schwerpunkte macht das Buch auch zu einem hervorragenden Nachschlagewerk im Anlassfall.

Das 215 Seiten starke, im Thieme Verlag aktuell erschienene Buch "Dry Eye Disease" kostete zum Zeitpunkt dieses Artikels € 120,18 und kann bequem online bestellt werden.