Entspanntes Sehen in der digitalen Welt von heute

Entspanntes Sehen wird heutzutage durch beruflich bedingte Anforderungen als auch durch wesentliche Änderungen der sozialen Kommunikationswege im Freizeitbereich negativ beeinflusst. Das der Physiologie des Auges entsprechende natürliche Sehen tritt immer mehr in den Hintergrund.  Die Anforderungen an das tägliche Sehen ändern sich.

Entspanntes Sehen ist nicht im Wesentlichen der Ausgleich des refraktiven Defizites der Augen durch Vollkorrektion, sondern enthält weitere subjektive Komponenten des Menschen.

Zudem ist Sehen keine isolierte Funktion, sondern ein komplexer Prozess des gesamten Aktions-Systems des Körpers.

„Die moderne Augenoptik/Optometrie betrachtet das Sehen als eine Psycho-physiologische Korrelation und glaubt, dass eine solche Interpretation der einfachen, mechanischen Optik überlegen ist. Die Augenoptik/Optometrie dient der Anpassung des visuellen Systems auf Naharbeit, auf die sich der menschliche Organismus bis heute nicht genügend hat anpassen können.“ [1]

Hängt der Mensch in seiner evolutionären Entwicklung seines Sehapparates der Technologie nach? 

Computer werden immer leistungsfähiger, schneller, billiger und prominenter in unserer Gesellschaft, der Mensch aber hat eine biologisch bedingte Wahrnehmungsgrenze. Bei deren Überschreitung ist besonders das Sehen in seiner Komplexität nur noch angestrengt möglich.  

In diesem Artikel wird die Ist-Situation und mögliche Ansätze für entspanntes Sehen im Alltag dargestellt.

Unsere Augen

Das Sehen des Menschen hat sich auf Grund der evolutionären Entwicklung vom einfachen Dämmerungsehen, welches durch geringere Farbdifferenzierung gekennzeichnet ist, zu einem hochspezifischen Farbsehapparat entwickelt. Die Anforderungen waren einfach: Rote oder gelbe Früchte mussten vom Grün der Blätter differenziert werden. 

Da wir von einem Stern leben dessen Strahlungsmaximum bei ca. 500 nm liegt, ist es nicht verwunderlich, dass die Augen deswegen auch im gelb/grünen Bereich bei 555 nm im photopischen Sehen am  empfindlichsten sind. Damit kommt die Empfehlung, unter Tageslicht die Augen entspannen zu können, nicht von ungefähr. 

Sicherlich muss ein entspannter Sehvorgang auch in der dem Auge möglichen Qualität, also Auflösung, dargestellt werden. Aus dem Grund ist das Thema HD oder Ultra HD im Multimedia-Bereich aktueller denn je. Das Retina Display ist Apple-Nutzern ein Begriff, aber welche physiologischen Hintergründe verbergen sich dahinter?

Zum einen der Visus, der vom retinalen Ort der Abbildung sowie vom Kontrast abhängig ist und zum anderen von einer spezielleren Wahrnehmung, der Noniussehschärfe, bei der das Auge Sprünge in einer Kontur sogar unter einem Sehwinkel von 5-10 Bogensekunden dedektieren kann.

Aber der wirklich scharf abbildende Bereich der Netzhaut, die Fovea, macht lediglich 2° des Blickwinkels aus. Das entspricht einer Fläche, welche Sie bei ausgestrecktem Arm mit dem Daumen abdecken können! Hier tummeln sich ausschließlich ca. 70.000 Zapfen. Beim Sehen macht das Auge allerdings ständig minimalste Bewegungen (Field Sweaping), das Gehirn setzt die scharf gesehenen Informationen zu einem Bild zusammen – man könnte das mit einem Panoramabild vergleichen, das erst im Computer zu einem großen Bild zusammengesetzt wird.

In der Summe nimmt das Auge auf diese Weise im wesentlichen horizontal rund 40° wahr, vertikal 30°. Die Auflösung beträgt dabei rund 1 Bogenminute (= Visus 1.0), was horizontal 2.400 Spalten und vertikal 1.800 Zeilen entspricht. Vergleichen wir dies mit einer Digitalkamera ist das gleichzusetzen mit einer Auflösung von 4,32 Megapixel bei einem durchschnittlichen Zapfenabstand von 2,5 µm. Diesen Wert überschreiten heute bereits einfache Smartphonekameras. Berücksichtigt man die zur Farbdarstellung nötige Mehrzahl an Pixeln kann eine Digitalkamera mit einer Sensorauflösung von 5,4 bis 7,2 Megapixel analog dem Auge auflösen. Alles was darüber ist löst höher auf, als wir „auf einen Blick“ mit dem Auge wahrnehmen können.

Sofern man den physiologischen Betrachtungsabstand einhält, das ist der Abstand aus dem man das Bild noch als Ganzes wahrnimmt, ist diese Auflösung völlig ausreichend. Anders sieht es selbstverständlich aus, wenn wir näher an das Bild herangehen, um einzelne Details zu sehen. Das setzt aber nicht nur eine höhere physikalische Auflösung voraus, wie sie bei Retinadisplays zu finden ist, sondern auch eine nötige Einstellung des Auges auf den betrachteten Abstand.

Sehen heute

Analysiert man das Sehverhalten unter den heutigen, täglichen Gegebenheiten so spielt massgeblich das Thema Arbeitsplatz mit seinen visuellen Anforderungen und körperlichen Belastungen eine wichtige Rolle. Bereits 2/3 der Arbeitsplätze sind fast ausschliesslich Computerarbeitsplätze, die uns Augenoptikern/Optometristen mit besonderen Sehanforderungen in unserer alltäglichen Praxis wohl bekannt sind. 

Aber was passiert nach der Arbeit?

Beobachten Sie einmal bewusst z.B. eine wartende Menschenmenge am Bahnsteig.

Es stechen hier eher die Personen hervor, welche eben nicht das Smartphone zum Zeitvertreib nutzen. Der klassische Zeitungsleser hätte eine deutlich entspanntere Lesedistanz aufgrund höherer Schriftgrösse. Denn trotz Retinadisplays müssen Smartphones näher gehalten werden um die Schrift zu erkennen oder Texte zu überblicken.

Die dazu nötige Haltung wird heute schon von Orthopäden als Volkskrankheit „Smartphone Nacken“ bezeichnet. Der Ausdruck Volkskrankheit zeigt bereits wie dominant das Smartphone in unsere Gesellschaft eingebunden ist. Bei jungen Menschen wird auch von „Social-Media-Sucht“ gesprochen.

Nach einer von Swisscome bei GDI (Gottlieb Duttweiler Institute for economic and social studies) beauftragten Studie zeigt sich klar wie sich Vernetzung weiter entwickeln wird oder bereits entwickelt hat.

Galifa Statistik

 „Früher hat sich einmal pro Abend mit den Hauptnachrichten das Medienfenster in die Welt geöffnet. Heute fliessen Meldungen, Informationen und Unterhaltungen unausgesetzt und vielarmig in den Digitalen Stream. Sonderbare Dinge wie Testbild oder Sendeschluss kennen junge Mediennutzer nicht mehr. Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand. [ … ] Always on ist die Grundlage der neuen Lebensweise, die „ONLINE SEIN“ heisst.“ [2]

Entspanntes Sehen unter neuen Anforderungen!

Welche Anforderungen werden nun durch die neuen visuellen Gewohnheiten an die Augenoptik/Optometrie gestellt?

Dauernde visuelle Nahbelastung wird Ihnen sicher häufig durch Symptome wie asthenopische Beschwerden, Augenbrennen, tränende rote Augen etc. geläufig sein. Dies ist schon lange kein Thema mehr, welches nur Presbyope betrifft, sondern auch junge Menschen bei denen Sie z.B. mangels Lidschlagfrequenz Probleme mit Akzeptanz von Contactlinsen haben. 

Die Menschen sind für die neuen Sehanforderungen (noch?) nicht angepasst. Aber lassen wir der Evolution ihre Zeit… . Bis dahin ist der Mensch durch die aktuellen Sehaufgaben mit einer fast permanenten Belastung von mindestens 1 dpt Akkomodation konfrontiert. 

Es muss also unsere Aufgabe sein, Sehen im neuen Alltag zu unterstützen ohne den nötigen guten Fernvisus zu belasten. Zusätzlich wird diskutiert, ob Nahstress bedingt durch defokusierte, hyperope, periphere Abbildung auf der Netzhaut als Verursacher von Myopie gilt.  

Entspanntes Sehen durch Akkommodationsunterstützung 

GALIFA SCALIA

Galifa hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ihnen ein Instrument zur Minimierung nahstressbedingter Symptome anzubieten.

Aufbauend auf die bewährten Galifa Komfort-Geometrien stellen wir Ihnen ein akkommodationsunterstützendes  Contactlinsendesign  – das Scalia Design – vor. Ziel hierbei ist es eine Alltagstauglichkeit mit effizienter Nahunterstützung für entspanntes, gesundes Sehen zu bieten um die neuen Lebenssituationen Ihres Klientels bedienen zu können. Erhätlich als formstabile grenzlimbale Modula L Scalia und als weiche individuelle Halbjahreslinse Invispa Scalia. 

 

 

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Die Schweizer Präzisions-Contactlinsen.

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Internet: www.galifa.ch
Email: info@galifa.ch

Infos zum Autor:

Dirk Seidel, staatlich geprüfter Augenoptiker und Augenoptikermeister, Studium in Limburg-Dietz mit Abschluss 1997, seither als Anpasser in einem Optikgeschäft und als Leiter einer Contactlinsen-Geschäftseinheit tätig, seit November 2009 Berater beim Galifa Professional Service in St. Gallen.

Quellen:

[1] Zitat: Visuelle Analysen, Leo Manas, Seite 6 
[2] GDI, Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft, Seite 8 ff, 2014

Coverbild ©Piotr Marcinski – Fotolia.com

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