Zum Gedenken an Dr. Günther Minkwitz

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Dr. Günther Minkwitz

Im Jahr 1963 bewies Dr. Günter Minkwitz am Institut für Optik und Spektroskopie der Akademie der Wissenschaften im ehemaligen Ost-Berlin, einen mathematischen Zusammenhang bei Gleitsichtgläsern. Seine Arbeit ist bis heute als „Satz von Minkwitz“ jedem Optiker bekannt und in der Standardliteratur der augenoptischen Lehrbücher zu finden. Der am 13.07.1935 geborene Wissenschaftler verstarb mit 80 Jahren am 11.01.2015.

Berechnungen zum Progressionskanal von Gleitsichtgläsern

Die Erkenntnisse Minkwitz’s bilden bis heute eine der wichtigsten theoretischen Grundlagen für die Berechnung von Gleitsichtgläsern. Er zeigte erstmals mathematisch auf, dass die Breite des Progressionkanals auf Grund der notwendigen Brechkraftänderung in Richtung Plus eingeschränkt ist und noch dazu mit zunehmender Addition schmäler wird.

Dr. Günther MinkwitzDr. Günther Minkwitz am 21. Fielmann Akademie Kolloquium im März 2013

Erkenntnisse aus dem Satz von Minkwitz

  1. Prinzipiell nimmt der Flächenastigmatismus (der durch die Brechkraftänderung in Richtung Plus entsteht) von der Glasmittellinie zur Seite hin kontinuierlich zu.
  2. Zudem wird der Progressionskanal mit zunehmender Addition auch noch enger.
  3. Dafür wird der Progressionskanal mit zunehmender Länge breiter.

Konsequenzen in der täglichen augenoptischen Beratungspraxis

  1. Die Addition sollte prinzipiell so niedrig wie möglich gewählt werden. 
  2. Vor allen starke Additionssprünge (> 0,50 dpt) von der aktuellen zur neuen Gleitsichtbrille sollten tunlichst vermieden werden.
  3. Auch wenn die augenoptische Industrie kurze Kanäle anbietet – eine zu geringe Scheibenhöhe führt nunmal zu einem engeren Progressionskanal. Daher sollten tendenziell auch heute noch eher etwas höhere Scheibenformen in Betracht gezogen werden.

Harte und weiche Gleitsichtglasdesigns

Je länger der Progressionskanal eines Gleitsichtglases ist, desto besser ist der Flächenastigmatismus über das Brillenglas verteilt. Gleitsichtgläser mit mit einem „weichen Design“ weisen längere Progressionskanäle auf. In Folge sind zwar die Fern- und Nahzonen nicht ganz so breit wie bei „harten Designs“, dafür ist aber der Flächenastigmatismus besser über das Brillenglas verteilt. Der bekannte Schaukeleffekt bei Kopfwendungen fällt bei „weichen Designs“ schwächer aus. Allerdings verringert sich die Sehschärfe außerhalb der Glasmittellinie zur Seite hin rascher als bei „harten Designs“.

„Harte Designs“ mit kürzeren Progressionskanälen sind für breite Fern- und Nahteile optimiert. Außerhalb dieser Bereiche ist jedoch ein starker, ortsabhängiger Flächenastigmatismus präsent. Die daraus resultierenden Schaukelbewegungen können die Eingewöhnung für den Träger zur Herausforderung werden lassen.

Dr. Günther Minkwitz
In Memoriam Dr. Günther Minkwitz – 1935 bis 2015

Alle Fotos mit freundlicher Zuverfügungstellung der Fielmann Akademie Schloss Plön.
Die optikum Redaktion dankt!