HOYA Kaminabend mit Prof. Dr. Peter Heilig

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Durch die stetige Qualitätssteigerung der digitalen Bildschirme nimmt auch die Emission von blauem Licht zu. Hinzu kommt, dass die meisten Geräte mit zunehmender Häufigkeit und Intensität genutzt werden, sei es im Beruf oder in der Freizeit. Am 17. Oktober 2013 lud HOYA Österreich in diesem Zusammenhang zu einem Kaminabend mit dem Augenarzt Prof. Dr. Heilig in die Beletage des Cafe Landmann in Wien. Das Thema des Abends war die Auswirkung von sichtbarem Licht im Allgemeinen auf das Auge.

Neue Beschichtung – Blue Control

Ing. Christian Zsidek erklärte in seiner Begrüßung des Auditoriums die Vorzüge der Blue Control Beschichtung und übergab danach das Wort an Prof. Dr. Heilig. Er nahm den Faden auf und referierte über schädliche und unangenehme Lichtintensitäten. So verwies Heilig unter anderem darauf, dass "das kurzwellige, sichtbare Licht doppelt so viel Elektronenvolt im Vergleich zum langwelligen, sichtbaren Licht aufweist. Mit der Dauer der Exposition führt diese Energie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu makulären Schäden. Zudem werden wir älter als zu früheren Zeiten."

Zudem hinterfragte Heilig die negativen Auswirkungen durch Blitzfotografien bei Neugeborenen – und sei es nur aus emotionaler Betrachtung aus der Sicht des Neugeborenen. Auch verurteilte Heilig die Idee von Filtergläsern mit angeblicher Kontraststeigerung bei Nachtfahrten. "Diese Filter reduzieren auf jeden Fall die Transmission des Brillenglases und kann deshalb für Nachtfahrten nicht empfohlen werden", so Heilig.

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Blauer Anteil im Licht steigt

Überhaupt sei der blaue Anteil im Licht in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Abgesehen von den in der Automobilindustrie verwendeten, und von vielen als vielen unangenehm empfundenen Xenon-Leuchten, blenden mittlerweile sogar Radfahrerlampen mit einem extrem intensiven, blaulastigen Licht. Heilig sprach in dem Zusammenhang von einem "Aufblendlicht" an Stelle eines Abblendlichts.

"Für das scharfe Sehen ist dieser Trend zum starken Blauanteil im sichtbaren Licht jedoch keineswegs notwendig", versicherte Heilig. "In der Fovea befinden sich nur etwa 6% Blauzapfen (S-Cones). In der Foveola fehlen sie nahezu gänzlich. Für das scharfe Sehen in der Nacht ist ein blauer Lichtanteil also völlig sinnlos."

Inattentional Blindness

Noch härter ins Gericht zog Heilig mit den Xenon Tagfahrlichtern. Diese können laut Heilig zu einer Unaufmerksamkeitsblindheit (auch Blindheit wegen Unaufmerksamkeit – einer inattentional blindness) führen. Es ist dies die Nichtwahrnehmung von Objekten, bedingt durch die eingeschränkte Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig die Funktionen "Sehen" und "Wahrnehmen" exakt zu unterscheiden. So kann man zwar "Sehen" aber "Nicht-Wahrnehmen". Diese Differenzierung entsteht wegen der kapazitiven Überforderung kognitiver Prozesse (z.B. der Visual Short Term Memory), aufgrund des Überschreitens einer kritischen Zahl und Intensität peripherer, bewegter Lichtreize. Als Prophylaxe gegen das "Nicht-Wahrnehmen" und den daraus folgenden Konsequenzen empfahl Heilig ein Überdenken der "Licht-Hygiene" bei den technischen Entwicklungen.

Die Netzhaut reagiert auf ein einzelnes Photon

Dabei würde man auch mit etwas weniger Licht gut auskommen. "Bereits ein Quäntchen Licht löst die messbare Antwort eines Stäbchens aus, dies ist elektrophysiologisch verifizierbar. Wahrnehmungs-Prozesse werden ausgelöst, wenn mehrere – erstaunlich wenige – Photonen als Stimulus die Schwelle erreichen. Die Stäbchen (auch die Melanopsin exprimierenden retinalen Ganglienzellen) führen bei steigender Lichtintensität über Verschaltungen zu einer geringeren Sensitivität der Zapfen. Sehbehinderte, bei denen die Stäbchen, Zapfen oder diese Querverschaltungen gestört sind, weisen eine höhere Blendempfindlichkeit auf", erklärte Heilig.

Geboren, aufgewachsen und ausgebildet in Wien

Prof. Dr. Heilig wollte ursprünglich Karikaturist werden, entschied sich aber doch für das Medizinstudium. Er begann im Institut für Allgemeine und Vergleichende Physiologie in Wien. Seine weiteren Stationen umfassten das Department of Ophthalmology and Viusal Science in Iowa und die Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien. Er beschäftigt sich unter anderem mit Netzhautdiagnostik, Netzhauttherapie, Prophylaktische Ophthalmoskopie und jüngst mit der Historie der ältesten Augenklinik der Welt – der Wiener Augenklinik.

Heilig begleitete seinen interessanten und unterhaltsamen Vortrag durch plakative Beispiele und veranschaulichte dem Auditorium das Thema Blauanteil im sichtbaren Licht unter anderem anhand seiner selbst gemalten Bilder.

Mehr zum Thema: Quanten-Physik. Wahr genommen. Von Prof. Dr. Peter Heilig.