IVBS-Kongress beleuchtet aktuelle Themen

0
4026 mal gelesen
IVBS Praesidium

Die Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen (IVBS) hatte für ihren 28. Jahreskongress die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz ausgewählt. Auf dem Vortragsprogramm standen aktuelle Themen wie die sogenannte „3D-Refraktion“. Der Kongress fand im Vorfeld des Tages der Optometrie statt, zu dem IVBS, VDCO und ZVA nach Mainz eingeladen hatten. Gut 320 Anmeldungen zu den beiden Tagungen dieses Wochenendes und eine überaus positive Resonanz seitens der Teilnehmer belegten die Notwendigkeit derartiger Fortbildungsveranstaltungen auf hohem fachlichem Niveau.

Aktuelles Wissen zur „3D-Refraktion“

Der erste Vortragsblock auf dem IVBS-Kongress widmete sich dem zurzeit in der Branche viel diskutierten Thema „3D-Refraktion“. Nachdem Georg Stollenwerk in seinem Eröffnungsvortrag offene Fragen zum Umgang mit den neuen Systemen aufgezeigt hatte, stellten Olaf Schmidt-Kiy und Markus Leicht Forschungsergebnisse aus Plön bzw. Jena vor. Demnach lassen sich mittels „3D-Refraktion“ keine genaueren Ergebnisse erzielen als mit einer konventionellen Brillenglasbestimmung. Die anschließende Diskussionsrunde machte deutlich, dass großes Interesse an der Thematik besteht und weitere strittige Aspekte zu klären sind.

Ein neues Sehprüfgerät von Hoya

Im Anschluss präsentierte Volkhard Schroth ein neues Verfahren zum Bestimmen von Fixationsdisparation. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag der Firma Hoya, welches auf dem IVBS-Kongress erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Eine wesentliche Besonderheit ist, dass prismatische Korrektionen allein aufgrund von Auswanderungen an den Testen berechnet werden, also ohne Vorschalten von Prismengläsern. Der Klient justiert die Testfiguren über ein Tablet in eine vordefinierte Nullstellung. Neben neuen FD-Testen und Hinweisen zu deren Anwendung konnte Schroth erste Daten einer multizentrischen Feldstudie präsentieren. Demnach bewirken die mit dem neuen Gerät ermittelten prismatischen Gleitsichtbrillen deutlich geringere Asthenopie und größere Zonen in 40 und in 80 cm Entfernung.

MKH in der Praxis

Passend zum vorangegangenen Vortrag frischte Peter Henrik Koch das notwendige Wissen auf, damit Gleitsichtbrillen mit prismatischer Wirkung erfolgreich funktionieren. In seinem praxisbezogenen Vortrag motivierte er die Teilnehmer, bestimmte Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen. Sehr anschaulich erläuterte er die Prozesskette, an deren Beginn die Auswahl der geeigneten Messmittel steht. Stephan Bitterli präsentierte einen besonderen Praxisfall, der als Resümee zeigte, dass Refraktionsgleichgewicht für die Ferne sichergestellt sein muss, bevor an den MKH-Testen geprüft wird. „Nutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Informationsquellen, auch wenn diese scheinbar nichts mit dem Polatest zu tun haben“, war seine Botschaft an die vielen anwesenden Praktiker.

Ärztliches Fachwissen

Die Allgemeinmedizinerin und Osteophathin Dr. Petra Kramme referierte über Wechselwirkungen zwischen Binokularkorrektion und Funktion der Halswirbelsäule. Nach einem Überblick zu Grundgedanken der Osteopathie und therapeutischem Ansatz, erläuterte sie die Hierarchie ihrer Behandlung. Bei Verdacht auf assoziierte Heterophorie strebt sie in Zusammenarbeit mit qualifizierten MKH-Anwendern eine prismatische Korrektion an. Im Anschluss stellte der Augenarzt Dr. Ernst Höfling minimalinvasive Augenmuskeloperationen vor. Zunächst fasste er die Indikationen für eine Schieloperation zusammen und erläuterte deren Ablauf und Auswirkungen. Besonders eindrucksvoll war danach ein Film, der eine Augenmuskeloperation mittels Kleinschnitttechnik zeigte.

Kontaktlinsen mit prismatischer Wirkung

Abschließend stand ein für IVBS-Kongresse eher ungewöhnliches Thema auf dem Programm: Es ging um Kontaktlinsen, jedoch interessanterweise mit prismatischer Wirkung. Zunächst informierte André Schuflitowski von der Schweizer Kontaktlinsenfirma Appenzeller über die technischen Möglichkeiten: Bis zu 4 pdpt lassen sich pro Linse in allen Basislagen realisieren, als Materialien stehen GMA und Contaflex zur Verfügung. Jörg Weinhold berichtete danach über seine praktischen Erfahrungen mit diesen Kontaktlinsen und zog ein positives Fazit. Sein Vortrag enthielt darüber hinaus wertvolle Tipps zur Messung des Oberlidwinkels und für die Anpassung.

IVBS Plenum

Kollegiale Atmosphäre

Zu allen Vorträgen fanden angeregte Diskussionen statt. Die stets sachlichen Fragen aus dem Auditorium spiegelten die harmonische Stimmung des Kongresses wider. Diese fand ihre Fortsetzung beim Abendessen, das als gemeinsame Abendveranstaltung von IVBS-Kongress und Tag der Optometrie ausgerichtet wurde. Fachlicher Erfahrungsaustausch und kollegiales Miteinander prägten schöne Stunden in einem italienischen Restaurant in der Nähe des Kongresshotels. Der tags darauf abgehaltene Tag der Optometrie bot weitere acht hochkarätige Vorträge zu unterschiedlichen Fachgebieten des Optometristen. Moderiert wurden die Vorträge von IVBS-Präsident Georg Stollenwerk.

Georg Stollenwerk als Präsident wiedergewählt

Das bisherige Präsidium der IVBS wird auch in den nächsten drei Jahren die Geschicke der wissenschaftlichen Vereinigung lenken. Auf der Generalversammlung wurde Georg Stollenwerk ebenso in seinem Amt als Präsident bestätigt wie der übrige Vorstand: Vizepräsident wurde erneut der Koblenzer Augenarzt Dr. Fritz Gorzny, Matthias Dahl ist weiterhin Kassier, und Jörg Tischer hat wieder das Amt des Aktuars inne. Auch alle weiteren Ehrenamtsträger wurden in ihren Ämtern bestätigt. Der Schweizer Augenarzt Dr. Urs Schmied wurde von der Generalversammlung einstimmig zum Ehrenmitglied der IVBS ernannt.

IVBS-Kongress 2016

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress: Organisatorisch richtet sich bei der IVBS der Blick bereits auf die nächste große Tagung. Am 7./8. Mai 2016 wird in Lahnstein der 29. Jahreskongress stattfinden. Am ersten Tag werden Praxisseminare angeboten, für den zweiten Tag wird ein interessantes Vortragsprogramm zusammengestellt. Informationen dazu folgen auf www.ivbs.org.