Neu im Thieme Verlag: Atlas des Augenhintergrundes

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Wenn Optometristen routinemäßig den Augenhintergrund ihrer Klienten ansehen ist zum Ausschluß von Pathologien und Aufdecken von Veränderungen im Bereich der Netzhaut umfassendes Wissen notwendig. Der praktizierende Optometrist muss in diesem Zusammenhang zwischen unauffällig und auffällig unterscheiden und die Veränderungen Pathologien zuordnen können. Der im Thieme Verlag erschienene Atlas des Augenhintergrundes kann dazu ein zusätzliches Hilfsmittel darstellen.

Im ersten Kapitel vom Atlas des Augenhintergrundes werden bildgebende Methoden zur Untersuchung des Augenhintergrunds, wie Fluorescein Angiografie, Indocyaningrün Angiografie, Stereoangiografie, Fundusfotografie, das neue nichtinvasive Verfahren des Fundusautofluorescein, Nahinfrarot-Autofluoreszenz, OCT und Ultraschall erklärt. Im darauf folgenden kurz gehaltenen zweiten Kapitel wird auf Nebenwirkungen der Angiografie und die Behandlung eines anaphylaktischen Schocks eingegangen. Das dritte Kapitel behandelt die Klassifikation der alterbedingten Makulaerkrankung. Laut den Autoren liegt die 10-Jahres-Inzidenz in westlichen Industrieländern derzeit bei etwa 13%. In den Unterkapiteln der alterbedingten Makulaerkrankung geben unter anderem anspruchsvolles Bildmaterial eine Übersicht über die Stadien einer altersbedingten Makulopathie. Aktuelle Therapien und neuere Therapieansätze werden gleichermaßen erklärt. So können zum Beispiel oral verabreichte Fenretinide einen positiven Effekt in der Verlangsamung einer AMD Progression haben. Im weiteren erhält der Leser mit Fundusfotos dokumentierte Diagnosen zur klassischen und okkulten Neovaskularisationen bei einer AMD. Während es bei einer okkulten CNV (Choroidal Neovascularization) im Regelfall zu einer schleichenden Visusreduktion kommt, ist eine rasche Visusreduktion ein Zeichen einer klassischen CNV bei einer AMD. In beiden Fällen wird in diesem Zusammenhang über die intravitreale Anti-VEGF-Therapie als Ansatz zur Verlangsamung einer AMD Progredienz berichtet. Zur besseren Differenzierung werden auch andere Ursachen einer CNV wie Myopie, Entzündungen, Angoid Streaks, Traumen, Makuladystrophien und idiopathisches in Wort und Bild erklärt.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit hereditären Retinopathien – unter anderem mit der häufigsten Erscheinungsform einer solchen – der Retinitis Pigmentosa. Im weiteren folgen Leber’sche kongenitale Amaurose, Chorioideremie und Atropia gyrata. Desweiteren werden Zapfen-Stäbchen-Dystrophien, die X-chromosomale kongenitale Retinoschisis und die häufigste hereditäre Makuladystrophie – der Morbus Stardardt erklärt. Bei letzterem ist eine Mutation des ABCA4-Gens die häufigste Ursache. Dadurch, dass ein Auftreten eines Morbus Stardardt auch nach dem fünfzigsten Lebensjahr möglich ist, kann diese Erkrankung auch mit einer AMD verwechselt werden. Für den beratenden Optometristen ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass bei einem Morbus Stardardt die Gabe von Vitamin A streng kontraindiziert ist. Weiters werden Morbus Best, adulte vitelliforme Makuladystrophien, hereditäre vaskuläre Retinopathien und seltenere Nethhauterkrankungen behandelt.

Während das fünfte Kapitel unterschiedliche Tumore am hinteren Augenpol erklärt, wird dem sechsten Kapitel den häufigeren vaskulären Retinopathien, wie zum Beispiel den Auswirkungen einer diabetischen Erkrankung oder Hypertonie im Auge gewidmet. Das siebente Kapitel handelt diverse Makulaerkrankungen ab, während im achten Kapitel entzündliche und autoimmune Prozesse besprochen werden. Im Kapitel neun finden sich Pathologien des Sehnervs. Ein Abkürzungsnachweis komplettiert den Atlas des Augenhintergrundes.

Fazit

Der im Thieme Verlag erschienene Atlas des Augenhintergrundes ist ein sehr gutes Standardwerk für die Bibliothek des praktizierenden Optometristen. Veränderungen und Pathologien des Augenhintergrundes sind sehr verständlich und aufs wesentliche fokussiert beschrieben. Besonders toll sind die vielen brillianten Abbildungen und Fundusfotografien, die beim Nachschlagen und Einordnen von erkannten Veränderungen sehr hilfreich sind.

Der 230 Seiten starke Augenatlas umfasst 860 Abbildungen, ist im Thieme Verlag erschienenen, kostete zum Zeitpunkt dieses Artikels € 154,15 und kann bequem online bestellt werden.