Neu in DOZ Verlag: Optometrische Funktionsprüfungen

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Die Veränderungen der europäischen und internationalen Rahmenbedingungen führen vermehrt zu einer umfassenden Verantwortung der Optometristen und Augenoptiker betreffend der Gesundheit des Sehsystems ihrer Kunden. Im DOZ-Verlag ist zu diesem Schwerpunkt ein weiteres Fachbuch erschienen, welches sich mit den optometrischen Funktionsprüfungen auseinandersetzt. Die Autoren Hans-Jürgen Grein, Michaela Friedrich und Stephan Degle wollen mit ihrem Lehrbuch Interesse und Begeisterung für die Thematik der optometrischen Funktionsprüfung wecken und Augenoptiker, die auf diesem Gebiet noch nicht tätig sind dazu anregen aktiv zu werden.

Als wesentliche Aufgabe sehen die Autoren die Erkennung von Auffälligkeiten des visuellen Systems, einer verantwortungsvollen Befundung und gegebenenfalls in Folge einer Weiterleitung an einen Facharzt.

Grundlagen, Literatur und Prüfmethoden

Die sieben Kapitel des Buches weisen eine autodidaktisch sinnvolle Struktur auf. So werden bei jedem Kapitel zuerst die Grundlagen des jeweiligen Themas vermittelt, anschließend auf weiterführende Literatur hingewiesen und dann auf die einzelnen Funktionsprüfungen im Detail eingegangen. Zudem finden sich bei allen Funktionsprüfungen eine englische Übersetzung um das Suchen und Lernen weiterführender, englischsprachiger Literatur zu erleichtern. Am Ende jedes Kapitels finden sich Kontrollfragen, um das Verständnis für das Gelesene selbst überprüfen zu können. Weiters runden Fallbeispiele die Darstellung der einzelnen Funktionsprüfungen ab.

Grundlegendes zur optometrischen Untersuchung

International basiert das Berufsbild des Optometristen auf einer Hochschulausbildung. So definiert das World Council of Optometry (WCO) das Berufsbild des Optometristen folgendermaßen: Optometristen erbringen Gesundheitsdienstleistungen rund um das Auge und das visuelle System. Die Gesundheitsdienstleistungen beinhalten die Refraktions- und Korrektionsbestimmung, die Sehhilfenanpassung und Abgabe, die Anamnese, die Abgrenzung von Augenkrankheiten und die Wiederherstellung normaler Zustände des visuellen Systems.

In diesem Zusammenhang erklären die Autoren die Sinnhaftigkeit mehr als „nur zu refraktionieren“ und zeichnen dem Leser ein mögliches Ablaufschema für eine systematische, optometrische Untersuchung. Desweiteren enthält das Kapitel Hinweise zu einer lückenlosen Dokumentation und betreffend des Verfassens eines Begleitschreiben an einen Facharzt im Falle von Auffälligkeiten.

Grundlegendes zu optometrischen Funktionsprüfungen

Optometrische Funktionsprüfungen umfassen unter anderem die Testung der Augenbewegungen, der Akkommodation, der Binokularfunktion, der Pupillenreaktion und des Gesichtsfeldes. Die Autoren haben sich im vorliegenden Buch auf ebendiese Schwerpunkte konzentriert.

In der Regel leitet sich bereits aus der Anamnese ab, welche Funktionsprüfungen sinnvoll sind. Die Autoren listen zu Beginn die benötigten Hilfsmittel wie Fixationsstäbe, Okkluder, Flipper, Amsler Gitter usw. für die später erklärten Funktionsprüfungen.

Augenbewegungen

Bereits im Alter von einem Monat können Babys kurzfristig Objekte fixieren. Bis zum sechsten Lebensmonat stabilisieren sich die Blicksakkaden beim Abtasten von Objekten. Akkommodation und Konvergenz werden bereits ab dem zweiten Lebensmonat ausgebildet.

Neben einem Überblick über die kindliche Entwicklung der Augenbewegungen, der Anatomie der Augenmuskeln und deren Nerveninnervation, beschreiben die Autoren verschiedene Arten der Augenbewegungen. So werden neben den Vergenzbewegungen, Versionsbewegungen, Mikrobewegungen und Ursachen von Augenbewegungsstörungen beleuchtet. Im Besonderen werden der Motilitätstest, die Prüfung der horizontalen Versionssakkaden, die Prüfung der sagittalen Vergenzsakkaden und die Prüfung des Konvergenznahpunkts beschrieben.

Akkommodation

Während unmittelbar nach der Geburt der theoretische Akkommodationserfolg etwa 18 Dioptrien beträgt, können sechsjährige Kinder immer noch etwa 15 Dioptrien akkommodieren. Aufbauend auf die bekannte Tatsache, dass Kleinkinder häufig 2-3 Dioptrien hyperop sind und dann einen Emmetropisierungsprozess durchlaufen, beschreiben die Autoren zu Beginn des Akkommodationskapitels die Anatomie der Augenlinse und den Akkommodationsmechanismus im Allgemeinen. Desweiteren wird der Zusammenhang zwischen Akkommodationsmangel, Akkommodationsüberschuss und der MEM-Skiaskopie erörtert. In der Folge sind Ursachen von Akkommodationsstörungen Thema. Sehr gut erklärt sind Störungen wie Akkommodationsexzess, Akkommodationspersistenz, Akkommodationsinflexibilität, Akkommodationsungleichgewicht und Akkommodationslähmung. Erklärt werden Tests zur Prüfung des maximalen Akkommodationserfolgs.

Binokularfunktionen

Bereits ab dem sechsten Lebensmonat wird beidäugiges Sehen entwickelt. Störungen des Binokularsehens können zu vielseitigen asthenopischen Beschwerden führen. Neben der Physiologie des Binokularsehens beschreiben die Autoren die Qualitätsstufen des beidäugigen Sehens, die Begriffe des Binokularsehens und die Einteilung nach Art der Abweichung von der Fixierlinie.

Mittels anschaulichen Grafiken gut aufgearbeitet bekommt der Leser Störungen der Vergenz, die Beschreibung des Zusammenhangs mit dem AC/A Quotienten und den folgenden Befundungen einer konstanten Exophorie, einer konstanten Esophorie, einer Konvergenzinsuffizienz, einem Konvergenzexzess, einer Divergenzinsuffizienz und einem Divergenzexzess vermittelt. Im Rahmen der Erklärungen hinsichtlich der Testmethodiken beschreiben die Autoren den Cover Test, den Uncover Test, den alternierenden Cover Test und den Hirschberg Test.

Pupillenreaktion

Da die Afferenz der Pupillenbahn über die Sehbahn verläuft, erläutern die Autoren zu Beginn des Pupillenkapitels detailliert die Sehbahn zum Gehirn und im Anschluss die efferenten Nervenbahnen zum Irissphincter und Irisdilatator. Gründe von Pupillenstörungen werden erörtert und der afferenten oder efferenten Nervenbahn zugeordnet. Zur Befundung erklären die Autoren die Funktionsprüfung auf Pupillengleichheit, Pupillenreaktion und den Swinging Flashlight Test.

Zentrales und peripheres Gesichtsfeld

Im Alter von zwei Jahren ist die Ausdehnung des Gesichtsfeldes mit jenem eines Erwachsenen vergleichbar. Anschaulich werden mit Hilfe von Grafiken die unterschiedlichen Arten von Gesichtsfelddefekten und deren Entstehungsort vermittelt. Neben dem Amsler Test wird die Durchführung einer Routine-Konfrontationsperimetrie erklärt.

Hilfreiches für die tägliche optometrische Praxis

Im Anhang des Buches findet man neben dem Literaturverzeichnis und den Antworten zu den Kontrollfragen auch eine tabellarische Gesamtübersicht über die optometrischen Funktionsprüfungen und einen Vorschlag für eine routinemäßige Dokumentation.

Fazit

Das Buch „Optometrische Funktionsprüfungen“ behandelt zwar nicht alle möglichen Testmethoden eines Optometristen, befasst sich aber dafür äußerst gut strukturiert mit den Funktionsprüfungen der Augenbewegungen, der Akkommodation, der Binokularfunktion, der Pupillenreaktion und dem Gesichtsfeld. Das 260 Seiten starke Lehrbuch ist autodidaktisch gut aufbereitet und eignet sich deshalb besonders für jene Kollegen, welche ihr tägliches Service über die Refraktion hinaus erweitern und verbessern wollen. Das im DOZ Verlag erschienene Buch kostet 49,90 Euro zuzüglich Versand und kann online bestellt werden.