Neuer Lehrgang-Start zum Master of Science in Clinical Optometry in Krems

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Siebzehn Studenten befinden sich derzeit in Ausbildung zum Master of Science in Clinical Optometry. Neben den Österreichischen Teilnehmern sind zwei Tschechische Kollegen und eine Polnische Kollegin inskribiert. Ein Drittel der Studienzeit ist bereits vergangen und fast alle haben gleich auf Anhieb die erste Jahresabschlussprüfung im Dezember 2005 mit Erfolg bestanden. Aufgrund vermehrter Anfragen ist für das kommende Jahr bereits ein weiterer Studienlehrgang geplant!

Der Studienlehrgang zum Master of Science in Clinical Optometry findet zum größten Teil an Wochenenden statt. Dies erleichtert sowohl selbständigen als auch angestellten Optikern den zeitlichen Zugang zur Fortbildung. Als Studienvoraussetzung ist eine erfolgreich abgelegte Meisterprüfung und Kontaktlinsen-Konzessionsprüfung Voraussetzung.

Studium an der Donau-Universität in Krems

Im ersten Ausbildungsjahr des aktuellen Studienlehrganges fand ein Bridge Kurs zur Erreichung der Bakkalaureus-Reife an der Kremser Donau-Uni statt. Im Zuge dessen wurden unter anderem folgende Lehrfächer vorgetragen:

  • Diagnostik von Pathologien des vorderen Augenabschnitts, Verlauf, Therapien und Medikamentation
  • Pathologien des hinteren Augenabschnitt, Verlauf, Therapien und Medikamentation
  • Vergrößernde Sehhilfen und damit im Zusammenhang stehende Pathologien
  • Binokularsehen und deren Testmethodik, Kinderoptometrie
  • Glaukom, Evaluierung, Verlauf, Therapien und Medikamentation
  • Spezialfälle Kontaktlinsenanpassung (z.B. Komplikationen und Pathologien, Keratokonus, OrthoK, hochgradiger Astigmatismus, …)
  • Forschung, Statistik und Berufsethik

Überrascht waren einige Teilnehmer davon, dass auch im Bereich der Kontaktlinsen und Vergrößernden Sehhilfen trotz jahrelanger Berufserfahrung neue Kenntnisse vermittelt werden konnten, da im angloamerikanischen Raum auf gleiche Problemstellungen andere Lösungsansätze folgen als in Mitteleuropa. So dürfen zum Beispiel Personen mit einer Makuladegeneration in den Vereinigten Staaten in einigen Bundesländern mit speziellen, nach oben zentrierten Fernrohrbrillen sogar Autofahren. In den Niederlanden ist derzeit übrigens ein Feldversuch mit ähnlicher Technik im Gange.

Grosser Erfolg beim ersten Examen an der Donau-Universität

Bei der Jahresabschlussprüfung am 17. Dezember 2005 wurde das Wissen der Studenten über alle Fächer auf einmal geprüft. Der Test wurde in Form eines Multiple Choice Tests durchgeführt. Für jede Frage standen 4 bis 6 Antworten zur Verfügung, wobei jeweils nur eine richtige Antwort gültig wahr. Mit dieser Technik, die im angloamerikanischen Raum üblich ist, kann in kurzer Zeit mit einer Vielzahl an Fragen das Wissen der Studenten überprüft werden. Die Fragen sind zu einem sehr großen Teil Fall bezogen. Dies bedeutet, dass Symptome und Messergebnisse angeführt werden und der Student die dazu wahrscheinlichste Diagnose erkennen muss. Diese Art der Prüfungstechnik ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, man wird jedoch im Studium auf eine dafür adäquate Lerntechnik vorbereitet.

Tonometrie
Applanation-Tonometrie wird perfektioniert

Derzeit findet das erste von insgesamt vier Praktika statt. Die Studenten lernen dabei den Ablauf einer kompletten, klinischen Untersuchung. Angefangen von bekannten Routinearbeiten wie Anamnese, Refraktion, Binokularsehen, Farbsehen und Spaltlampenevaluierung bis hin zum Erlernen von Techniken wie Applanations-Tonometrie, Perimetrie, Gonioskopie, Ophthalmoskopie, Retinaevaluation mit Volk 90D Linse, Hruby-Linse und Goldmann 3-Winkel-Glas unter Dilation. Die Studenten werden dabei von vier "eingeflogenen" Optometristen des Pennsylvania College of Optometry unterrichtet. Nach den ersten zwei Praktika werden die Studenten in den zwei Folgepraktika im normalen Klinikalltag mitarbeiten.

Augenhintergrund
Die korrekte Handhabung mit der Volk 90D Linse will gelernt sein

Bis zum Frühjahr 2008 haben die Studenten am Masterlehrgang an der Uni Krems inskribiert. Eine wesentliche, berufspolitische Perspektive ist, dass der Titel "Master of Science in Clinical Optometry" von einer inländischen Universität vergeben wird. Dies wird auch etwaige berufsrechtliche Konsequenzen gegenüber einer ausländischen Ausbildung in Österreich vereinfachen.

Theoriekurs
Dazwischen immer wieder ein Input an neuen Theoriekenntnissen

Die Kurssprache ist Englisch. Dies sollte aber niemanden mit Schulenglisch-Kenntnissen abschrecken, da ja die gesamte Fachterminologie davon unbetroffen ist. Fast alle Studenten hatten im Vorfeld die Befürchtung der Sprachbarriere nicht gewachsen zu sein. In allen Fällen hat sich gezeigt, dass vorhandene Sprachkenntnisse wieder sehr rasch aufgefrischt werden und sukzessive der Wortschatz erweitert wird. Ein nicht ganz unangenehmer Nebeneffekt dieses Studiums. Die komplette Studiengebühr beträgt derzeit 20.000 USD und wird in vier Ratenzahlungen beglichen. Der derzeitige niedrige Dollarkurs im Verhältnis zum Euro ist für Österreichische Studenten erfreulich.

Cover Test
Die Vortragenden geben Praxis-Tipps zum Cover-Test

Offene Vorlesung zum Beginn des Frühjahr-Semesters 2006

Zu Beginn des Semesters öffnet die Donau Universität Krems ihre Pforten allen optometrisch interessierten Personen. Am Samstag 11. und Sonntag 12. März 2006 finden die Vorlesungen "Neuro Ophthalmic Chalanges for the Practicing Optometrist" statt, welche von Lorraine Lombardi, Ph.D. und Leonard V. Messner, OD (Vice President for Patient Care Services Illinois College of Optometry, Illinois Eye Institute) gehalten werden. Alle Augenoptiker, die vorab einmal Uniluft schnuppern wollen sind herzlich zum kostenlosen Besuch dieser frei zugänglichen Vorlesung an der Kremser Universität eingeladen.

Die Professoren Leonard Messner und Lorraine Lombardi referieren über efferente und afferente Pathologien der Augen und diskutieren die dazu gehörigen Symptomatiken. Eine auf Fallstudien bezogene Präsentation festigt das Wissen bezüglich neurookularen Erscheinungsbildern, welche in der alltäglichen optometrischen Praxis beobachtet werden können. Symptome, klinische Erscheinungsbilder, Testmethodiken, Fallanalysen, Nachfolgeuntersuchungen und Überweisungsstrategien werden im Detail besprochen. Die Publikum ist zu einer Diskussion der einzelnen, klinischen Fallstudien eingeladen und wird mittels Unterlagen, Powerpoint- und Videounterstützung vom Vortrag profitieren.

Die Vorträge finden im Seminar Raum des Kolping Haus, Alauntalstraße 95b-97, 3500 Krems statt (Anfahrtsplan): Samstag, 11. März 2006 von 9:00 – 19:00 Sonntag, 12. März 2006 von 9:00 – 19:00

Donauuniversität Krems Optometrie
Foto: Donau-Universität Krems/Heindl

Interessenten für den kommenden dreijährigen Studienlehrgang sollten sich rechtzeitig voranmelden, da diese Ausbildung in Österreich derzeit einzigartig ist und aus logistischen Gründen die Teilnehmeranzahl begrenzt ist. Ein Formular zur Voranmeldung findet man im Downloadbereich unter www.optometristen.at/download. Zu Fragen betreffend des Studiums steht Walter Gutstein per eMail zur Verfügung.