Neues WVAO Fachbuch: Gleitsichtgläser 2 – Ausstattungs- und Produktmerkmale

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Zeitgleich mit der 2. Auflage des bereits im optikum rezensierten Werkes „Gleitsichtgläser 1 – Grundlagen“ ist ein weiterführender Band zum Thema Gleitsichtgläser Im Rahmen WVAO Bibliothek erschienen. Autor Dieter Kalder hat in seinem zweiten Band satte 25 Top- und Premium-Gleitsichtgläser des aktuellen Produktportfolios unter die Lupe genommen und deren Ausstattungs- und Produktmerkmale beschrieben.

Ergänzung zum Band 16

Da das Buch ein Ergänzungsband zum WVAO Band „Gleitsichtgläser 1“ darstellt, beginnt es mit dem 21. Kapitel. Es beinhaltet Grundlagen zum technischen Gleitsichtglasdesign, wie den (immer noch gültigen) Satz nach Minkwitz. Mit Hilfe der genäherten Minkwitzformel (Flächenastigmatismus = 2 * Addition / Progressionslänge) können Augenoptiker die Kanalbreite mit Hilfe der Kanalbreite und Addition einschätzen. So wird der Progressionsbereich mit zunehmender Addition und/oder abnehmender Progressionslänge immer enger. Der Autor hat diese Zusammenhänge nicht nur ausgezeichnet erklärt, sondern auch grafisch gut dargestellt. Weitere Inhalte des Grundlagenteils sind den unterschiedlichen Designphilosophien (hartes oder weiches Design) und der Raumwahrnehmung gewidmet.

Im 22. Kapitel geht der Autor auf den unterschiedlichen Aufbau eines Gleitsichtglases je nachdem ob die Korrektionswirkung für eine Myopie oder eine Hyperopie vorgesehen ist. Außerdem erhält der Leser eine Übersicht über die Funktionsdaten einzelner Gleitsichtgläser, welche keine variablen Parameter zulassen. Hier findet man eine Aufstellung, welcher Pupillenabstand, HSA, Vorneigung und Fassungsscheibenwinkel beim jeweiligen Produkt als Basis zur Reduzierung des Flächenastigmatismus herangezogen wurde. Auch erhält der Leser Informationen zu 25 Gleitsichtgläsern der Firmen Essilor, Hoya, Ophthonix, Optovision, Rupp & Hubrach, Rodenstock, Seiko, Schulz und Zeiss hinsichtlich Differenzen bei der Mess- und Gebrauchsstellung, Aufbau und Lage der progressiven Fläche, Freiform Einzeloptimierung, Progressionslängen und variabler Basiskurven.

Im 23. Kapitel wird das personifizierte Gleitsichtglas beschrieben. Zu den persönlichen zu berücksichtigenden Eigenschaften rechnet man den Pupillenabstand, das Verhalten bei Augen- und Kopfbewegungen, die Hauptsehentfernung für die Nähe und die Gewichtung der unterschiedlichen Sehdistanzen.

Alle bisher beschriebenen Eigenschaften von Gleitsichtgläsern beschreiben nur die Optimierung der Progressionsfläche und die Möglichkeiten zur Verringerung des Flächenastigmatismus auf Basis personifizierter Designparameter. Das festgelegte Gleitsichtglasdesign wird jedoch nachhaltig durch die Einbringung vom Rezeptwert zur Korrektion der jeweilig vorliegenden Fehlsichtigkeit gestört. Durch die Integration der Rezeptwerte treten nämlich zusätzliche Astigmatismen und Abbildungsfehler höherer Ordnung auf. Das Kapitel 24 gibt Aufschluss über Strategien der Hersteller zur Erhaltung des Gleitsichtglasdesigns trotz integrierter Rezeptwerte. Zudem werden die Philosophien der einzelnen Hersteller bei der Wellenfrontoptimierung der Aberrationen höherer Ordnung dargestellt. Diese Art der Wellenfrontoptimierung bezieht sich auf die Optimierung der Aberrationen höherer Ordnung im Brillenglas, ohne auf die Aberrationen höherer Ordnung im Auge Bezug zu nehmen.

Ein ideal abbildendes Auge würde aus einer ebenen Wellenfront konzentrische Kugelschalen formen, deren Mittelpunkte im Brennpunkt zusammenfallen. Dies ist beim menschlichen Auge naturgemäß nicht gegeben. Abweichungen vom theoretischen Ideal haben vor allem bei geweiteter Pupille – also beim Nachtsehen – einen negativen Einfluss auf die Qualität des Sehens. Mögliche Optimierungen von Brillengläsern nach den Aberrationen höherer Ordnung des Auges und deren Sinnhaftigkeit werden im Kapitel 25 behandelt.

In den folgenden zwei Kapiteln (26+27) gibt der Autor noch einen tabellarischen Vergleich der Designdaten, eine Übersicht über die technische Produktausstattung und eine Erklärung der Stempelungen der einzelnen Gleitsichtgläser. Das 29. und letzte Kapitel gibt eine Anleitung wie man neue Gleitsichtgläser beurteilen kann.

Der 106 Seiten umfassende WVAO Band „Gleitsichtgläser 2 – Beurteilung der Ausstattungs- und Produktmerkmale“ beschreibt konzentriert die Leistungsstärken einzelner Gleitsichtgläser. Damit können Aussagen wie „noch spontanverträglicher“, „größere Sehbereiche“ oder „das Gleitsichtglas der neuesten Generation“ sinnvoll hinterfragt werden. Der interessierte Augenoptiker erhält mit diesem Band ein Nachschlagewerk zur kritischen Beurteilung bestehender und zukünftiger Gleitsichtglasprodukte.

„Gleitsichtgläser 2 – Beurteilung der Ausstattungs- und Produktmerkmale“ ist in der WVAO Bibliothek erschienen, kostet 34,00 Euro zuzüglich Versandspesen und kann direkt beim WVAO bestellt werden.

Buchrezension vom WVAO Band 16: Gleitsichtgläser