Novartis beabsichtigt laut einer aktuellen Pressemeldung Alcon Inc. komplett zu übernehmen. Dazu wird das Unternehmen zunächst die im April 2008 mit der Nestlé AG getroffene Vereinbarung vollständig umsetzen und eine 77%ige Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen erwerben. Im Anschluss daran soll eine direkte Fusion mit Alcon durchgeführt werden, um den verbleibenden 23%igen Minderheitsanteil zu übernehmen.
Novartis ist davon überzeugt, dass die gemäss Schweizer Fusionsgesetz abzuschliessende Fusion dem Interesse aller beteiligten Ansprechpartner dient und die nötige Klarheit über die Zukunft von Alcon schaffen wird. Alcon soll das auf den Gesundheitssektor fokussierte Portfolio von Novartis weiter stärken und Novartis umfangreicheren Zugang zum wachstumsstarken Markt der Augenheilkunde verschaffen, der vom steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung, Innovationen und der Entwicklung der Schwellenländer profitiert.
"Die Übernahme von Alcon wird unser Gesundheitsportfolio und unsere Position in der Augenheilkunde strategisch verstärken. Aufgrund der zunehmenden medizinischen Bedürfnisse, die sich aus dem steigenden Durchschnittsalter der Weltbevölkerung ergeben, zeichnet sich der Ophthalmologie-Sektor durch ein dynamisches Wachstum aus", sagte Dr. Daniel Vasella, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats von Novartis. "Dies ist der richtige Zeitpunkt, um die Eigentümerstruktur von Alcon zu vereinfachen und Unsicherheiten für Mitarbeitende und Aktionäre auszuräumen. Dank der sich ergänzenden Produktportfolios werden wir unsere Innovationskraft steigern und durch die Kombination unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unsere globale Marktpräsenz erweitern können."
Geschäftsbereiche von Alcon und Novartis
Alcon und Novartis verfügen über viel versprechende globale Aktivitäten in der Augenheilkunde. Beide besetzen eigene wettbewerbsfähige Positionen in Segmenten, die sich ausgezeichnet ergänzen und gemeinsam mehr als 70% des globalen Ophthalmologie-Sektors abdecken. Eine Zusammenführung dieser Stärken kann ein noch überzeugenderes Angebot von Produkten hervorbringen, die Patienten auf der ganzen Welt spürbare Vorteile bieten.
Alcon ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in der Schweiz. Die US-Geschäftsaktivitäten werden von Fort Worth, Texas, aus geführt. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1945 konzentriert sich Alcon auf die Augenheilkunde und hat in allen drei Geschäftsbereichen Führungspositionen erobert.
Augenchirurgie (Umsatz 2008: USD 2,9 Milliarden)
Alcon ist in der Katarakt- und Vitreoretinalchirurgie tätig und stellt medizinische Geräte und Produkte für die Augenchirurgie her. Mehr als 60% der mikroinzisionalen Kataraktoperationen – bei denen die getrübte Augenlinse zerkleinert, entfernt und anschliessend durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt wird – wurden 2008 mit Geräten von Alcon durchgeführt. Mit der Produktfamilie AcrylSof®, deren Umsatz 2008 USD 1 Milliarde übertraf, führt Alcon auch den Weltmarkt für Intraokularlinsen an.
Pharmazeutische Produkte (Umsatz 2008: USD 2,6 Milliarden)
Alcon bietet ein Portfolio von Spezialmedikamenten gegen verschiedene Augenerkrankungen an – unter anderem gegen Glaukom und Beschwerden im vorderen Bereich des Auges wie Infektionen und Allergien. Die Einführung neuer Produkte und die globale Expansion – insbesondere in Japan, wo seit 2006 drei neue Medikamente auf den Markt gebracht wurden – sorgten für kräftiges Wachstum.
Frei verkäufliche Produkte (Umsatz 2008: USD 0,8 Milliarden)
Alcon bietet ein Portfolio von Kontaktlinsenpflegeprodukten, rezeptfrei erhältlichen Augentropfen gegen trockene Augen und Augenvitaminen an, dessen Wachstum vor allem auf der guten Entwicklung in den Schwellenländern beruht.
Novartis verfügt über langjährige Aktivitäten in der Kontaktlinsenherstellung, einem Sektor, in dem Alcon nicht aktiv ist. Ausserdem besitzt Novartis ein ergänzendes Portfolio ophthalmologischer Pharmazeutika.
CIBA Vision (Nettoumsatz 2008: USD 1,7 Milliarden)
CIBA Vision ist ein führendes Unternehmen, das 2008 85% seines Jahresumsatzes mit Kontaktlinsen erwirtschaftete. Dank der Einführung neuer Produkte aus der Familie der Air Optix Silikon-Hydrogel-Monatslinsen und der Dailies Ein-Tages-Kontaktlinsen konnte CIBA Vision 2009 die Umsätze steigern. CIBA Vision bietet ausserdem ein Sortiment von Kontaktlinsenpflegeprodukten an.
Ausgewählte ophthalmologische Pharmazeutika
(Nettoumsatz 2008: USD 0,5 Milliarden)
Novartis verfügt über ein Angebot von ergänzenden Medikamenten zur Behandlung einer Reihe von Augenerkrankungen, die durch das Portfolio von Alcon nicht abgedeckt werden. Zudem besitzt Novartis eine umfangreiche Forschungs- und Entwicklungspipeline, deren Projekte sich auf neuartige Behandlungsmethoden für verschiedene Formen von Augenerkrankungen konzentrieren. Lucentis (Nettoumsatz 2008: USD 0,9 Milliarden) wird nicht auf die neue Ophthalmologie-Division übertragen, sondern soll von beiden Unternehmen gemeinsam vermarktet werden. Ein derartiger Ansatz hat sich in Japan bereits bewährt. Lucentis ist eine Therapie gegen die "feuchte" Form altersbedingter Makuladegeneration, die Hauptursache für das Erblinden von Menschen über 55 Jahren.
Übernahme der Mehrheitsbeteiligung an Alcon von Nestlé
Novartis und Nestlé trafen im April 2008 eine Vereinbarung, um Nestlés 77%ige Mehrheitsbeteiligung an Alcon reibungslos auf Novartis zu übertragen. Im Jahr 2008 übernahm Novartis eine 25%-Beteiligung an Alcon für USD 10,4 Milliarden bzw. USD 143 pro Aktie. Der Erwerb wurde durch interne Liquiditätsreserven und kurzfristige externe Kredite finanziert. Am 4. Januar 2010 leiteten Novartis und Nestlé den Abschluss der 2008 getroffenen Vereinbarung ein. Novartis übt dabei ihre Option aus, Nestlés restliche 52%-Beteiligung an Alcon für USD 28,1 Milliarden bzw. durchschnittlich USD 180 pro Aktie zu erwerben. Diese Übernahme unterliegt den erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden und soll in der zweiten Jahreshälfte 2010 abgeschlossen werden. Novartis wird den Kauf durch vorhandene liquide Mittel und externe Kredite finanzieren. Insgesamt werden die Kosten für diese Transaktionen auf rund USD 38,5 Milliarden geschätzt – bei einem Durchschnittspreis von USD 168 pro Aktie. Dies entspricht einem Aufpreis von 17% auf den Marktpreis der Alcon Aktie im April 2008 von USD 143,18 pro Aktie, auf den sich Novartis und Nestlé geeinigt hatten. Novartis geht davon aus, dass mit einer 77%igen Mehrheitsbeteiligung an Alcon durch gemeinsame Dienstleistungsangebote, Kooperationen, Joint Ventures und andere geschäftliche Vereinbarungen jährliche Kostensynergien von rund USD 200 Millionen vor Steuern innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Transaktion generiert werden könnten.



