OIWS Update 2014 – Seminarbericht von der Kuffner Sternwarte

Letzten Samstag fand auf der Kuffner Sternwarte in Wien das OIWS Update 2014 statt. Die Bezeichnung OIWS  steht für Optometrie Intensiv WorkShop und bietet seit geraumer Zeit Einzeltrainings und Workshops für kleinere Gruppen zu optometrischen Themen, wie Refraktion, Kontaktlinsenanpassung, vergrößernde Sehhilfen, usw. und Marketing an. Beim von über 70 Personen besuchten OIWS Update 2014 sorgten sechs zwanzigminütige Powervorträge und eine anschließende Führung durch die Sternwarte für eine interessante Fortbildungsveranstaltung. Ein Ausklang mit Branchentalk fand im nahegelegenen Gasthaus Grünspan statt.

Um einen effektiven Output zu gewährleisten, wurden die Skripten zu den einzelnen Vorträgen bereits im Vorfeld an die Teilnehmer übermittelt. Jedes einzelne Handout konnte zudem mit einem QR-Code auf das eigene Tablet oder Smartphone „gebeamt“ werden. 

Dieter Medvey, MScReklamationen nach Kauf einer Gleitsichtbrille
Klassische Fallbeispiele und Lösungen

Dieter Medvey, MSc wies auf die gute Qualität der heutigen Gleitsichtbrillen hin und berichtete, dass bei Reklamationen in etwa 70% der Fälle eine mangelhafte Refraktion die Ursache bildet.

Weitere Gründe sind in der Zentrierung und unzureichenden Fassungsparametern zu finden. Eine echte nachhaltige Unverträglichkeit manifestiert sich nur in 1% der Reklamationsfälle.

Eine weitere Kernaussage war „niemals zu viel an Addition“ zu verwenden um die Sehbereiche möglichst breit zu belassen. Aber auch signifikante Sprünge in der Brechzahl der Gleitsichtgläser – von der bestehenden zur neuen Korrektur – können anfänglich heftige Eingewöhnungsphasen auslösen. In seinem weiteren Vortrag zeigte Medvey eine strukturierte Problemanalyse und Fallbeispiele.

Günther DerxWir verkaufen nicht Brillen oder Kontaktlinsen,
sondern Sehen!

Günther Derx animierte das Auditorium bereits bei der Beratung des Kunden und beim anschließenden Verkauf den Nutzen der Sehhilfe emotional „rüber“ zu bringen. Dadurch spürt der Kunde bereits im Vorfeld, welche Vorteile er mit der Sehhilfe haben wird – und was mit der neuen Sehhilfe nicht so gut funktionieren wird.

Diese Mankos können gleich mit einem weiteren Angebot in Zusammenhang gebracht werden. Idealerweise entsteht so ein Kundentracking mit konkreten Vorschlägen und Visionen.

Als Beispiel einen gelungenen und allseits akzeptierten Trackings nannte Derx Onlineversender, welche nach einem Kauf zeitversetzt genau passende Angebote an den Käufer richten.

Dr. Walter Gutstein, MScAlterung und Auge
Aktuelle Fakten und Beratungsstrategien

Im Jahr 2021 werden Optometristen und Augenoptiker 75% ihrer Zeit mit Klienten welche über 65 Jahre alt sind verbringen. Die weiterhin ansteigende Alterspyramide ist der Grund dazu. Deshalb empfahl Dr. Walter Gutstein sich mit dem Auge bei älteren Personen noch mehr als schon bisher zu beschäftigen. Auch treten Augenerkrankungen und Sehverlust in der älteren Bevölkerung öfter als bei Jüngeren auf. UV- und kurzwellige sichtbare Strahlung triggern einige der Augenerkrankungen. Gutstein zeigte allfällige Änderungen beim Altern an den einzelnen Augenstrukturen.

So kann auch der im Alter veränderte Tränenfilm den Sehkomfort nachhaltig negativ beeinflussen. Augenoptiker und Optometristen müssen bereits bei der Refraktion diesbezüglich Rücksicht nehmen. Idealerweise sollte zudem eine Refraktion auch mit Kontrasttests durchgeführt werden, so Gutstein.

Harald Belyus, MScRefraktive Veränderungen und Sehschärfenschwankungen
Auswirkungen von Medikamenten und anderer Faktoren

Im Zuge der Brillenglasbestimmung erhofft man sich, Werte zu finden, welche über einen längeren Zeitraum stabil bleiben. Dies ist auch in der Majorität der Fälle so. Es gibt jedoch auch Personen, bei denen sich die Vollkorrektur über den Tagesverlauf oder über mehrere Tage oder gar Monate verändern bzw. schwanken kann. Die Ursache solcher Schwankungen kann medikamentös, pathologisch oder durch andere Einflüsse bedingt sein. Deshalb ist es zielführend vor jeder Brillenglasbestimmung eine genaue Anamnese durchzuführen und in diesem Zusammenhang immer das Risiko einer Refraktionsschwankung abzuklären.

Harald Belyus, MSc berichtete, dass signifikante Myopisierungen bereits kurzzeitig nach der Einnahme von Medikamenten möglich seien. Verantwortlich können eine Quellung der Augenlinse, eine Versteilung der Cornea oder ein Ziliakörper-Ödem bzw. Ziliarkörper-Krampf sein. So kann bei einem steigenden Blutzucker die Augenlinse quellen und zu einer Myopisierung führen. Auch kann zum Beispiel eine Therapie mit Kortison zu einem steigenden Blutzucker führen. Belyus listete zudem eine Übersicht von Wirkstoffen, welche zu einer Myopisierung führen können. Klassische Ursache einer Myopsierung ist auch das Entstehen eines Katarakts.

In seinem weiteren Vortrag wies er darauf hin, dass Antihistaminika und Psychopharmaka zu einer Störung der Akkommodation führen können. Weiters wurden Refraktionsschwankungen in der Schwangerschaft und beim Tragen von Kontaktlinsen beleuchtet.

Peter Siedl, MScPhysikalische Eigenschaften von Kontaktlinsenmaterialien
Mehr Durchblick bei Beratungen

Einen Überblick über Materialeigenschaften von Kontaktlinsen gab Peter Siedl, MSc und wies unter anderem auf die Wichtigkeit einer guten Benetzung neben dem Dk/t Wert hin.

Das Auditorium erhielt zudem eine tabellarische Übersicht über die Eigenschaften gängiger Kontaktlinsenmaterialien und im Zuge des Vortrags stellte der Referent den Wassergehalt als „konstante Größe“ im Tagesverlauf zur Diskussion.

Im Weiteren berichtete Siedl über die Möglichkeiten zur Vermeidung von Ablagerungen bei der Materialwahl und über Beispiele für aktuelle Entwicklungen bei Tauschlinsenmaterialien.

Susanne Nemetz, MScWenn die Brille nicht mehr ausreicht
Berechnung des Vergrößerungsbedarfs

Susanne Nemetz, MSc berichtete eingangs in Ihrem Vortrag über die prinzipiellen Möglichkeiten einer Vergrößerung um im Folgenden den Zusammenhang zwischen dem notwendigen Visus zum Lesen und eines dazu notwendigen Vergrößerungsbedarf plakativ darzustellen.

Dabei empfahl Nemetz die Vergrößerung immer so klein wie möglich zu halten, damit eine möglichst große Übersicht über das Lesegut erhalten bleibt.

Kern ihres Vortrages war die einfache und rasche Berechnung des Vergrößerungsbedarfs für einen Klienten mit eingeschränktem Visus. Dazu referierte Nemetz mit mehreren Fallbeispielen und zeigte auf, wie einfach die Ermittlung der Dioptrienwerte für eine Überaddition bzw. ein Hyperokular sein kann.

Impressionen zum OIWS 2014

Fotos: helena wimmer

Historisches Rahmenprogramm

Anschließend an die sechs Powervorträge wurde das Auditorium in zwei kleinere Gruppen geteilt und durch das Haus geführt. Dabei konnte man den großen Refraktor und den Meridiankreis aus dem Jahr 1886 und den Heliometer und den Vertikalkreis aus dem Jahr 1896 besichtigen. Die beiden ersteren Instrumente stammen hinsichtlich der Mechanik aus den Werkstätten von Johann Repsold und Söhne in Hamburg. Die Optik wurde von Steinheil in München gefertigt. Es sind Vertreter der besten Instrumente aus dieser Zeit. Der große Refraktor enthält eines der ersten maschingeschliffenen, halbapochromatischen Objektive. Der Meridiankreis ist der größte auf dem Hoheitsgebiet der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Das Heliometer ist – so wurde bei der Führung berichtet – überhaupt das größte, das jemals auf der Welt gebaut wurde.

Das Wetter war gnädig – die Kuppel der Sternwarte konnte geöffnet werden. Durch den großen Refraktor konnten die Teilnehmer die Oberfläche der Sonne beobachten – selbstverständlich mit einem geeigneten Filter um keinen Augenschaden zu erleiden. Nach der Führung durch die Sternwarte traf man sich zur wohlverdienten Labung im Restaurant Grünspan, wo man sich noch gut unterhalten und den einen oder anderen Kontakt knüpfen konnte.

Impressionen zum Rahmenprogramm

Fotos: Optiker Online!

Das OIWS Update 2014 konnte nur mit Unterstützung der Firmen Alcon, Askin & Co, Austrian Optic Technologies, Bausch + Lomb, Bilosa, Eschenbach, Essilor, Hoya, Lipo Nit, Rodenstock, Schweizer Optik, Silhouette und Zeiss umgesetzt werden. Den Firmen gebührt Dank, dass sie dermaßen die Fortbildung in der Augenoptik und Optometrie fördert.

Logo Alcon ASKIN Logo AUSTRIAN OPTIC TECHNOLOGIES Bausch + Lomb bilosa Logo Eschenbach Logo Essilor Logo  Hoya Logo  Liponit LogoRodenstock Logo Schweizer Optik Logo Silhouette Logo ZEISS LOGO

Im kommenden Jahr wird das OIWS Update 2015 am 13. Juni 2015 wieder in Wien stattfinden. Nähere Infos zur Veranstaltung und zu den einzelnen Optometrie Intensiv WorkShop’s finden sich auf www.oiws.at.

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