"QuasarPlus" – formstabile multifokale Kontaktlinsen von No.7 Contact Lenses

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Obwohl formstabile Bifokalkontaktlinsen seit vielen Jahren erhältlich sind, steht der Industrie erst seit kurzer Zeit eine Kombination von Herstellungstechnologie und Kontaktlinsendesign zur Verfügung, die es ermöglicht, beständig zuverlässige Produkte anzubieten. Kürzlich veröffentlichte Umfragen über den Kontaktlinsenmarkt unterstützen die Ansicht, dass oft die praktische Erfahrung mit Multifokalkontaktlinsen fehlt.

Gleichbleibende und zuverlässige Korrektion bei Presbyopie

Die Umfragen belegen außerdem, dass die Zahl der Anwender von Bifokalkontaktlinsen (sowohl von weichen, als auch von formstabilen) sehr niedrig ist; in den USA [1] wird die Zahl auf höchstens zwei Prozent der Linsenträger geschätzt. Ein ähnliches Ergebnis ergab eine Erhebung in europäischen Ländern, die etwa zur gleichen Zeit von Morgan et al. durchgeführt wurde [2].

Es ist interessant, dass Marktumfragen in UK den Schluss zulassen, dass Wiederanpassungen mit formstabilen häufiger als mit weichen Multifokalkontaktlinsen vorkommen. Dies lässt vielleicht den Schluss zu, dass bereits praktizierende Kontaktlinsenträger besser für eine Korrektion der Presbyopie mit formstabilen Kontaktlinsen geeignet sind.

Die geringe Zahl von Anpassungen formstabiler Multifokalkontaktlinsen ist äußerst unbefriedigend. Da seit mehreren Generationen formstabile Kontaktlinsen angepasst werden und da wahrscheinlich mindestens 25 Prozent aller Kontaktlinsenträger in Österreich, Deutschland und UK solche Linsen verwenden, müsste man eigentlich eine viel höhere Zahl von Anpassungen mit Multifokalkontaktlinsen erwarten. Deshalb ist es interessant zu hinterfragen, welche Sehkorrektion von der Mehrzahl von langjährigen Trägern formstabiler Kontaktlinsen verwendet wird, wenn sie alterssichtig sind.

Asphärisches Design: Der Weg zu formstabilen Multifokalkontaktlinsen?

Die meisten heutigen formstabilen Multifokalkontaktlinsen weisen asphärische Geometrien auf. Diese sind realisierbar und interessant geworden, weil die Herstellungstechnologie in den letzten zehn Jahren dramatisch fortgeschritten ist. Heute ist es möglich, komplexe Linsengeometrien mit Hilfe von „Computer Numerically Controlled“ (CNC)-Drehmaschinen mit exzellenter Reproduzierbarkeit zu erzeugen. Die rasante Entwicklung dieser Drehmaschinen in den letzen zehn Jahren hat dazu geführt, dass auch komplexe asphärische Linsengeometrien für formstabile Multifokalkontaktlinsen realisiert werden können.

Die ersten formstabilen Multifokalkontaktlinsen stammen aus den USA. Als erste kam die von Permeable Technologies Inc. entwickelte „LifeStyle“ auf den Markt, danach die von Polymer Technology Corporation, einer Tochtergesellschaft von Bausch & Lomb, Inc., entwickelte „Boston Multivision“. Die Produkte Lifestyle und Multivision zeichnen sich durch asphärische Rückflächen aus. Die ursprüngliche Verkaufsstrategie bestand darin, vorgefertigte Rohlinge an Kontaktlinsen produzierende Labors zu verkaufen, welche dann eine sphärische Vorderfläche hinzufügen sollten, um die Linsen zu komplettieren. In Europa gibt es mehrere patentrechtlich geschützte asphärische Designs, bei denen die gewünschte Funktion durch die Rückfläche und die Vorderfläche der Linsen erreicht wird.

QuasarPlus

Seit mehreren Jahren wird unter dem Marktnamen QuasarPlus eine von der Firma No. 7 Contact Lens Laboratory LTD hergestellte Kontaktlinse angeboten, die ein komplexes asphärisches Rück- und Vorderflächendesign besitzt. Diese Linse ist mit 70 Prozent aller Kontaktlinsen dieses Typs der Marktführer in UK geworden (Eurolens Erhebung 2001). Bei der Kontaktlinse QuasarPlus wird das asphärische Design jeder Linse auf der Basis der individuellen Hornhauttopographie und der Brillenkorrektion des jeweiligen Trägers berechnet.

Das Wirkungsprinzip der QuasarPlus

QuasarPlus verwendet eine Vielfalt von asphärischen Rück- und Vorderflächengeometrien für die Korrektion von presbyopen Kontaktlinsenträgern für Ferne, Nähe und Zwischendistanz. Jede einzelne Kontaktlinse ist in Abhängigkeit von der jeweiligen Topographie der Hornhaut, vom Grad der Presbyopie und vom benötigten Lesezusatz individuell berechnet. Es handelt sich um eine Kontaktlinse mit Fernwirkung im Zentrum und mit zunehmender positiver Wirkung zum Rand der optischen Zone hin. Bei Anwendung der QuasarPlus durch einen bestimmten Presbyopen wird die aus dem optischen System von Augenlinse, Tränenflüssigkeit und Hornhaut zusammengesetzte sphärische Aberration so durch das asphärische Design modifiziert, dass die Kontaktlinse eine vorhersagbare gleitende optische Wirkung (einen variofokalen Effekt) aufweist.

Mit Hilfe eines Computermodells wird bei Eingabe von Details der Hornhaut und der Brillenglasverordnung eine genaue Scheitelbrechwertverteilung der QuasarPlus auf dem Auge simuliert und somit die Kontaktlinse für den individuellen Träger „bestimmt“. QuasarPlus ist dadurch in der Lage, alle für andere asphärische formstabile Multifokalkontaktlinsen charakteristischen Anomalitäten unter Berücksichtigung der individuellen Hornhauttopographie und in Verbindung mit der Brillenglasverordnung des betreffenden Trägers auszugleichen. Um dies zu demonstrieren, wurde ein Computer gestütztes Modellsystem entwickelt, welches eine Karte der Brechwertverteilungen der Kontaktlinse, der Hornhaut und des kombinierten Systems aus Kontaktlinse, Tränenflüssigkeit und Hornhaut berechnen und darstellen kann. Ein entscheidendes Hilfsmittel in diesem Entwicklungsprozess ist die Darstellung der Brechwertkarte; welche aufzeigt, wie sich der Brechwert im Bereich der optischen Zone verändert.

Eine typische Brechwertverteilung ist in der Abbildung 1 wiedergegeben. Eine genaue Methode der Strahldurchrechnung wird für die Berechnung des Brechwertes der Kontaktlinse, des Tränenfilms und des Auges benutzt. Das Ergebnis ist als Brechwertverteilungskarte dargestellt, wobei der zentrale (paraxiale) Brechwert als Referenz dient und der positive/negative Brechwert in einem abgestuften Farbschema dargestellt wird.
Anmerkung: Die Skala der positiven Brechwerte ist wegen der hier mehr interessierenden Korrektion der Presbyopie detaillierter dargestellt!

Brechwertverteilungskante
Abbildung 1: Beispiel einer Brechwertverteilungskarte, wie sie bei der Berechnung der asphärischen Geometrie der QuasarPlus benutzt wird.

Brechwertverteilungskarten der Hornhaut

Die Hornhaut ist ein wichtiges Element des aus Kontaktlinse, Tränenflüssigkeit und Hornhaut zusammengesetzten optischen Systems. Normale Hornhäute weisen eine sphärische Aberration auf, die von der Hornhautform abhängt. Die Reihenfolge von Brechwertverteilungskarten in der Abbildung 2 zeigt, wie die normale sphärische Aberration von drei Hornhäuten, die alle den gleichen zentralen Radius aufweisen, die aber eine unterschiedliche Form haben, den Brechwert der Hornhaut verändert. Dies hat dann einen merklichen Einfluss auf die optische Leistungsfähigkeit von formstabilen Multifokalkontaktlinsen mit asphärischer Rückflächengeometrie, die diese Änderungen nicht berücksichtigen.

Brechwertverteilung
Abbildung 2a: Brechwertverteilung (sphärische Aberration) einer nicht astigmatischen Hornhaut von mittlerer Form mit einer numerischen Exzentrizität von 0.45.

Scheitelradius
Abbildung 2b: Eine Hornhaut mit dem gleichen Scheitelradius, aber mit einer größeren numerischen Exzentrizität, hat im Vergleich zur mittleren Form eine flachere Form und damit eine deutlich geringere positive sphärische Aberration.

Scheitelradius
Abbildung 2c: Eine Hornhaut mit dem gleichen Scheitelradius, aber mit einer kleineren numerischen Exzentrizität, hat im Vergleich zur mittleren Form eine steilere Form und damit eine deutlich höhere positive sphärische Aberration.

Es ist offensichtlich, dass die Hornhaut ein wichtiges optisches Element im kombinierten optischen System aus Kontaktlinse, Tränenflüssigkeit und Hornhaut darstellt. Deshalb ist es wichtig, bei dem Design der asphärischen Oberflächen der Kontaktlinse die Topographie der Hornhaut gebührend zu berücksichtigen.

Das QuasarPlus -Design-System berechnet die kombinierte Wirkung der asphärischen Geometrien von Vorder- und Rückfläche auf die gesamte sphärische Aberration von Kontaktlinse, Tränenflüssigkeit und Hornhaut. Die Simulation einer getragenen Kontaktlinse berücksichtigt auch den Durchmesser der Augenpupille, wie in Abbildung 3 dargestellt.

Brechwertverteilung
Abbildung 3:
Eine Brechwertverteilung einer QuasarPlus auf einem bestimmten Auge zeigt, wie die Pupille über einer variofokalen Zone mit zunehmendem positiven Brechwert beim Blick nach unten platziert wird.

Grüne Zone: Die zentrale Zone ist mit dem Scheitelbrechwert für die Ferne versehen.
Rote Zone: Beim Blick nach unten liegt die Pupille vor der Zone mit progressiver positiver Wirkung

gleitende optische Wirkung

Abbildung 3b: Die kombinierte asphärische Geometrie aus Vorder- und Rückfläche einer QuasarPlus erzeugt ein System mit gleitender optischer Wirkung, das so berechnet ist, dass dem speziellen Kontaktlinsenträger der richtige Lesezusatz zur Verfügung steht.

Zur richtigen Funktion muss die QuasarPlus beim Blick nach unten eine Verschiebung auf der Hornhaut erfahren. Eine normal angepasste formstabile Kontaktlinse bewegt sich beim Blick nach unten typischerweise um ungefähr 1,80 mm. Dies genügt, um eine ausreichende Abdeckung der Pupille bei einem Scheitelbrechwert zu erreichen, der dem erforderlichen Lesezusatz sehr nahe kommt. Anpasser, die QuasarPlus verwenden wollen, sollten beachten, dass es sich um Kontaktlinsen mit gleitender optischer Wirkung handelt, an die sich der Träger erst gewöhnen muss. Dies ist absolut vergleichbar mit der Benutzung von Gleitsichtgläsern. Wie immer ist es wichtig, dass der Anpasser die Wirkungsweise des Produktes versteht. Das gibt ihm die Möglichkeit, seinen Kunden erfolgreicher zu versorgen.

Die Messung des Scheitelbrechwertes einer QuasarPlus

Die Messung des Scheitelbrechwertes von Kontaktlinsen mit gleitender optischer Wirkung stellt ein technisches Problem dar. Eine Kontaktlinse wie die QuasarPlus besitzt einen sich kontinuierlich verändernden Scheitelbrechwert vom Zentrum bis zum Rand der optischen Zone. Zwei Faktoren sind zu berücksichtigen:

a) Ein Scheitelbrechwertmessgerät ist nicht in der Lage, die Art und die Ausdehnung des Scheitelbrechwertgradienten zu erfassen und
b) der zentrale Scheitelbrechwert der Kontaktlinse in Luft – und das trifft generell zu – wird deutlich von der erforderlichen Fernkorrektion des betreffenden Trägers abweichen.

Um den Scheitelbrechwert in Luft zu bestimmen und den Scheitelbrechwertgradienten einer solchen Linse zahlenmäßig zu erfassen, ist es erforderlich, ein modernes Scheitelbrechwertmessgerät mit einem „Mapping-System“ zu verwenden, wie das Rotlex ConTest oder das Visionix 2001. Diese Geräte sind in der Lage, eine „power map“, also eine Visualisierung der Scheitelbrechwertverteilung von Kontaktlinsen mit gleitender optischer Wirkung, zu liefern.

Ein typischer, mit dem Gerät Visionix 2001 gemessener Scheitelbrechwertverlauf einer QuasarPlus -Kontaktlinse ist in Abbildung 4 dargestellt. Im Falle der QuasarPlus wurde der Scheitelbrechwertverlauf in Luft mit der „Kontaktlinsendesign-Software“ berechnet. Zum Vergleich wurde die mit dem Visionix 2001 ermittelte Scheitelbrechwertverteilung herangezogen.

Visionix 2001
Abbildung 4: Ein typischer Scheitelbrechwertverlauf einer QuasarPlus,
gemessen mit dem Gerät Visionix 2001.

Die Beziehung zwischen Kontaktlinse und Hornhaut

Obwohl sich die Rückflächengeometrie der QuasarPlus-Kontaktlinsen von derjenigen normaler sphärischen Kontaktlinsen unterscheidet, ist das Anpassverhalten zwischen der Kontaktlinse und der Hornhaut ungefähr vergleichbar, besonders wenn es um die Auflage im Bereich des Apex und des Randes geht. Bei der Berechnung der benötigten asphärischen Flächen werden für jede Verordnung die topographischen Gegebenheiten der Hornhaut und die Brillenglaskorrektion berücksichtigt.

Abbildung 5a zeigt das Fluoreszeinbild einer getragenen normalen dreikurvigen Kontaktlinse, während in Abbildung 5b eine Computersimulation des Tränenfilms im flacheren Hauptmeridian zu sehen ist. Mit einer Tränenfilmdicke von 15 Mikron im Apex und etwa 95 Mikron am Rand liegen hier typische Verhältnisse vor.

Fluobild
Abbildung 5a

Tränenfilm
Abbildung 5b

Wenn eine für ein bestimmtes Auge berechnete und hergestellte QuasarPlus -Kontaktlinse eine asphärische Rückfläche besitzt, um eine gleitende optische Wirkung zu bieten, hat sie das gleiche Sitzverhalten wie die zuvor getragene sphärische Kontaktlinse (Abbildungen 6a und 6b).

Fluobild
Abbildung 6a

Tränenfilm
Abbildung 6b

Herstellung der Kontaktlinsen

Wenn die asphärische Geometrie festgelegt ist, kann die Kontaktlinse mit Hilfe einer geeigneten CNC-Drehbank produziert werden. Die Firma No. 7 Contact Lens Laboratory verwendet in einer für QuasarPlus eingerichteten Produktionslinie eine in der Abbildung 7 dargestellte „DAC-Mehrachsen-CNC-Drehmaschine“.

Drehbank
Abbildung 7: Eine numerisch kontrollierte Drehbank (DAC) der Produktionslinie für QuasarPlus.

Leistungsfähigkeit der QuasarPlus

Um die Leistungsfähigkeit der QuasarPlus zu ermitteln, wurde eine klinische Prüfung bei Eurolens Research Ltd. (UMIST) durchgeführt; diese ergab eine Erfolgsquote von 86 Prozent. In dieser Studie [3] trugen 28 Personen die Kontaktlinsen drei Monate lang. Alle Personen waren presbyop im Alter zwischen 45 und 68 Jahren und benötigten einen Lesezusatz von +0,75 bis +2,50 dpt.

Die Ergebnisse der Studie dokumentieren, dass der LogMAR-Brillenvisus bei hohem Kontrast bei der Erstkontrolle im Mittel +0,10 +/- 0,12 (ungefähr 6/7,5 +/- einer Snellen-Linie) betrug. Die Visusergebnisse mit der endgültigen QuasarPlus -Kontaktlinse mit gleitender optischer Wirkung waren mit +0,12 +/- 0,10 LogMAR vergleichbar. Es wurden also zwischen der Erstkontrolle mit der verwendeten Brille und mit den QuasarPlus -Kontaktlinsen mit gleitender optischer Wirkung keine Unterschiede bezüglich der Sehschärfe bei hohem Kontrast festgestellt.

Binokulare Presbyopiekorrektion bei Verwendung von Kontaktlinsen: „Leicht anzupassende“ Produkte sind notwendig

Aus der Bevölkerungsstatistik und aus den Zahlenangaben über Verordnungstendenzen ist offensichtlich, dass formstabile Bifokalkontaktlinsen noch nicht in ausreichender Zahl verordnet werden. Viele Anpasser machen dafür das Fehlen guter Produkte verantwortlich. Die relativ hohen Kosten gekoppelt mit der Erfahrung, sehr oft keinen Erfolg zu haben, hat zweifellos in den Köpfen vieler Fachleute aus dem Bereich der Augenoptik ein Vorurteil gegen formstabile Bifokal-/ Multifokalkontaktlinsen entstehen lassen.

QuasarPlus spricht diese Punkte an und bietet ein einzigartiges, von einer Leistungsgarantie unterstütztes System an. Das QuasarPlus -System zeichnet sich durch einen hervorragenden Anfangserfolg aus und birgt kein finanzielles Risiko, weil es durch eine dreimonatige, kostenlose Tausch-, bzw. Rücknahmegarantie der Linsenhersteller unterstützt wird. Dieses kann die Einstellung der Kontaktlinsenspezialisten gegenüber dieser Produktart ändern.

Autor dieser Publikation: Tony Hough

opti München

Kontaktadresse:
No. 7 Contact Lenses (Deutschland) e.K.

Im Baumstück 1
D-61273 Wehrheim

Tel.: +49 (6081) 445094
Fax: +49 (6081) 445096
Mail: info@no7-contact-lenses.de

Web: http://www.no7-contact-lenses.de

Literaturhinweise:

[1] Barr J T. Contact lenses 2001. Contact Lens Spectrum January 2002, 22-28
[2] Morgan PB, Efron N, Woods CA, Jones D, Tranoudis Y, van der Worp E, Helland M. International contact lens prescribing. Contact Lens Spectrum January 2002, 42-45.
[3] Woods C, Ruston D, Hough T, Efron N. The clinical performance of an innovative back surface multifocal contact lens in correcting presbyopia. CLAO Jnl July 1999 25;3 176-181