Rotationsstabilität und Augenreiben beim Tragen torischer Kontaktlinsen

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Eine scharfe, klare Sicht vom Aufstehen bis zum Schlafengehen ohne Schwankungen in der Sehschärfe ist für Kontaktlinsenträger von großer Bedeutung. Für Menschen mit Astigmatismus ist dieses Ziel schwieriger zu erreichen, insbesondere wenn der Astigmatismus nur schwach ausgeprägt ist (weniger als 1,00dpt). Solche Kunden werden gelegentlich mit sphärischen Linsen versorgt, was eine nicht optimale Sehkorrektur zur Folge hat. Bei denjenigen, die torische Kontaktlinsen tragen, wird die Sehleistung durch andere Faktoren beeinflusst, wie z.B. Augenreiben und Rotationsstabilität der Kontaktlinse.

In einer globalen Studie mit Testpersonen, bei denen eine Sehkorrektur vorgenommen wurde, waren die Sehqualität und eine möglichst natürliche Sehleistung die beiden wichtigsten Anforderungen astigmatischer Fehlsichtiger bei der Auswahl ihrer Sehkorrektion [1]. Von den 1.624 Testpersonen mit Astigmatismus, die an der Studie teilnahmen, berichteten 46,5% über unklare oder verschwommene Sicht, die viele von ihnen (87%) als störend empfinden. Diese Probanden berichten, dass sie keine vollständig zufriedenstellende Lösung für diese Symptome haben, aber sehr daran interessiert sind, eine zu finden.1 Da 70% dieser astigmatischen Fehlsichtigen sich im Zusammenhang mit Informationen über Augengesundheit und Sehkorrektur an ihren Kontaktlinsenspezialisten wenden, ist es die Rolle des Anpassers, die beste Modalität für seine Kunden mit Astigmatismus auszuwählen [1]. In vielen Fällen sind weiche torische Kontaktlinsen die optimale Wahl; allerdings gibt es Faktoren, die bei der Auswahl der besten Linsenmarke bedacht werden sollten.

Augenreiben und Rotationsverhalten beim Tragen weicher torischer Kontaktlinsen

Zwar wurden bei der Entwicklung torischer Kontaktlinsen beträchtliche Fortschritte erzielt, die Linsenrotation wirkt sich aber nach wie vor auf die Sehleistung aus und kann eintreten, wenn der Kontaktlinsenträger blinzelt oder sich die Augen reibt [2]. Laut einer aktuellen Studie mit 502 Testpersonen zwischen 18 und 44 Jahren (Träger torischer und sphärischer Linsen), reiben sich Kontaktlinsenträger aus den verschiedensten Gründen regelmäßig ihre Augen [3]. Die häufigsten Gründe für das Augenreiben sind u.a. juckende Augen, müde Augen und Ablagerungen unter der Linse (Abbildung 1) [3]. In der Studie wird berichtet, dass 87% der Testpersonen, die torische Linsen tragen, ihre Augen etwa 6,3-mal pro Tag reiben, wenn sie Kontaktlinsen tragen. Dies geschieht häufiger als bei Kontaktlinsenträgern, die sphärische Linsen tragen [3].

Gründe für das Augenreiben
Abbildung 1. Die häufigsten Gründe für das Augenreiben beim Tragen torischer Kontaktlinsen [3]

Augenreiben kann sich auf die Sehleistung von Kontaktlinsenträgern auswirken. Träger torischer Kontaktlinsen bemerken, dass sich ihre Linsen spontan bewegen und dann eine Weile brauchen, bis sie wieder an ihrem Platz sind [3]. Klinisch manifestiert sich dies dahingehend, dass 77% der Testpersonen, die torische Linsen tragen, nach dem Reiben der Augen eine schwankendes, veränderliches bzw. verschwommenes Sehen erleben. Etwa 1/3 der Träger torischer Kontaktlinsen sagt aus, dass es bis zu 30 Sekunden dauern kann, bis ihre Sicht sich wieder normalisiert [3]. Eine schwankende Sehleistung wirkt sich bei bestimmten Aktivitäten störend aus, beispielsweise beim Autofahren, bei Bildschirmarbeiten, oder wenn etwas auf oder unter der Kontaktlinse zu spüren ist (Abbildung 2) [3].

Situationen für das Augenreiben
Abbildung 2. Situationen, bei denen Kunden mit torischen Linsen eine schwankende Sehleistung als störend empfinden [3]

Stabilität ist entscheidend, um Schwankungen in der Sehleistung bei torischen Kontaktlinsen in den Griff zu bekommen

Um Schwankungen in der Sehleistung bei torischen Linsen in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, eine Kontaktlinse zu verordnen, die in der Lage ist, nach der Rotation in ihre primäre Orientierung zurück zu gelangen. Rotationsverhalten bezeichnet, wie schnell eine Linse nach einem Eingriff wie z.B. dem Augenreiben wieder ihre gewünschte Orientierung einnimmt [2].

Jeder Hersteller torischer Kontaktlinsen verwendet ein anderes Design, um die Kontaktlinsen zu stabilisieren. Es kommen verschiedene Designs zum Einsatz, um die Stabilität zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass weiche torische Kontaktlinsen nach der Rotation schneller in ihre gewünschte Position zurückkehren (Tabelle 1). In einer von Cairns (2010) durchgeführten Studie wurde die Rotationsstabilität zweier verschiedener Designs zur Stabilisierung bewertet [2]. Die Ergebnisse zeigen, dass das Quick Alignment System™ im Vergleich zum Accelerated Stabilization Design ein besseres mittleres Rotationsverhalten und besseres Rotationsverhalten bei der Rückkehr innerhalb von 10° der primären Orientierung innerhalb einer Minute zeigt. Das Design zur Linsenstabilisierung kann sich auch auf die erzielte Sehkorrektur auswirken und ist ein weiterer Faktor, der bei der Empfehlung einer torischen Kontaktlinse für astigmatische Fehlsichtige berücksichtigt werden sollte.

Quick Alignment System

Der untere Teil der Kontaktlinse verfügt über mehr Ballast, und eine um 360 Grad verlaufende Abschrägung verringert die Masse an der Basis der Linse, sodass die Dicke an der Linsenperipherie ausgeglichen wird. Eine präzise optische Zone trägt dazu bei, Abweichungen im vertikalen Dickenprofil auszugleichen, indem die Durchmesser der vorderen und hinteren optischen Zone angepasst werden

Das ausgeglichene Dickenprofil stabilisiert die Linse beim Blinzeln und geöffneter Lidposition durch dynamische und statische Kräfte des Augenlids.
Accelerated Stabilization Design

Dieses Design verwendet vier aktive Zonen in der Nähe der mittleren Peripherie der Linse, um die Linsenrotation zu minimieren. Diese Stabilisierungszonen haben im Vergleich zum Rest der Linse ein dickeres Profil. Die Stabilisierungszonen sind so ausgelegt, dass sie sich innerhalb der interpalpebralen Öffnung befinden.

Dünne Zonen oben und unten an der Linse machen es möglich, dass die Linse durch den von den Augenlidern ausgeübten Druck stabilisiert wird, da eine Rotation behindert wird.

Tabelle 1. Kontaktlinsendesigns, die zur Verbesserung der Stabilität und des Rotationsverhaltens bei torischen Kontaktlinsen eingesetzt werden

Schlussfolgerungen

Träger weicher torischer Kontaktlinsen sind hoch motiviert durch das Versprechen eines besseren Rotationsverhaltens (schnelleren Zurückkehrens in die gewünschte Position) ihrer Linsen [3]. Viele wünschen sich, dass ihr Kontaktlinsenspezialist ihnen eine Linse verordnet, die nach dem Reiben der Augen schneller an ihre Position zurückkehrt [3]. Daher, sollte bei der Auswahl der am besten geeigneten weichen torischen Kontaktlinse für astigmatische Fehlsichtige die Rotationsstabilität berücksichtigt werden. Kontaktlinsenspezialisten können das Auftreten von Problemen mit der Rotation verringern, indem sie eine Linse mit erwiesenermaßen gutem Rotationsverhalten und Rotationsstabilität verordnen. Die Auswahl einer Linse mit Quick Alignment System™ zur Stabilisierung führt nachweislich zu einem besseren Rotationsverhalten, als dies beim Accelerated Stabilisation Design der Fall ist.

Weitere Infos: www.academyofvisioncare.de

Quellen

  1. Market Probe Europe. Needs, Symptoms, Incidence, Global eye Health Trends (NSIGHT) Study. Dezember 2009.
  2. Cairns G. Rotational stability of silicone hydrogel toric contact lenses. Optician. 2010; Januar 8.
  3. Gillmeister E. Decision Analyst. Rub Your Eyes Consumer Research März 2010.