Seminarbericht – Fortbildungsveranstaltung Optometrie

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Letztes Wochenende fand in Wien die alljährliche Fortbildungsveranstaltung Optometrie statt. Der Wiener Berufsgruppenobmann KommRat Anton Koller, MSc begrüßte die zahlreich erschienenen Optometristen zu den Einzelseminaren im Wiener Palais Festetics und dankte Dr. Walter Gutstein für die ausgezeichnete Organisation der Veranstaltung. Schon zum Vormerken: nächstes Jahr wird die Fortbildungsveranstaltung Optometrie wieder am ersten Oktoberwochenende, 3-4.10.2014, stattfinden.

Legasthenie aus der Sicht des Lehrers und Trainers
Elisabeth Ryslavy M.Ed.
Begleitlehrerin der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz
Dr. Walter Gutstein, MSc
Optometrist

Elisabeth Ryslavy M.Ed. arbeitet seit 20 Jahren im Volksschulbereich und ist unter anderem Legasthenietherapeutin – nicht Legasthenietrainerin wie sie betonte, denn es geht darum nicht die Legasthenie zu trainieren, sondern Betroffene zu unterstützen nicht mehr legasthenisch zu sein. Sie betonte in Ihren Ausführungen, dass die ersten Symptome in der Schule auffallen und die Schule laut Schulorganisationsgesetz §2 auch Betroffene unterstützen sollte. Das Ziel ist, dass die Kinder im weiteren voll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. "Knapp 15 Prozent der Schüler können nicht sinnerfassend lesen", so Ryslavy.

§ 2. Aufgabe der österreichischen Schule

Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen. Die jungen Menschen sollen zu gesunden, arbeitstüchtigen, pflichttreuen und verantwortungsbewussten Gliedern der Gesellschaft und Bürgern der demokratischen und bundesstaatlichen Republik Österreich herangebildet werden. Sie sollen zu selbständigem Urteil und sozialem Verständnis geführt, dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen sowie befähigt werden, am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt Anteil zu nehmen und in Freiheits- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.

Die beobachtbaren Faktoren bei Schulkindern umfassen Schrift, Lesetempo, Rechtschreibfehler, sprachliche Ausdrucksweise und Verhaltensweisen. Wo könnten aber nun die Signale einer LRS erkannt werden? Ryslavy berichtete über die vielfachen Möglichkeiten eine LRS noch vor der Einschulung (genetisches Risiko und phonologische Bewusstheit) und in der Schule (Buchstabensalat, Orthographie, Übungsresistenz, Buchstabenerkennung, Worterkennung und Sinnerfassung) zu erkennen. Außerdem sind Sprachentwicklungsstörungen, AD(H)S, Dyskalkulie, emotionale und motorische Auffälligkeiten zu beobachten. In allen diesen Fällen benötigt das betroffene Kind Hilfe vom schulpsychologischen Dienst, einen Förderplan und ein Entwicklungsprofil.

Elisabeth Ryslavy M.Ed.
Elisabeth Ryslavy M.Ed.

Wird die Notwendigkeit einer Legasthenietherapie erkannt, so ist die Aufnahme mit dem Kontakt zu einem Legasthenietherapeuten der nächste logische Schritt. Er oder sie beginnt mit der Arbeit dort, wo die Schule aufgibt. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Suche nach den Ursachen einer LRS und die Kontaktaufnahme zu Fachleuten. Nachdem die Ursache bekannt ist, wird ein Förderprogramm erstellt und das Ziel gesetzt, das Kind so schnell und nachhaltig wie möglich als kompetenten Leser und Schreiber zu entlassen.

Nachweis einer LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche)

Nach einem Informationsgespräch sollte der Entwicklungsstand und die Rechtschreibung mit einem geeigneten Testverfahren ermittelt werden. Häufig kommt dabei der Salzburger Lese- und Rechtschreibtest zur Anwendung. Er ist ein Verfahren zur differenzierten Erfassung von Schwächen des Schriftspracherwerbs. Er hilft bei der Beurteilung von Teilkomponenten des Lesens und Rechtschreibens und stellt in weiterer Folge dann auch die Basis für die Erstellung detaillierter Förderpläne dar. Er besteht unter anderem aus einem Ein-Minuten-Leseflüssigkeitstest. Dieser erfordert das laute Vorlesen von Wörtern oder Pseudowörtern. Die Lesezeit ist dabei auf eine Minute beschränkt. Der Tester erkennt dadurch Defizite in der Worterkennung und des lautierenden Lesens. Die Beurteilung der Leseleistung wird von der 1. Schulstufe bis ins Erwachsenenalter differenziert betrachtet. Der Rechtschreibtest erhebt die Eignung, Diktiertes orthografisch korrekt in Rahmensätze einzufügen. In diesem Zusammenhang wird die Groß- und Kleinschreibung ebenfalls kritisch betrachtet und beurteilt.

Mögliche Tests um das Lesen und die Rechtschreibkompetenz zu evaluieren

Lesen

  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest – SLTR (1997)
  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest II – SLRT II (2010)
  • Salzburger Lese-Screening – SLS
  • Würzburger Leise Leseprobe – WLLP
  • Würzburger Leise Leseprobe – Revision – WLLP-R (2011)

Schreiben

  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest – SLTR (1997)
  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest II – SLRT II (2010)

Im Zuge des Seminars wurden mit den Optometristen einzelne Fallbeispiele erarbeitet.

Fall 1: Verena ist Ende August geboren und kam deshalb gleich nach ihrem 6. Geburtstag zu ihrer Einschulung. Sie stellte sich erst in der 4. Klasse Volksschule – also im September mit 9 Jahren – bei der Legasthenietherapeutin ein. Grund waren massive Probleme beim Lesen und Schreiben. Die Eltern hatten den Wunsch, dass Verena die AHS-Reife erlangt. Die Eltern beobachteten, dass Verena nicht gerne liest, "schlampig schreibt" und auffällig verweigert Geschichten zu schreiben. Sie klagte auch über "Nicht-Sehen" beim Fernsehen. In der Klasse fiel sie auf, dass sie immer laut mitlas. Die LRS-Tests ergaben:

  • SLT: PR 1-9
  • SRT: PR 50-31
  • WLLP: PR 10
  • SLS: PR 12

Ein Prozentrang (PR) von 50 bedeutet zum Beispiel, dass 50% der Kinder ihrer Altersstufe in dem jeweiligen standardisierten Lesetest besser abgeschnitten haben als Verena.

Beim Nachfahren von Figuren gelang es Verena nicht auf den Linien zu bleiben. An der Schrift erkannte man, dass sie uneinheitlich war und sie in verschiedenen Richtungen abfiel. Dr. Gutstein zeigte auf, dass die ersten Worte in Texten immer gut geschrieben waren und mit zunehmendem Umfang schlechter wurden. Die optometrische Evaluierung ergab einen Visus > 1,00, das binokulare Sehen in der Ferne war unauffällig. Der ACA-Quotient lag allerdings bei 12:1. Ein Konvergenzexzess lag als Ursache vor. Die Korrektur erfolgte mit einer Lesebrille mit +2,00dpt und 2cm/m Basis außen. Um eine wirksame Förderung zu erreichen sind ein regelmäßiges Training bei einer/m LegasthenietherapeutIn und nach der initialen Brillenversorgung die fortlaufende Kontrolle beim Optometristen unbedingt notwendig.

Fall 2: Sophie wurde im April geboren und hatte ihre Einschulung mit 6 ½ Jahren. Bereits nach vier Monaten Schule wurde sie bei einer Legasthenietherapeutin vorstellig. Beobachtet wurde, dass sie gerne malt aber von "Knopf im Kopf" berichtete und die Hausübungen sich sehr langwierig gestalteten. Sie las keine Angaben und litt darunter, wenn der Lehrer von ihr ein lautes Vorlesen verlangte. Sie hatte ebenfalls Schwierigkeiten Linien nachzuziehen. Beim Nachziehen von Linien wählte sie nicht ohne Grund deshalb eine gelbe Farbe, damit man ihre Fehler nicht so sehen würde. Die LRS-Tests ergaben:

  • WLLP PR 53
  • SLS PR 31
  • SLT II 95

Auffällig an LRS sind vorrangig Schreibfehler, welche mit Orthographie nichts mehr zu tun haben, wie zum Beispiel Brood statt Brot. Beim Schreiben auf linierten Papier waren die Buchstaben typischerweise einmal oberhalb, einmal auf und einmal unter der Linie.

Dr. Gutstein machte darauf aufmerksam, dass Sophie beidseits einen monokularen Visus von 1,20 hatte. Sie zeigte eine geringe Hyperopie von +0,50dpt beidseits, welche kedoch nicht kausal für die LRS war. In weiterer Folge zeigten Tests einen sehr geringen ACA-Quotienten und untermauerten eine Konvergenzinsuffizienz. Diese wurde mit einer Planobrille mit beidseits jeweils 2cm/m Basis innen kompensiert.

Fall 3: Paul war das jüngste Geschwisterchen in einer Familie und berichtete, dass "Schreiben mühsam ist". Er wies eine gewisse Unruhe auf und zeigte in seinem Schreiben Spiegelungen an beiden Achsen und verwechselte Plus und Minus. Ballspiele waren im erstaunlicherweise verhasst. Das Lesen mochte er wohl, den Deutschunterricht empfand er allerdings als sehr anstrengend. Beim Schreiben rutschte er im Schriftbild immer wieder von den Linien ab und benötigte zum Schreiben der Wörter auffallend viel Zeit. Die LRS-Tests ergaben:

  • SLT PR 80
  • SRT PR 31
  • WLLP PR 45
  • SLS PR 73

Paul hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Lesebrille von +0,50dpt beidseits. Die optometrische Evaluierung ergab jedoch, dass OD eine Hyperopie von +1,50dpt und OS +0,50 vorlag. Der ACA war im Normalbereich. Mit der Hyperopie-Vollkorrektur OD wurde Paul’s Schreibvermögen rasch besser.

Fall 4: Moritz – ein Lehrerkind – wurde mit 6 Jahren und 9 Monaten eingeschult. Die erstmalige Vorstellung bei der Legasthenietherapeutin war in der 3. Klasse Volksschule, da man Sorge um die AHS-Reife hatte. Das Kind hatte laut seinen Eltern Probleme beim Lesen und Schreiben. Die LRS-Tests waren überraschend gut und ergaben:

  • SLT PR 1
  • SRT PR<1
  • WLLP PR 6
  • SLS PR 1

Bei der optometrischen Konsultation stellte sich heraus, dass Moritz wohl bereits eine Brille besaß, diese aber nicht trug. Es war noch dazu nicht irgendeine Brille, sondern eine mit prismatischer Korrektur. Bei den obigen Tests hatte er seine Heterophorie offensichtlich temporär kompensiert. Die bestehende Brille war mit Plangläsern und Höhenprismen versehen. Die optometrische Evaluierung ergab jedoch einen geringen ACA und eine Konvergenzinsuffizienz. Die Korrektur erfolgte mit beidseits +2,00dpt und jeweils 2cm/m Basis innen.

Fall 5: Rebecca wurde mit 6 Jahren und 7 Monaten eingeschult und wurde als kreativ und musikalisch beschrieben. Sie hatte jedoch auffälliger weise keinen Zugang zu Büchern und berichtete, dass das Lesen für sie anstrengend war. Der Klassenlehrer von Rebecca vermutete eine Problem in der visuellen Differenzierung. Sie arbeitete mit der Nase knapp am Blatt und um Lesen zu können, kippte sie das Buch immer wieder hin und her um einzelne Buchstaben auszunehmen. Die standardisierten LRS-Tests ergaben:

  • SRT PR 9
  • WLLP PR 33 (2. Klasse)
  • PR 3 (3. Klasse)
  • SLS PR 5
  • SLT II PR 8

Das Schriftbild war auffällig unstetig. Eine Lesebrille mit +0,50dpt beidseits war vorhanden und wurde ab und zu eingesetzt. Auch hier war die Hyperopie zu schwach korrigiert. Die Erhöhung der Werte auf beidseits +2,00dpt führte zu einer signifikanten Steigerung der Leseleistung des Kindes. Im Abschluss wies Dr. Gutstein darauf hin, dass eine gute interdisziplinäre Vernetzung zum Wohl der Kinder notwendig ist. Ryslavy schloss ihren Beitrag mit dem Montessori Grundsatz und der Anregung für die Optometristen: "Hilf mir, es selbst zu tun".

Glaucoma
Prof. Dr. Rachel North
Cardiff University, Director of Clinics

Rachel North freute sich über den Zuwachs der Optometristen zur Fortbildungsveranstaltung Optometrie in Österreich. In ihren Ausführungen erinnerte Sie einmal mehr, dass ein Glaukom nicht nur durch einen zu hohen Augendruck ausgelöst wird. An einem Glaukom ist per Definition vielmehr eine Gruppe von Erkrankungen schuld, welche charakteristische Veränderung am Nervus opticus und der Nervenfaserschicht verursachen.

North wies darauf hin, dass in Großbritannien 10 Prozent der als blind registrierten Personen aufgrund eines Glaukoms ihr Sehen verlieren. Die Alterspyramide begünstigt dieses Phänomen. Die Anzahl der an Glaukom erkrankten wird laut statistischen Einschätzungen in den nächsten zwei Dekaden um 33% steigen.

Prof. Dr. Rachel North
Prof. Dr. Rachel North

Ein Offenwinkelglaukom tritt typischerweise in einem Alter über 40 Jahre mit einem IOP>21mmHg ein. Die Risikofaktoren sind neben dem Alter auch eine dünne Hornhaut, ein vergrößerter Sehnervenkopf, die ethnische Zugehörigkeit (Westafrikaner haben eine höhere Prävalenz), eine positive Familienanamnese und Myopie. Desweiteren erklärte sie die Evaluierung des neuroretinalen Rings und die ISNT-Regel. Die Veränderungen im neuroretinalen Ring gehen mit einem Verlust der Ganglienzellenschicht der Netzhaut einher. Diese Abnormitäten können sich lokal oder diffus präsentieren. Im letzteren Fall ist die ISNT-Regel allerdings nicht hilfreich. Zusätzliche Auffälligkeiten können eine arterielle Verdünnung am neuroretinalen Ring, eine peripapilläre Atrophie, eine nasale Versetzung oder Abknickung der Blutgefäße am Sehnervenkopf, eine Veränderung der Exkavationstiefe und eine Asymmetrie der Exkavation zwischen den beiden Augen sein.

Die ISNT-Regel

Im Regelfall ist die Nervenfaserschicht unten = inferior (I) am breitesten, und oben = superior (S), nasal (N) und temporal (T) im Vergleich jeweils etwas dünner.

Ist hingegen die Nervenfaserschicht zum Beispiel unten oder/und oben am dünnsten, dann besteht der dringende Verdacht einer Glaukomschädigung.

Ein c/d-Ratio (das Verhältnis von Exkavation zum Gesamtdurchmesser des Sehnervenaustritts) ≥ 0,5 tritt nur in 10 Prozent der Bevölkerung auf. Das vertikale Verhältnis von Exkavation zum Gesamtdurchmesser der Papille ist am aussagekräftigsten. Wichtig ist zudem die Einschätzung der gesamten Sehnervenkopfgröße. So kann ein c/d-Ratio von 0,80 bei Sehnervenköpfe von ≥ 3mm normal sein, aber ein c/d-Ratio von 0,3 bei einem Sehnervenkopf von ≤ 2mm abnormal sein. Als Abnormal werden c/d-Ratio-Asymmetrien von > 0,20 zwischen den beiden Augen klassifiziert. North erklärte, wie man mit unterschiedlichen Linsen und Vergrößerungen die Größe des Sehnervenkopfs errechnen kann.

Kaukasier (Menschen europäischer Abstammung) weisen einen durchschnittlichen Augendruck von 15,5mmHg (SD 4,5mmHg) auf. Der normale Bereich reicht von 10-21mmHg. Die Tagesschwankung beträgt etwa 4mmHg. 15 bis 25 Prozent der Klienten mit einem Offenwinkelglaukom haben unter Tags einen normalen Augeninnendruck, also geringer als 21mmHg. Dickere und steilere Hornhäute führen tendenziell zu einem überschätzten Augeninnendruck, während dünne und flache Hornhäute zu einem unterschätzten Augeninnendruck führen.

Glaukomverdacht?

  • c/d-Ratio ≥ 0,5 (Größe des Sehnervenkopfes berücksichtigen)
  • c/d-Ratio-Asymmetrien von > 0,20
  • Augeninnendruck >21mmHg
  • Für Glaukom typische Gesichtsfeldsdefekte
  • ISNT Regel nicht erfüllt
  • Peripapilläre Atrophie
  • Nasale Versetzung oder Abknickung der Blutgefäße am Sehnervenkopf
  • Arterielle Verdünnung am neuroretinalem Ring

North verwies unter anderem auf Zusammenhänge bei einem Offenwinkelglaukom und Blutdruckpatienten, welche am Abend Medikationen zum Absenken des erhöhten Blutdrucks einnehmen und – in der Nacht folgend – eine Hypotension aufweisen. Das Problem des Glaukoms ist, das es für den Betroffenen keine Vorwarnungen gibt. Die ersten Symptome tauchen typischerweise erst bei massiven Gesichtsfelddefekten auf, welche sich aber erst ab einen Verlust von 50% der Nervenfasern bemerkbar machen. Deshalb forderte North die anwesenden Optometristen zu genauen Screenings von Personen – besonders in Risikogruppen auf.

Bezüglich der Pathophysiologie berichtete North von der aktuellen Hypothese aus einer Kombination von direkter, mechanischer Schädigung der Sehnerven und einer kapillaren Okklusion. Das Aufdecken eines Glaukomverdachts erfolgt primär durch die Evaluierung des Sehnervenkopfs, der Gesichtsfeldmessung und dem Messen des intraokularen Drucks. North erklärte im weiteren die Einschätzung der Vorderkammer mittels unterschiedlichen Methoden, wie der Eclipse, der Van-Herick und der Schaffer Grading Technik zur Evaluierung eines höheren Glaukom-Risikos.

Vertiefend erklärte North wie sekundäre Glaukome und chronische Engwinkelglaukome in der Spaltlampenuntersuchung erkannt werden können. Gegen Ende fasste North noch einmal die wesentlichsten Anzeichen einer Schädigung des Sehnervenkopfes zusammen, erklärte die aktuellen Möglichkeiten mit bildgebenden Verfahren, gab eine Übersicht über die aktuell verwendeten Pharmazeutika zur Reduzierung des intraokularen Drucks und komplettierte Ihre Fortbildung mit einem Quiz für die Optometristen.

Hauterkrankungen rund um das Auge
Dr. med.univ. Alexander Stella
Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Dermatologische Abteilung KH Hietzing

Für die Bevölkerung ist es hilfreich, wenn Gesundheitsberufe wie Optometristen die häufigsten Hauterkrankungen im Augenbereich erkennen und an den zuständigen Facharzt überweisen. Stella zeigte eine große Anzahl an Fallbeispielen mit dermatologischen Auffälligkeiten und vertiefte das Wissen der Optometristen unter anderem zu Frühstadien von dermatologischen Pathologien. Wie etwa die reaktive Gelenksentzündung, die gerne nach Durchfallerkrankungen auftritt, und bevorzugt mit Konjunktivitis, Brennen beim Urinieren und Gelenksschmerzen einher gehen kann. Morbis Behcet kann zu offene Stellen im Mundbereich und Genitaltrakt führen, jedoch sind auch Augenbeteiligung in Form einer Iritis möglich. Hier zeigt sich wie wichtig die Anamnese im optometrischen Alltag sein kann.

Im weiteren zeigte Stella Fallbeispiele von Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) und Melasma. Bei von einem Albinismus betroffenen Klienten – bei einer universellen Verminderung oder Fehlen von Melanin in Haut, Haar und Augen – wies Stella auf die Möglichkeit eines Nystagmus hin.

Dr. med.univ. Alexander Stella
Dr. med.univ. Alexander Stella

Weitere Fallbeispiele widmeten sich Allergien, Heuschnupfen, Nesselausschlag (Urticaria) und Infektionskrankheiten rund um das Auge. Auch das Gerstenkorn und Hagelkorn wurde eingehend betrachtet. Bei letzterem sensibilisierte Stella auch an einen Talgdrüsentumor zu denken – insbesondere wenn es zu einer Größenzunahme kommt.

Von lebenserhaltender Bedeutung kann das Erkennen von Tumoren im Augenbereich sein. Nicht alle sind metastasierend. So sind Hämangiome (Blutschwämme) meist sogar selbst limitierend. Semimaligne Tumore wie das durchwegs häufig anzutreffende Basaliom zerstören lokale Strukturen, bilden jedoch keine Metastasen. Typisches Anzeichen ist ein Bluten ohne Abheilung. In der Frühform präsentiert sich das Basaliom als weißlicher, schüsselförmiger Knoten, der beim Betasten einen knackigen Charakter aufweist. Mit zunehmendem Stadium wird das Basaliom größer und mit Gefäßen überzogen. Hier wären aufmerksame Optometristen hilfreich, da ein Basaliom im Frühstadium gut therapierbar ist, so Stella.

Das maligne Melanom ist ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen. Er neigt dazu, früh Metastasen über Lymph- und Blutbahnen zu streuen.

Beurteilung von Pigmentierungen nach der "ABCDE-Regel"

  • A – Asymmetry (Asymmetrie): nicht symmetrisch, beispielsweise nicht rund oder oval
  • B – Border (Begrenzung): unregelmäßig oder unscharf
  • C – Colour (Farbe): unterschiedlich starke Pigmentierung, Mehrfarbigkeit
  • D – Diameter (Durchmesser): größer als 5 mm
  • E – Evolution (Erhabenheit/Entwicklung): neu und in kurzer Zeit entstanden auf sonst flachem Grund

Lieber einmal mehr – als einmal zuwenig – zum Hautfacharzt überweisen!

Ein Melanom kann auch in der Chorioidea oder der Iris vorkommen und ist die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit. Im Augenbereich liegt zudem eine spezielle Situation aufgrund des fehlenden Lymphabflusswegs vor. Die bevorzugte Streuung des Melanoms verläuft über den Blutweg zur Leber. Bei Betrachtungen von Pigmentierungen im Augenbereich sollte die ABCDE Regel herangezogen werden, empfahl Stella.

Trockenes Auge
Dr. Heiko Pult

Das trockene Auge wird als multifaktorelle Beeinträchtigung der Tränen und der Augenvorderfläche definiert, welche subjektiv zu einem mangelnden Komfort, Sehbeeinträchtigung und zu einer Instabilität des Tränenfilms führen. Mögliche Auffälligkeiten umfassen unter anderem ein zu geringes Tränenvolumen und eine verkürzte Tränenaufreißzeit. Als klinisch relevante Testmethoden zeigte Pult NIBUT, LIPCOF, Meibomographie und den Osmolarität-Test. Desweiteren verwies Pult auf die Verwendung von Fragebögen, wie zum Beispiel dem Ocular Surface Disease Index (OSDI). In seinem weiteren Training wurden die einzelnen Tests, die Klassifizierung und das Grading genau erläutert. Für den Tränenmeniskus beschrieb Pult einen Tränenmeniskus von ≤0,2mm als unzureichend.

Trockenes Auge?

  • NIBUT
  • LIPCOF
  • Meibomographie
  • Osmolaritätstest

Die Dysfunktion der Meibomschen Drüsen (MGD) ist eine häufige Auffälligkeit im optometrischen Allttag und wird durch eine diffuse Störung der Meibomschen Drüsen charakterisiert. Auslöser sind Verstopfungen der Ausführungsgänge und/oder durch qualitative oder quantitative Veränderung der Drüsenfunktion.

Dr. Heiko Pult
Dr. Heiko Pult

Pult besprach zudem den Stellenwert einer ausgewogenen Ernährung und die Bedeutung von Omega 6 und Omega 3 Fettsäuren hinsichtlich eines stabilen Tränenfilms. Wiewohl deren Wirkungen in klinischen Untersuchungen noch umstritten sind, hat sich in der Praxis die Anwendung bei trockenen Augen als vorteilhaft herausgestellt.

Beweglicher weicher Kontaktlinsen in situ
KommRat Anton Koller, MSc
Optometrist

Überlegungen und die Interpretation des Ausmaßes einer Beweglichkeit von weichen Kontaktlinsen waren dem Fortbildungsteil mit KommRat Anton Koller, MSc zu entnehmen. Die Evaluierung der Passform weicher Kontaktlinsen am Auge erfolgt im Regelfall mittels Spaltlampe und visueller Einschätzung. Dabei wird dem Push-Up-Test in der Fachliteratur relativ großer Bedeutung geschenkt. Die Linsendynamik selbst ist nur durch Reibung möglich. Der Tränenfilm zwischen Linse und Auge nimmt eine Flüssigkeitsreibung an. Tiffany beschrieb die Reibung weicher Kontaktlinsen im Jahr 1991 mit 4,4 bis 8,3mPa/sek für Augen mit normalem Tränenhaushalt und 27,1 bis 31,1mPa/sek bei trockenen Augen.

Idealer Sitz weicher Kontaktlinsen am Auge nach gängiger Literatur

  • Die weiche Kontaktlinse sollte die Hornhaut beim Blick geradeaus und bei allen Blickpositionen abdecken ungefähr auf der Hornhaut zentriert sein.
  • Bewegung nach dem Lidschlag: Sollte bei 0,2 bis 0,4 Millimeter liegen.
  • Push-Up-Test: Beurteilung, wie leicht sich eine weiche Kontaktlinse mit dem Unterlid bewegen lässt und wie schnell sie danach wieder ihre zentrierte Position erreicht. Sie sollte weder unbeweglich sein, noch absacken, wenn sie nicht von den Lidern gehalten wird.

KommRat Anton Koller, MSc
KommRat Anton Koller, MSc

Koller erklärte die Theorien der Linsenbeweglichkeit in der Vergangenheit und Gegenwart. Er zeigte anhand von Fluoreszeinbildern, dass gängige Tauschsysteme bei gängigen Augengeometrien tendenziell relativ steil sitzen und sich beim Lidschlag nur wenig bewegen. Am Auge werden einige Materialien aufgrund der Körperwärme sogar noch steiler. Je dünner die weiche Linse, desto geringer ist ihre Beweglichkeit in situ, so Koller.

Ehrungen

Um den Stellenwert des Nachwuchses in der Optometrie zu unterstreichen, wurden im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung Optometrie Cornelia Fritz (1. Platz mit 89 Punkten), Elisabeth Fischer (2. Platz mit 82 Punkten) und Sabine Ebner (3. Platz mit 79 Punkten) für die Leistungen beim Lehrlingsbundeswettbewerb Augenoptik geehrt. Wir schließen uns den Gratulationen an und hoffen, dass eine oder alle der jungen Kolleginnen eine Ausbildung zur Optometristin weiterverfolgen werden.

Ehrungen
Direktor Ing. Markus Rainer, Cornelia Fritz (1. Platz),
Elisabeth Fischer (2. Platz) und Sabine Ebner (3. Platz)
im Augenoptiker Lehrlingsbundeswettbewerb,
Bundesinnungsmeister Peter Gumpelmayer, MSc und
Bundesinnungsgeschäftsführer Mag. Erwin Czesany