Tagungsbericht SICHTKONTAKTE 2019 in Hannover

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Tagungsbericht SICHTKONTAKTE 2019 in Hannover

Hannover war diesjähriger Austragungsort der Sichtkontakte 2019. Die dreitägige Veranstaltung wurde wieder gemeinschaftlich von der VDCO, der IVBS und des ZVA durchgeführt. Das Angebot umfasste Workshops und Vorträge. Wir haben einen Teil des Angebots für unsere Berichterstattung besucht.

Prof Dr. Werner Eisenbarth beschrieb in seinem Vortrag, Katarakt-OP bei AMD-Patienten, dass Menschen welche an AMD erkranken, meistens aufgrund des höheren Alters, auch schon Probleme durch einen Katarakt aufweisen. Oft steht dann die Katarakt Operation im Vordergrund der Behandlung, sodass die AMD weniger von den Betroffenen wahrgenommen wird. Durch diese verschobene Wahrnehmung sind einige Betroffenen nach der Katarakt Operation enttäuscht, da sie sich eine erhebliche Verbesserung der Sehleistung erwartet hätten. Somit ist es wichtig den Probanden aufzuklären, mit welchen realistischen Erwartungen seiner Lesefähigkeit nach der Katarakt OP zu rechnen ist.  

Anna Bachmann

Anna Bachmann referierte über die Refraktion nach der Katarakt Operation. Sie gab an, dass es sechs bis acht Wochen nach einer Katarakt Operation möglich ist, eine Refraktion durchzuführen. Die nach der Operation unterschiedlich ausgeprägten Arten der Blendung sind auf die Art der Kunstlinse, welche eingesetzt wurde, zurückzuführen. Nach der Behandlung des Nachstars entstehen die zahlreicheren Floaters”. Hierbei ist es wichtig diese Symptome nicht mit einer Netzhautabhebung zu verwechseln. 

Wolfgang Sickenberger

Mit der Sport Optometrie beschäftigte sich Prof Wolfgang Sickenberger. Bei seinen Messungen musste er immer wieder feststellen, dass auch Spitzensportler nicht immer bestens optisch versorgt sind, was das Verletzungsrisiko steigen lässt. Ebenso hat sich herausgestellt, dass der schlechte Tränenfilm auch bei Sportlern mehr Beachtung finden sollte, so Sickenberger.

Fabian Conrad

Innovationen umsetzen – Interaktionen zwischen Forschung und Industrie: Fabian Conrad, PhD war bereits vom Anbeginn an der Entwicklung einer neuen Multifokallinse beteiligt. Er beschreibt welche theoretischen Konzepte erdacht werden mussten, um sie dann als Computermodell durchzurechnen. Nach dem erfolgreichen virtuellen, mathematischen Ergebnis werden die Linsen im Labor gefertigt und den klinischen Tests unterzogen. Bis diese Linsen die Marktreife erlangen müssen sie noch weitere Studien mit unterschiedlichen Teilnehmern erfolgreich überstehen.

Beim Trouble Shooting von weichen Kontaktlinsen zeigte Gustav Pöltner, dass es doch nicht so leicht ist weiche Kontaktlinsen ohne wahrscheinlichen Dropout anzupassen. „Weiche Kontaktlinsen werden aufgrund ihres großen Durchmessers nicht so gut mit Feuchtigkeit versorgt“, so Pöltner. Ebenso ist die Compliance der Probanden bei weichen Kontaktlinsen viel nachlässiger und birgt damit ein hohes Dropout Risiko. So ist oft eine individuelle Weichlinse oder eine formstabile Kontaktlinse die bessere Lösung für ein langjähriges Tragen der Sehbehelfe und einen zufriedenen Kunden.

Silke Lohrengel

Silke Lohrengel MSc. gab Anregungen zur Myopieprophylaxe mit Kontaktlinsen und/oder Visualtraining. Bei ihren jungen myopen Kunden passt Lohrengel am häufigsten Ortho-K Kontaktlinsen an und klärt über die Sehhygiene auf. Sehhygiene bedeutet zum Beispiel, wie weit entfernt ein Lesetext gehalten werden soll und auch das täglich ein zweistündiger Aufenthalt im Freien empfohlen wird. Durch die Verwendung von Ortho-K Kontaktlinsen werden die Kinder oft selbstbewusster, so Lohrengel. Wenn sie eine fehlende Akkommodation- und Vergenz-Flexibilität bei diesen Kindern feststellt, empfiehlt sie diese mit funktionaloptometrischen Übungen zu beheben.

Sigrid Müller-Schotte

Über die Bedeutung des Alterns für den Menschen in unserer Gesellschaft referierte Dr. Sigrid Müller-Schotte. Bei ihren Recherchen stellte sie fest, dass sich die Lebenserwartung seit 1871 etwa verdoppelt hat. Aber auch das die chronischen Krankheiten durch das höhere Alter häufiger geworden sind. Ab einem Alter von 75 Jahren kommt es zu einer merkbaren Verminderung der noch selbst durchgeführten Tätigkeiten. Bei den visuellen Anforderungen hat das Kontraststehen einen höheren Stellenwert als der Visus, merkte Müller-Schotte an.

Carolin Truckenbrod

Bei der optometrischen Evaluierung von älteren Menschen ist zwischen der physiologischen, langsamen Visus-Verminderung und den starken, kurzfristigen Visus-Veränderungen zu unterscheiden, riet Carolin Truckenbrod. Die Veränderung des Kontrastsehens durch das Alter, aber auch durch Katarakt und AMD sollte dokumentiert werden. Das Amsler-Gitter als sehr aussagefähiger Gesichtsfeldtest auf 20° sollte immer monokular, mit der besten Nahkorrektur, ohne vorherige Blendung durchgeführt werden.  

Welche Veränderungen am Auge sind im Alter normal, was ist krankhaft? Diese schwierig unterscheidbaren Veränderungen beleuchtete Prof. Dr. Christian Meltendorf. So ist eine hintere Glaskörperabhebung ein physiologisch altersbezogener Vorgang, aber ein Hufeisenforamen in der Netzhaut, durch die Glaskörperabhebung, eine pathologische Veränderung welche behandelt werden muss. „Durch die Kenntnis harmloser altersbezogener Befunde können unnötige Besuche beim Augenarzt vermieden werden. Allerdings fordert die Abgrenzung gegenüber pathologischen Befunden klinische Erfahrung“, so Meltendorf.

Alina Kinder

Über die Mythen und Fakten bei der AMD referierte Alina Kinder. So ist die Ätiologie der AMD bei 2/3 der Betroffenen ein genetischer Hintergrund und Raucher erkranken signifikant früher an AMD. Als Risikofaktoren können ein höheres Alter, hohe Lichtexposition und das Rauchen angeführt werden. Therapieren kann man zurzeit nur die feuchte AMD. Da es aktuell keine Prävention gibt, ist das maximale Ziel welche es zu erreichen gilt, das Makula Ödem zu reduzieren, den aktuellen Status zu erhalten und die Betroffenen aufzuklären, so Kinder. 

Die Sichtkontakte werden nächstes Jahr in Berlin von 9.-11.10.2020 stattfinden. 

Susanne Nemetz, MSc
Die Autorin dieses Artikels, Susanne Nemetz, MSc
Augenoptikerin & Master of Science (Klinsche Optometrie/Clinical Optometry)