Bericht zur Weiterbildungsabend für Augenoptiker, Augenärzte und Orthoptisten in Niederösterreich

Nach dem coronabedingtem Ausfall 2020 und der Online-Variante 2021 konnte heuer der Weiterbildungsabend der Landesinnung der Gesundheitsberufe NÖ für Augen- und Kontaktlinsenoptiker, Optometristen, Augenärzte und Orthoptisten endlich wieder als Präsenzveranstaltung abgehalten werden. Das Thema der heurigen interdisziplinären Fortbildungsveranstaltung war „Vergrößernde Sehhilfen aus medizinischer und optometrischer Sicht“.

Etwa 50 Teilnehmer folgten am 12.10.2022 der Einladung von Landesinnungsmeister Mag. Dr. Markus Gschweidl, MSc, und Dr. Peter Gorka ins WIFI NÖ in St. Pölten. 

Als erster Referent beleuchtete Oberarzt Dr. Reinhard Angermann, PhD die medizinischen Aspekte. Einleitend stellte er die Einteilung der Sehbehinderung nach Definition der WHO in die Kategorien „mild“, „moderat“ und „schwer“ vor und nannte als Arten der Sehbehinderung den zentralen Sehverlust, den Tunnelblick, blinde Flecken, reduzierte Sehschärfe und Blindheit. Im Hauptteil seines Vortrages sprach Angermann über die häufigsten Augenerkrankungen, die zu Sehbehinderungen führen, nämlich die altersbedingte Makuladegeneration, diabetische Rethinopathie, pathologische Folgen einer hochgradigen Myopie, Glaukom, Retinitis pigmentosa sowie Netzhaut- und Hornhautdystrophien. Dabei ging er ausführlich auf die jeweiligen Ursachen, Inzidenzen, Verlaufsformen, klinische Zeichen, Symptome, Risikofaktoren und Therapien ein. Außerdem widmete er sich der Diagnostik und Früherkennung bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen mit und ohne Erkrankungsdiagnose, bevor er sich abschließend den Möglichkeiten der Rehabilitation zuwandte. Dabei stellte er fest, dass die Implantation von Elektroden beziehungsweise Mikrochips in die Netzhaut derzeit leider nur schemenhafte Eindrücke wie die Unterscheidung von Licht und Schatten zulässt.

Im zweiten Vortrag des Abends stellte Dr. techn. Nico Hauck, MSc seinen Weg einer strukturierten Vorgangsweise bei der Anpassung und Abgabe von vergrößernden Sehhilfen und Hilfsmittel vor. So ist im Zuge der Bedarfsermittlung und Anamnese zunächst festzustellen, welche Aspekte der Sehleistung beeinträchtigt sind, wie etwa ein reduzierter Sehschärfe, reduziertes Kontrastsehen, eingeschränktes Gesichtsfeld, erhöhter Lichtbedarf, erhöhte Blendempfindlichkeit, Adaptationsprobleme, reduziertes Farbsehen oder geringe visuelle Belastbarkeit, und welche Ziele und Wünsche die betroffene Person hat. In Folge wird, laut Hauck, eine Refraktion durchgeführt – gegebenenfalls in verkürzter Prüfdistanz, der Visus ermittelt, die Kontrastschwelle geprüft, der Vergrößerungsbedarf mit der Nahleseprobe ermittelt, der Lichtbedarf festgestellt, die Blendempfindlichkeit abgefragt und der bevorzugte Kontrast getestet. Im Anschluss gab Hauck einen Überblick über die aktuellen Sehhilfen und Hilfsmittel. So kommen zum Lesen und Schreiben je nach Vergrößerungsbedarf etwa Handlupen und Lupenbrillen oder elektronische Lupen, mobile Lesegeräte und Bildschirmlesegeräte mit einer Vergrößerung bis 100fach in Frage. Alternativ gibt es stationäre oder mobile Vorlesesysteme. Zur Verbesserung der Orientierung und Mobilität eignen sich Monokulare, elektronische Lupen mit Fernfunktion, Kamera- und Bildfunktion am Smartphone und Fernrohrlupenbrillen. Bei erhöhtem Lichtbedarf empfahl Hauck, verschiedene Arbeitsplatzleuchten zu testen. Zur Reduzierung der Blendung bieten sich Lichtschutz- oder Kantenfiltergläser sowie Fassungen mit gutem Seitenschutz an. Abschließend betonte Hauck, dass nach der Abgabe des Sehbehelfes die gute Einschulung und das Üben der richtigen Handhabung, wie etwa der Arbeitsabstand bei Lupen, besonders wichtig sei.

Beim kulinarischen Ausklang konnte dann der Meinungsaustausch zu den Vorträgen erfolgen und der persönliche Kontakt zwischen den Teilnehmer aus den drei Berufsgruppen Augenoptiker, Augenärzte und Orthoptisten gepflegt werden. „Aufgrund der positiven Rückmeldungen planen wir auch nächstes Jahr wieder eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung in Niederösterreich“, so die Organisatoren Gschweidl und Gorka.

v.l.n.r. Markus Gschweidl, Nico Hauck, Reinhard Angermann, Peter Gorka
v.l.n.r. Markus Gschweidl, Nico Hauck, Reinhard Angermann, Peter Gorka

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