Bericht vom 2. Tag der Augenoptik & Optometrie in Mondsee

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Zum zweiten mal organisierte die Wirtschaftskammer Oberösterreich am 8. April 2017 den Tag der Augenoptik & Optometrie. Organisator Johann Klein, PhD betonte in seiner Begrüßung der Teilnehmer die Wichtigkeit der Kommunikation zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen.

Premium Gleitsichtglas – Hoyalux MyStyle V+

Stephan Schernthaner, Außendienst von HOYA Lens Österreich startete als erster Redner zu den Vorteilen des HOYA Premium Gleitsichtglases. „Bei der Fertigung der Oberflächen werden die meist unterschiedlichen Glasstärken zwischen dem rechten und linken Auge berücksichtigt. So reduzieren sich die unterschiedlichen Vergrößerungen, prismatischen Effekte und Vergenzen“, so Schernthaner.

Durch diese Berechnung – welche auch individuelle Parameter des Trägers und der Fassung integriert – wird unter anderem der daraus resultierende, unterschiedliche Akkommodationsbedarf berücksichtigt. In Folge können individuell abgestimmte, unterschiedliche Progressionslängen gefertigt werden.

Die Marke. Zwischen Profil und Profit und der Anforderung modernen Sehens im 3. Jahrtausend der presbyopen Zielgruppe

Hinter dem sperrigen Vortragstitel versteckte Ronald Mayrhofer, MBA, Commercial Director von ESSILOR Austria GmbH, einen interessanten Vortrag über die Marke. „Oft weiß der Endverbraucher nicht welches Markenprodukt und hochwertige Qualität in den Brillengläsern verarbeitet ist“, so Mayrhofer. Er animierte die Zuhörer viel selbstbewusster mit der Marke umzugehen und die Geschichten um das Produkt zu erzählen.

Mit einigen Beispielen hielt Mayrhofer vor Augen, dass sich die Sehanforderungen und das Sehverhalten der Menschen in den letzten 30 Jahren massiv verändert hat. Durch die digitalen Einflüsse im beruflichen als auch im privaten Bereich ändern sich zudem die Blickbereiche. Des Weiteren fühlen wir uns noch jünger und sind aktiver als Gleichaltrige vor 30 Jahren. Diesen Umstand berücksichtigt nun die 8. Generation der ESSILOR Varilux Gleitsichtgläser, welche in Kürze erhältlich sein werden.

Entwicklung des Sehens beim Kind

Die Entwicklung eines Kindes bezüglich des Sprechens oder des Laufens lernen können die Eltern gut beobachten. Beim Sehen ist das viel schwieriger und wird deshalb nicht so gut wahr genommen, erläuterte Optometrist Jörg Bartolmäs, MSc.

„Kinder wissen nicht was schlecht sehen bedeutet, da sie keinen Vergleich haben. So ändert sich in der Fovea die Zapfendichte vom Neugeborenen mit 19000 Zapfen/mm2 bis 15 Monate mit 41000 Zapfen/mm2 und bis 4 Jahre mit 112000 Zapfen/mm2. Bei dieser Wanderung der Zapfen in der Fovea werden diese länger und dünner, damit mehr Sinneszellen auf einem kleineren Bereich Platz finden“, so Bartolmäs. Auch die Augenlänge wächst, und entsprechend findet eine Linsenänderung statt. Damit lässt sich erklären, dass in diesen kritischen Phasen, in denen sich auch das Gehirn entwickelt, Störungen auftreten können. Wobei auch bereits Erlerntes wieder verloren gehen kann. Bei den abschließenden Fragen empfahl der ebenfalls anwesende Augenarzt Dr. Peter Gorka Kleinkinder bereits von 6 bis 12 Monaten beim Ophtalmologen vorzustellen, da kleinere Kinder auch noch leichter zu untersuchen sind, als Zweijährige.

Bundeslehrlingswettbewerb

Die Siegerin vom Bundeslehrlingswettbewerb für Augenoptik, Simone Bürstinger nahm ihre Auszeichnung, das Preisgeld und die Wifi-Gutscheine mit Freude entgegen. Ebenso war der drittplatzierte Herr Mario Haase anwesend und konnte seine Auszeichnung entgegen nehmen.

OCT in der optometrischen Praxis als Hilfsmittel in der visuellen Beratung

Optometrist Walter Gutstein, PhD lud in seinem Vortrag ein, sich nicht nur mit einem guten zentralen Visus zufrieden zu geben. So können Personen mit Makuladefekten und einem „guten“ zentralen Visus unter Umständen trotzdem keinen Zeitungstext lesen. Aufgrund spezifischer Ausfälle können die für das Lesen notwendigen Sakkadensprünge beeinträchtigt werden.

Gutstein zeigte übereinander gelegte Bilder, welche OCT Abbildungen und deren Korrelation mit Visus und Kontrastsehen visualisierten. Dadurch konnte man erkennen, warum eine Versorgung mit Sehhilfen – trotz halbwegs akzeptablen, zentralen Visus – nicht immer zum gewünschten Erfolg führt. Ebenso regte Gutstein an, den Visus nicht als Maß aller Dinge zu sehen, da auch Farbsehen, Blendung, Kontrastsehen, Gesichtsfeld, usw. wichtige Teile des Sehens ausmachen.

Vom Fernwert abweichender Nahwert – Was nun?

In einem weiteren Lieferantenvortrag stellte Richard Reisegger, Gebietsleiter Lenses RODENSTOCK Österreich, die Frage, ob wir uns mit einem sphärischen Nahzusatz zufrieden geben sollten? „Durch die Optimierung des RODENSTOCK Gleitsichtglases mit der Eye Lens Technologie gelang es Rodenstock individuelle Nah-Refraktionen im Gleitsichtglas zu berechnen. Ebenso wird die Verrollung des Auges in der Nähe als auch der Einstellastigmatismus in unterschiedlichen Objektabständen berücksichtigt“, so Reisegger.

 

Mit dem DNEye-Abberometer werden unterschiedliche Abbildungsfehler in der Ferne und Nähe bei individuellen Pupillenspiel gemessen. Mit diesen Messdaten wird jeder Punkt im Gleitsichtglas zwischen Fern und Nahbereich optimiert.

Die Brillenglaszentrierung

Augenoptikermeister Kurt Otter rief wieder Berechnungen ins Gedächtnis, welche man als Lehrling einmal erlernt hatte. Er zeigte auf welche Folgen es haben kann, wenn bei der Zentrierung nicht exakt gemessen wird. Bei einem zu großem oder einem zu kleinem Zentrierpunktsabstand wird – wie jeder Optiker weiß – ein horizontales Prisma induziert.

Otter wies unter anderem darauf hin, dass bei ungleich hohen Augen im Falle einer gleich hohen Glaseinarbeitung ein einseitiges vertikales Prisma entsteht. Otter gab zudem zu bedenken, dass bei Abweichungen eines Kunden von den Gleitsichtglas-Standardparametern wie Pupillendistanz, HSA, Vorneigung, Fassungsscheibenwinkel und Höhe, Gleitsichtgläser mit individuellen Parametern von Vorteil sind.

Aufbau und Anpassung von „AirFlex“ Hybridlinsen der Firma SwissLens

Dipl.-Ing. (FH) Stefan Facher stellte in Mondsee die Hybridlinse der Firma SwissLens als einen Problemlöser vor. „Durch die Verschmelzung einer zentralen formstabilen Zone mit einem weichen Rand aus Silikon-Hydrogel Material, können die gute Sehleistung der formstabilen Linse mit dem Komfort der weichen Linse kombiniert werden“, so Facher.

Die Anpassung ist ebenso eine Verbindung von zwei Welten. Es wird einerseits der Linsensitz der formstabilen zentralen Zone als auch der weiche Rand bewertet und entsprechend individuell angepasst. Die AirFlex Linse eignet sich besonders bei Komfort-, Visus-, und Sitzproblemen mit normalen, kornealen, formstabilen Kontaktlinsen.

Mondsee ist auch im April eine Reise wert

Johann Klein PhD, MSc, führte durch ein sehr informatives Programm. In den Pausen zwischen den Vorträgen entfaltete sich eine angeregte, kommunikative Atmosphäre unter Kollegen.

Susanne Nemetz, MScDie Autorin dieses Artikels, Susanne Nemetz, MSc
Augenoptikerin & Master of Science (Klinsche Optometrie/Clinical Optometry)