Vom 20 bis 22 März fand in Lugano die 46. SBAO Fachtagung statt. Für das optikum war ein Redakteur vor Ort und hat einige der Fachvorträge besucht. Themenschwerpunkte waren neben Dauertragen mit Silikonhydrogelen die Versorgung mit Orthokeratologie-Kontaktlinsen. Ein weiterer Block widmete sich Allergien, ihre Beteiligung am Auge und dem Thema Migräne und Kopfschmerz. Mit über 230 Teilnehmern am Sonntag war der Kongress gut besucht.
Differential-Diagnose von Kontaktlinsen-Komplikationen
Lyndon Jones und Kathy Dumbleton vom Centre for Contact Lens Research der University
of Waterloo/Kanada berichteten über angemessene “Notfall”-Vorgangsweisen
bei möglichen unerwünschten Ereignissen. Insbesondere Risikofaktoren
und mögliche Komplikationen die mit Kontaktlinsen für verlängerten
Tragezeiten entstehen können waren Thema des Vortrages. So schlagen die
Vortragenden unter anderem ein brauchbares 24 Stunden Anrufsystem vor, damit
bei möglichen Komplikationen eine sofortige Betreuung durch Fachleute gewährleistet
ist. Dies ist vor allem bei einer mikrobiellen Keratitis sehr wichtig.
Eine der möglichen Komplikationen stellt die epitheliale,
bögenförmige Läsion dar. Die Ursachen dazu sind mannigfaltig
und reichen von steiferen Matarialien die sich schlecht an die Form des Limbus
anschmiegen bis hin zu schlechter Benetzung. Meist sind bei dieser Komplikation
keine Symptome anzutreffen. Signifikant dagegen die dünne, weisse, bogenförmige
Verletzung in der oberen Cornea ungefähr 1mm vom Limbus entfernt. Die Inzidenz
ist etwas höher als bei konventionellen Kontaktlinsen. Neben einer mehrtägigen
Unterbrechung des Linsentragens wird eine Verwendung von Tränenersatztropfen
bzw. eine Neuanpassung mit einem anderen Linsendesign bzw. Material empfohlen.

Lyndon Jones und Kathy Dumbleton
Centre for Contact Lens Research der University of Waterloo/Kanada
Eine ebenfalls höhere Inzidenz beim verlängerten
Tragen stellt die Kontaktlinsen-bedingte papilläre Konjunktivitis dar.
Neben mechanischen Einflüssen sind immunologische Prozesse am Auftreten
beteiligt. Die Symptome zeigen sich in Fremdkörpergefühl, Juckreiz,
klebriger/zäher/fadenförmiger Ausfluss und in einem Verrutschen der
Kontaktlinse. Die Vortragenden empfahlen die Überprüfung der Austauschhäufigkeit,
Reduktion der Tragezeit und eine Neuanpassung mit einem anderen Linsendesign
bzw. Material.
Weiters wurden corneale Erosionen, periphere Geschwüre
und entzündliche klinische Komplikationen diskutiert. Häufig beobachtete
man ein akutes, rotes Auge (CLAIRE) bei einer Infektion der oberen Atemwege
– eventuell verursacht durch Grippeviren (Haemophilus influenzae).
Die erhöhte Sauerstoffdurchlässigkeit, die von Silikon
Hydrogel Linsen geboten wird, sollte einen besseren Schutz vor Infektionen bieten.
Es gab jedoch einige Berichte von Fällen mikrobieller Keratitis die mit
Silikon Hydrogel Linsen vorkommen können.
Lyndon Jones und Kathy Dumbleton zogen insgesamt folgende Schlussfolgerungen:
Kürzlich eingeführte Silikon Hydrogele haben für die meisten
Zahl der Klienten, die Linsen über Nacht tragen wollen, die Ödem-Probleme
gelöst. Die Materialien sind biokompatibler als ältere Materialgenerationen,
können aber durch verbesserte Oberflächenbehandlungen und Nachbenetzungen
immer noch verbessert werden. Bei Trägern von Silikon Hydrogelen können
nach wie vor Entzündungen und mechanische Komplikationen insbesondere beim
Übernachttragen auftreten. Die Anpasser müssen darauf vorbereitet
sein und wissen wie mit diesen Komplikationen umzugehen ist.
Sehen oder nicht sehen? Ortho-Keratologie Linsen
Michael Bärtschi referierte nach einer Einführung über Ortho-K
in der Schweiz und zum Thema der Physiologie über die Anpassung, mögliche
Komplikationen und Problemlösungen. So wies Bärtschi einmal mehr auf
die Notwendigkeit profunder Kenntnisse in der Anpassung formstabiler Kontaktlinsen
hin. „Das Problem-Management ist das wichtigste Instrument bei der nachhaltigen
Versorgung von Ortho-K Linsenträgern. Diese brauchen deutlich mehr Betreuung
als jede andere Art von Kontaktlinsenträger“, mahnte Bärtschi.
Betreffend der Materialwahl wurde Boston XO, Paragon HDS 100 und das in Kürze
erhältliche Menicon Z genannt. Der Referent empfahl nach erfolgter Anamnese
und Messungen ein 15minütiges Probetragen – am besten liegend. Bei
der anschließenden Spaltlampenkontrolle, zuerst im Weißlicht und
später unter Fluoreszein wird auf eine gute Verträglichkeit, Zentrierung
und Beweglichkeit der Linsen geachtet. Bei einer unmittelbar anschließenden
neuerlichen Topographie der Hornhaut sind die in nur 15 Minuten geschaffenen
Veränderungen auffallend. Wenn alle Tests zum Wohlgefallen ausfallen, werden
die Kontaktlinsen für die erste nacht mitgegeben um Tags danach am Morgen
mittels einer weiteren Topographie, Spaltlampenbegutachtung, Fluobild , Visus-
und Restkorrekturkontrolle die weitere Vorgangsweise zu bestimmen.
Je nach dem verwendeten System dürfen etwa 1,00 bis 1,75
Dioptrien Korrekturerfolg in der ersten Nacht erwartet werden. Eine stabile
Refraktion ist nach etwa 1-2 Wochen zu erwarten. Den laufenden Nachkontrollen
wird große Bedeutung zugemessen. Ebenfalls empfahl Bärtschi einen
gesonderten Workshop beim jeweiligen Hersteller.
„Ortho-Keratologie ist eine sichere und präzise
Methode der Korrektur schwacher und mittlerer Myopie und Astigmatismus. Ein
moderner Hornhauttopograph, große Erfahrung in der Anpassung von formstabilen
Kontaktlinsen, präzise Kenntnisse der verwendeten Linsengeometrien und
des Problem-Managements, sowie penible und regelmäßige Nachkontrollen
sind erforderlich bei der erfolgreichen Anpassung und Nachbetreuung“,
schloss Bärtschi zusammenfassend.
Augen und Allergie
Prof. Dr. Brunello Wüthrich, Facharzt für Dermatologie, Allergologie
und klinische Immunologie, trug zu den Themen Mechanismus der Allergien, Heuschnupfen-Konjunktivitis
und allergische Erkrankungen des äußeren Auges.
Die Symptome einer Pollenallergie können sich schon vor
dem 12. Lebensjahr beginnen und äußern sich häufig nur an den
Augenbindehäuten. Später kann der allergische Schnupfen und in 20-30%
das Asthma hinzutreten. Man spricht von einem „Etagenwechsel“. Somit
ist die Heuschnupfen-Konjunktivitis ein mögliches Erstsymptom einer in
späteren Jahren saisonal immer wiederkehrenden Atemwegserkrankung.
Bei den Augenlidern können als Ausdruck einer Sofortreaktion
Ödeme oder atopische Lidekzeme auftreten.
Der POS als Erfolgsfaktor für Ihren Umsatz
Gerhard Dichter referierte zum Thema POS. So geben die Hersteller unglaublich
viel Geld für den Markenaufbau aus. Die Marke ist heute ein ausgesprochen
wichtiges Marketinginstrument und in jeder Beziehung trendy. Der Markentrend
in der Optikerbranche hat längst Einzug gehalten. Die massive Marktbearbeitung
der Marken hinterlässt Spuren bei den Potentiellen. Dies muss genutzt werden.
Migräne: Diagnose und Therapie heute
Etwa 8-12% der Erwachsenen und 4-5% der Kinder leiden an Migräne. Dr. med.
Irene Barone berichtete in Ihrem Vortrag über neue Erkenntnisse zum Thema
Migräne. Messungen der regionalen Hirndurchblutung während der Auraphase
von Migräneattacken zeigten eine Abnahme der Durchblutung zunächst
im Hinterkopfbereich.

Neues zur Migräne: Dr. med. Irene Barone
Wenn einfachere Schmerzmittel nicht helfen, so gibt es migränespezifische
Medikamente, die auf die Gefäße wirken. Seit 10 Jahren gibt es auch
Medikamente, die selektiv die Gefäße im Kopf beeinflussen und auch
auf die neurogene Entzündung wirken.
Was kann der Psychiater bei Migräne beitragen
Der Vortrag von Dr. med. Edgar Kaganas beleuchtete die psychischen Begleiterscheinungen
bei Migräne, wie beispielweise Depression, Angst oder Panikattacken. Wenn
diese nicht behandelt werden, ist es oft unmöglich der Migräneerkrankung
Herr zu werden.

Psychiatrische Vorgangsweisen: Dr. med. Edgar Kaganas
In einem theoretischen Teil wurden wichtige psychiatrische
Vorgehensweisen am Beispiel der Depression vorgestellt. In einem mehr praktischen
Teil wurden verschiedene Entspannungstechniken vorgeführt, an denen sich
die Teilnehmer aktiv beteiligen konnten.




