46. SBAO-Fachtagung vom 20-22. März 2004 in Lugano

0
12261 mal gelesen
Vom 20 bis 22 März fand in Lugano die 46. SBAO Fachtagung statt. Für das optikum war ein Redakteur vor Ort und hat einige der Fachvorträge besucht. Themenschwerpunkte waren neben Dauertragen mit Silikonhydrogelen die Versorgung mit Orthokeratologie-Kontaktlinsen. Ein weiterer Block widmete sich Allergien, ihre Beteiligung am Auge und dem Thema Migräne und Kopfschmerz. Mit über 230 Teilnehmern am Sonntag war der Kongress gut besucht.

Differential-Diagnose von Kontaktlinsen-Komplikationen
Lyndon Jones und Kathy Dumbleton vom Centre for Contact Lens Research der University of Waterloo/Kanada berichteten über angemessene “Notfall”-Vorgangsweisen bei möglichen unerwünschten Ereignissen. Insbesondere Risikofaktoren und mögliche Komplikationen die mit Kontaktlinsen für verlängerten Tragezeiten entstehen können waren Thema des Vortrages. So schlagen die Vortragenden unter anderem ein brauchbares 24 Stunden Anrufsystem vor, damit bei möglichen Komplikationen eine sofortige Betreuung durch Fachleute gewährleistet ist. Dies ist vor allem bei einer mikrobiellen Keratitis sehr wichtig.

Eine der möglichen Komplikationen stellt die epitheliale, bögenförmige Läsion dar. Die Ursachen dazu sind mannigfaltig und reichen von steiferen Matarialien die sich schlecht an die Form des Limbus anschmiegen bis hin zu schlechter Benetzung. Meist sind bei dieser Komplikation keine Symptome anzutreffen. Signifikant dagegen die dünne, weisse, bogenförmige Verletzung in der oberen Cornea ungefähr 1mm vom Limbus entfernt. Die Inzidenz ist etwas höher als bei konventionellen Kontaktlinsen. Neben einer mehrtägigen Unterbrechung des Linsentragens wird eine Verwendung von Tränenersatztropfen bzw. eine Neuanpassung mit einem anderen Linsendesign bzw. Material empfohlen.

Lyndon Jones und Kathy Dumbleton
Lyndon Jones und Kathy Dumbleton
Centre for Contact Lens Research der University of Waterloo/Kanada

Eine ebenfalls höhere Inzidenz beim verlängerten Tragen stellt die Kontaktlinsen-bedingte papilläre Konjunktivitis dar. Neben mechanischen Einflüssen sind immunologische Prozesse am Auftreten beteiligt. Die Symptome zeigen sich in Fremdkörpergefühl, Juckreiz, klebriger/zäher/fadenförmiger Ausfluss und in einem Verrutschen der Kontaktlinse. Die Vortragenden empfahlen die Überprüfung der Austauschhäufigkeit, Reduktion der Tragezeit und eine Neuanpassung mit einem anderen Linsendesign bzw. Material.

Weiters wurden corneale Erosionen, periphere Geschwüre und entzündliche klinische Komplikationen diskutiert. Häufig beobachtete man ein akutes, rotes Auge (CLAIRE) bei einer Infektion der oberen Atemwege – eventuell verursacht durch Grippeviren (Haemophilus influenzae).

Die erhöhte Sauerstoffdurchlässigkeit, die von Silikon Hydrogel Linsen geboten wird, sollte einen besseren Schutz vor Infektionen bieten. Es gab jedoch einige Berichte von Fällen mikrobieller Keratitis die mit Silikon Hydrogel Linsen vorkommen können.

Lyndon Jones und Kathy Dumbleton zogen insgesamt folgende Schlussfolgerungen: Kürzlich eingeführte Silikon Hydrogele haben für die meisten Zahl der Klienten, die Linsen über Nacht tragen wollen, die Ödem-Probleme gelöst. Die Materialien sind biokompatibler als ältere Materialgenerationen, können aber durch verbesserte Oberflächenbehandlungen und Nachbenetzungen immer noch verbessert werden. Bei Trägern von Silikon Hydrogelen können nach wie vor Entzündungen und mechanische Komplikationen insbesondere beim Übernachttragen auftreten. Die Anpasser müssen darauf vorbereitet sein und wissen wie mit diesen Komplikationen umzugehen ist.

Sehen oder nicht sehen? Ortho-Keratologie Linsen
Michael Bärtschi referierte nach einer Einführung über Ortho-K in der Schweiz und zum Thema der Physiologie über die Anpassung, mögliche Komplikationen und Problemlösungen. So wies Bärtschi einmal mehr auf die Notwendigkeit profunder Kenntnisse in der Anpassung formstabiler Kontaktlinsen hin. „Das Problem-Management ist das wichtigste Instrument bei der nachhaltigen Versorgung von Ortho-K Linsenträgern. Diese brauchen deutlich mehr Betreuung als jede andere Art von Kontaktlinsenträger“, mahnte Bärtschi. Betreffend der Materialwahl wurde Boston XO, Paragon HDS 100 und das in Kürze erhältliche Menicon Z genannt. Der Referent empfahl nach erfolgter Anamnese und Messungen ein 15minütiges Probetragen – am besten liegend. Bei der anschließenden Spaltlampenkontrolle, zuerst im Weißlicht und später unter Fluoreszein wird auf eine gute Verträglichkeit, Zentrierung und Beweglichkeit der Linsen geachtet. Bei einer unmittelbar anschließenden neuerlichen Topographie der Hornhaut sind die in nur 15 Minuten geschaffenen Veränderungen auffallend. Wenn alle Tests zum Wohlgefallen ausfallen, werden die Kontaktlinsen für die erste nacht mitgegeben um Tags danach am Morgen mittels einer weiteren Topographie, Spaltlampenbegutachtung, Fluobild , Visus- und Restkorrekturkontrolle die weitere Vorgangsweise zu bestimmen.

Je nach dem verwendeten System dürfen etwa 1,00 bis 1,75 Dioptrien Korrekturerfolg in der ersten Nacht erwartet werden. Eine stabile Refraktion ist nach etwa 1-2 Wochen zu erwarten. Den laufenden Nachkontrollen wird große Bedeutung zugemessen. Ebenfalls empfahl Bärtschi einen gesonderten Workshop beim jeweiligen Hersteller.

„Ortho-Keratologie ist eine sichere und präzise Methode der Korrektur schwacher und mittlerer Myopie und Astigmatismus. Ein moderner Hornhauttopograph, große Erfahrung in der Anpassung von formstabilen Kontaktlinsen, präzise Kenntnisse der verwendeten Linsengeometrien und des Problem-Managements, sowie penible und regelmäßige Nachkontrollen sind erforderlich bei der erfolgreichen Anpassung und Nachbetreuung“, schloss Bärtschi zusammenfassend.

Augen und Allergie
Prof. Dr. Brunello Wüthrich, Facharzt für Dermatologie, Allergologie und klinische Immunologie, trug zu den Themen Mechanismus der Allergien, Heuschnupfen-Konjunktivitis und allergische Erkrankungen des äußeren Auges.

Die Symptome einer Pollenallergie können sich schon vor dem 12. Lebensjahr beginnen und äußern sich häufig nur an den Augenbindehäuten. Später kann der allergische Schnupfen und in 20-30% das Asthma hinzutreten. Man spricht von einem „Etagenwechsel“. Somit ist die Heuschnupfen-Konjunktivitis ein mögliches Erstsymptom einer in späteren Jahren saisonal immer wiederkehrenden Atemwegserkrankung.

Bei den Augenlidern können als Ausdruck einer Sofortreaktion Ödeme oder atopische Lidekzeme auftreten.

Der POS als Erfolgsfaktor für Ihren Umsatz
Gerhard Dichter referierte zum Thema POS. So geben die Hersteller unglaublich viel Geld für den Markenaufbau aus. Die Marke ist heute ein ausgesprochen wichtiges Marketinginstrument und in jeder Beziehung trendy. Der Markentrend in der Optikerbranche hat längst Einzug gehalten. Die massive Marktbearbeitung der Marken hinterlässt Spuren bei den Potentiellen. Dies muss genutzt werden.

Migräne: Diagnose und Therapie heute
Etwa 8-12% der Erwachsenen und 4-5% der Kinder leiden an Migräne. Dr. med. Irene Barone berichtete in Ihrem Vortrag über neue Erkenntnisse zum Thema Migräne. Messungen der regionalen Hirndurchblutung während der Auraphase von Migräneattacken zeigten eine Abnahme der Durchblutung zunächst im Hinterkopfbereich.

Irene Baron
Neues zur Migräne: Dr. med. Irene Barone

Wenn einfachere Schmerzmittel nicht helfen, so gibt es migränespezifische Medikamente, die auf die Gefäße wirken. Seit 10 Jahren gibt es auch Medikamente, die selektiv die Gefäße im Kopf beeinflussen und auch auf die neurogene Entzündung wirken.

Was kann der Psychiater bei Migräne beitragen
Der Vortrag von Dr. med. Edgar Kaganas beleuchtete die psychischen Begleiterscheinungen bei Migräne, wie beispielweise Depression, Angst oder Panikattacken. Wenn diese nicht behandelt werden, ist es oft unmöglich der Migräneerkrankung Herr zu werden.

Edgar Kaganas
Psychiatrische Vorgangsweisen: Dr. med. Edgar Kaganas

In einem theoretischen Teil wurden wichtige psychiatrische Vorgehensweisen am Beispiel der Depression vorgestellt. In einem mehr praktischen Teil wurden verschiedene Entspannungstechniken vorgeführt, an denen sich die Teilnehmer aktiv beteiligen konnten.