Augenoptiker und Augenärzte: Weitere erfolgreiche gemeinsame Fortbildung in NÖ

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Augenoptiker und Augenärzte: Weitere erfolgreiche gemeinsame Fortbildung in NÖ

Bereits zum vierten Mal fand heuer wieder in Niederösterreich eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung für Augen- und Kontaktlinsenoptiker, Optometristen, Augenärzte und Orthoptisten statt. Diesmal war das Motto des Abends: „Visuelle Wahrnehmungsdefizite – die Möglichkeiten von Therapie und Training“. Landesinnungsmeister Mag. Dr. Markus Gschweidl, MSc und Fachgruppenvorsitzender Dr. Peter Gorka (Ärztekammer NÖ) begrüßten im Schwaighof in St.Pölten insgesamt fast 60 Teilnehmer.

Als erste Referentin sprach Ulrike Pichler, MSc, leitende Orthoptistin der Orthoptik/Sehschule an der Klinik für Augenheilkunde im Kepler Universitätsklinikum Linz, über „Orthoptische Visualtherapie“. Pichler wies zunächst darauf hin, dass es viele Überschneidungen der Visualtherapie, wie sie von darauf spezialisierten Orthoptisten durchgeführt wird, mit dem von Augenoptikern und Optometristen durchgeführten Visualtraining gibt. Zu den Indikationen für Visualtherapie zählte sie Schwächen in den Bereichen Akkommodation, Konvergenz und Fusion sowie Sakkaden- und Folgebewegungsstörungen. Als Ziele der Visualtherapie nannte sie die Steigerung der visuellen Belastbarkeit, die Verbesserung von okulomotorischen Leistungen des Gehirns, die Reduktion von asthenopischen Beschwerden und von Diplopie bei Fusionsschwäche sowie die Verbesserung von Focuswechselstörungen. Bezüglich der Behandlung von asthenopischen Augenbeschwerden betonte Ulrike Pichler, dass als erster Schritt immer der Ausgleich kleinster Refraktionsfehler mittels Skiaskopie unter Zykloplegie zu erfolgen habe. Nur wenn dann die Beschwerden noch nicht verschwunden sind, was in ca. 30% der Fälle vorkomme, sei an weitere Maßnahmen wie etwa Prismenbrillen (bei Pathophorie), Nahaddition (bei persistierender Hypoakkommodation) oder Visualtherapie zu denken.  Weiters erklärte sie den Begriff „akkommodative Myopie“, deren Ursachen in einer latent auftretenden Hyperopie und/oder einer durch akkommodative Konvergenz kompensierten Exophorie zu suchen seien. Abschließend ging Ulrike Pichler auf das Thema „Amblyopie“ ein und hielt fest, dass der Nutzen der Okklusions- und Penalisationstherapie – im Unterschied zur Visualtherapie – wissenschaftlich belegt sei.

Im zweiten Vortrag des Abends referierte der Funktionaloptometrist, Augen- und Kontaktlinsenoptiker Stefan Guba, MSc zum Thema „Optometrisches Visualtraining“. Dabei erklärte er in leicht verständlichen Worten komplexe neurologische Zusammenhänge und spannte einen Bogen zur Umsetzung. Als Grundlagen für ein erfolgreiches Training nannte Guba die umfassende Aufklärung des Kunden hinsichtlich Gesamtdauer und Kosten des Trainings sowie eine realistische Erwartungshaltung und ausreichende Motivation des Kunden. Wesentlich sei auch die laufende Selbstkontrolle des Kunden über den Trainingsfortschritt. Weiters ging er auf die Faktoren für eine effiziente Übung ein: Forderung – aber keine Überforderung, Auslösung eines Lernprozesses, Spaß, Abwechslung sowie das Bewusstsein für die Neuro-Feedback-Schleife. Zur besseren Veranschaulichung der Thematik präsentierte Stefan Guba verschiedene Beispiele aus seiner Berufspraxis. Das Publikum wurde mit Übungen in den Vortrag eingebunden.

In der anschließenden Diskussion wiesen beide Referenten ausdrücklich darauf hin, dass weder Visualtherapie noch Visualtraining das Wegtrainieren einer Brille zum Ziel haben, sondern die Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen. Sehr aufschlussreich war auch die Erkenntnis, dass sich bisher nur sehr wenige Augenoptiker und Orthoptisten in Österreich auf dem Gebiet Visualtraining/-therapie spezialisiert haben. Nicht nur aufgrund der steigenden Zahl von Personen mit visuellen Wahrnehmungsdefiziten, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht ist dieses Betätigungsfeld sicherlich interessant.

Am Ende der Fortbildungsveranstaltung zeigten sich Markus Gschweidl und Peter Gorka erfreut über die jährlich steigende Teilnehmerzahl und das positive Feedback. „Das beweist, dass sowohl Augenärzte als auch Augenoptiker und Orthoptisten an diesem Veranstaltungsformat gleichermaßen interessiert sind. Daher planen wir auch für kommendes Jahr wieder eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung in Niederösterreich“, so die Organisatoren.

Coverfoto (v.l.n.r.): Peter Gorka, Ulrike Pichler, Stefan Guba, Markus Gschweidl
Fotocredit: Andrea Servus (WKNÖ)