Am 27. März fand bei strahlendem Frühlingswetter das erste ACUVUE® Eye Health Advisor® Symposium von Johnson & Johnson Vision Care in Zürich statt. 140 Kontaktlinsenspezialisten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland nahmen am Veranstaltungsort im Züricher Flughafenhotel an einen informativen Weiterbildungstag teil. International renommierte Referenten präsentierten neueste Erkenntnisse zu relevanten Themen rund um die Kontaktlinse. Das Symposium fand im Rahmen des ACUVUE® Eye Health Advisor® Programms statt. Diese Initiative wurde 2005 von Johnson & Johnson Vision Care ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, Kontaktlinsenspezialisten bei der Beratung und Aufklärung ihrer Patienten bzw. Kunden fachkundig zu unterstützen. So werden ihnen unter anderem regelmäßig Informationen und Weiterbildungsmaterialien zu Kontaktlinsen und gesundem Sehen zur Verfügung gestellt.
Schäden durch UV-Strahlung am Auge
Der erste Vortrag wurde von Prof. Minas T. Coroneo, Vorsitzender der Abteilung für Ophthalmologie an der Universität von New South Wales, Sydney, der eigens aus Australien angereist war. Er referierte über die Wirkung des UV-Lichts am Auge. Prof. Coroneo bietet eine fundierte Erfahrung in diesem Bereich, da Australien im weltweiten Vergleich einen enorm hohen UV- Anteil hat. Die Schäden die durch das Sonnenlicht entstehen werden Ophthalmohelioses bezeichnet, vom griechischen Ophthalmos (Auge) und Helios (Sonne). Schäden können am Lid in Form von Sonnenbrand, Falten, Dermatochalasis (schlaffe, herunterhängende Haut), premalignante Veränderungen bis hin zu bösartigen Tumoren und Melanomen auftreten.

Auf der Augenoberfläche kann es eine Pinguecula, Pterygium, HH-Entzündungen (Schneeblindheit), Fehlbildungen und bösartigen Veränderungen und Auslöser von Herpeskeratitis auslösen. In der Augenlinse kann der UV-Anteil des das Sonnenlichts vor allem zu einem verfrühten Katerakt führen, im Glaskörper zur Verflüssigung. In der Netzhaut sind Aderhautmelanome, Photic Maculopathien und Makuladegeneration eine mögliche Folge.
Seitlicher Lichteinfall trifft das Auge am temporalen Limbus und sammelt sich in Folge am nasalen Limbus und am nasalen Linsenaquator. Durch die periphere Lichtfokussierung am vorderen Augenabschnitt werden ein Pterygium und das Katerakt begünstigt. Viele Sonnenbrillen bieten zu wenig Schutz für die Augen, vor allen bei seitlicher Lichteinstrahlung. Mit Sonnenbrillen die seitlich einen guten UV-Schutz aufweisen und auch weichen Kontaktlinsen mit UV-Blockern kann dieser seitliche Lichteinfall verhindert wererden. Prof. Coroneo stellte sein neu entwickeltes Verfahren der okulären UV-Fluoreszenz-Fotografie vor, bei der Sonnenschäden auf der Augenoberfläche nachgewiesen werden können.
Ist ein häufiges Tauschen der Linsen vorteilhaft?
Prof. Fabrizio Zeri, von der Universität Roma Tre/Italien, zeigte in seinem Vortrag, dass einige Vorteile für einen häufigeren Linsentausch sprechen: geringere allergische Reaktionen, geringere toxische Reaktionen, Reduzierung von entzündlichen Reaktionen, noch weniger Probleme aufgrund eines Sauerstoffmangels – vor allen beim täglichen Tauschen von Silikonhydrogellinsen.

Kürzere Tauschrythmen reduzieren das bilden von Ablagerungen auf den Linsen, steigern den Komfort, reduzieren die Nebenwirkungen von Kontaktlinsen, berichtete Zeri.
Täglich austauschbare Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen – das beste zweier Welten
Dr. Philip Morgen, Leiter des Eurolens Research und Dozent für Optometrie an der Universität Manchester/Großbritannien, referierte anschließend über Eintageskontaktlinsen und Silikonhydrogelkontaktlinsen. Probleme mit Kontaktlinsen treten zumeist entweder aufgrund einer zu geringen Sauerstoffversorgung des Auges oder aufgrund mechanischer Beanspruchung der Kontaktlinsen auf.

Morgan zeigte die Vorteile von Ein-Tages-Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel auf und gab einen Einblick über ihre stark unterschiedliche Verbreitung in den Märkten. Anhand eines neu aufgestellten „Kosten-Nutzen-Modells“ zeigte Morgan, dass Ein-Tages-Kontaktlinsen auch für solche Träger kosteneffizient sind, die diese Modalität nur gelegentlich tragen.
Kontaktlinsenanpassung bei Kindern
Mythen & Geheimnisse bezüglich Kontaktlinsenanpassung bei Kindern und Jugendlichen besprach Jeffrey J. Walline, Professor am Ohio State University College of Optometry, USA. Er beschäftigt sich mit der Selbst-Wahrnehmung von Kindern beim Kontaktlinsentragen. Er berichtete, dass Kinder sich häufig mit Kontaktlinsen durchaus besser fühlen würden als mit ihrer Brillenkorrektur. Kontaktlinsen können seiner Meinung nach durchwegs auch in Betracht gezogen werden, wenn die Brille des Kindes permanent verbogen ist oder häufig verloren geht. In seiner Studie hat Prof. Walline die Erfolgsrate zwischen weichen und formstabilen KL gemessen. So sollen seiner Erfahrung nach formstabile Kontaktlinsen nach 3 Jahren zu 55% getragen, während weiche Kontaktlinsen noch zu 93% im Einsatz wären.

Der Zeitaufwand bei der Linsenanpassung ist seinem Ermessen nach bei Kinder gleich lange wie bei Teenagern, lediglich bei der Einschulung, dem Ein- und Absetzen der Kontaktlinsen, benötigen Kinder etwas länger an Zeit. Sein Credo: Nicht das Alter des Kindes soll ausschlagebend für eine Kontaktlinsenanpassung sein, sondern vielmehr wie verantwortlich das Kind bereits ist, welche Einstellung die Eltern zu Kontaktlinsen haben und wie hoch die Motivation des Kindes für das Tragen von Kontaktlinsen ist.
Syndrom des trockenen Auges
Im letzten Vortrag sprach nochmals Prof. Minas T. Coroneo: High and Dry – Ein praktischer Ansatz zum Umgang mit dem trockenen Auge. Das Dry-Eye-Syndrom (DES) ist einer der häufigsten Gründe für einen Besuch beim Augenarzt oder Optometristen. DES wird als Erkrankung der Tränen und der Augenoberfläche definiert, mit Symptomen wie Unwohlsein, Sehstörungen und Tränenfilminstabilität. Es kommt zu einer Erhöhung der Osmolarität des Tränenfilms und zu einer Entzündung der Augenoberfläche.
Die Symptome dieser Erkrankung sind vielfältig und reichen von Sehstörungen, Unwohlsein über Instabilität des Tränenfilms bis zu potenzieller Schädigung der Augenoberfläche. Um ein trockenes Auge zu erkennen, sind mehrere Teste notwendig: z.B. Corneal Fluorescein Staning, Tear Break-Up-Time, Schirmer Test und eine gewissenhafte Kontrolle der Lider und Meibomschen Drüsen.
Coroneo stellte konkrete Fälle vor und betonte, dass trotz verbesserter Diagnostik noch immer therapeutische Herausforderungen bestünden. Häufig lege dem „Trockenen Auge“ eine Entzündung der Augenoberfläche zugrunde, welche durch eine Therapie mit topischem Cyclosporin zu einem hohen Prozentsatz reduziert werden könne. Oft sind systemische Erkrankungen und/oder eine Medikamenteneinnahme kausal mit dem DES verbunden. Als Symptom mildernd wurde von Coroneo die Verbesserung des Tränenfilms mit Tränenersatzmitteln und Lipidsprays empfohlen.
Podiumsdiskussion
Die anschließende Podiumsdiskussion bot dem Auditorium ausgiebig Gelegenheit, den Referenten weiterführende Fragen zu stellen. Alle Vorträge konnten von den Zuhörern bei Bedarf auch als Simultanübersetzung über Kopfhörer mitverfolgt werden.

Die Pausen wurden von den Teilnehmern zum regen Austausch unter Kollegen genutzt. Beim gemeinsamen Abendessen fand das Symposium seinen kulinarischen und geselligen Ausklang.

Die Autorin dieses Artikels, Susanne Nemetz, MSc
Augenoptikerin & Master of Science in klinscher Optometrie



