Brillen-Gesundheitsprojekt vom 30. Juli bis 20. August 2009 in Umunohu / Nigeria

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Umunohu liegt im Osten von Nigeria und hat circa 5 000 Einwohner. In diesem Dorf gibt es zwar ein kleines Spital, aber keine Augenabteilung. Seit 1999 fliegt der Kaplan von Obergrafendorf – Dr. Emeka Emeakaroha – jedes Jahr mit engagierten Österreichern in sein Heimatdorf Umunohu. Dort leiden nicht wenige Menschen an Fehlsichtigkeit, Alterssichtigkeit oder Augenerkrankungen.

Dr. Emeakaroha engagiert sich für deren Früherkennung und sucht Augenärzte, klinische Optometristen und Augenoptiker die bereit sind vom 30. Juli bis 20. August 2009 mit ihm nach Nigeria zu fliegen, um vor Ort Menschen mit verschiedensten Augenerkrankungen zu helfen.

optikum: "Inwiefern kann durch das geplante Projekt die Notlage gebessert werden?"

Emeakaroha: Ein Augenbehandlungsprojekt in Umunohu wäre eine gewaltige Hilfe für viele arme Menschen, die an Augenerkrankungen leiden, aber finanziell nie in der Lage sein werden, sich die teuere Behandlung in der Stadt zu leisten. Obwohl in diesem Dorf keine große Lesekultur vorhanden ist, wäre ein Augenbehandlungsprojekt eine große Hilfe für die Menschen, ihren Alltag als Handwerker, Bauern, Fischer, Verkäufer am täglichen Markt besser zu bewältigen.

optikum: "Welches Ziel erfüllt dieses Projekt in einem Gesamtplan für die Entwicklung des Landes?"

Emeakaroha: Die Wichtigkeit gesunder Augen in der Gesamtentwicklung eines Menschen kann man nicht genug betonen. Ganz besonders in Nigeria stellt das Problem der Augenerkrankungen eine der größten Herausforderungen für die Regierung dar. Nach einem nigerianischen Zeitungsbericht im Mai 2004 laufen etwa 1,3 Mio Menschen in Nigeria der Gefahr, blind zu werden, sollten sie nicht bald zu einer vernünftigen Augenbehandlung kommen. So gesehen wäre mein geplantes Projekt ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich bin trotzdem so motiviert, diesen Schritt zu machen, da ich fest davon überzeugt bin, dass verschiedene Tröpfchen Wasser zu einem Meer werden können.

optikum: "Wie kann man Ihr Augen-Projekt unterstützen?"

Emeakaroha: Ich plane ich wieder ein Brillen- Gesundheitsprojekt für August 2009. Dazu suche ich Augenärzte, klinische Optometristen und Augenoptiker. Zudem benötigen wir dringend Brillengläser, Fassungen und Instrumente, wie Scheitelbrechwertmesser, Ventiletten, Autorefraktometer, Skiaskope und andere Instrumente. Weiters wäre es toll wenn uns jemand Stromaggregate zur Verfügung stellen könnte. Frau Ing. Silvia Ibele hat zudem ein Memo erstellt wie Optiker helfen können. (Zum Memo)

Aus Reiseberichten der Helfer vom Augen-Projekt 2006

Martin Tscherny, Optiker aus Würmla: Ziel dieser Reise war es, die mitgebrachten, etwa 3500 Brillen, unter der fachmännischen Anleitung von 9 Optikern entsprechend an die Menschen weiterzugeben. Der zweite Schwerpunkt war die medizinische Versorgung durch 2 praktische Ärzte und 4 Krankenschwester. In unserem Gepäck befanden sich auch technisch hochwertige Geräte, womit es den Optikern möglich war, die passende Brillenstärke festzustellen.

Die Aufgabe des Brillensuchteams war es dann, die Brillen mit exakter Stärke für die jeweiligen Patienten zu finden. Das gelang uns wirklich hervorragend. Die Freude, die wir dabei spüren durften, diesen glücklichen Moment für so viele, endlich einmal klar, deutlich und bunt sehen zu können, hat sich tief in unsere Herzen eingeprägt. Dankbare Umarmungen, strahlendes Lächeln und ein unbeschreibliches Gefühl an Herzenswärme wurde uns von den ärmsten Menschen im Busch geschenkt!

Martin Tscherny
Martin Tscherny bei der objektiven Refraktion

Eine Neuerfahrung ist, daß bei der nigerianischen Bevölkerung der graue Star und die Alterssichtigkeit durchschnittlich 15 Jahre früher auftritt als bei uns (Add. 1.00 ab 32 Jahre, Add.2.00 mit 40 J., unter 50 J. Add. 3.00). Über 90 % der Augen sind übersichtig, es liegt fast nur Astigmatismus gegen die Regel (Minuszylinder 90°) vor. Ebenso sind durch den hohen UV-Anteil und das Nichttragen von Sonnenbrillen Bindehautentzündungen sehr häufig.

Martin Tscherny
Optiker Martin Tscherny mit zufriedenen Patienten

Erschreckend ist, daß eine augenärztliche Behandlung und die Versorgung mit Sehhilfen und Sonnenschutz so gut wie nicht vorhanden ist. Hier wäre es sehr sinnvoll, junge Menschen als Optiker auszubilden, ihnen mit Mess- und Werkstattgeräten zu helfen und somit die Versorgung zu ermöglichen. Ein ganz herzliches und aufrichtiges DANKE an alle, die unser Projekt in irgendeiner Form unterstützt und mitgetragen haben. Ich danke alle Menschen die Brillen für mein Projekt gespendet haben. Danke an die Optiker, die vor unserer Reise alle Brillen gereinigt, bemessen und beschriftet haben! Danke an alle Freunde, die uns Medikamente, Vitaminpräparate, Verbandsstoffe und Gehbehelfe zur Verfügung gestellt haben. Mit Ihrer Hilfe ist es uns gelungen, etwa 3000 Brillen an Bedürftige weiterzugeben und hunderte Patienten mit entsprechenden Medikamenten zu versorgen und medizinisch zu betreuen.

Ing. Silvia Ibele Optikermeister & konz. Kontaktlinsenanpasser Bludenz: Manche Menschen haben Visionen und diese Visionen brauchen wiederum Menschen, die an sie glauben und bereit sind, mitzuhelfen, um sie zu verwirklichen. Zur Umsetzung einer solchen Vision, ausgearbeitet von Kaplan Mag. Dr. Emeka Emeakaroha, starteten wir, eine 16-köpfige Gruppe, am 2. Februar 2006 unsere dreiwöchige Projektreise nach Umunohu, Imo State, Nigeria.

Nach wochenlangen Vorbereitungen und viel Engagement jedes Einzelnen, trafen wir uns in den frühen Morgenstunden, voll motiviert beim Flughafen in Wien. Auf den Gepäckswagen türmten sich viele Schachteln, in denen sich einige 3500 Brillen, viele Kilogramm Medikamente, alle möglichen optischen- und medizinischen Instrumente und viele Geschenke befanden. Auf dem mehrstündigen Flug nach Port Harcourt mit Zwischenstop in Frankfurt, hatten wir dann genügend Gelegenheit, unsere bunt gemischte Reisegruppe besser kennenzulernen. Es war wirklich sehr interessant, wer alles seine Hilfe in den Dienst dieses Projektes stellte. Unter uns befanden sich Ärzte, Optiker, Krankenschwestern – altersmäßig bunt gemischt, zwischen 21 und 58 Jahren, aus ganz Österreich.

Silvia Ibele
Ing. Silvia Ibele bei der subjektiven Refraktion

Eines stand für jeden fest – es würden drei sehr interessante Wochen werden! Unsere anfängliche Euphorie wurde am Flughafen in Port Harcourt jedoch schlagartig unterbrochen. Dort wurden wir nämlich sehr kritisch empfangen. Obwohl sich unser Reiseleiter Kaplan Emeka wirklich sehr bemühte, damit alles zügig vorangeht, blieb es uns nicht erspart, dass so manche Schachtel aufgeschnitten und kontrolliert wurde. Für uns war das schon mit viel Nervenkitzel verbunden, da es verboten ist, Medikamente nach Nigeria einzuführen. Doch als in jeder kontrollierten Schachtel nur Brillen zum Vorschein kamen, durften wir nach langer Wartezeit und mit viel Verzögerung passieren.

Bis wir dann nach circa zweistündiger Fahrt unseren Zielort Umunohu in Imo State erreichten, war es schon dunkel und recht spät. Trotzdem wurden wir von einer Gruppe singender und tanzender Frauen sehr herzlich empfangen. Es war wirklich überwältigend. Die Strapazen der Anreise mischten sich mit den vielen neuen Eindrücken und spielten sich in einem Wechselbad der Gefühle, zwischen dem herzlichen Empfang in Afrika und dem doch wehmütigen Abschied von Europa. Doch wir waren alle bereit und offen dafür, einzutauchen in diese für und doch „fremde Welt“. So gelang es uns dann auch allmählich und zögernd, dem Rhythmus der afrikanischen Klänge zu folgen, und all das Neue anzunehmen.

Für die ersten paar Tage standen kulturelle Besichtigungen und Besuche auf unserem Programm. Dies hatte den Vorteil, dass wir genügend Gelegenheit hatten, uns an den doch krassen Klimawechsel und die vielen neuen Situationen anzupassen, bevor wir mit unserer Arbeit begannen. Zudem war es natürlich höchst interessant, das Land und ihre Kultur etwas näher kennenzulernen. Nach einer offiziellen Feier und der Segnung unseres Hilfprojektes durch Bischof Anthony Ilonu, gingen wir alle voll motiviert und mit viel Enthusiasmus an unsere Arbeit.

Die Räumlichkeiten boten uns genügend Spielraum, dass sich wirklich jeder frei entfalten konnte. Trotzdem mussten wir schon sehr bald feststellen, dass wir von unserer gewohnten europäischen Präzision, Abstand nehmen müssen und dass es nötig ist, die optischen Toleranzbereiche wesentlich zu vergrößern. Jeder war wirklich bestrebt und bemüht, sein Bestes zu geben, und den Leuten bei ihren Seh- bzw. Gesundheitsproblemen zu helfen, so gut es im Rahmen unserer Möglichkeiten stand.

Silvia
Optikerin Ing. Ibele und Dr. Emeka mit einem Patient und Helferin

Da jedoch wesentlich mehr Leute als erwartet unser Angebot in Anspruch nehmen wollten, konnten wir leider nach zwei Wochen, vielen Menschen nicht mehr die nötige Hilfe bieten. Den Ärzten gingen die Medikamente aus und uns Optikern fehlten die gängigsten Glasstärken bei den Brillen. Dadurch gestalteten sich die letzte Arbeitswoche für uns leider nicht immer zufriedenstellend. Trotzdem waren wir bis zum letzten Tag fleißig und zuversichtlich bei der Arbeit und freuten uns letztendlich über die „wenigen“ (3000 Personen), die wir noch optimal versorgen konnten und die uns immer wieder die nötige Motivation gaben, weiterzumachen. Schweren Herzens räumten wir dann am letzten Tag unsere Arbeitsplätze, mit dem Wissen, dass draußen noch viele Leute warteten, die noch gerne zu uns gekommen wären und unsere Hilfe gebraucht hätten.

So traten wir, bepackt mit einzigartigen Erlebnissen, wertvollen Erfahrungen und vielen Erinnerungen nach 3 Wochen, mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ unsere Heimreise an. Ich möchte mich an dieser Stelle noch bei unserem Organisator und Visionär Kaplan Mag. Dr. Emeka Emeakaroha, für die perfekte Planung und Durchführung dieser Reise bedanken. Ebenfalls danken möchte ich allen Mitreisenden, die dieses Projekt durch ihren persönlichen Einsatz und ihre teils selbstlose Mithilfe, erst realisierbar gemacht haben. Es war wirklich schön, euch kennengelernt zu haben, und mit euch zu arbeiten! Zusammen waren wir ein großartiges Team, das Großartiges geleistet hat!

Dr. Karl-Heinz & Andrea Tessarek, Drassburg: Wir freuten uns schon lange auf unsere Reise nach Nigeria, nach Umunohu, ein Dorf im Süden des Landes im ehemaligen Biafragebiet und heutigen Imo-State. Wir nahmen gemeinsam mit 8 Optikern und mehreren Krankenschwestern an einem Brillenprojekt teil. Im Vorfeld gelang es uns Medikamente, welche wir noch dringend benötigen sollten, zu organisieren und teils zu kaufen. Die medizinische Versorgung in diesem Gebiet liegt ziemlich im Argen, wie sehr, erfuhren wir aber erst später während unserer Tätigkeit im Dorf. Es gibt kein funktionierendes Sozialversicherungssystem wie in Österreich. Die Menschen dort haben jede medizinische Tätigkeit an Diagnostik und Therapie selbst zu bezahlen. Und dies bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 30 bis 100 Euro.

Zuerst musste noch die Einreise nach Nigeria geschafft werden, was auch Gott sei Dank ohne größere Schwierigkeiten gelang. Wir führten etwa 3500 Brillen und neben gespendeten, einen größeren Eigenbedarf an Medikamenten mit uns. Erst später erfuhren wir, dass niemand unsere Medikamente finden hätte dürfen, da die Einfuhr seit Neuestem einer speziellen Genehmigung des Gesundheitsministeriums bedurft hätte und daher verboten war.

Dr. Karl-Heinz und Andrea Tessarek
Dr. Karl-Heinz und Andrea Tessarek mit junger Patientin

Nach einer langen und heißen Fahrt im Autobus wurden wir von den Dorfbewohnern mit Musik und Tanz herzlich empfangen. Die Freude war groß. Die ersten Tage spazierten wir durch das Dorf und besuchten einige Familien, statteten dem Bischof von Okigwe und dem Erzbischof von Owerri einen Besuch ab. In Okigwe bekamen wir Einblick in das dort gelegene Priesterseminar. Der Direktor hatte am Nachmittag wegen des Fußballspiels Nigeria gegen Tunesien im Afrikacup unterrichtsfrei gegeben. In zwei riesigen Sälen drängten sich jeweils hunderte Seminaristen vor einem Fernsehgerät. Nigeria gewann im Elferschießen 6:5. Am Sonntag wohnten wir einem Gottesdienst bei, der uns alle trotz seiner Länge von über drei Stunden in seinen Bann zog. Es wird gebetet, gesungen und getanzt, man fühlt sich in die Gemeinschaft aufgenommen und geborgen. Eine Musikgruppe mit einem Flötenspieler und Trommlern begleitete uns neben einer zahlreichen Kinderschar durch den Busch zurück zu unserer Unterkunft.

Wir freuten uns schon sehr auf den Beginn des Brillenprojektes und die allgemeinmedizinische Versorgung der Menschen, die nach mehreren Reden mit offizieller Begrüßung, Absingen der Nationalhymnen beider Länder und Eröffnung durch Landes- und Lokalpolitiker, endlich ihren Anfang nahmen. Der Ansturm war überwältigend. Niemand hatte mit soviel Zustrom gerechnet. Nicht nur aus dem Dorf, sondern auch aus näherer und weiterer Umgebung kamen die Leute, teils sogar aus hunderten Kilometern Entfernung. Viele übernachteten im Freien oder in leer geräumten Gebäuden. Die Menschen hatten unglaubliches Vertrauen in uns und kamen oft mit Jahre alten Verletzungen, Erkrankungen und unbehandelten Brüchen und erhofften Hilfe.

Dr. Karl-Heinz und Andrea Tessarek
Dr. Karl-Heinz und Andrea Tessarek mit Patienten

Unsere Optiker versuchten allen eine passende Brille zu besorgen, was anfänglich auch wunderbar gelang, aber in der zweiten Woche immer schwieriger wurde, weil die gängigen Brillenstärken bald vergriffen waren. Uns ging es bei unserer „general doctor“ Arbeit nicht viel besser. Neigte sich doch nach einer Woche unser Medikamentenvorrat dem Ende zu. Wir mussten uns immer öfter überlegen, wie und was noch wo helfen könnte. In der zweiten Woche reduzierte sich die Behandlung zunehmend auf Blutdruckmessen, Verbandwechsel und medizinische Beratung. Auch dafür waren die Menschen dankbar. Wir haben unser Bestes getan und für die Weiterversorgung Salben und Verbandmaterial für mehrere Verbandwechsel mitgegeben.

Für die Arbeit vor Ort wünschten wir uns wesentlich mehr Medikamente, ein Labor und zusätzlich bessere diagnostische Möglichkeiten.

Viele Menschen leiden an Malaria, typhösem Fieber, Wurm- u. Pilzinfektionen, Arthritis und Arthrosen, Bluthochdruck, Magenleiden und -geschwüren sowie Hautausschlägen. Unsere Medikamente konnten sicher vielen helfen, aber leider nicht annähernd allen, die um Hilfe kamen.

An einigen freien Nachmittagen besuchten wir den Gouverneur des Imo-Staates, das Dorfspital, das Biafra-Kriegsmuseum, einen der führenden Politiker von Nigeria, der seine Residenz im Dorf aufgebaut hat und konnten sogar an einer traditionellen Hochzeit teilnehmen. Der mehrfache Besuch des täglichen Marktes war ein Erlebnis, als Mitbringsel waren Stoffe mit traditionellen, afrikanischen Mustern begehrt. Wenn wir spät abends beisammen saßen wurde gesungen, oft im Hof mit Kindern gespielt und gesungen und beim Entfernen der Haut gerösteter Erdnüsse mit den Frauen getratscht. Dabei lernte man Land und Leute besser kennen.

1200 Kinder freuten sich über mitgebrachte Luftballons, Zuckerl, Bleistifte und Farbstifte wie heiß begehrte Kugelschreiber. Dafür stellten sie sich stundenlang in der heißen Sonne in eine lange Reihe. Die Verteilung dauerte über 2 Stunden und Gott sei Dank konnten wir allen etwas geben. Beim traditionellen Kulturnachmittag an dem wir als Ehrengäste teilnahmen führten uns über fünfzehn Musik- und Tanzgruppen ihre Tänze vor, wobei uns der Kriegstanz mit seinen besonderen Masken m meisten beeindruckte.

Als sich das Brillenprojekt und unsere medizinische Arbeit dem Ende zu neigte, waren wir alle zwar etwas erschöpft, aber zufrieden, wenigstens einem Teil der Menschen geholfen zu haben. Ein ganz ganz herzliches und aufrichtiges DANKE an alle, die unser Projekt in irgendeiner Form unterstützt und mitgetragen haben: Danke an alle Freunde, die uns Medikamente, Vitaminpräparate, Verbandsstoffe, Brillen und Gehbehelfe zur Verfügung gestellt haben. Wir haben der Bevölkerung etwas gegeben, aber wir haben auch etwas bekommen und viel gesehen und dazu gelernt. In Erinnerung werden uns das dankbare Lächeln, ein dankbarer Händedruck, manchmal fragende und oft strahlende Kinderaugen und das hin gehauchte „God bless you!“ bleiben. Man begegnete uns mit Freude, Begeisterung und Freundschaft, brachte Bananen, Ananas, Erd- und Kokosnüsse. Und obwohl der Großteil dieser Menschen arm ist und es praktisch an allem mangelt, wird viel gelacht, getanzt und gesungen, man freut sich noch über Kleinigkeiten und ist zufrieden. Diese Reise war ein ganz besonderes Erlebnis, das uns alle beeindruckt, sicher auch geprägt hat und bleibende Erinnerungen hinterlassen wird.

Name und Anschrift für den Verantwortlichen den Brillenprojektes

  • Mag. Dr. Emeka Emeakaroha
    Pfarramt Obergrafendorf
    Hauptplatz 1, A – 3200 Obergrafendorf
    Tel. 02747/2258 76 oder 0664/4873378
    emeakaroha&#64yahoo.com

Projekt-Reisetermin

  • August 2009

Mögliche Unterstüzungsarten (von Ing. Silvia Ibele)

Während unserem dreiwöchigen Brillenprojekt im Februar 2006 haben wir bei etwa 3.500 Personen Sehtests durchgeführt. Dabei mussten wir feststellen, dass die Fehlsichtigkeiten und deren Verteilung bei der nigerianischen Bevölkerung nicht mit jenen im mitteleuopäischen Raum vergleichbar sind.

  1. Über 90% der Fehlsichtigen sind Hyperop.
  2. Die Presbyopie beginnt ca. 10 – 15 Jahre früher als bei uns.
  3. Der Astigmatismus liegt größtenteils gegen die Regel (Minuszylinder 90°)
  4. Wenn Myopie vorhanden ist, dann meist in hoher Stärke (ab ca. –5,00 dpt)
  5. Grauer Star und Trachom sind sehr häufig (auch bei jungen Menschen)
  6. Durch den hohen UV-Anteil, viel Staub und das Nichttragen von Sonnenbrillen, leiden viele Menschen an Bindehautentzündungen.

Welche Brillen werden gebraucht?

  • Sonnenbrillen !!! (für Kinder und Erwachsene)
  • Lesebrillen und Brillen im Plusbereich (gängigste Stärken: von + 0,50 dpt bis + 6,00 dpt)
  • Eine Überlegung wäre: Fertiglesebrillen zwischen +1,00dpt und +4,00dpt zu kaufen, bzw. Firmen für ein Sponsoring zu gewinnen
  • Bifokalbrillen nur in einfachen Stärken, ohne Zylinder
  • Keine Gleitsichtbrillen

Was muss unbedingt berücksichtigt werden?

  • Bitte nur Brillen in einwandfreiem Zustand zur weiteren Verwendung abgeben – kein Grünspan, keine Korrosion & keine brüchigen Kunststoffassungen!
  • Nur ausgerichtete und gereinigte Brillen abgeben
  • Die Stärke im Minuszylinder direkt auf die Gläser schreiben und in durchsichtige Säckchen geben
  • Wenn Brillen für Nigeria eigens verglast werden, bitte folgendes berücksichtigen:
    • große PD (zw. 68 und 72 mm) einschleifen
    • Minusachse auf 90°
  • Es können auch Etuis gesammelt werden, allerdings nur weiche (aus Platzgründen)
    • Diese bitte separat verpacken

Zusätzliche Vorschläge der optikum Redaktion

  • Persönliche Teilnahme und Mitreise (Optiker, Augenärzte, klinische Optometristen)
  • Ungebrauchte Brillen sammeln, reinigen, vermessen und an Dr. Emeka Emeakaroha senden
  • Ungebrauchte Fassungen zur Verfügung stellen (Fassungshersteller und Optiker)
  • Rohrunde Brillengläser zur Verfügung stellen (Brillenglasindustrie)
  • Fertigbrillen (Lesehilfen) zur Verfügung stellen
  • Einschleifdienst – Eine selbst gewählte Menge von Brillen für das Projekt anfertigen (Optiker bzw. Einschleifwerkstätten)
  • Ungebrauchte, funktionierende Geräte zur Verfügung stellen (Autorefraktoren, Messbrillen, Messgläser, Skiaskop, Nahtestgerät, Scheitelbrechwertmesser, …)
  • Stromaggregate
  • Geldspenden (Kontonummer: 6.403, BLZ 32585, Raiffeisen Bank Region St. Pölten, Kennwort "Brillen für Nigeria")

optikum-Infos zu Nigeria

  • Nigeria ist mit über 123 Millionen Einwohnern der völkerreichste Staat Afrikas. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung sind Muslime (im Norden), 45 Prozent Christen (im Süden), der Rest gehört großteils afrikanischen Religionen an. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt im ländlichen Bereich. Aus ethnischer Sicht ist Nigeria ein Staat mit sehr vielen verschiedenen Volksgruppierungen – mehr als 400 verschiedene Stämme und Sprachgruppen sind in Nigeria angesiedelt. Die Spannungen zwischen Nord- und Südnigerianern sind teilweise religiös begründet. Christliche Missionen konnten sich nur in den südlichen, nichtislamischen Regionen etablieren. In der Südhälfte Nigerias profitierten fast alle Kinder von einer Grundschulausbildung. Daraus resultiert allerdings ein Kulturgefälle nach Norden, was wiederum zu einem sozialen und wirtschaftlichen Gefälle führt. Bis Ende 2002 galt in 12 (nördlichen) von 36 Bundesstaaten noch die Scharia.


Nigeria (grün hervorgehoben)


Der Südosten von Nigeria (Bild vergrößern)

  • An die Küstenebene finden sich Lagunen, Sümpfe und Mangroven. Nach Norden zu schließen sich Plateaus und Hügel bis 600 Meter Höhe an. Das Klima und die Vegetation ist im Süden zwar tropisch aber nicht so extrem heiß wie man glauben könnte.
  • Nigeria kam immer wieder mit Unruhen in die Medien, wie 1967 durch den Biafra-Bürgerkrieg und zuletzt im jahr 2002 wo ein islamisches Gericht nur unter massiven Druck des Auslandes ein Todesurteil durch Steinigung gegen eine vermeintliche Ehebrecherin aufhebte. Im Jahr 1999 siegte der ehemalige Militärmachthaber Obasanjo bei den Präsidentschaftswahlen. Seitdem erfolgte eine allmähliche Demokratisierung mit demokratischer Verfassung. Nigeria ist eine präsidiale Bundesrepublik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte mit weitgehenden Vollmachten. Er wird auf 4 Jahre direkt gewählt. 2003 wurde Obasanjo bei den Präsidentschaftswahlen im Amt bestätigt. Nigeria hat ein Zweikammerparlament aus Repräsentantenhaus und Senat.
  • Als größter Erdölproduzent Afrikas gewinnt Nigeria an Bedeutung. Die Förderung von Erdgas, Export von Zinn, Steinkohle, Eisen und Columbit ergänzen die Exporte. Allerdings kann die Landwirtschaft den Eigenbedarf nicht decken.

Coverfoto

  • Optiker Ernst Wild (aus Wien) mit Mag. Dr. Emeka Emeakaroha bei der Fernrefraktion eines Patienten