Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – das „Trockene Auge“ hat immer Saison. Kontaktlinsenträger trifft es besonders hart: mangelnder Tragekomfort ist für viele Kontaktlinsenträger oft der entscheidende Grund mit dem Kontaktlinsentragen aufzuhören. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. Zusätzlich zu den Einflüssen von außen – wie trockene Luft oder Zugluft – kann die Beschaffenheit des Tränenfilms in vielen Fällen oft der verantwortliche Faktor sein, die Symptome des „Trockenen Auges“ sind nahezu jedem Kontaktlinsenträger bekannt.
Für eine Reduktion des Tränenfilms zeichnen Allgemeinerkrankungen, Sekretionsanomalien, unterschiedlich lange tägliche Tragezeiten, Medikamenteneinnahme und vor allem negative Umweltbedingungen verantwortlich. Auch kann das Tragen von Kontaktlinsen – im negativen Sinne – unterstützend zu dieser Symptomatik beitragen.
Faktoren, die den Tränenfilm negativ beeinflussen können
- Trockene Luft
- Staubige Luft
- Lange tägliche Tragezeiten
- Einnahme von Medikamenten
- Sekretionsanomalien
- Allgemeinerkrankungen
- Umweltbedingungen
- u.v.m.
Der Kontaktlinsenträger selbst schreibt den mangelnden Tragekomfort meist den Kontaktlinsen oder den negativen Umwelteinflüssen zu. An eine positive – oder auch negative – Wirkung der verwendeten Kontaktlinsenpflegemittel oder einem Mangel an benetzenden Substanzen im Tränenfilm wird jedoch nur selten gedacht.
Moderne Kontaktlinsenpflege trägt den Anforderungen vor allem auch in Hinblick auf die Verträglichkeit und dem Tragekomfort Rechnung. Besonderes Augenmerk sei hier auf zeitgemäße Nachbenetzungslösungen gelegt.
Anforderungen an moderne Nachbenetzungslösungen
- Gute Verträglichkeit
- Keine toxische Wirkung – auch bei häufiger Anwendung
- Exzellente Benetzung der Hornhautoberfläche
- Lange Verweildauer am Auge
- Keine Beeinträchtigung der optischen Abbildung ("Schlierensehen")
- Augen-freundlicher pH-Wert
- Wenn möglich unkonserviert am Auge (z.B. auch durch den modernen Konservierungsstoff OcuPure™)

blink™ contacts in der Flasche ist somit bei der Anwendung am Auge unkonserviert.
Bei nur gelegentlicher Anwendung von nachbenetzenden Augentropfen
sind – aufgrund der auf der Packungsbeilage angegebenen Aufbrauchfrist der
angebrochenen Flasche – die blink™ contacts Einmaldosen (20 x 0,4 ml) vorzuziehen.
Welche Inhaltsstoffe eignen sich heute besonders gut zur Nachbenetzung von Kontaktlinsen?
Viele der heute angebotenen Nachbenetzungs- und Tränenersatzlösungen enthalten in zunehmendem Maße Hyaluronsäure als wirksame Substanz, da über sie eine langanhaltende, exzellente Benetzung der Kontaktlinsen und Augenoberfläche ermöglicht wird. Auch bewährte Substanzen, wie z.B. Polyvinylalkohol (PVA), eignen sich sehr gut zur "Erfrischung müder Augen". Sie kommen gerade dann sehr gut zum Einsatz, wenn die Ursache der Beeinträchtigung des Tränenfilms nicht genau zu klären ist. Auch "Nicht-Kontaktlinsenträger" profitieren von den positiven Eigenschaften dieser Substanz, denn auch die Oberfläche der Cornea wird bei der Anwendung dieser Augetropfen langanhaltend benetzt.
"Hyaluronsäure" – was ist das eigentlich?
Hyaluronsäure findet sowohl in der Kosmetik als auch in der Medizin breite Anwendung – und in der Ophthalmologie. Das Anwendungsgebiet erstreckt sich hier von der Linderung eines Trockenen Auges mit Tränenersatzmitteln bis hin zum Einsatz als Viskoelastikum in der Ophthalmochirurgie. Die außergewöhnlichen Eigenschaften der Hyaluronsäure machen sie heute zu einer unverzichtbaren Wirksubstanz in der modernen Kontaktlinsenpraxis.
Natürliches Vorkommen
Erstmalig wurde Hyaluronsäure aus dem Glaskörper von Rinderaugen isoliert. Daher leitet sich auch der Name ab: das griechische Wort "hyalos" bedeutet Glas, und die chemische Verbindung "Uronsäure" stellt einen Teil des Grundgerüstes der Substanz dar.1
Hyaluronsäure kann in nahezu allen Bindegeweben, Knochen und in der Synovialflüssigkeit ("Gelenkschmiere") der Gelenke von Wirbeltieren gefunden werden.2 Sie wird in den Zellmembranen des Körpers hergestellt und direkt in das extrazelluläre Gewebe abgegeben. So dient sie der Zell- und Gewebsstabilisierung und spielt eine wesentliche Rolle während der embryonalen Entwicklung und des Wachstums. Auf Zellebene hat Hyaluronsäure ebenfalls eine wichtige Funktion bei Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Zellen.3 Ein weiterer sehr interessanter Aspekt der Hyaluronsäure-Wirkung ist ihre Beteiligung an den Prozessen der Regeneration von biologischen Geweben. So trägt Hyaluronsäure beispielsweise auch zur beschleunigten Wundheilung (z.B. bei Brandwunden)4 bei.
Im Auge ist Hyaluronsäure (bzw. ihr Salz: Natrium-Hyaluronat) in hoher Konzentration im Glaskörper und im Bindegewebe des trabekulären Kammerwinkels nachweisbar. In niedriger Konzentration findet sie sich auch im Kammerwasser und bedeckt hier das Endothel. Das normale menschliche Auge weist eine Hyaluronsäure-Konzentration von etwa 1.4mg/l auf.5 Bemerkenswerterweise – und das ist wichtig für die Gewinnung von Hyaluronsäure – findet man sie nicht nur bei Wirbeltieren, sondern auch in der Kapselhülle von Bakterien.
Eigenschaften
Die Molekülmasse von Hyaluronsäure liegt etwa im Bereich von 50.000 bis 8.000.000 D, d.h. es handelt sich hierbei um ein relativ großes Molekül, welches die Viskosität von Benetzungslösungen erhöhen kann. Gelöst stellt sie sich als farblose, geruchlose viskoelastische Flüssigkeit dar6, deren pH-Wert bei ca. 7.2 liegt.

Abb. 1: Reine, getrocknete Hyaluronsäure7
Chemisch gesehen ist sie ein hochpolymeres Mucopolysaccharid, d.h Hyaluronsäure ist in der Lage zum einen die Mucinschicht zu unterstützen und zum anderen die wässrige Schicht des Tränenfilms durch seine hohen Wasserbindungseigenschaften wiederaufzubauen. Durch die hohe Viskosität der Hyaluronsäure wird eine sehr hohe Verweildauer an der Augenoberfläche erreicht8. Hyaluronsäure ist für den menschlichen Körper in keiner Weise toxisch, wirkt nicht allergisierend und auch nicht reizend auf Gewebe. Darüber hinaus stellt sie die natürliche biologische Benetzungssubstanz dar9, da sie ja als körpereigene Substanz im Menschen vorkommt.
Therapeutische Verwendung
Hyaluronsäure wird auf Grund seiner einzigartigen Eigenschaften in weiten Bereichen der Kosmetik, Human- und auch Veterinär-Medizin eingesetzt. In kosmetischen Cremes kann Hyaluronsäure zur oberflächlichen Faltentherapie verwendet werden. Auch wird Hyaluronsäure chirurgisch bei der Unterspritzung von Falten und zur Lippenkorrektur genutzt. In der Orthopädie findet sie intraartikulär (in den Gelenkspalt) Einsatz bei der Linderung von Symptomen degenerativer Gelenkserkrankungen wie z.B. Arthrose.
Auch aus der Ophthalmologie ist die Hyaluronsäure heute kaum noch wegzudenken. Bewährten Einsatz findet sie hier in zahlreichen Anwendungsgebieten: während mehrerer Phasen der Kataraktchirurgie als Viskoelastikum, als Volumen- oder Glaskörperersatz, zur Linderung der Symptomatik des Trockenen Auges und zur Nachbenetzung von "weichen" und "harten" Kontaktlinsen.
Vorteile von Hyaluronsäure am Auge
Hyaluronsäurehaltige Flüssigkeiten weisen außergewöhnliche Fließeigenschaften auf: In Abhängigkeit der Kräfte, die auf sie einwirken verändert sich die Viskosität der Lösung. Je größer die (Scher-)Kräfte sind, die auf die Lösung einwirken, desto geringer wird die Viskosität. Das bedeutet, dass sich hyaluronsäure-haltige Augentropfen während des Blinkens "verdünnen", sie weisen jetzt eine geringere Viskosität auf. Somit verteilen sie sich leicht über die gesamte Augenoberfläche. Wenn keine Scherkräfte mehr einwirken – nach dem Lidschlag – "verdickt" sich die hyaluronsäure-haltige Lösung wieder, sie weist nun eine höhere Viskosität auf. Auch dies trägt zu einer Stabilisierung des Tränenfilms bei.

Links niedrige Viskosität (dünn)
gestreckte Molekülketten in Flussrichtung ermöglichen geringen Widerstand
Rechts hohe Viskosität (dick)
aufgeknäulte Molekülstruktur11
Grund für diesen ausgesprochen vielfältigen Einsatz ist – neben der bereits angesprochenen guten Verträglichkeit – auch das außergewöhnlich hohe Wasserbindungsvermögen. Es beträgt etwa das 1000-fache des Eigengewichtes der Trockensubstanz. Dies realisiert eine hervorragende Benetzung und ein sehr gutes Feuchthaltevermögen von Kontaktlinsen und Augenoberfläche12.
Aktuelle wissenschaftliche Studien13 belegen auch für Nicht-Kontaktlinsenträger die hohe Wirksamkeit von hyaluronsäurehaltigen Augentropfen: auf Grund der besonders guten Adhäsion zur Zelloberfläche werden zum einen die Symptome des Trockenen Auges gelindert, zum anderen wird die Stabilität des Tränenfilms verbessert14. Darüber hinaus wurde eine positive, unterstützende Wirkung von Hyaluronsäure auf die Selbstreparaturmechanismen der Augenoberfläche beschrieben15. Als effektivste Präparate haben sich Augentropfen mit einer Hyaluronsäurekonzentration von mindestens 0.1% erwiesen16. Deutlich höhere Konzentrationen an Hyaluronsäure könnten mit unerwünschtem Schleier-Sehen einhergehen.
Somit leistet die Anwendung von hyaluronsäurehaltigen Augentropfen einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Gesundheit des Hornhautepithels – und somit der Augengesundheit!
Eigenschaften der Hyaluronsäure am Auge
- Gute Adhäsion an der Oberfläche des Epithels
- Linderung der Symptomatik des trockenen Auges
- Verbesserung der Stabilität des Tränenfilms
- Beitrag zur Gesunderhaltung des Hornhautepithels
Durch die Verwendung von benetzenden Wirkstoffen – wie Hyaluronsäure idealerweise in der Konzentration von 0,15 % – in Nachbenetzungslösungen kann der Tragekomfort der Kontaktlinsen deutlich verbessert werden und somit ein potenzielles Aussteigen aus der Kontaktlinse vermieden werden.
Voraussetzung für einen langfristigen Trageerfolg ist darüber hinaus eine sehr gute Compliance des Anwenders. Nur wenn die Kontaktlinsenpflegeprodukte auch so benutzt werden, wie es vom Hersteller empfohlen wird, können diese ihre positiven Eigenschaften voll entfalten und dem Träger das zufriedene Tragen seiner Kontaktlinsen gewährleisten.
Autorinnen:
Dr. Sibylle Scholtz, Alexandra Spiegler
AMO Germany GmbH
Rudolf-Plank-Straße 31
76275 Ettlingen
alexandra.spiegler@amo-inc.com
sibylle.scholtz@amo-inc.com
Literatur:
[1] CD Römpp Chemie Lexikon, 1995.
[2] Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 257. Auflage.
[3] Dick, B., Schwenn, O., Viskoelastika, eine Übersicht, Springer Verlag, 1998.
[4] Abatangelo et al., Healing of hyaluronic acid-enriched wounds: histological observations, J Surg Res, 1983.
[5] Laurent UBG, Laurent TC, On the origin of hyaluronate in blood, Biochem Int 2, 1981.
[6] Dolder, Skinner, Ophthalmika, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 1990.
[7] Dick, B., Schwenn, O., Viskoelastika, eine Übersicht, Springer Verlag, 1998.
[8] Calonge, M., The Treatment of Dry Eye, Surv. Ophthalmol., 2001.
[9] Fey, Otte, Das Wörterbuch der Kosmetik, 1997.
[10] Dick, B., Schwenn, O., Viskoelastika, eine Übersicht, Springer Verlag, 1998.
[11] Cowman K et al. Carbohydr. Polym. 2000; 41, 229-235; Cowman K et al. in Hyaluronan, Kennedy J et al. eds, Woodhead Publishing, Cambridge, 2000
[12] Fiedler, H.P., Lexikon der Hilfsstoffe, Editio Cantor Verlag Aulendorf, 2002.
[13] Key, J.E., II, Experience with Sodium Hyluronate Contact Lens Comfort Drops, Refractive EyeCare, 2005.
[14] Mengher L.S. et al., Effect of sodium hyaluronate (0.1%) on break-up-time (NIBUT) in patients with dry eyes, BRLOphtalamol., 1986.
[15] Key, J.E., II, Experience with Sodium Hyluronate Contact Lens Comfort Drops, Refractive EyeCare, 2005.
[16] Hamano, T., et al., Sodium Hyaluronate Eyedrops Enhance Tear Film Stability, Jpn J Ophthalmol, Vol. 40: 62-65, 1996.
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Rudolf-Plank-Straße 31 Tel.: +49 7243 – 729-0 |





