Eine gemeinsame und erfolgreiche Veranstaltung von Wirtschaftskammer und Ärztekammer ist – wie man letzten Dienstag in St. Pölten erleben konnte – in Niederösterreich großartig gelungen. Knapp 50 Augenoptiker und Augenärzte folgten der Einladung der Niederösterreichischen Landesinnung der Gesundheitsberufe und der Niederösterreichischen Fachgruppe der Augenärzte ins Universitätsklinikum St. Pölten zu einer Abendveranstaltung zum Thema „Neue Ansätze der Myopieregulation“.
In ihren Begrüßungsworten freuten sich die beiden Standesvertreter, Augenarzt Dr. Peter Gorka, Fachgruppenvorsitzender in der Ärztekammer NÖ, und Augen- und Kontaktlinsenoptiker Dr. Mag. Markus Gschweidl, MSc, Landesinnungsmeister der Gesundheitsberufe in der Wirtschaftskammer NÖ, über das große Interesse beider Berufsgruppen an gemeinsamer Fortbildung und gegenseitigem Erfahrungsaustausch.
Ortho K als mögliche Versorgungsmaßnahme einer Myopie
Als erster Referent sprach der Kärntner Landesinnungsmeister Ing. Mario Teufl, MSc, zunächst über die Gefahren einer zunehmenden beziehungsweise hohen Kurzsichtigkeit. Denn es ist erwiesen, daß mit steigender Kurzsichtigkeit auch die Wahrscheinlichkeit für pathologische Veränderungen im Auge zunimmt, die zu schweren Sehverlusten bis hin zur Erblindung führen können. So erhöht sich etwa bei einer Myopie zwischen – 3,0 und – 6,0 Dioptrien das Risiko für das Entstehen einer Katarakt um das 3-fache, eines Glaukoms um das 4-fache, einer Netzhautablösung um das 9-fache und einer Makulopathie um das 10-fache. Bei höheren Kurzsichtigkeiten steigen die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten auf das 5-, 14-, 22- bzw 41-fache!
Nachdem die Notwendigkeit einer Myopiekontrolle dargelegt wurde, stellte Mario Teufl dann Ortho K – Kontaktlinsen als mögliche Versorgungsmaßnahme vor und präsentierte deren Wirkungsweise, Anwendungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten. Orthokeratologie bezeichnet ein Verfahren, bei dem mit Hilfe spezieller formstabiler Kontaktlinsen die Cornea gezielt in ihrer Form verändert wird. Die Cornea wird dadurch in ihrer Krümmung verändert und abgeflacht, die Myopie damit verringert und die Sehschärfe ohne Korrektion verbessert.
„Besonders erfolgsversprechend sind Ortho K – Kontaktlinsen bei der Myopiekontrolle bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der Verlangsamung des axialen Längenwachstums der Augen“, erklärte Teufl mit Hinweis auf zahlreiche internationale Studien und seine eigene Anpasserfahrung. Natürlich sind für eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Ortho K-Anpassung engmaschige Kontrollen durch den Kontaktlinsenanpasser sowie die Einhaltung von Prozessprotokollen unerlässlich.
Myopieregulation aus medizinischer Sicht
Im zweiten Vortrag des Abends beleuchtete Dr. Peter Gorka die Myopieregulation aus medizinischer Sicht. Einleitend stellte er fest, dass die weltweite Zunahme der Kurzsichtigkeit in direktem Zusammenhang mit vermehrter Naharbeit und geringerem Aufenthalt im Freien stehe. Da Tageslicht das Augenlängenwachstum hemme, sollten Kinder und Jugendliche mindestens zwei Stunden pro Tag im Freien verbringen.
Dann legte Peter Gorka seinen Schwerpunkt auf die Möglichkeit der pharmakologischen Beeinflussung der Myopieprogression und präsentierte eine Studie über die vielversprechenden Erfolgsaussichten der Behandlung mit 0,01% Atropin-Augentropfen. Die Vorteile lägen bei den niedrigen Kosten, der Eignung auch für Kleinkinder und den geringen Nebenwirkungen im Vergleich zu 1% Atropin. Denn aufgrund der niedrigeren Dosierung entstehe kaum Blendung durch die vergrößerte Pupille und nur geringfügige Einbußen bei der Akkommodationsleistung, die bei Kindern dank ihrer verbleibenden Restakkommodation immer noch leicht fürs Lesen reiche.
In der anschließenden regen Diskussion wurde die unterschiedlichen Ansätze der Myopieregulation näher erörtert. Beide Referenten stimmten darin überein, dass es noch weiterer Forschung bedarf, um die langfristigen Auswirkungen der unterschiedlichen Behandlungsmethoden zur Verlangsamung der Myopieprogression wirklich gut beurteilen zu können.
Beim gemütlichen Ausklang wurde dann der Wunsch nach einer Neuauflage dieses Formates einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung für Augenärzte und Augenoptiker geäußert. „Diesem Wunsch werden wir im nächsten Jahr gerne nachkommen“, freut sich LIM Markus Gschweidl, MSc und macht sich schon Gedanken über ein für beide Berufsgruppen interessantes Thema.

Der Autor dieses Artikels, Mag. Dr. Markus Gschweidl, MSc
Optometrist und Landesinnungsmeister der Gesundheitsberufe in der Wirtschaftskammer Niederösterreich
Magister und Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Master of Science (Clinical Optometry / Klinische Optometrie)
Coverfoto (ZVg): LIM Markus Gschweidl, Vortragender LIM Mario Teufl aus Kärnten und Peter Gorka (Fachgruppenvorsitzender der NÖ Augenärzte)



