Infos zur elektronischen Abrechnung und Mikrobiologie bei Kontaktlinsen

Vorgestern fand im gut besuchten Festsaal des Wiener Palais Festetics ein Vortragsabend der Landesinnung Wien statt. Nach einer AMO-Päsentation über mikrobielle Aspekte bei der Kontaktlinsenanpassung folgte eine rege Diskussion zum Thema elektronische Verordnungsscheinabrechnung. Den ersten Teil des Abends gestaltete der Karlsruher Mikrobiologe Dr. Frank Seibel mit seinem Vortrag über Infektionen am Auge.

Seibel referierte über die Gebiete Hygienemaßnahmen,
Grundlagen der Mikrobiologie und relevante Keime wie Bakterien, Viren (z.B.
Herpes), Einzeller (z.B. Acanthamöben) und Pilze (z.B. Candida, Aspergillus).

Als schwerwiegende Folge einer Infektion führte Seibel mögliche
Ulzerationen der Hornhaut an. Diese können prinzipiell lokal begrenzt sein,
aber auch die Fähigkeit zur Ausbreitung über die gesamte Hornhaut
haben. So verursacht z.B. der staphylococcus aureus Erreger Hornhaut-Ulzerationen
im Anschluss an Gewebeschäden, die z.B. durch einen Herpes, ein Gerstenkorn
oder ein Forunkel entstanden sind. Die Ulzerationen sind meist rund bis oval,
ortsfest mit relativ scharfen Begrenzungen. Manchmal können sie auch in
diffuser Form auftreten.

Während der streptococcus pneumoniae häufig eine Hornhaut-Ulcera
meist mit einer Tränensackentzündung (Dakryozystitis) auslöst,
bewirkt der streptococcus pyogenes seltener eine Hornhaut-Ulzera. Das sowohl
in der Luft als auch in Flüssigkeit vorkommende pseudomonas aeruginosa
Bakterium kann ebenfalls schwere Hornhaut-Ulzerationen auslösen. Es besiedelt
und vermehrt sich außerordentlich gut in Fluoreiszeinlösungen. Kontaktlinsen
bieten ebenfalls einen guten Nährboden, da sein Wachstum auf allen Arten
von Ablagerungen möglich ist. Da es sich als sehr resistent erweist, ist
die Behandlung relativ schwierig. Ein Visusverlust ist innerhalb von nur 24
– 48 Stunden möglich, da das Hornhautgewebe aufgrund einer Enzymausschüttung
aufgelöst wird. Die Enzymausschüttung wird durch das Immunsystem hervorgerufen.

Nach Erörterungen zum Herpesvirus nahm sich Seibel dem
Pilzbefall an. So wurde der Befall von Kontaktlinsen und deren Behälter
durch den Hefepilz candida albicans aufgezeigt. Fotos von schweren Hornhaut-Mykosen
zeigten die Auswirkungen einer Pilzinfektion. Weiters referierte Seibel über
den aspergillus niger, welcher schwarze, oberflächliche Mykosen bildet.
Auch der aspergillus fumigatus, der rauchgraue Koloniefärbungen nach Verletzungen
bildet, wurde behandelt.

Zu den begünstigenden Faktoren für eine Hornhautinfektion
zählte Seibel unter anderem eine Schwächung des Immunsystems, Stoffwechselerkrankungen
wie z.B. Diabetes, Allgemeinerkrankungen, Einnahme von Antibiotika, Verletzungen
durch einen Fremdkörper und Operationen.

Das in manchen Fachpublikationen heiß diskutierte Thema Acanthamoeba wurde
von Seibel relativiert. Zwar räumte der Referent die Möglichkeit einer
Perforation der Hornhaut ein. Der Befall durch Acanthamoeben ist jedoch extrem
selten. Seibel sprach von jährlich 60-80 Fällen in Deutschland. Prävention
steht im Vordergrund. See- und Leitungswasser sollten von Kontaktlinsenträgern
sicherheitshalber gemieden werden.

Am Ende des Vortrages wurden noch die Anforderung an Desinfektionsmittel
erörtert. Seibel wies auf die Komplexität der Anforderungen hin. Angeführt
wurden: ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum, keine toxische Wirkung
eine Wirksamkeit in niedrigen Konzentrationen, Stabilität bei Lagerung,
keine Wechselwirkungen mit Kontaktlinsen, keine Wechselwirkungen mit Kontaktlinsenablagerungen,
Isotonie und Isohydrie zum Tränenfilm und eine geringe Allergiequote. Hochwertige
Produkte würden alle diese Anforderungen erfüllen.

Nach dem Vortrag sprachen Landesinnungsmeister Toni Koller und
Dr. Frank Seibel über die Einschätzung der Gefährdung durch Prionen.
Seibel führte aus, dass "im Tränenfilm Prionen in der Literatur
nur 3 mal nachgewiesen werden konnten. Prinzipiell ist da eher eine Gefahr bei
der Augenchirurgie als bei der Kontaktlinsenanpassung zu sehen. Es ist mit keiner
Epidemie zu rechnen. Mit Fragebögen und einer guten Anamnese können
Symptome abklärt werden."

Im Anschluss an den Fachvortrag wurde Frau Dr. Karin Zoufal und
Herr Dieter Schneider-Sturm (Wiener Gebietskrankenkasse) von Landesinnungsmeister
Toni Koller begrüßt. Im Zuge einer regen Saaldiskussion bemühte
sich Dr. Zoufal alle Anfragen zu beantworten.

Zoufal führte aus, dass es bereits einen Datensatzaufbau
bei der Wiener Gebietskrankenkasse gäbe, der allerdings zum derzeitigen
Zeitpunkt nicht mit jenen der anderen 35 Sozialversicherungen ident wäre.
Zoufal wies darauf hin, dass ein Mitarbeiterstab in der Wiener Gebietskrankenkasse
bereits sehr viele Energien in einen logischen und gut durchdachten Datensatzaufbau
investiert habe. So bestünde Hoffnung, dass Österreichs Optiker ab
Anfang April mit der Wiener Gebietskrankenkasse elektronisch abrechnen können.

Die Wiener Gebietskrankenkasse wird den Optikern ein einfaches
Erfassungsprogramm für die elektronische Abrechnung kostenlos zur Verfügung
stellen. Es wird auf dem Betriebssystem Windows basieren. Ob das Programm auch
auf Mac`s laufen wird konnte nicht beantwortet werden. Die Kosten für eine
Implementierung in die eigene EDV ist von den Optikern jeweils selbst zu tragen.

Der Hauptverband wird laut Zoufal zukünftig eine bisher
noch unbekannte Datensatzstruktur veröffentlichen, der vom Datensatz der
Wiener Gebietskrankenkasse abweichen kann. Die Optiker können in Folge
auch über den Hauptverband mit der Wiener Gebietskrankenkasse abrechnen.
Um Fehler zu vermeiden, kann im ersten elektronischen Abrechnungsmonat wahrscheinlich
parallel dazu herkömmlich abgerechnet werden. Sollte die Umstellung Probleme
bereiten, werden Zahlungen nicht ausgesetzt. So versprach Zoufal: "Wenn
bei einer Abrechnung alles schief geht wird a conto überwiesen."

Bei der Wiener Gebietskrankenkasse wird es eine Fehler-Rückmeldung
geben. Anfänglich noch in Papierform, später etwa über elektronische
Systeme wie ELDA (ELektronischer
DAtenaustausch mit den Österreichischen Sozialversicherungsträgern).
Die Übermittlung via Email wird nicht genutzt werden, da Zoufal von einer
zu großen Datenmenge spricht.

Frage aus dem Auditorium: "Wird es in Zukunft ausreichen
elektronisch abzurechnen oder müssen weiterhin die Papierverordnungen eingereicht
werden?"
Zoufal: "Übersehen Sie nicht die Aufbewahrungspflicht. Es fallen in
den Jahren sehr viele Papierverordnungen an. Bei Fragen müssten Sie nach
Jahren eine bestimmte Verordnung heraussuchen und Auskunft erteilen. Beim Übergeben
der Verordnungen an die Wiener Gebietskrankenkasse ersparen Sie sich die lästige
Aufbewahrungspflicht."

Frage aus dem Auditorium: "Ich bin ein Exote und habe
keinen PC. Wie gehen Sie mit solchen Kollegen wie mir um?"
Zoufal: "Ab dem 01.01.2004 werden die Optiker und Sozialversicherungsträger
aufgrund des herrschenden Gesetzes nicht umhinkommen elektronisch abzurechnen."
Frage aus dem Auditorium: "Wird mir wenn ich es nicht bis Anfang 2004 schaffe
elektronisch abzurechnen in Folge der Vertrag gekündigt?"
Zoufal: "Wenn die Verweigerung elektronisch abzurechnen dauerhaft ist kann
auch eine solche Maßnahme nicht ausgeschlossen werden. Es wird jedoch
auch von der Menge der Verordnungsscheine abhängen."

Koller: "Wir sind Partner der Sozialversicherungen, die
Wiener Gebietskrankenkasse will in dieser Frage mit uns gemeinsam das Problem
lösen. Die Sozialversicherung könnte sich genauso stur ab dem 01.01.2004
auf die Gesetzeslage berufen."

Frage aus dem Auditorium: "Es kann doch nicht sein, dass
alle Sozialversicherungen andere Datensatzstrukturen erstellen? Außerdem
ist der Zeitpunkt mit Anfang 2004 viel zu kurz bemessen. Warum haben Sie nicht
auf den Gesetzgeber eingewirkt?"
Zoufal: "Man kann auch abwarten bis der Hauptverband die Datensatzstruktur
bringt. Betreffend der Frist 2004 war selbst eine Intervention beim Bundesministerium
nicht erfolgreich."
Schneider-Sturm: "Ob es einen einheitlichen Datensatz bis Ende des Jahres
2003 geben wird ist fraglich. Wir hoffen, dass unsere Datensatzstruktur die
durch ein massives Engagement im Programmierbereich und vieler Monate Aufbereitungszeit
von den anderen Sozialversicherungsträger übernommen wird. Es wurden
bereits für 30.000 Artikel Positionen vergeben!"
Zoufal: "Es besteht die Hoffnung, dass aufgrund des Zeitdruckes andere
Sozialversicherungen auf unser fertiges Modell zurückgreifen. Im besten
Fall kann das Erfassungsprogramm auch bei der Abrechnung mit anderen Kassen
verwendet werden."

Frage aus dem Auditorium: "Kann ich über den Hauptverband mit allen
Kassen abrechnen?"
Zoufal: "Vorerst nicht, es ist jedoch für später geplant."

Frage aus dem Auditorium: "Wird die Abrechnung überhaupt
auf eine Diskette passen?"
Zoufal: "Ja"
Frage aus dem Auditorium: "Ist eine Diskette überhaupt noch zeitgemäß?"
Zoufal: "Das geht derzeit nicht anders, später wird man Übermittlungssysteme
wie ELDA nutzen."

Koller: "Wichtig wird es zukünftig sein, die Versicherungsnummer
des Versicherten und des Mitversicherten exakt zu erfassen. Über diese
Daten können andere Daten eruiert werden. Übrigens ergibt das Geburtsdatum
und die vierstellige Nummer vor dem Geburtsdatum mit Sicherheit eine Prüfsumme.
Es wäre im Interesse der exakten Datenerfassung wenn dieser Alogarythmus
der Prüfsumme den Optikern zugänglich gemacht würde."

Zoufal: "Alle anderen Daten wie Name und Adresse können
über die Versicherungsnummer ausgehoben werden. Wenn die Versicherungsnummer
perfekt erfasst wird, ist es prinzipiell ausreichend. Die Optiker werden im
Zuge der elektronischen Abrechnung nunmehr zwei mal monatlich abrechnen. Die
Zahlung erfolgt spätestens 4 Wochen nach Einreichung, so schnell wie möglich."

Das anschließende, von AMO gesponserte Buffet wurde noch
für zahlreiche Gespräche zwischen den Vertretern von AMO, der Wiener
Gebietskrankenkasse und den Optikern genutzt.

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