Infos zur elektronischen Abrechnung und Mikrobiologie bei Kontaktlinsen

0
14516 mal gelesen
Vorgestern fand im gut besuchten Festsaal des Wiener Palais Festetics ein Vortragsabend der Landesinnung Wien statt. Nach einer AMO-Päsentation über mikrobielle Aspekte bei der Kontaktlinsenanpassung folgte eine rege Diskussion zum Thema elektronische Verordnungsscheinabrechnung. Den ersten Teil des Abends gestaltete der Karlsruher Mikrobiologe Dr. Frank Seibel mit seinem Vortrag über Infektionen am Auge.

Seibel referierte über die Gebiete Hygienemaßnahmen, Grundlagen der Mikrobiologie und relevante Keime wie Bakterien, Viren (z.B. Herpes), Einzeller (z.B. Acanthamöben) und Pilze (z.B. Candida, Aspergillus).

Als schwerwiegende Folge einer Infektion führte Seibel mögliche Ulzerationen der Hornhaut an. Diese können prinzipiell lokal begrenzt sein, aber auch die Fähigkeit zur Ausbreitung über die gesamte Hornhaut haben. So verursacht z.B. der staphylococcus aureus Erreger Hornhaut-Ulzerationen im Anschluss an Gewebeschäden, die z.B. durch einen Herpes, ein Gerstenkorn oder ein Forunkel entstanden sind. Die Ulzerationen sind meist rund bis oval, ortsfest mit relativ scharfen Begrenzungen. Manchmal können sie auch in diffuser Form auftreten.

Während der streptococcus pneumoniae häufig eine Hornhaut-Ulcera meist mit einer Tränensackentzündung (Dakryozystitis) auslöst, bewirkt der streptococcus pyogenes seltener eine Hornhaut-Ulzera. Das sowohl in der Luft als auch in Flüssigkeit vorkommende pseudomonas aeruginosa Bakterium kann ebenfalls schwere Hornhaut-Ulzerationen auslösen. Es besiedelt und vermehrt sich außerordentlich gut in Fluoreiszeinlösungen. Kontaktlinsen bieten ebenfalls einen guten Nährboden, da sein Wachstum auf allen Arten von Ablagerungen möglich ist. Da es sich als sehr resistent erweist, ist die Behandlung relativ schwierig. Ein Visusverlust ist innerhalb von nur 24 – 48 Stunden möglich, da das Hornhautgewebe aufgrund einer Enzymausschüttung aufgelöst wird. Die Enzymausschüttung wird durch das Immunsystem hervorgerufen.

Nach Erörterungen zum Herpesvirus nahm sich Seibel dem Pilzbefall an. So wurde der Befall von Kontaktlinsen und deren Behälter durch den Hefepilz candida albicans aufgezeigt. Fotos von schweren Hornhaut-Mykosen zeigten die Auswirkungen einer Pilzinfektion. Weiters referierte Seibel über den aspergillus niger, welcher schwarze, oberflächliche Mykosen bildet. Auch der aspergillus fumigatus, der rauchgraue Koloniefärbungen nach Verletzungen bildet, wurde behandelt.

Zu den begünstigenden Faktoren für eine Hornhautinfektion zählte Seibel unter anderem eine Schwächung des Immunsystems, Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes, Allgemeinerkrankungen, Einnahme von Antibiotika, Verletzungen durch einen Fremdkörper und Operationen.

Das in manchen Fachpublikationen heiß diskutierte Thema Acanthamoeba wurde von Seibel relativiert. Zwar räumte der Referent die Möglichkeit einer Perforation der Hornhaut ein. Der Befall durch Acanthamoeben ist jedoch extrem selten. Seibel sprach von jährlich 60-80 Fällen in Deutschland. Prävention steht im Vordergrund. See- und Leitungswasser sollten von Kontaktlinsenträgern sicherheitshalber gemieden werden.

Am Ende des Vortrages wurden noch die Anforderung an Desinfektionsmittel erörtert. Seibel wies auf die Komplexität der Anforderungen hin. Angeführt wurden: ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum, keine toxische Wirkung eine Wirksamkeit in niedrigen Konzentrationen, Stabilität bei Lagerung, keine Wechselwirkungen mit Kontaktlinsen, keine Wechselwirkungen mit Kontaktlinsenablagerungen, Isotonie und Isohydrie zum Tränenfilm und eine geringe Allergiequote. Hochwertige Produkte würden alle diese Anforderungen erfüllen.

Nach dem Vortrag sprachen Landesinnungsmeister Toni Koller und Dr. Frank Seibel über die Einschätzung der Gefährdung durch Prionen. Seibel führte aus, dass "im Tränenfilm Prionen in der Literatur nur 3 mal nachgewiesen werden konnten. Prinzipiell ist da eher eine Gefahr bei der Augenchirurgie als bei der Kontaktlinsenanpassung zu sehen. Es ist mit keiner Epidemie zu rechnen. Mit Fragebögen und einer guten Anamnese können Symptome abklärt werden."

Im Anschluss an den Fachvortrag wurde Frau Dr. Karin Zoufal und Herr Dieter Schneider-Sturm (Wiener Gebietskrankenkasse) von Landesinnungsmeister Toni Koller begrüßt. Im Zuge einer regen Saaldiskussion bemühte sich Dr. Zoufal alle Anfragen zu beantworten.

Zoufal führte aus, dass es bereits einen Datensatzaufbau bei der Wiener Gebietskrankenkasse gäbe, der allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt nicht mit jenen der anderen 35 Sozialversicherungen ident wäre. Zoufal wies darauf hin, dass ein Mitarbeiterstab in der Wiener Gebietskrankenkasse bereits sehr viele Energien in einen logischen und gut durchdachten Datensatzaufbau investiert habe. So bestünde Hoffnung, dass Österreichs Optiker ab Anfang April mit der Wiener Gebietskrankenkasse elektronisch abrechnen können.

Die Wiener Gebietskrankenkasse wird den Optikern ein einfaches Erfassungsprogramm für die elektronische Abrechnung kostenlos zur Verfügung stellen. Es wird auf dem Betriebssystem Windows basieren. Ob das Programm auch auf Mac`s laufen wird konnte nicht beantwortet werden. Die Kosten für eine Implementierung in die eigene EDV ist von den Optikern jeweils selbst zu tragen.

Der Hauptverband wird laut Zoufal zukünftig eine bisher noch unbekannte Datensatzstruktur veröffentlichen, der vom Datensatz der Wiener Gebietskrankenkasse abweichen kann. Die Optiker können in Folge auch über den Hauptverband mit der Wiener Gebietskrankenkasse abrechnen. Um Fehler zu vermeiden, kann im ersten elektronischen Abrechnungsmonat wahrscheinlich parallel dazu herkömmlich abgerechnet werden. Sollte die Umstellung Probleme bereiten, werden Zahlungen nicht ausgesetzt. So versprach Zoufal: "Wenn bei einer Abrechnung alles schief geht wird a conto überwiesen."

Bei der Wiener Gebietskrankenkasse wird es eine Fehler-Rückmeldung geben. Anfänglich noch in Papierform, später etwa über elektronische Systeme wie ELDA (ELektronischer DAtenaustausch mit den Österreichischen Sozialversicherungsträgern). Die Übermittlung via Email wird nicht genutzt werden, da Zoufal von einer zu großen Datenmenge spricht.

Frage aus dem Auditorium: "Wird es in Zukunft ausreichen elektronisch abzurechnen oder müssen weiterhin die Papierverordnungen eingereicht werden?"
Zoufal: "Übersehen Sie nicht die Aufbewahrungspflicht. Es fallen in den Jahren sehr viele Papierverordnungen an. Bei Fragen müssten Sie nach Jahren eine bestimmte Verordnung heraussuchen und Auskunft erteilen. Beim Übergeben der Verordnungen an die Wiener Gebietskrankenkasse ersparen Sie sich die lästige Aufbewahrungspflicht."

Frage aus dem Auditorium: "Ich bin ein Exote und habe keinen PC. Wie gehen Sie mit solchen Kollegen wie mir um?"
Zoufal: "Ab dem 01.01.2004 werden die Optiker und Sozialversicherungsträger aufgrund des herrschenden Gesetzes nicht umhinkommen elektronisch abzurechnen."
Frage aus dem Auditorium: "Wird mir wenn ich es nicht bis Anfang 2004 schaffe elektronisch abzurechnen in Folge der Vertrag gekündigt?"
Zoufal: "Wenn die Verweigerung elektronisch abzurechnen dauerhaft ist kann auch eine solche Maßnahme nicht ausgeschlossen werden. Es wird jedoch auch von der Menge der Verordnungsscheine abhängen."

Koller: "Wir sind Partner der Sozialversicherungen, die Wiener Gebietskrankenkasse will in dieser Frage mit uns gemeinsam das Problem lösen. Die Sozialversicherung könnte sich genauso stur ab dem 01.01.2004 auf die Gesetzeslage berufen."

Frage aus dem Auditorium: "Es kann doch nicht sein, dass alle Sozialversicherungen andere Datensatzstrukturen erstellen? Außerdem ist der Zeitpunkt mit Anfang 2004 viel zu kurz bemessen. Warum haben Sie nicht auf den Gesetzgeber eingewirkt?"
Zoufal: "Man kann auch abwarten bis der Hauptverband die Datensatzstruktur bringt. Betreffend der Frist 2004 war selbst eine Intervention beim Bundesministerium nicht erfolgreich."
Schneider-Sturm: "Ob es einen einheitlichen Datensatz bis Ende des Jahres 2003 geben wird ist fraglich. Wir hoffen, dass unsere Datensatzstruktur die durch ein massives Engagement im Programmierbereich und vieler Monate Aufbereitungszeit von den anderen Sozialversicherungsträger übernommen wird. Es wurden bereits für 30.000 Artikel Positionen vergeben!"
Zoufal: "Es besteht die Hoffnung, dass aufgrund des Zeitdruckes andere Sozialversicherungen auf unser fertiges Modell zurückgreifen. Im besten Fall kann das Erfassungsprogramm auch bei der Abrechnung mit anderen Kassen verwendet werden."

Frage aus dem Auditorium: "Kann ich über den Hauptverband mit allen Kassen abrechnen?"
Zoufal: "Vorerst nicht, es ist jedoch für später geplant."

Frage aus dem Auditorium: "Wird die Abrechnung überhaupt auf eine Diskette passen?"
Zoufal: "Ja"
Frage aus dem Auditorium: "Ist eine Diskette überhaupt noch zeitgemäß?"
Zoufal: "Das geht derzeit nicht anders, später wird man Übermittlungssysteme wie ELDA nutzen."

Koller: "Wichtig wird es zukünftig sein, die Versicherungsnummer des Versicherten und des Mitversicherten exakt zu erfassen. Über diese Daten können andere Daten eruiert werden. Übrigens ergibt das Geburtsdatum und die vierstellige Nummer vor dem Geburtsdatum mit Sicherheit eine Prüfsumme. Es wäre im Interesse der exakten Datenerfassung wenn dieser Alogarythmus der Prüfsumme den Optikern zugänglich gemacht würde."

Zoufal: "Alle anderen Daten wie Name und Adresse können über die Versicherungsnummer ausgehoben werden. Wenn die Versicherungsnummer perfekt erfasst wird, ist es prinzipiell ausreichend. Die Optiker werden im Zuge der elektronischen Abrechnung nunmehr zwei mal monatlich abrechnen. Die Zahlung erfolgt spätestens 4 Wochen nach Einreichung, so schnell wie möglich."

Das anschließende, von AMO gesponserte Buffet wurde noch für zahlreiche Gespräche zwischen den Vertretern von AMO, der Wiener Gebietskrankenkasse und den Optikern genutzt.