Keratokonus und weiche Kontaktlinsen

Keratokonus ist eine fortschreitende Augenerkrankung, die viele Menschen betrifft und zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen kann. Charakteristisch für diese Erkrankung ist eine kegelförmige Verformung der Hornhaut, die zu einem irregulären Astigmatismus und einer Verschlechterung der Sehqualität führt. Während Keratokonus in der Regel im Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter beginnt, kann er sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und das tägliche Leben der Betroffenen deutlich beeinflussen.

Autor des Artikels: Gero Mayer

Einleitung

Traditionell wurden zur Korrektur des durch Keratokonus verursachten Sehfehlers Brillen oder formstabile (harte) Kontaktlinsen eingesetzt. Allerdings stößt die Anwendung dieser Sehhilfen bei einigen Kunden an ihre Grenzen, insbesondere wenn es um den Tragekomfort und die Langzeitanpassung geht. Dies hat in den letzten Jahren zur Suche nach alternativen Lösungen geführt, die sowohl effektiv in der Sehkorrektur sind als auch einen höheren Tragekomfort bieten.

Eine dieser innovativen Lösungen sind weiche Spezialkontaktlinsen für Keratokonus-Kunden. Diese Linsen, entwickelt mit dem Ziel, die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Keratokonus zu erfüllen, bieten eine interessante Alternative zu den herkömmlichen formstabilen Linsen. Sie sind darauf ausgelegt, den irregulären Astigmatismus zu korrigieren, während sie gleichzeitig einen höheren Tragekomfort versprechen.

In diesem Artikel beleuchten wir detailliert, was Keratokonus genau ist, wie er sich auf die Betroffenen auswirkt und warum weiche Spezialkontaktlinsen eine wertvolle Behandlungsoption darstellen können. Zudem gehen wir darauf ein, warum viele Menschen formstabile Kontaktlinsen nicht vertragen und nach komfortableren Alternativen suchen. Durch die Kombination aus theoretischen Erkenntnissen und praktischen Anwendungsbeispielen wird die Relevanz dieser Speziallinsen im Kontext der Keratokonus-Behandlung deutlich gemacht.

Was ist Keratokonus?

Keratokonus ist eine fortschreitende Augenerkrankung, die primär die Hornhaut betrifft. Dabei wird die normalerweise runde, gleichmäßig gewölbte Hornhaut zunehmend dünner und beginnt, sich nach außen zu einem kegelförmigen Gebilde zu wölben. Diese Veränderung führt dazu, dass das Licht, welches ins Auge fällt, nicht mehr korrekt auf der Netzhaut gebündelt wird, was eine verzerrte und unscharfe Wahrnehmung zur Folge hat.

Symptome von Keratokonus

Die Erkrankung manifestiert sich üblicherweise in der späten Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Zu den ersten Anzeichen gehören eine zunehmende Verschlechterung der Sehqualität, die nicht durch herkömmliche Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert werden kann. Weitere Symptome umfassen:

  • Verschwommenes und verzerrtes Sehen,
  • Eine erhöhte Lichtempfindlichkeit,
  • Plötzliche Verschlechterung des Sehvermögens,
  • Häufige Änderungen in der Sehstärke, die durch Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert werden müssen,
  • Schwierigkeiten beim Fahren in der Nacht oder bei schlechten Lichtverhältnissen.

Methoden der Evaluierung

Die Evaluierung eines Keratokonus erfolgt typischerweise durch eine umfassende Augenuntersuchung. Moderne Technologien wie die Hornhauttopographie und die optische Kohärenztomographie (OCT) spielen eine entscheidende Rolle bei der Diagnosestellung. Diese Methoden erlauben es, die Form und Dicke der Hornhaut präzise zu messen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

  • Hornhauttopographie: Ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren, das die Oberfläche der Hornhaut kartiert und Unregelmäßigkeiten aufzeigt.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Eine Technik, die hochauflösende Bilder der Hornhaut und ihrer Schichten liefert, um die Dicke und die Struktur genauer zu beurteilen.

Häufigkeit und Betroffene

Keratokonus ist eine fortschreitende Erkrankung der Hornhaut, die zu einer kegelförmigen Verformung führt und das Sehvermögen erheblich beeinträchtigen kann. Die genauen Ursachen für Keratokonus sind noch nicht vollständig verstanden, jedoch wird eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren vermutet.

Eine Studie mit 10.419 Teilnehmern[1] in Deutschland hat gezeigt, dass 75 Augen von 51 Personen als Keratokonus diagnostiziert wurden. Dies entspricht einer Prävalenz von 0,49% (1:204; 95 % Konfidenzintervall: 0,36–0,64%) innerhalb der untersuchten Kohorte. Interessanterweise war die Prävalenz von Keratokonus über die verschiedenen Altersgruppen hinweg etwa gleich verteilt:

  • 40–49 Jahre: 0,49%
  • 50–59 Jahre: 0,55%
  • 60–69 Jahre: 0,51%
  • 70–80 Jahre: 0,44%

Zudem konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt werden (Männer/Frauen: Prävalenz von 0,52%/0,45%). Diese Daten verdeutlichen, dass Keratokonus eine relativ seltene Erkrankung ist, die Menschen verschiedener Altersgruppen betrifft und bei Männern sowie Frauen ähnlich auftritt.

Die Erkenntnisse über die Prävalenz und Verteilung von Keratokonus sind wichtig, um das Bewusstsein für diese Erkrankung zu schärfen und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und spezialisierten Behandlung hervorzuheben. Indem Keratokonus früh erkannt wird, können angepasste Behandlungsstrategien entwickelt werden, die darauf abzielen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und das Sehvermögen der Betroffenen zu erhalten oder zu verbessern.

Obwohl die Erkrankung in jeder Altersgruppe auftreten kann, wird sie am häufigsten bei Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren diagnostiziert. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Eine familiäre Vorbelastung, Allergien und häufiges Reiben der Augen gelten als Risikofaktoren für die Entwicklung des Keratokonus.

Der genaue Ursprung des Keratokonus bleibt unklar, jedoch vermutet man eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und zellulären Faktoren, die zu dieser Hornhautveränderung führen. Ein tieferes Verständnis dieser Erkrankung und ihrer Auswirkungen ist entscheidend, um Betroffenen eine wirksame Behandlung und Betreuung anbieten zu können.

Herausforderungen bei der Behandlung von Keratokonus

Die Behandlung von Keratokonus stellt Bertroffene und Augenärzte vor besondere Herausforderungen. Als fortschreitende Erkrankung der Hornhaut, die zu einer kegelförmigen Verformung führt, beeinträchtigt Keratokonus die Sehkraft oft erheblich. Die besondere Form und die veränderten optischen Eigenschaften der Hornhaut erschweren die korrekte Brechung des Lichts, was zu einem verzerrten und unscharfen Sehen führt.

Grenzen herkömmlicher Methoden

Brillen: In den frühen Stadien des Keratokonus können Brillen eine einfache und kostengünstige Lösung bieten, um die Sehschärfe zu verbessern. Allerdings sind sie nur bis zu einem gewissen Grad effektiv. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung reichen Brillen nicht aus, um die zunehmende Unregelmäßigkeit der Hornhaut und den damit verbundenen irregulären Astigmatismus zu korrigieren.

Herkömmliche Kontaktlinsen: Weiche Kontaktlinsen bieten in der Regel nicht die benötigte optische Korrektur bei fortgeschrittenem Keratokonus, da sie der Form der Hornhaut folgen und somit die Unregelmäßigkeiten nicht ausgleichen können. Formstabile (harte) Kontaktlinsen können eine bessere Sehkorrektur ermöglichen, da sie eine glatte Oberfläche über der Hornhaut bilden. Jedoch finden viele Kunden formstabile Linsen unbequem, besonders bei längeren Tragezeiten, und sie können bei fortgeschrittenem Keratokonus schwer anzupassen sein.

Chirurgische Optionen: In schweren Fällen von Keratokonus, bei denen weder Brillen noch Kontaktlinsen eine ausreichende Sehkorrektur bieten, können chirurgische Eingriffe wie die Hornhauttransplantation (Keratoplastik) in Betracht gezogen werden. Während chirurgische Verfahren wie das CrossLinking das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder die Hornhautform verbessern können, sind sie mit Risiken verbunden und erfordern eine längere Erholungszeit.

Die Suche nach alternativen Lösungen

Angesichts der Einschränkungen herkömmlicher Behandlungsmethoden suchen Kunden und Augenärzte nach alternativen Lösungen, die eine bessere Sehkorrektur und gleichzeitig einen höheren Tragekomfort bieten. Spezialkontaktlinsen, insbesondere weiche Speziallinsen und Sklerallinsen, haben sich als vielversprechende Optionen herausgestellt. Sie sind darauf ausgelegt, den spezifischen Bedürfnissen von Keratokonus-Kunden gerecht zu werden, indem sie eine individuelle Anpassung an die unregelmäßige Hornhautform ermöglichen und gleichzeitig einen höheren Komfort bieten.

In der Auseinandersetzung mit Keratokonus sind umfassendes Wissen, individuelle Betreuung und der Zugang zu spezialisierten Behandlungsmöglichkeiten entscheidend, um das Sehvermögen der Betroffenen zu erhalten und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die Rolle von Spezialkontaktlinsen bei Keratokonus

Spezialkontaktlinsen spielen eine entscheidende Rolle in der Behandlung von Keratokonus. Diese Linsen sind speziell dafür konzipiert, die unregelmäßige Krümmung der Hornhaut, die durch Keratokonus verursacht wird, auszugleichen. Dadurch können sie den Betroffenen eine verbesserte Sehqualität bieten, die mit herkömmlichen Brillen oder Standardkontaktlinsen oft nicht zu erreichen ist.

Formstabile Kontaktlinsen (Harte Linsen)

Formstabile Kontaktlinsen haben eine feste, glatte Oberfläche, die auf der Tränenflüssigkeit über der Hornhaut schwimmt. Diese Eigenschaft ermöglicht es, die unregelmäßige Form der Hornhaut zu überbrücken und eine gleichmäßige optische Oberfläche zu schaffen, was zu einer verbesserten Sehschärfe führt. Formstabile Linsen sind besonders wirksam bei der Korrektur von irregulärem Astigmatismus, der durch Keratokonus verursacht wird. Allerdings können sie insbesondere zu Beginn des Tragens als unangenehm empfunden werden, und einige Kunden haben Schwierigkeiten, sich an das Tragegefühl zu gewöhnen.

Einschränkungen formstabiler Kontaktlinsen

Obwohl formstabile Kontaktlinsen eine effektive Sehkorrektur bieten können, haben sie gewisse Einschränkungen. Das feste Material kann zu Unbehagen führen, besonders in staubigen oder windigen Umgebungen, die das Auge reizen können. Zudem erfordert das Einsetzen und Herausnehmen dieser Linsen eine gewisse Geschicklichkeit, was für einige Betroffene eine Hürde darstellen kann. Ein weiteres Problem ist die potenzielle Instabilität der Linsen auf dem Auge; sie können bei schnellen Augenbewegungen oder Blinzeln verrutschen.

Vorteile weicher Spezialkontaktlinsen bei Keratokonus

Weiche Spezialkontaktlinsen stellen eine innovative Lösung für die Behandlung von Keratokonus dar. Sie bieten eine Kombination aus der individuellen Anpassungsfähigkeit formstabiler Linsen und dem Tragekomfort herkömmlicher weicher Linsen. Durch ihre Flexibilität können sie sich der unregelmäßigen Form der Hornhaut anpassen und gleichzeitig einen angenehmen Sitz gewährleisten.

Ein besonderes Merkmal dieser weichen Speziallinsen ist ihre Fähigkeit, den irregulären Astigmatismus effektiv zu korrigieren, indem die Mittendicke der Linse angepasst wird. Dies ermöglicht eine präzisere optische Korrektur, die speziell auf die Bedürfnisse von Keratokonus-Kunden zugeschnitten ist.

Zusammenfassung

Spezialkontaktlinsen bieten eine wichtige Alternative in der Behandlung von Keratokonus. Während formstabile Kontaktlinsen eine effektive Sehkorrektur ermöglichen, bieten weiche Spezialkontaktlinsen einen höheren Tragekomfort und eine gute Anpassungsfähigkeit an die individuelle Hornhautform. Diese Entwicklungen eröffnen Betroffenen neue Möglichkeiten, ihre Sehqualität zu verbessern und den Alltag trotz Keratokonus mit größerer Sehsicherheit und weniger Einschränkungen zu meistern.

Warum suchen viele Betroffene nach Alternativen zu formstabilen Kontaktlinsen?

Formstabile Kontaktlinsen sind seit Langem ein Standard in der Behandlung von Keratokonus, da sie eine effektive Korrektur des irregulären Astigmatismus ermöglichen. Trotz ihrer Wirksamkeit stoßen sie jedoch bei vielen Betroffenen auf Akzeptanzprobleme. Die Gründe hierfür sind vielfältig und führen dazu, dass Betroffene und Fachleute gleichermaßen nach angenehmeren Alternativen suchen.

Die Behandlung von Keratokonus mit Kontaktlinsen fokussiert sich auf die Verbesserung der Sehleistung und den Komfort des Tragens. Formstabile Kontaktlinsen korrigieren effektiv die Fehlsichtigkeit, indem sie auf der Tränenflüssigkeit schwimmen und in Kombination mit der entstehenden Tränenlinse die Hornhautunebenheiten ausgleichen. Dies kann allerdings nicht immer eine optimale Sehschärfe garantieren, besonders in Situationen mit weit geöffneten Pupillen wie in der Dunkelheit, oder bei der starken Bildung von Reflextränen aufgrund des Fremdkörpergefühls. Ihre Anpassung erfordert präzise Vermessung und Erfahrung seitens des Anpassers, um den individuellen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden und die bestmögliche Korrektur zu erzielen.

Unbequemlichkeit und Anpassungsschwierigkeiten

Einer der Hauptgründe, warum Betroffene formstabile Kontaktlinsen als unbefriedigend empfinden, ist der Tragekomfort. Das feste Material der Linsen kann insbesondere in den ersten Wochen des Tragens ein Fremdkörpergefühl im Auge verursachen. Dieses Unbehagen kann besonders intensiv sein, wenn Wind, Staub oder trockene Luftbedingungen das Auge zusätzlich reizen.

Schwierigkeiten beim Einsetzen und Herausnehmen

Formstabile Kontaktlinsen erfordern eine gewisse Geschicklichkeit beim Einsetzen und Herausnehmen. Für Personen, die neu in der Welt der Kontaktlinsen sind oder feinmotorische Schwierigkeiten haben, kann dies eine erhebliche Hürde darstellen. Das Risiko, dass die Linsen verrutschen oder herausfallen, insbesondere bei sportlichen Aktivitäten oder schnellen Augenbewegungen, trägt zusätzlich zur Suche nach alternativen Lösungen bei.

Langfristige Verträglichkeit

Einige Betroffene berichten über eine abnehmende Verträglichkeit von formstabilen Kontaktlinsen über die Zeit. Dies kann durch Veränderungen in der Form der Hornhaut bedingt sein, die eine regelmäßige Anpassung der Linsen erfordern, um einen optimalen Sitz und Sehkomfort zu gewährleisten. Zudem kann das langfristige Tragen formstabiler Linsen zu Veränderungen der Hornhautoberfläche führen, die das Tragegefühl weiter beeinträchtigen.

Studienergebnisse zur Wirkung formstabiler Kontaktlinsen

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Träger von RGP-Linsen im Vergleich zu Nichtträgern eine stärkere Zunahme der flachsten keratometrischen Werte aufwiesen (P=0.038)[2]. Darüber hinaus waren morphologische Parameter, einschließlich des Symmetrieindex der vorderen Hornhautkrümmung (P=0.004) und des Baiocchi-Calossi-Versaci-Index Front (P=0.047), bei RGP-Trägern niedriger als bei Nichtträgern. Auch der vertikale Koma-Wert war bei RGP-Trägern über verschiedene Pupillendurchmesser (3,0; 5,0; 6,0; 7,0 mm) geringer als bei Nichtträgern (P<0.05).

Trotz dieser Vorteile in der Hornhauttopographie zeigten RGP-Träger eine schlechtere Bewertung im Bereich der umweltbedingten Auslöser des Ocular Surface Disease Index im Vergleich zu Nichtträgern (P=0.003). Zum letzten Nachuntersuchungszeitpunkt gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede bei der Progressionsrate des Keratokonus, der Hornhautdicken-Topographie, der epithelialen Dicken-Topographie, weiteren morphologischen Parametern der Hornhauttopographie und anderen Fragebogenwerten zwischen den beiden Gruppen (alle P>0.05).

Konsequenzen für Betroffene

Diese Ergebnisse unterstreichen, dass formstabile Kontaktlinsen signifikante Veränderungen in der Hornhautmorphologie bewirken können, was potenziell zu einer Verbesserung der Sehleistung bei Keratokonus-Kunden führt. Gleichzeitig deuten sie aber auch auf mögliche Unannehmlichkeiten hin, insbesondere im Bereich der umweltbedingten Auslöser von Oberflächenerkrankungen des Auges.

Suche nach Komfort und Sehqualität

Der Wunsch nach einem höheren Tragekomfort und einer gleichbleibend hohen Sehqualität motiviert viele Betroffene, nach alternativen Kontaktlinsenoptionen zu suchen. Weiche Spezialkontaktlinsen und Sklerallinsen rücken dabei zunehmend in den Fokus, da sie den Komfort herkömmlicher weicher Linsen mit der präzisen Sehkorrektur, die für Keratokonus-Betroffene erforderlich ist, kombinieren.

Zusammenfassung

Die Suche nach Alternativen zu formstabilen Kontaktlinsen wird von dem Bedürfnis angetrieben, eine Lösung zu finden, die sowohl den Sehanforderungen von Keratokonus-Kunden gerecht wird als auch einen höheren Tragekomfort bietet. Dies spiegelt den Wunsch von Kunden wider, im Alltag eine weniger beeinträchtigte und qualitativ hochwertige Seherfahrung zu haben, ohne die mit formstabilen Linsen verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen zu müssen.

Anpassbeispiel für einen Kunden mit PMD

Erklärung zu PMD (Pellucid Marginal Degeneration)

Pellucid Marginal Degeneration (PMD) ist eine seltene Hornhauterkrankung, die durch eine charakteristische Verdünnung des unteren Hornhautrandes gekennzeichnet ist. Im Vergleich ist PMD häufiger als Keratoglobus, aber seltener als Keratokonus (KK), und tritt typischerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Erkrankung führt zu einer Verdünnung der Hornhaut (HH) im unteren Bereich, einem flachen Radius im vertikalen Bereich, hohem Astigmatismus inversus, und einem extrem tiefen Apex – die Ursache für das „Kissing-Birds“-Zeichen in der Diagnostik.

Die Erkrankungen PMD (Pellucid Marginal Degeneration) und KK (Keratokonus) teilen einige Ähnlichkeiten, insbesondere ihre Einordnung unter den Hornhautektasien, aber sie weisen auch wesentliche Unterschiede auf, die bei der Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden müssen.

Zusammenhang zwischen PMD und KK

  • Ähnlichkeiten: Sowohl PMD als auch KK sind fortschreitende Hornhauterkrankungen, die zu einer Verdünnung und Verformung der Hornhaut führen. Beide Erkrankungen beeinträchtigen die Sehqualität durch die Induktion von Astigmatismus und können in fortgeschrittenen Fällen schwer zu korrigieren sein.
  • Unterschiede: Der Hauptunterschied zwischen PMD und KK liegt in der Lokalisation und Art der Hornhautverformung. Bei KK tritt die Verdünnung und Vorwölbung typischerweise zentral oder leicht nach unten versetzt auf und führt zu einer kegelförmigen Deformität. PMD hingegen ist durch eine Verdünnung am unteren Hornhautrand gekennzeichnet, die zu einem flacheren Radius im vertikalen Bereich und einem hohen inversen Astigmatismus führt. Der Apex bei PMD ist extrem tief, was zu spezifischen diagnostischen Merkmalen wie dem „Kissing-Birds“-Zeichen führen kann.
  • Auftreten: PMD tritt in der Regel später auf als KK, meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, während KK häufiger in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter diagnostiziert wird.
  • Häufigkeit: PMD ist seltener als KK, was die Diagnose und das Bewusstsein für die Erkrankung beeinflusst.

Wichtigkeit der Unterscheidung

Die genaue Unterscheidung zwischen PMD und KK ist für die Auswahl der optimalen Behandlung entscheidend. Während bei KK formstabile Kontaktlinsen oft eine effektive Lösung bieten, können bei PMD aufgrund der spezifischen Hornhautverformung und Verdünnung individuell angepasste Kontaktlinsen, wie spezielle weiche oder Sklerallinsen, erforderlich sein, um eine optimale Sehkorrektur und Tragekomfort zu erreichen.

Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Verständnisses der Hornhauterkrankungen und der individuellen Merkmale jedes Kunden, um eine maßgeschneiderte und wirksame Behandlung sicherzustellen.

Anpassbeispiel für das linke Auge

Der Fokus liegt auf dem linken Auge, obwohl die Versorgung beidseitig erfolgte.

Anpassbeispiel für das linke AugeHornhautdaten vom linken Auge

  • Refraktion mit Brille: -3.50 -12.5 100° mit einem Visus von 0.4.
  • 1. Erste Messlinse: Diese saß zu tief und wurde mit Unterstützung durch die Anpassberatung von SwissLens mit optimierter Mittendicke ermittelt. Der Visus mit Überrefraktion (-4.50 -2.0 115°) blieb bei 0.4.
erste Messlinse mit
einem TiefsitzMesslinse mit einem Tiefsitz
mit Fluo eingefärbte KontaktlinseFluorescein-Bild mit Ablagerungen nach einem Tag Tragezeit
  • 2. Zweite Messlinse: Hier wurde nur die Geometrie überarbeitet, da sich die Refraktion durch den verbesserten Linsensitz ändern würde. Der bessere Sitz führte zu einer Überrefraktion von +2,0 -6.0 97° mit einem Visus von 0.63 – somit besser als mit der Brille.
zweite Messlinse mit
einem zentralen SitzZweite Messlinse mit zentralem Sitz
Fluorescein-Bild der zu steil angepassten RGP-Linse mit Stippungen
Fluorescein-Bild der zu steil angepassten RGP-Linse mit Stippungen
  • Abgegebene Linse: SwissLens HydroCone K12 BC 8.6 DIA 14.0 -6.50 -6.0 97° mit einem Visus von 0.63.
Abgegebene LinseAbgegebene Linse bei Blick geradeaus
Abgegebene LinseAbgegebene Linse bei seitlichem Blick



Kundenerfahrung und Lösung

Der Kunde hatte zuvor formstabile Kontaktlinsen getragen, diese jedoch aufgrund von Komfortproblemen und dem Problem, dass sie ständig aus dem Auge sprangen, nicht mehr vertragen. Die Umstellung auf weiche Kontaktlinsen war erfolgreich, und der Kunde verträgt diese nun hervorragend.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine individuelle Anpassung und die Auswahl der richtigen Kontaktlinsenart für Kunden mit spezifischen Hornhauterkrankungen wie PMD sind. Es verdeutlicht auch, dass weiche Kontaktlinsen eine effektive und komfortable Alternative für Kunden sein können, die mit formstabilen Linsen Schwierigkeiten haben.

Fazit und Ausblick

Die Behandlung von Hornhauterkrankungen wie Keratokonus (KK) und Pellucid Marginal Degeneration (PMD) hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Während KK relativ häufig vorkommt und in vielen Fällen frühzeitig erkannt wird, bleibt PMD eine seltener diagnostizierte, aber nicht weniger bedeutende Erkrankung, die spezifische Herausforderungen in der Behandlung darstellt. Beide Erkrankungen erfordern eine individualisierte Behandlungsstrategie, die oft den Einsatz speziell angepasster Kontaktlinsen umfasst, um die Sehqualität der Betroffenen zu optimieren.

Die Entwicklung neuer Kontaktlinsentechnologien, insbesondere von weichen Speziallinsen und Sklerallinsen, bietet neue Möglichkeiten für eine verbesserte Sehkorrektur und höheren Tragekomfort für Kunden mit KK und PMD. Zudem ermöglicht der Einsatz moderner bildgebender Verfahren eine präzisere Diagnose und Überwachung des Krankheitsverlaufs.

Der Ausblick in die Zukunft der Behandlung dieser Hornhauterkrankungen ist vielversprechend. Die kontinuierliche Forschung und Entwicklung neuer Materialien und Technologien verspricht weitere Verbesserungen in der Versorgung und Behandlung. Es ist jedoch wichtig, dass Betroffene frühzeitig fachkundige Beratung suchen und sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen, um den bestmöglichen Ausgang ihrer Erkrankung zu gewährleisten.

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Erstveröffentlichung DOZ

Quelle:

  1. Marx-Gross, S., Fieß, A., Münzel, T. et al. Much higher prevalence of keratoconus than announced results of the Gutenberg Health Study (GHS). Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol 261, 3241–3247 (2023). https://doi.org/10.1007/s00417-023-06132-y
  2. Xu Y, Wang Y, Zhang XF. Effects of rigid gas permeable contact lens on morphological parameters and vision-related quality of life in keratoconus patients. Int J Ophthalmol. 2022 Nov 18;15(11):1772-1781. doi: 10.18240/ijo.2022.11.07. PMID: 36404965; PMCID: PMC9631176.

 

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