Neu im Thieme Verlag: Hornhaut, Sklera, Bindehaut

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Thieme Hornhaut Sklera Bindehaut

In übersichtlichen vier Kapiteln haben die Autoren Gerhard Lang, Gabriele Lang, Gerd Geerling, Philip Maier, Berthold Seitz und Gernot Dunker mit Beiträgen mehrerer Autoren das Lehrbuch „Hornhaut, Sklera, Bindehaut“ im Thieme Verlag herausgegeben. Das Buch stellt eine Zusammenfassung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“ und „Augenheilkunde up2date“ der Jahre 2010 bis 2014 dar.

1. Pathophysiologie

Im ersten Kapitel wird unter anderem auf das okuläre Surfactant-System und dessen Rolle bei entzündlichen Erkrankungen der Augenoberfläche Bezug genommen. In den letzten Jahren konnten vier Surfactant-Proteine im Tränenfilm nachgewiesen werden. Sie besitzen wichtige immunologische und oberflächenaktive Funktionen. 

Zum cornealen Endothel und zur Aufdeckung deren Schädigung finden sich in einem weiteren Teil neue Erkenntnisse mittels elektrophysiologischer Untersuchungmethoden. Reparatur- und Regenerationsvorgänge des Hornhautepithels und die Funktion der Limbusstammzellen ist ein weiteres Thema gewidmet. Beschreibungen zur Immunologie einer Keratoplastik, Immunreaktionen nach Femtosekunden- und Excimerlaser-Keratoplastiken und Immunreaktionen nach hinterer und vorderer, lamellärer Keratoplastik schließen das erste Kapitel ab.

2. Klinisches Bild

Dem Löwenanteil des Buches ist der zentrale Teil der klinischen Bilder der Hornhaut gewidmet. So werden die vielfältigsten Keratitiden dargestellt. Auch beim Kontaktlinsentragen kann es – wenn auch selten – zu einer bedrohlichen Form einer Keratitis kommen. Durch die allgemein gesunkene Compliance der Kontaktlinsenträger (der Autor spricht gar von einem hohen Grad von Null-Compliance), ist eine regelmäßige Nachkontrolle durch den Anpasser unabdingbar. Im Zuge der Schilderung von Risikofaktoren für eine kontaktlinseninduzierte Keratitis, wird auf die bessere Wirksamkeit von Peroxidlösungen gegenüber anderen Systemen hingewiesen. Auch die Notwendigkeit einer mechanischen Reinigung statt „Rub and Rinsing“ wird behandelt.

Im Weiteren des Kapitels werden verschiedene Hornhautpathologien, deren Aufdeckung und der anschließenden Therapien behandelt. Unter anderem geht eine Abhandlung auf die Akanthamöben-Keratitis ein. Das mit Abstand größte Risiko einer Akanthamöben-Keratitis haben Kontaktlinsenträger. Immerhin 5% der kontaktlinsenassoziierten, mikrobiellen Keratiden werden durch Akanthamöben verursacht. So führen neben dem Baden mit Kontaktlinsen und dem Kontakt der Kontaktlinsen mit Wasser, auch ungeeignete Pflegemittel oder Handhabungsfehler zu einem höheren Infektionsrisiko.

Ergänzend zu den Hornhautpathologien finden sich klinische Bilder zu Bindehautinfektionen, allergischen Ursachen und parasitären Auslösern. Auch werden Dysfunktionen der Meibom’schen Drüsen erörtert.

3. Diagnostik

Tränensekretion, Tränenvolumen und das Erkennen eines trockenen Auges geben neben der Abhandlung über der Früherkennung eines Keratokonus interessante  Einblicke für die tägliche Routine der Kontaktlinsenanpassung. Des Weiteren gehen die Autoren auf die Anwendung und den Nutzen der optischen Kohärenztomografie im vorderen Augenabschnitt ein. So kann die Messung mit dem OCT mitunter unterstützend bei der Anpassung von Kontaktlinsen bei einem Keratokonus sein.

4. Therapie

Im letzten Kapitel des Buches werden unterschiedliche Therapiemöglichkeiten bei Hornhaut- und Bindehautpathologien aufgezeigt. Abhandlungen zu Transplantationen, Hornhautchirurgie, antientzündliche Therapie beim trockenen Auge und zur Kollagenvernetzung mit Riboflavin und UVA-Strahlung komplettieren den Abschnitt.

Fazit

Die Anpassung von Kontaktlinsen darf nur vorgenommen werden, wenn kein Hinweis auf eine Krankheit oder einen Zustand des Auges vorliegt, die das Anpassen von Kontaktlinsen ausschließen. Liegt ein solcher Hinweis vor, hat der Kontaktlinsenoptiker den Besuch eines Facharztes für Augenheilkunde und Optometrie zu empfehlen. Dies geht nur mit entsprechendem Wissen, welches auch immer wieder aufgefrischt werden muss. Die vorliegende Neuerscheinung befasst sich intensiv mit solchen Hinweisen am vorderen Augenabschnitt. Das Buch kostet in Österreich aktuell 61,68 Euro und kann zum Beispiel bei Amazon online bestellt werden.