Presio W – Das erste individuelle Progressivglas mit Aberrationsfilter

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Presio W, das neue beidseitig bearbeitete Gleitsichtglas ist eine High-Tech Innovation von Nikon. Die neue Technik mit dem rückseitig angeschliffenen Aberrationsfilter schaltet die Verzeichnungsfehler der herkömmlichen Progressivgläser weitgehend aus. Der Sehkomfort ist wesentlich höher und garantiert ein natürliches und angenehmes Sehen in die Ferne und Nähe.

Ein neues Konzept von Progressivgläsern

Um ein möglichst gutes Progressivglas zu entwickeln, wurde mit sphärischen, parabolischen und hyperbolischen Flächendesigns in vielfältiger Art und Weise geforscht. Erst mit der Einführung neuester mathematischer Methoden, so etwa der Technik der "Finiten Elemente" oder der "Bezier Flächen" konnte man beginnen, völlig neuartige Geometrien auszuprobieren (Abb. 1).

Diese Technik fand ihre erste Anwendung im Auto-, Raketen- und Flugzeugbau. Aus praktischen und Kostengründen war man gezwungen, möglichst ein definitives Design zu entwickeln und herstellen zu können.

Gleitsichtgläser Bezier
Abb. 1 Entwicklung einer Fläche durch Bezier Kurven

Dabei wird die Fläche in tausende und abertausende Flächen (Elemente) unterteilt. Für jedes dieser Flächenelemente wird unter Berücksichtigung von Anfangs- oder Randbedingungen der physikalische Sachverhalt formuliert (Abb. 2). In unserem Fall sind das der Brechwert und der Astigmatismus in Wert und Richtung. So entstanden die modernsten Progressivgläser wie zum Beispiel Evolis und Presio i.

Gleitsichtgläser Körperfläche
Abb. 2 Beispiel einer Körperfläche,
welche durch viele kleine Flächenelemente entsteht (z.B. eine Linse)

Charakteristisch für diese Gläser ist, dass die konvexe Fläche industriell in 5 bis 7 verschiedenen Basiskurven gefertigt wird. Das gilt für einen Stärkenbereich von -10 bis + 6 Dioptrien. Dazu kommen dann noch 12 Additionsstufen. Das ergibt 60 bis 84 Grundgläser, die dann noch in rechte und linke Glastypen gefertigt werden müssen.

Nun haben verschiedene Firmen Progressivgläser im Angebot, bei denen in einer Fläche sowohl die Progression als auch die ammetropischen Werte berechnet und gefertigt werden. Hier ist man völlig unabhängig von den üblichen Basiskurven der Vorderflächen und kann die für die jeweilige Brechkraft optimale Voraussetzung wählen. Diese Gläser benötigen einen aufwendigen Vermessungsprozess am Kunden, um dann ganz spezifische, hoch optimierte Progressivgläser herzustellen. Fassungsinklination sowie Hornhaut-Scheitelabstand müssen berücksichtigt werden. Auf diese Weise kann man dem optimalen Sehkomfort des Brillenträgers sehr nahe kommen. Die Fertigung derartiger Flächen ist aber erst möglich, seit es so genannte Single-Point-Bearbeitungsmaschinen mit CNC Steuerung gibt.

Grundlegend kommt es immer darauf an, den Oberflächenastigmatismus, der ja gesetzmässig der Addition direkt proportional ist, optimal zu verteilen. Wichtig für den Seheindruck ist (speziell im peripheren Bereich) nicht allein die Grösse, sondern die Richtung des Astigmatismus. Daher wird alles daran gesetzt, die Achslage senkrecht oder waagrecht zu stellen, weil damit eine Bildverzerrung möglichst klein gehalten wird (Abb. 3).

Gleitsichtgläser Bildverzerrung
Abb. 3 Bildverzerrung durch unterschiedliche Richtungen des
Astigmatismus (Quelle: Prof. J. Malie)

Presio W – das Individual-Gleitsichtglas von Nikon

Mit dem Presio W beschreitet Nikon einen völlig neuen Weg des Progressivglas-Designs. Der Flächenastigmatismus der Progressivfläche kann nicht verändert werden. Es bleibt jedoch die Rückfläche des Glases, auf der beliebige Korrekturen durchgeführt werden können, und zwar nicht nur, wie bisher üblich, mit einer einheitlichen Sphäre und Zylinder, sondern individuell mit zigtausenden Flächenelementen, so dass eine Abbildungsoptimierung erzeugt wird. Vorderfläche und Rückfläche werden abbildungsmässig so miteinander gekoppelt, dass die Bildverzerrung bewirkenden Astigmatismen der Vorderfläche durch "Gegenzylinder" auf der Konkavseite weitgehend ausgeglichen werden (Abb. 4). Es zeigt sich, dass diese Technologie grundlegend für die neuen Generationen von Progressivgläsern sein wird.

Gleitsichtgläser Aberrationsfilter
Abb. 4 Darstellung des Aberrationsfilters

Benötigte Parameter

Für die Herstellung eines Presio W benötigt man die Form des Glases, die Einschleifhöhe, die Pupillendistanz (Abb. 5) und selbstverständlich die Korrekturwerte und Addition des Brillenträgers. Die Angabe eines HSA ist nicht zwingend nötig, jedoch immer eine wertvolle Zusatzinformation. Zurzeit ist Presio W in den Indices 1.74, 1.67 und 1.60 erhältlich.

Gleitsichtgläser Parameter
Abb 5 Benötigte Parameter

Infos

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