Bilosa lud zum Herbstsymposium in Tirol und über 40 interessierte Optikerinnen und Optiker sowie ein Augenarzt folgten der Einladung nach Hall. Am 17. Und 18. Oktober stand dann ein interessanter und abwechslungsreicher Mix aus Vorträgen mit teils sehr intensiver Beteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Programm.
Nach einer Begrüßung durch die Geschäftsführerin der Firma Bilosa, Frau Paulweber-Krischan, eröffnete ein Vortrag von Herrn Ron Beerten (Professional service manager Procornea Contact Lens Laboratory) zum Thema „Skleralschalen, Medi Line – Wert neu entdeckt“. Procornea bietet mit den Größen Semi skleral (Ø 13 – 15.5 mm) Mini skleral (Ø 16 – 18 mm) und Full sklera (Ø 18 – 23 mm) ein Sortiment an, welches alle Indikationen abdeckt. Die Schritte der Anpassung über Basiskurve und den sog. Peri-factor (steiler bzw. flacher in der Peripherie) wurden ebenso besprochen wie die Beurteilung von Fluo-Bildern und die Patienteninstruktion und die Bedeutung der Sitzkontrolle am Ende des ersten Tragetages.
Harald Kranewitter (Optikermeister) bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei seinem Vortrag über „Steigerung der Kundenbindung“ einige Tipps und Einsichten aus seiner langjährigen Tätigkeit „an der Front“ aber auch als Trainer und Coach. Tipps mit denen auch der „kleine“ Optiker durchaus seinen Platz neben den Ketten und im Bewerb mit den neuen Vertriebskanälen finden kann. Seriosität – im Gegensatz zu „Lockangeboten“, Kontinuität in der Betreuung durch langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein gelebter positiver Umgang mit dem Kunden sind seine Botschaft für das Optiker-Stammbuch. Mit dem beinahe kabarettreifen Durchspielen von alltäglichen Situationen im Verkauf wurde dann die Brücke zum letzten Themenbereich, der professionellen Refraktion – losgelöst vom Brillenverkauf – gebaut.
Prof.Peter Habeler (Extrem-Bergsteiger). Mit dem Thema „Das Ziel ist der Gipfel“ erlebte der erste Tag seinen Höhepunkt, dies ist durchaus wörtlich zu verstehen denn der Referent war der Mann, der gemeinsam mit Reinhold Messner im Jahr 1978 den Mt.Everest ohne künstlichen Sauerstoff bestieg.
Walter Gutstein (Optometrist, PhD, MSc) lieferte in seinem Vortrag zum Thema „Progrediente Myopie“ nicht nur die theoretischen Informationen sondern gab auch praktische Hinweise zur Versorgung mit Brillen. Vollkorrektur ist der Unterkorrektur deutlich überlegen („Unterkorrektur ist das Schlimmste, was Sie einem Kind antun können“), und auch weitere mögliche Interventionen wurden hinsichtlich der Wirksamkeit betrachtet.
Ron Beerten stellte in seinem zweiten Vortrag „Ortho-K; Standards und Neuigkeiten“ die Erfolgsstory der Ortho-K Linsen in den Niederlanden vor. Mit über 60.000 Ortho-K Trägern stellen die Holländer 50% aller Ortho-K Träger in Europa dar. Patientenselektion, Aus- und laufende Fortbildung der Anpasserinnen und Anpasser, sowie sehr engmaschige Kontrolle der Trägerinnen und Träger sind die drei Säulen des Erfolges (So werden in NL Ortho-K Linsen prinzipiell in Form eines Abonnements abgegeben und der Kunde verpflichtet sich zu regelmäßigen Kontrollen durch den Experten). Die vielerorts noch herrschenden Vorbehalte gegen Ortho-K Linsen kommen aus teils nicht rezenten Studien und die Komplikationen waren in der Mehrzahl auf unzureichende Hygiene zurückzuführen.
Werner Brunbauer (Prokurist Carl Zeiss GmbH) gab in seinem Refrat „Augenoptik 2020“ neben volkswirtschaftlichen und demographischen Informationen auch Einblick in die Entwicklung die die Optiker direkt betreffen, Steigerung der Geschäftsdichte (1990: 8.200 Einwohner/Geschäft – 2014: 7.300 EW/Geschäft) oder alternative Sehkorrekturen (z.B. Laser, vorgezogene Katarakt-Operation). Einen großen Bereich der vom Optiker zu wenig genutzt wird sah Herr Brunbauer in der Nicht-Optischen Sonnebrille, hier werden lediglich 29% der insgesamt knapp 2,4 Mio Stk/Jahr durch Optiker abgegeben und 71% über andere Kanäle. Das klassiche und erfolgreiche Augenoptik-Fachgeschäft 2020 sieht er auf den drei Säulen „Fachwissen – Top Markenqualität – Trendiges Konzept“ stehen.
Im Letzten Vortrag sowie den praktischen Übungen von und mit Herrn Robert Fetzer (Optikermeister, Kontaktlinsen und LowVision Spezialist) blieb kein Auge trocken. „Das Trockene Auge“ ist auch ein Thema für den Optiker. Hier ist jetzt als „heißes Thema“ die Betrachtung der Meibomschen Drüsen aufgekommen, das kann entweder mit einem speziell dafür ausgelegten System (i.d.R. als Zusatzfunktion von Topographie-Systemen) oder mittels hochqualitiativer Videoaufname unter Zuhilfenahme einer Spaltlampe erfolgen. Im Betrieb von Hrn Fetzer erfolgt auch bei Kunden die wegen Linsenanpassung kommen routinemäßig eine Überprüfung des Tränenfilms. Werden hier Probleme entdeckt, dann wird erst versucht das Problem des Trockenen Auges in den Griff zu bekommen bevor mit suboptimalem Tränenfilm eine Refraktion vorgenommen wird. Insbesondere Produkte zur Lidrandpflege und zur Erwärmung des Augenlides kommen häufig und erfolgreich zum Einsatz. Im praktischen Teil wurde sowohl die Anwendung des Augensprays als auch die Betrachtung der Meibomschen Drüsen mit der Videospaltlampe ausprobiert.
Nach dem Symposium ist vor dem Symposium und wir können gespannt sein, was sich das Bilosa-Team für das kommende Treffen einfallen lassen wird.
Autor

Mag. Bernhard Steiner
- Experte für Geräteoptik und
Medizintechnik - Beschaffungsmanagement,
Technische Betreuung,
Onlineservices - Betreiber und Inhaber der
Plattform Ordinationstechnik - Redakteur optikum



