Stärkenprofile weicher Tauschkontaktlinsen

In einer im August 2014 erschienen Studie an der Universität Aalen und dem Brien Holden Vision Institute wurden die Stärkenprofile der optischen Zonen gängiger, weicher Tauschlinsen untersucht. Ziel der Studie war die Einschätzung peripherer, refraktiver Fehler und der damit verbundenen möglichen Progression einer Myopie.

Dazu wurden die dioptrischen Stärkenprofile von sechs Einstärken- und zehn Multifokalkontaktlinsen fünf verschiedener Hersteller in den Dioptriestärken -1,00dpt, -3,00dpt und -6,00dpt getestet. Die Messung wurde mit dem SHS Ophthalmic der Firma Optokraft GmbH durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurde auch die Reproduzierbarkeit der Messungen mit dem Gerät evaluiert.

Die Höhe der negativen sphärische Aberration variiert bei den am Markt befindlichen Tauschkontaktlinsen

Die Ergebnisse der Messungen brachten für unterschiedliche Kontaktlinsen interessante, verschiedene Messergebnisse zu Tage. So zeigten Einstärkenkontaktlinsen aus Omafilicon A die höchste negative sphärische Abberation, während die Vertreter aus Lotrafilicon A die geringste negative sphärische Abberation aufwiesen. Aber auch die auf der Packung angegebenen Dioptriewerte sind bei unterschiedlichen Kontaktlinsentypen abweichend. So zeigten Einstärkenkontaktlinsen aus Somofilicon A die stärkste dioptrische Minuswirkung und jene aus Lotrafilicon A die stärkste Abweichung in die Plusrichtung – gemessen an der auf der Packung angegebenen Dioptriestärke.

Im Bereich der Multifokalkontaktlinsen wurde nahezu immer eine negative, sphärische Abberation nachgewiesen. Selbst die Multifokal-Systeme mit Zentrum Nähe aus Etafilicon A, Omafilicon A, Lotrafilicon B und Balafilicon A nutzen offensichtlich die sphärische Abberation um einen multifokalen Effekt zu gewährleisten.

Genauere Angaben der Hersteller gefordert

Die Autoren der Studie kamen zum Schluss, dass die Stärkenprofile von Einstärken-Tauschsystemen in ihrer Wirkung stark variieren. Viele davon beinhalten eine negative sphärische Abberationswirkung, welche eine Myopie verschlimmern kann. Einige Kontaktlinsentypen beeindruckten zudem – in manchen Stärkenbereichen – mit einer weiten Variabilität in Stärkenabweichungen von mehr als 0,25 Dioptrien. Eine exakte Angabe der Stärkenprofile und Dioptrieabweichungen seitens der Hersteller, könnten wertvolle Hinweise zur Kontaktlinsenanpassung bei presbyopen oder unter progressiver Myopie leidenden Klienten liefern.

Quelle:
Power profiles of single vision and multifocal soft contact lenses; Cont Lens Anterior Eye. 2014 Aug 16. pii: S1367-0484(14)00080-0. doi: 10.1016/j.clae.2014.07.008.; Wagner, Conrad, Bakaraju, Fedtke, Ehrmann, Holden.