Tafeln zur Prüfung des Farbensinns – Karl Velhagen, Dieter Broschmann

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Der normale menschliche Farbensinn erlaubt die Unterscheidung von weit über 100 Farben. Etwa 8% der Männer und etwas weniger als 0,5% der Frauen leiden an einer angeborenen Farbstörung. Das von Thieme Verlag neu aufgelegte Büchlein, Tafeln zur Prüfung des Farbensinns, beinhaltet 24 pseudoisochromatische Tafeln zu schnellen Prüfung der Farbtüchtigkeit.

Die Testmethodik des besprochenen Büchleins basiert auf eine Fortentwicklung der ersten Farbtafeln von Stilling aus dem Jahr 1876. Hertel fügte 1922 die Pseudoisochromasie hinzu – Karl Velhagen modernisierte seit 1952 die Tafelsammlung. Er steigerte den Farbkontrast, die Farbauswahl und ergänzte die Testreihe mit einer Fluorkontrasttafel.

Die Testdurchführung ist zwar einfach, dennoch müssen einige Bedingungen erfüllt werden. So ist die Beleuchtung der Tafeln nicht beliebig. Der Prüfling sollte ein helles, diffuses aber nicht grelles Tageslicht im Rücken haben. Ist kein konstantes Tageslicht verfügbar, sind spezielle Tageslichtlampen erforderlich. Licht von Glühlampen oder normalen Leuchtstoffröhren sind ungeeignet. Bei unsachgemäßer Beleuchtung ist nicht auszuschließen, dass Deuteranomale einige Tafeln fälschlich als richtig erkennen.

Auf pseudoisochromatischen Tafeln sind Zahlen und Ziffern eingezeichnet, die sich vom Hintergrund nur durch die Farbe, nicht durch die Helligkeit unterscheiden. Der Farbuntüchtige erkennt eine gleichmäßig gemusterte Fläche. Die Tafeln enthalten zusätzlich Ziffern, die sich durch die Helligkeit unterscheiden, sodass der Farbuntüchtige andere Zahlen und Ziffern liest als der Farbtüchtige. Die Tafeln des Büchleins werden in 70cm Abstand dem Prüfling angeboten. Für eine Tafel sollte die Prüfdauer 15 Sekunden nicht überschreiten.

Ein kompletter Test mit dem vorliegenden Testbüchlein dauert etwa 6 Minuten. Vor allem bei Klienten mit erhöhter Berufsverantwortung, wie zum Beispiel im Verkehrswesen oder bei Berufen in denen Farben eine besondere Bedeutung darstellen (Textilindustrie, Grafiker, …), ist eine Integration eines Farbtests in die Brillenglasbestimmung zu überlegen. Vor allem bei männlichen Kunden scheint ein Screening sinnvoll, da diese zu 8% betroffen sind. Auch im Zuge von Führerscheintests ist eine Prüfung des Farbsehens durch den Augenoptiker sinnvoll. Vielen Kunden ist ihre (teilweise) Farbuntüchtigkeit gar nicht bewusst.

Angeborene Farbuntüchtigkeit ist nicht heilbar. Farbgläser können sich unter Umständen als praktisches Hilfsmittel erweisen. Durch ein grünes Glas erscheinen grüne Objekte heller. Rote Gegenstände werden dünkler. Für rote Gläser ist es genau umgekehrt. Andere Filtergläser können ähnliche Erscheinungen bewirken. Für das Verkehrswesen sind solche Hilfsmittel allerdings ungeeignet und dürfen nicht empfohlen werden.

Erworbene Farbensinnstörungen sind in der Regel Krankheitsprozesse oder deren Folgen. Bei Verdacht auf totale Farbenblindheit oder einer Blau-Gelb-Störung ist eine Überweisung an den Augenfacharzt unbedingt empfehlenswert.

Das inklusive den Velhagen-Stillingschen-Tafeln 63 Seiten starke, um 34,95 Euro erhältliche Büchlein ist im Thieme Verlag unter ISBN 3134123339 erschienen.