Vorteile und Optik asphärischer Minusgläser

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Im Januar publizierte das OPTIKUM einen Artikel über asphärische Plusgläser. Das Hauptziel bei der Korrektion einer Hyperopie mit einer Asphäre ist die Frontkurve flach zu halten. Dadurch werden die Brillengläser dünner und geringfügig leichter. Durch die asphärische Geometrie wird außerdem ein Anstieg des astigmatischen Linsenfehlers minimiert. Die Steigerung der Ästhetik und des Tragekomforts werden gut beratene Konsumenten schätzen.

Bei asphärischen Minusgläsern müssen die Vorteile differenziert betrachtet werden. Im Minusbereich sind die Forderungen für eine gute Abbildungsqualität zu einem großen Teil schon mit sphärischen Gläsern erfüllbar. Die astigmatische Abweichung und der Bildschalenfehler sind bei Brillengläsern mit negativen Scheitelbrechwert von Haus aus geringer als bei Plusgläsern. Bei den Minusgläsern ist die Frontkurve schon bei sphärischen Gläsern recht flach, die Mittendicke relativ dünn. Also bleibt noch die Reduzierung der Randdicke. Durch den Einsatz höherbrechender Materialien lässt sich die störende Randdicke deutlich reduzieren. Sieht man von der Erhöhung der Brechzahl ab, gibt es bei Minusgläsern zwei Möglichkeiten die Randdicke mittels eines asphärischen Designs weiter zu minimieren.

  • Eine Versteilung der Vorderfläche zum Rand hin – das Brillenglas wird stärker durchgebogen.
  • Eine Abflachung der Rückfläche zum Rand hin – das Brillenglas wird insgesamt flacher.

Die kosmetischen Vorteile der geringeren Randdicke werden allerdings mit einigen optischen „Phänomenen“ erkauft. Wird die Asphäre mittels einer Versteilung zum Rand hin auf der Vorderfläche aufgebracht, so wird D1, der einen positiven Flächenbrechwert hat, zunehmen. Im zweiten Fall, bei einer Abflachung der Rückfläche zum Rand hin, kommt es zu einer Zunahme des negativen Flächenbrechwertes D2. So nimmt der Gesamtbrechwert auf jeden Fall zum Glasrand hin ab! Da das Auge nicht in der Lage ist negativ zu akkommodieren, können diese Differenzen nicht ausgeglichen werden.

Unter diesem Gesichtspunkt wird klar, dass eine exakte Zentrierung und eine perfekte Refraktion beim Verkauf von asphärischen Minusgläsern unbedingt notwendig sind.

  • Da je nach Hersteller der Flächenbrechwert bei Minusasphären im Randbereich bis zu einer Viertel Dioptrien abnehmen kann, muss als Bestellwert die Vollkorrektion verlangt werden. Ein sensibles Thema, weiß man doch bei einer ärztlichen Verordnung nicht ob die Verschreibung möglicherweise etwas unterkorrigiert wurde, um ein „angenehmeres“ Sehen zu ermöglichen. Manche Kunden verlangen dies sogar bei der Refraktion durch den Fachoptiker oder Augenarzt. Nun ist bekannt, dass der Visus bei Verringerung der Vollkorrektion um eine Viertel Dioptrien um 25% des vorher gesehenen abfällt. War nun die Verordnung eine Viertel Dioptrien unter der Vollkorrektur und das asphärische Glas verliert am Rand eine weitere Viertel Dioptrien, dann fällt der Visus im Randbereich gar um 50% gegenüber der Vollkorrektur ab!
  • Die Zentrierung muss neben der Einzelpupillendistanz auf jeden Fall auch für die Höhe nach der Augendrehpunktforderung durchgeführt werden. Bei Durchblick außerhalb des optischen Mittelpunktes, etwa 5mm oberhalb, nimmt der Gesamtbrechwert des Brillenglases bereits spürbar ab.

Bei einer Fehlzentrierung oder einer Unterkorrektur von nur einer Viertel Dioptrien kann es sein, dass der zukünftige Träger der Brillengläser über „unscharfe Bereiche zum Rand hin“ klagt. Gerade myope Kunden sind allerdings nicht selten „Visusfanatiker“, denen eine Enttäuschung über ihre neuen, hochwertigen Gläser erspart bleiben sollte. Hochgradig Myope benutzen allerdings die Randbereiche eines Brillenglases zumeist relativ selten. Sie profitieren am meisten von hochbrechenden, asphärischen Brillengläsern.

Asphärische Minusgläser machen primär in Kombination mit hochbrechenden Materialien Sinn. Vor allem bei hochgradigen Myopien kommen die Vorteile betreffend Abbildung und Schlankheit zur Geltung. Eine exakte Zentrierung und die Verwendung der Vollkorrektur ist unabdingbar.

Mehr zum Thema: Asphärische Brilengläser mit positiven Scheitelbrechwert