Seit die FDA, die amerikanische food and drug administration im Jahr 2001 Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel zum verlängerten Tragen zugelassen hat, ist viel passiert. Kontaktlinsen mit immer höheren Dk/t Werten beeinträchtigen die Hornhaut und vor allem das Hornhautepithel so wenig wie möglich und ermöglichen so längere, gesunde Tragezeiten als dies mit herkömmlichen Kontaktlinsenmaterialien der Fall ist. Jedoch werden häufig auch nicht zum verlängerten Tragen bestimmte Kontaktlinsen länger getragen als von Herstellern und Anpassspezialisten empfohlen.
Dies muss nicht notwendigerweise gleich zu schlimmen Komplikationen führen, aber Fakt ist, dass viele von Kontaktlinsenträgern geäußerte Klagen über Trockenheitsgefühle, Fremdkörpergefühl, nachlassenden Visus, etc. auf zu lange Tragezeiten zurückzuführen sind.
Ein Schaden, der über eine Irritation hinausgeht, droht beim Kontaktlinsentragen vor allem dann, wenn die Hornhaut in ihrer Integrität gestört wird. Das Aufbrechen des Hornhautepithels, der obersten Schicht, kann Infektionen mit nicht abschätzbaren Folgeschäden den Weg ebnen. Ob es zu solch schwerwiegenden Komplikationen gerade bei langen Tragezeiten kommt oder nicht, hängt offenbar – neben der persönlichen Kontaktlinsenhygiene, auch vom verwendeten Kontaktlinsenpflegemittel ab.
Gerade durch lange Tragezeiten der Kontaktlinsen kann es zu Mikrotraumen der Hornhautoberfläche kommen, die normalerweise engen Verknüpfungen der Epithelzellen mit einander übergreifenden tight junctions können aufgelöst und die Barrierefunktion der Hornhaut beeinträchtigt werden. Tight junctions (engl. „dichte Verbindung“, lat. Zonula occludens) sind schmale Bänder aus Membranproteinen, die Epithelzellen von Wirbeltieren vollständig umgürten und mit den Bändern der benachbarten Zellen in enger Verbindung stehen. Auf diese Weise verschließen die tight junctions den Zellzwischenraum – ist dieser Zellverband gelockert, können Bakterien oder gar Acanthamoeben in tiefere Hornhautschichten eindringen.
Dennoch stellt das Hornhautepithel keine gänzlich undurchlässige Barriere dar, vielmehr sind die Zellmembranen semipermeabel und sorgen zum Beispiel für einen Nährstoffaustausch mit dem Tränenfilm. Die relative Durchlässigkeit des Epithels macht sich die medikamentöse Therapie zu nutze und auch bei Kontaktlinsenpflegemitteln wird ein ähnlicher Effekt vermutet. Antimikrobielle Bestandteile in Pflegemittel sind in der Lage Zellmembranen von Bakterien aufzubrechen und somit Infektionen zu verhindern. Die gleichen Bestandteile können jedoch auch auf das Hornhautepithel zytotoxisch wirken und damit dessen Barrierefunktion beeinträchtigen.
Complete® EasyRub™ hält Lebensfähigkeit und Barrierefunktion des Hornhautepithels am Besten aufrecht
Wissenschaftler am Baylor College of Medicine in Houston haben jetzt vier moderne Mehrzwecklösungen bezüglich ihrer Wirkung auf die Barrierefunktion kultivierter menschlicher Hornhautepithelzellen untersucht. Um festzustellen, wie groß die Überlebensrate von Hornhautepithelzellen in bekannten Kontaktlinsenpflegemitteln ist, wurden sie den jeweiligen Lösungen bis zu sechs Stunden ausgesetzt. Die Zellüberlebensrate wurde nach 30 Minuten, einer, zwei, vier und sechs Stunden mit einem speziellen Zytotoxizitäts-Test geprüft und mit einer Kontrollprobe verglichen. Die Laboruntersuchungen zeigten verblüffend unterschiedliche Auswirkungen der getesteten Lösungen auf das Hornhautepithel. Die tight junctions können durch eine spezielle Färbemethode sichtbar gemacht werden. Je farbenprächtiger das Bild der Zellkulturen, desto besser sind die tight junctions bei der Aufrechterhaltung der Barrierefunktion positioniert. Nur die Zellen, die Kochsalzlösung oder Complete® EasyRub™ ausgesetzt waren, zeigten intakte Abgrenzungen zwischen den Zellen, wie sie bei gesunden Augen zu erwarten sind.

Die Studie mündet in dem Resümee, dass kommerziell erhältliche Mehrzwecklösungen zur Kontaktlinsenpflege in sehr unterschiedlichem Maße mit den Epithelzellen der menschlichen Hornhaut interagieren und das nur eine der vier getesteten Flüssigkeiten (Complete® EasyRub™) sowohl die Lebensfähigkeit der Hornhautepithelien als auch deren Barrierefunktion aufrecht erhalten kann.
Blink® blink-n-clean™ von AMO reinigt Kontaktlinsen während des Tragens
Ein Tipp aus der Praxis: Gerade Silikonhydrogellinsen, die für ein verlängertes Kontaktlinsentragen in Frage kommen, neigen zu Ablagerungen. Zur Verbesserung des Tragekomforts werden alle Kontaktlinsen mit Blink® blink-n-clean™ während des Tragens von Schmutzpartikeln und Ablagerungen gereinigt und gleichzeitig nachbenetzt.
Literatur
Eliseu Y. Chuang and Stephen C. Pflugfelder, M.D. Eye & Contact Lens 34(5): 281–286, 2008, Presentation at Contact Lens Association of Ophthalmologists.
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