Theorie und Praxis der Augenglasbestimmung, Band I, Refraktionsbestimmung

0
3414 mal gelesen
Theorie und Praxis der Augenglasbestimmung, Band I, Refraktionsbestimmung

„Die Kernaufgabe der Augenoptiker besteht in der Bestimmung und Korrektion einer Fehlsichtigkeit“, so in der Einleitung des im DOZ Verlag erschienen Fachbuchs „Theorie und Praxis der Augenglasbestimmung, Band I, Refraktionsbestimmung“. Die Autoren Michael Hornig und Kay-Rüdiger Harms haben in 20. Kapiteln ein beachtenswertes Werk zu diesem Thema verfasst.

Nach einem ersten Abriss über die historische Entwicklung und den rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, geben die Autoren einen kurzen Überblick über mögliche Ausstattungen des Prüfraums.

Augenoptische Grundlagen

Neben einer schematischen Übersicht über das Auge, wird dessen dioptrische Wirkung veranschaulicht und mittels Formeln und Berechnungen dargestellt. Sehr gut erklärt werden in diesem Zusammenhang die Begriffe Akkommodationserfolg und Akkommodationsaufwand.

Fehlsichtigkeiten, ihre Korrektion und die Sehschärfe

Die Theorie von Myopie, Hyperopie und Astigmatismus wird textlich und mit Strahlengängen nähergebracht. Anschaulich beschreiben die Autoren das Sehen ohne Korrektur und damit auch den Zusammenhang zwischen Fehlsichtigkeit und dem damit verbundenen Maß der Visusreduktion. Des Weiteren werden die Veränderungen des Netzhautbildes beim Vorschalten unterschiedlicher Brillengläser veranschaulicht. Auch der notwendige Aufbau von Optotypen wird behandelt.

Die Refraktionsbestimmung

Noch vor der eigentlichen Refraktion werden Funktionsprüfungen wie der Covertest, der Uncovertest, der Motilitätstest, die Messung des Konvergenznahpunktabstands (NPC), die Messung des maximalen Akkommodationserfolgs und der Pupillenreaktionstest erklärt. In der nachfolgenden Behandlung der Anamnese wird eine straff gehaltene Übersicht gängiger Pathologien angeboten. Praktischerweise ist ein dazu passender Fragenkatalog integriert.

Die Ermittlung des besten sphärischen Glases – also jenes Korrekturglas bei dem im deakkommodierten Zustand mit sphärischen Korrekturgläsern der beste Visus erreicht wird – ist einer der wesentlichen Schritte in der Refraktionsbestimmung. Das sehr ausführliche Kapitel erklärt die korrekte Vorgangsweise mit Hilfe von Organigrammen, Tabellen, Diagrammen und – sehr hilfreich für das Verständnis – mittels Darstellung der Bildlinien im Auge bei den einzelnen Schritten am Weg zum besten sphärischen Glas. Dabei sind die Autoren auf die unterschiedlichen Voraussetzungen beim Vorliegen einer Myopie, Hyperopie oder starken Astigmatismen eingegangen.

Da es sich um ein deutsches Fachbuch handelt, wurde fast schon logischerweise die Kreuzzylindermethode mit einem sehr ausführlichen Teil bedacht. Erklärt werden unter anderem die Befragung der 1. Art, die Befragung der 2. Art und der Achsenabgleich. Für höhere Astigmatismen und als Alternative zur Kreuzzylindermethode wird die Zylindernebelmethode und deren möglichen Varianten genau erklärt.

Gegen Ende der monokularen Refraktion ist ein sphärischer Feinabgleich unabdingbar. Im Buch wird auf die Durchführung mittels Optotypen, Rot-Grün-Test und Kreuzmustertest eingegangen. Der binokulare Abgleich wird anhand des polarisierten Doppelfelds, des polarisierten Rot-Grün-Tests und mittels Schwärzungsvergleich erklärt.

Zum Schluss des Buches wird die Herausforderung der Berechnung schief gekreuzter Zylinder angenommen und die korrekte Bestimmung des Nahzusatzes aufgezeigt. Ein praktisches Glossar mit Erklärung von Fachbegriffen rundet das Werk ab.

Fazit

Der vorliegende Band I, Refraktionsbestimmung, Theorie und Praxis der Augenglasbestimmung, erfreut den Leser durch umfassende Praxisanleitungen. Klar ist, es gibt andere „auf das Wesentliche“ konzentrierte Publikationen zum Thema Refraktionsbestimmung. Wer jedoch die Refraktionsbestimmung von der Pieke auf erlernen möchte, benötigt auch ein komplexes Hintergrundwissen. Das Fundament sozusagen. Dafür ist das Buch bestens geeignet.

Da die Refraktionsbestimmung in Zukunft noch mehr Stellenwert als schon bisher in der Dienstleistungs-Augenoptik haben wird, empfiehlt sich das Erarbeiten der Thematik unter dem Aspekt des wissenschaftlich korrekten Ablaufs. Zu diesem Zweck kann das vorliegende Werk uneingeschränkt empfohlen werden.

Das 444 Seiten starke Buch kostet € 54,90 kann online bestellt werden.

=> hier findet sich die Rezension zum Teil II, Binokularprüfung