Der Sonnenbrillen Sitztest der Arbeiterkammer Niederösterreich

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Anfang Juni führte der VKI im Auftrag der Arbeiterkammer Niederösterreich einen Sonnenbrillen Sitztest und UV-Test durch. Die anschließende Presseaussendung titelte „UV-Schutz gut, Rahmenkonstruktion schlecht. Der Preis ist aber nicht ausschlaggebend für die Qualität.“ Getestet wurden allerdings primär Sonnenbrillen welche im Kleiderhandel bezogen wurden und zudem im deutlich unteren Preissegment.

Obwohl die Arbeiterkammer NÖ Optiker, Drogeriemarkt, Modeketten und Lebensmitteldiskonter als Sonnenbrillenanbieter anführte, wurde kein einziger "traditioneller" Optikerbetrieb (also kein Nichtfilialist) getestet. Dafür wurden 2 Brillen eines Schuhgeschäfts in den Test mit einbezogen. Sonnenbrillen wurden von folgenden Betrieben erworben:

  • 2 Stück Fielmann, 36,00 und 50,76 Euro
  • 2 Stück Hartlauer à 29,94 Euro
  • 2 Stück Eduscho à 4,99 Euro
  • 2 Stück Schöps 12,98 und 14,98 Euro
  • 3 Stück C&A à 4,90 Euro
  • 2 Stück Orsay à 5,90 Euro
  • 2 Stück Golddiskont Nr. 1 à 7,00 Euro
  • 7 Stück Müller 3,55 bis 15,90 Euro
  • 6 Stück H&M 1,90 bis 6,90 Euro
  • 2 Stück Shoe 4 You 6,00 bis 10,00 Euro

Bei den getesteten Artikeln befanden sich keinerlei Brillen uns bekannter, namhafter Markenhersteller. Das Ergebnis muss auch in dem Licht interpretiert werden, dass der durchschnittliche Preis der Testbrillen gerade um die 10 Euro lag. Das preislich höchste Exponat war ein Modell s.O 4016 unbekannten Herstellers, welche die Tester bei der Firma Fielmann erwarben. Robuste Materialien wie zum Beispiel TITANflex® wurden in den Test nicht mit einbezogen.

Beim so genannten "Sitztest" setzte sich eine Person mit 75kg Körpergewicht fünf mal auf die betreffende Sonnenbrille, welche am Bürostuhl lag. Diese Attacken überstanden 9 von den getesteten 30 Sonnenbrillen. Jene Sonnenbrillen die Beschädigungen aufwiesen erhielten das Testurteil "mechanischer Test nicht o.K". Über die Sinnhaftigkeit und Aussagekraft eines solchen Tests darf selbstverständlich diskutiert werden. Ähnlich könnte man Digitalkameras fünf mal zu Boden werfen um deren Verhalten bei einem Sturz zu simulieren.

Beim UV-Test schnitten die Testmodelle besser ab. Ein Modell um 4,90 Euro ließ jedoch 13,8% der UV-Strahlung bei 400nm durch. Die Schlussfolgerung, dass der Preis nicht ausschlaggebend für die Qualität sei, muss gerade hinsichtlich des mangelhaften UV-Schutzes der 4,90 Euro Brille in Frage gestellt werden.

Bei einer Kinderbrille um 3,55 Euro ließen sich die Gläser bei der Reinigung sehr leicht aus der Fassung drücken. Diese Brille hatte auch den "Sitztest" nicht bestanden.

Gänzlich vernachlässigt wurde beim Test der AK NÖ die Anpassung der Sonnenbrillen an die Kopfanatomie – denn nur eine gut sitzende Sonnenbrille erfüllt ihren Zweck.

Die AK NÖ hat den Test auch im Internet publiziert. Dort finden sich auch nähere Angaben zu den getesteten Modellen und wo sie erworben wurden.