Paris ist eine Modestadt. Vielleicht sogar „die“ Modestadt schlechthin. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Modetrends der Augenoptik erstmals auf der SILMO präsentiert wurden. Letztes Wochenende war die SILMO einer logistischen Änderung unterworfen. Die Messe übersiedelte von der Paris Expo am Porte de Versailles zum Parc des expositions gleich neben dem Aéroport Charles de Gaulle. Was für jene Besucher die nur einen Tag kamen eine unglaubliche Erleichterung darstellte, führte zu einem Gewissenskonflikt bei jenen die mehrere Tage in Paris verbrachten.
Ein Artikel der optikum Redakteure
Harald Belyus, MSc & Günther Derx
Man hatte die Wahl 23 Kilometer entfernt vom Pariser Zentrum direkt bei der Messe zu übernachten und sich mit Shuttlebussen oder der Bahn abends nach Paris zu begeben. Jene die direkt bei der Messe übernachteten, klagten von Paris in Folge nicht mehr allzuviel mitbekommen zu haben. Verschärft wurde die Logistik gleich am ersten Messetag. Am Donnerstag gab es Streiks bei den Busfahrern, der Metro und sogar bei den Taxibetreibern.
Ab dem zweiten Tag funktionierte der Shuttleservice vom Porte Maillot aber tadellos. Lediglich hinfinden musste man. Die Messeleitung führte so manchen Besucher in die Irre, da der Shuttle nicht wie angegeben vor dem Hotel Meridian starteten, sondern einen Block weiter hinter dem Shopping Center "Gallerie Comerciale" ihren Parkplatz hatten. Hatte man das Rätsel gelöst, war man aber mit dem Shuttle Service gut bedient.
Wo ist der Shuttle Bus zur SILMO versteckt?
Unser Eindruck ist, dass die SILMO kleiner geworden ist. Einige große Lieferanten haben – ebenso wie der Münchner Messe – auch der SILMO den Rücken gekehrt. Auch haben wir den Eindruck, dass die Gänge nicht so voller Besucher waren wie in den letzten Jahren.
Dafür waren aber die Stände wesentlich besser angeordnet als in den Jahren zuvor. Das Herumrennen in verschiedenen Messehallen, die dazu noch in unterschiedlichen Ebenen angeordnet waren, gehört mit dem neuen Messestandort der Vergangenheit an. Klar strukturiert in drei zu einer verbundenen Halle fand man sofort die gesuchten Lieferanten. Perfekt mit Buchstaben und Nummern versehen machte die SILMO aus dieser Sicht eine große Freude.
Wie haben uns auf der diesjährigen SILMO vordergründig auf trendige, kleinere Fassungshersteller konzentriert. Unser Hintergedanke war, Ihnen auch Firmen vorzustellen, die (noch) nicht den ultimativen Bekanntheitsgrad beim Optiker und Konsumenten haben und hoffen Ihnen damit einen interessanten Input zu Trends abseits des Mainstreams geben zu können.

Dirk Geissmann verleiht am Messestand einer BLAC Fassung den letzten Schliff
Seit dem Jahr 2006 bastelt die dänische Firma Bellinger an der Entwicklung von Brillenfassungen aus dem Werkstoff Carbon. Das Fertigungsverfahren ist extrem aufwendig und kompliziert. Während zum Beginn der Entwicklung 80 Prozent der Fassungen im Ausschusstopf landeten, kommen nun 70 Prozent der Fassungen bei der Endkontrolle ohne Probleme durch und damit unter dem Label BLAC auf die Nasen der Konsumenten. Nach guten zwei Jahren war Bellinger so weit, dass man auf den Markt ging. Das Ergebnis sind bis heute 0,01 Millimeter dünne Fasern die im Verbund trotz extrem dünner Fertigung eine unglaubliche Belastbarkeit aufweisen.
„Das spezifische Gewicht von Carbon ist 2,5 mal geringer als Titan“, erklärt Dirk Geissmann. „Wir verwenden zumeist vier Schichten Carbon, zwei weitere Schichten Fiberglas für die Farbgestaltung und Titan für die Stegstützen. Die einzelnen Schichten werden mit einem Epoxidkleber und Temperatur im Ofen miteinander verbunden. Im Bügel befindet sich ebenso ein Titankern. Je nach Anforderung an die fertige Brillenfassung sind die einzelnen Carbonschichten gleich ausgerichtet oder verkreuzt verleimt. Während erste Art zu einer extrem hohen Flexibilität führt, gewährleistet die letztere Art eine hohe Formstabilität“, so Geissmann.
Leider sind wie bei so vielen modernen Fassungen die Bügel nicht inklinierbar. Darauf muss schon bei der Anprobe acht gegeben werden. Das Tragegefühl der maskulinen Fassungen ist aber echt toll.

Blumen für die Madame bei FRANCIS KLEIN
Der französiche Label FRANCIS KLEIN verkörpert eine Brillenschmiede der anderen Art. FRANCIS KLEIN ist seit 20 Jahren am Markt und macht Brillen für Boutiquen. Man arbeitet mit in Acetat eingelegter Seide, aus Acetat gefräste Applikationen wie Blumen und Verzierungen wie Nieten, stecknadelkopfgroße Orangen und messingfarbenen Blümchenaufsteckern. Diese Fassungen sind einfach ungeheuer feminin und gefallen.

Patrizia Shelabarger und ihre Brillen aus dem Puppenhaus
Bunt, schrill und skurril ist die Kollektion der Designerin Patrizia Shelabarger schon. Man kommt sich vor wie in einem Puppenhaus, in dem sich Traum mit Realität nahtlos vermischen. Patrizia Shelabarger designt alles – von Möbel über Kleidung bis hin zu Brillen. Ihr Design ist verspielt, zum Teil futuristisch aber vor allem in schrillen Farbkombinationen. Irgendwie schafft sie es aber genau diese schrillen Farbkombinationen wieder zu einer harmonischen Einheit verschmelzen zu lassen. Genau diese Eigenschaft dürfte den Erfolg dieser Designerin ausmachen und wir bekommen es von ihr noch genauer verdeutlicht: „Ich war vor meinen ersten Brillendesigns vor zwei Jahren noch nie zuvor bei einem Augenoptiker oder gar auf einer Optikermesse. Es war wie eine Vision. Ich wollte Neues gestalten. Das war gar nicht so schwierig, denn die Bekleidungsmode ist bereits viel fortgeschrittener entwickelt als die Brillenmode. Ich habe mich einfach an den Trends der Kleider orientiert und meinen Stil eingebracht.“
Patrizia Shelabarger wurde in Los Angeles geboren und kam mit acht Jahren nach Italien. Diese Kombination aus einem schrillen, lauten Amerika und dem modebewussten, kreativen Italien spiegelt sich in der verspielten Brillenkollektion PATTY PAILETTE wieder. Kategorie einzigartig!

Managing Director Stefan Bopp: Kollektionen nach Zielgruppen ausgerichtet
Die 1993 gegründete BoDe Design Vertriebs Gmbh&CoKG ist alles andere als gewöhnlich. Dies ist zugleich das Firmenmotto der im deutschen Frammersbach beheimateten Firma. Interessant ist die Strategie des Fassungslieferanten: „Wir haben unsere einzelnen Kollektionen nach konkreten Zielgruppen ausgerichtet. Neben dem Kinderlabel Kauli Quappe bieten wir mit den Labels YAN speziell für Herren und YANA speziell für Damen Gleitsichtglas optimierte Brillenfassungen an. Die Marke YOBO repräsentiert eine breit gefächerte Auswahl an Halbbrillen. Bei GOOD TIMES finden Sie eine reiche Auswahl jugendorientierter Brillen, vor allem in Zwischengrößen“, verdeutlicht Managing Director Stefan Bopp. Zudem bietet man den Optikern zu dieser Philosophie passende Marketingpakete an.

Party bis das Licht ausgeht am Stand von POLAR
Im Whirlpool von REVERT räkeln sich junge Schönheiten mit Sonnenbrillen von POLAR. So wie der Messeauftritt sind auch die Shades: jung, frech, frisch und beeindruckend durch ein ganz interessantes Preisgefüge. „POLAR ist seit 1993 am Markt und mittlerweile in 76 Ländern vertreten“, so Export Manager Paolo Maraga. Stolz ist man auf die patentierten Multilayer-Scheiben, die eine sehr gute Farbwahrnehmung garantieren sollen.
Im Design folgt die Kollektion POLAR der aktuellen Mode. Zuweilen finden sich auch sehr innovative Kombinationen zwischen Formen und Farben. Insgesamt ein aufstrebender italienischer Label den man nicht aus den Augen lassen sollte.

Minimalismus nun auch bei Holzbrillen der Marke w-eye
„Begonnen hat alles bei einem Event neben der diesjährigen MIDO“, erzählt uns Sales Manager Ada Regina Freire zum Thema w-eye, einer italienischen Holzbrillenkollektion der anderen Art. Dort wurde die neue Holz-Halbbrillen Kollektion dem Fachpublikum vorgestellt. Die Holzbrillen w-eye sind minimalistisch gefertigt. Ohne Gelenke und wie aus einem Guss. „Trotzdem sind alle unsere Fassungen in unterschiedlichen Inklinationen individuell bestellbar“, erörtert Lizeth Samudio die technische Seite dieser Kollektion.
Verwendet werden sechs verschiedene Holzarten, die allesamt aus Afrika importiert werden. Das Holz ist zertifiziert und kommt aus offiziellen Anbaugegenden. Die Fassungen bestehen aus sieben Schichten Holz und zwei Schichten Aluminium. Letztere erlauben die Brille an den Träger anatomisch anzupassen. „Die einzelnen Schichten sind mit einem wasserlöslichen Klebemittel verbunden und ist so toxisch absolut unbedenklich“, ergänzt Samudio.

Export Beauftragte Francesca Brognoli mit der Barbie Kollektion
Eigentlich war ja gar nicht so viel los am Stand von INOTTICA. Trotzdem war es nicht einfach einen Blick auf die Brillenkollektionen zu werfen. Nun gut, es war zur Mittagszeit und am dritten Messetag. Dabei war unser Interesse groß, denn INOTTICA hat Kinderbrillenlabels wie Barbie und Hello Kitty unter Lizenz. Mit einiger Mühe dürfen wir uns dann doch die Barbie Kollektion kurz ansehen. Die haben uns gefallen. Mit dem Bestellen ist es wie mit dem Ansehen. „Bestellen kann man direkt über das Internetportal, Vertreter gibt es derzeit keinen“, so Francesca Brognoli von der Exportabteilung. Unsere Wertung: Gute Labels, interessante Ware und liebevoll gesagt, ein ausbaufähiger Vertrieb.

INFACE Designerin Mette Laursen mit den Neuheiten
Mittlerweile nicht mehr ganz so ein Geheimtipp ist die dänische Brillenmanufaktur INFACE. Im Jahr 1974 eröffnete Optometrist Hans Laursen sein erstes Optikergeschäft. Zehn Jahre später waren es dreizehn Geschäfte mit 96 Mitarbeitern. Eine dänische Optiker Erfolgsstory. Dem nicht genug, begann Hans Laursen auch eigene Brillen zu designen und herzustellen. Im Jahr 1992 wurde die deutsche Niederlassung gegründet. INFACE ist auch heute noch ein Familienbetrieb, in dem viele Laursen’s arbeiten.
Design Managerin Mette Laursen zeigt uns die neuen Modelle von INFACE. Auffällig sind die wunderschön abgestimmten Farbkombinationen der Acetatkollektion: grün/lindgrün, braun/rotbraun, bordeaux/caramel, brombeere/flieder und flaschengrün/türkis dominieren die Neuheiten von INFACE. Einfach sehr natürlich und harmonisch.

Auch Brillenhalterungen können formschön sein
Die holländische TOP VISION GROUP ist uns schon vor ein paar Jahren durch Ihr innovatives Ladenbausystem aufgefallen. Aktuell haben die Holländer Ladenbaudesigner mit einer Brillenhalterung in Form einer Möwe zugeschlagen. Die Brillenauflage ist einfach stylish und wunderschön.
Marketing Manager Jonatan Griever führt uns durch seine Ausstellung und präsentiert uns das neue Smart Panel System, das uns unweigerlich an das Lego Prinzip erinnert. Beim Smart Panel System handelt es sich um ein flexibles System bei dem alle Teile tauschbar sind. So kann man in die Brillenwand wahlweise Brillenhalterungen, Logopanels, Spiegel oder Halterungen für Handelsware einklicken. Die Ware kann manuell oder ferngesteuert versperrt werden. Ganz nach Wahl.
Sehr Praktisch!

Verspielte Kinderbrillen für aufgeweckte Kinder
Vollkommen außergewöhnliche Brillen gibt es bei der kleinen Kinderbrillenschmiede CECCONI LES FORMIDABLES. Die Brillen für aufgeweckte Kinder und mutige Eltern haben Herz- Blumen und Autoformen. Jenen Optikern die keine Möglichkeit haben Brillengläser mit solch extravaganten und mit Spitzkurven versehenen Formen zu schleifen bietet Olivier Cecconi einen bezahlten Randungsdienst an, der in Kunststoffgläser jede erdenkliche Form fräst. Einfach formidable!

AXEL S. bietet Retro-Chic in tollen Farbkombinationen
Retro mit Schick ist eine der Spezialitäten von AXEL S. Bereits in den Siebzigerjahren baute AXEL S. Brillenklassiker. Heute lässt man die im eigenen Haus entstandenen Formen aufleben und kombiniert sie mit Farbgestaltungen a la Friedensreich Hundertwasser. „Wir lieben diese Gestaltung und legen großen Wert auf besondere Farbkompositionen. Dabei achten wir darauf, dass wir niemals unseren ureigenen Stil verwässern. Jede unserer AXEL S. Brillen trägt eine einzigartige Handschrift. Die künstlerische Komponente ist uns in diesem Zusammenhang besonders wichtig“, definiert Geschäftsführer Herr Alexander Uebele die Unternehmensphilosophie.

Mit Gunter Fink und Letta Siebert am Stand von FLAIR
Die weltweit patentierte Knotentechnik – pure technology 2 – ist eine der neuesten Innovationen aus der Manufaktur FLAIR – made in Germany. Diese Technologie konnten nun die Besucher am Stand von FLAIR ganz genau unter die Lupe nehmen. Mit Begeisterung. Die Technologie im Detail: Ein speziell entwickelter Nylonfaden verbindet die Bügel aus Bio-Steel direkt mit dem Glas und es entsteht eine Brille mit ungewöhnlich hoher Flexibilität und einer Leichtigkeit von nur 3,7 Gramm. Der Nylonfaden ist das Scharnier. Diese raffinierte Technik unterstreicht erneut die führende Position von Flair im Bereich der Randlosbrillen.

Jesper Eriksen: 5 Jahre Garantie auf TMI Fassungen
Die neue auf 1.000 Stück limitierte Kollektion „ARCTIC WHITE“ steht bei MARKUS T. derzeit ganz im Vordergrund. Nomen est omen, die Farben der vier ARCTIC WHITE Modelle sind Eisgrau, Schiefergrau und Schwarz. Zudem hat man mit einem Schweizer Unternehmen neue Kunststoff-Mittelteile entwickelt die TMI getauft wurden. Das neue TMI Material spielt seine Stärken in den Bereichen Flexibilität, Leichtigkeit und Haltbarkeit aus. „Deshalb gibt es auf diese Brillenfassungen sogar 5 Jahre Garantie“, ergänzt Jesper Eriksen. Die neuen TMI Mittelteile sind nicht lackiert sondern durchgefärbt.



