Opta Brünn 2003

Die europäische Union wird schon bald zehn weitere Staaten umfassen. Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Zypern und die Slowakei sollen 2004 in die EU aufgenommen werden. Ein Anlass um über die Grenze zu blicken und der tschechischen Messe OPTA Brünn einen Besuch abzustatten. Das OPTIKUM war für Sie mit Hilfe einer Dolmetscherin vor Ort und hat bei den Ausstellern über deren Produkte Informationen eingeholt.

Etwa
3500 Besucher und 90 Aussteller konnte die Brünner Messe letztes Wochenende
verzeichnen. Im Rahmen der OPTA vom 28.02.-02.03.2003 fand eine internationale
Bildungskonferenz der Lehrer für Optik und Optometrie aus Ost- und Mitteleuropa
statt. Zudem wurde die Jahreshauptversammlung der Vereinigung europäischer
Universitäten mit dem Fachbereich abgehalten. Eines der Themen war die
Einrichtung von Optikkliniken in Schulen. Auch Änderungen in der Gesetzgebung
und im Ausbildungssystem standen an der Tagesordnung. Der SCOO, der Verband
der tschechischen Augenoptiker, informierte über die langjährigen
Bemühungen um eine festere, gesetzliche Verankerung des Berufs Optometrist
näher zu rücken. Der vollwertigen Ausübung dieses Berufs standen
bis jetzt verschiedene Hindernisse im Weg. Der Druck seitens der Ophthalmologen
richtete sich in letzter Zeit auch auf das Hochschulstudium des Faches Optometrie,
für das vom Schulministerium die Akkreditierung eingestellt wurde. „Unserer
Ansicht nach entspricht diese Vorgehensweise nicht dem Trend in der Welt. Die
SCOO setzt sich seit langer Zeit dafür ein, dass der Optometrist in Tschechien
auch selbständig tätig sein und Brillenglasbestimmungen unabhängig
vom Augenarzt durchführen kann. Dies sollte die Novelle des Gesetzes über
die Ausübung des medizinischen Berufs ermöglichen, mit deren Entwurf
sich bereits das Parlament befasst,“ erklärte das Präsidiumsmitglied
Eva Bazgerová. An der Erstellung des Entwurfs war maßgeblich die
SCOO beteiligt. „Der Augenoptiker wurde immer als medizinischer Beruf betrachtet.
Jetzt kamen wir mit dem Gesundheitsministerium darüber überein, dass
es sich um ein Gewerbe handelt, und der Optometrist wird ein medizinischer Beruf
sein, der unserer Meinung zufolge im Idealfall zuerst die Ausbildung des Augenoptikers
erwerben sollte,“ fügte Bazgerová hinzu.

Mit
etwa 2600m2 und hauptsächlich tschechischen Ausstellern ist die Messe vorwiegend
ein Fixpunkt für tschechische Augenoptiker. Auffallend war, dass vor allem
jene Betriebe welche Kontaktlinsen vertreiben sehr an ausländischen Kontakten
interessiert waren. Kleinere Fassungs- und Handelswaren-Lieferanten sahen dagegen
in der EU meist wenig Vorteile und waren oftmals an Verkäufe ins benachbarte
Ausland (noch) komplett desinteressiert. Es gab aber neben den Skeptikern auch
international stark interessierte Optiklieferanten. Wie zu erwarten waren internationale
Konzerne wie Essilor, Rodenstock und Zeiss auch auf der Messe vertreten. Wir
haben uns jedoch primär mit den eher unbekannteren, tschechischen Lieferanten
befasst. Verschaffen Sie sich mit dem OPTIKUM von zu Hause aus selbst einen
Überblick und Eindruck von der Messe.


Zuzana Hausnblasova: „Internationale Firmen stellen
starke Konkurrenz dar“

Bei
ADAM OPTIMART treffen wir Zuzana Hausenblasova, welche großen Wert
darauf legt unabhängig von großen, westlichen Unternehmen zu sein. Die
gleich nach der Wende 1991 gegründete Firma vertreibt neben Fassungen
und Etuis auch das kanadische Putzmittel Multiclean. Letzteres wird bereits
in den europäischen Raum geliefert. „Unmittelbar nach der politischen
Wende im Jahr 1991 war der Vertrieb in der tschechischen Republik wesentlich
einfacher als heute. Die internationalen Firmen stellen mittlerweile eine
starke Konkurrenz dar“, so Hausenblasova.


Milan Horejsi (rechts im Bild): „Sehe EU-Beitritt mit großem
Interesse“

An
westlichen Kontakten ist man beim Ladenbaubetrieb ITOS durchaus
interessiert. Milan Horejsi hat zwar bisher noch keinen österreichischen
Optiker ausgestattet, sieht aber dem EU-Beitritt mit großem Interesse
entgegen. „Bis zum EU-Beitritt stellen jedoch Zoll und Gewerbeberechtigung
starke Hürden dar“, erklärt Horejsi.

Rodenstock
Ing. Hana Theimerova: „Kein Fremdkapital in unserer
Firma“

Der
ehemalige Staatsbetrieb OKULA NYRSKO blickt bereits auf eine 108jährigeTradition
zurück. Bereits 1895 begann die kleine Firma Wilhelm Ekstein & Co. Brillengestelle
aus Nickel, Doublé, Gold, Kautschuk, Horn und Schildpatt herzustellen.
Gegenwärtig werden die Brillengestelle nach mehreren Verfahren produziert.
Kunststoffbrillen werden entweder durch Spritzgießen von Polypropionat
oder durch spanabhebende Verfahren aus Zelluloseazetatplatten hergestellt.
Metallbrillen erhalten auf galvanischem Wege eine Oberflächenbeschichtung,
werden lackiert, eventuell mit Folie überzogen oder handbemalt. „Unsere
rein tschechische Firma kommt ohne Fremdkapital aus“, betont Frau Ing.
Theimerova. OKULA NYRSKO bringt ihre Kollektion auch in firmeneigenen
Verkaufsstellen auf den Markt. Nach Nýrsko (Neuern im Böhmerwald) und
Klatovy (Klattau) wird eine Filiale in Liberec eröffnet. Exportiert wird
rund 30 Prozent in die Slowakei und 10 Prozent in weitere Länder, vornehmlich
Frankreich, Kanada, Polen, Serbien und neuerdings auch Russland. In der
Musterwerkstatt von OKULA NYRSKO wurden auch manuell Brillen gefertigt,
die in den Filmen „Dunkelblaue Welt“ und „Liga der ungewöhnlichen Gentlemen“
mitspielten – dort unter anderem auf der Nase von Sean Connery.


Ing.
Jaromir Kovar: „Export derzeit kein dauerhafter
Geschäftsbereich“

Der
in Turnov ansässige Erzeuger DIOPTRA gehört, mit dem Gründungsjahr
1896, ebenfalls zur alteingesessenen optischen Industrie Tschechiens.
DIOPTRA erzeugt optische Bauteile wie Linsen, Prismen und Spiegel. 1998
wurde der Wechsel von einem Staatsbetrieb in ein Privatunternehmen vollzogen.
Neben den eigenen Produkten vertritt DIOPTRA Hoya in Tschechien. Exportiert
wird vor allem nach Polen, Italien und Deutschland. „Der Export ist aber
derzeit noch kein dauerhafter Geschäftsbereich. Nach einem EU-Beitritt
wird sich dies allerdings ändern. Zur Zeit unterhalten wir noch keine
Geschäftsbeziehungen zu Österreich“, verrät Geschäftsführer Ing. Jaromir
Kovar.


Petr
Cornanic: „EU heißt Tschechien nicht
willkommen“

Die
Wende Anfang der 90er gab auch Petr Cornanic Gelegenheit zu einer Firmengründung.
Sein Betrieb OPTIKA NOVA vertreibt Brillenfassungen und Etuis.
Exportiert wird von OPTIKA NOVA derzeit noch nicht. „Vielleicht wird es
nach einem EU-Beitritt interessanter. Ich bin jedoch zur Zeit nicht optimistisch
was die ersten 10 Jahre nach einem Beitritt zur EU betrifft. Die EU heißt
Tschechien nicht willkommen“, meint Petr Cornanic aus Brünn.


Anna und Pavel Vencbauer: „Fassungen wurden
in Wien CE-zertifiziert“

Bei
WOODPECKER
werden wir von Anna und Pavel Vencbauer begrüßt. Der Fassungsimporteur
vertreibt Fassungen aus Kunststoff und Metall. Erzeugt wird in China.
Stolz ist man auf die Kollektion hochelastischer Titanfassungen. Interesse
an einem Export in EU-Länder ist wohl vorhanden. „Unser chinesischer Hersteller
hat in Ungarn ein Büro und seine Fassungen in Wien bereits CE zertifizieren
lassen“, erzählt uns Pavel Vencbauer. Bei einem Blick auf die Bügel der
Fassungen konnten wir zwar noch kein CE-Zeichen finden. Qualität und Ausführung
der Metallfassungen kann aber allemal mit jener von mitteleuropäischen
Distributeuren mithalten.


Zsolt G. Tapasztö: „Korrektur von
Myopien bis -6,00 mit Ortho-K KL“

Sehr
interessant gestaltete sich das Interview mit Zsolt Tapasztö von TAPASZTO
OPTIC
. Der ungarische Kontaktlinsenvertrieb befasst sich unter anderem
intensiv mit der Ortho-K Anpassung. Tapasztö, selbst Optometrist F.A.A.O.,
setzt voll auf die neue Generation von Ortho-K Linsen. „Wir verwenden
für unsere Ortho-K Kontaktlinsen das Paragon HDS. Das moderne Material
erzielt in Kombination mit der neuen Reverse-Geometrie Erfolge bis sph
-6,00 Dioptrien. Astigmatismen bis -1,75 Dioptrien sind ebenfalls mit
den neuen Ortho-K Geometrien korrigierbar. Zuerst wird ein optimaler Linsensitz
mit Hilfe der zentralen Optikzone erreicht. In Folge wird mit der peripheren
Haptikzone Einfluss auf die Fehlsichtigkeit genommen. Für die Anpassung
dieser Linsen ist ein Topographie-System unbedingt erforderlich. Außerdem
verlangen wir von unseren kontaktlinsenanpassenden Partnern den Besuch
einer speziellen Schulung mit abschließender kleiner Prüfung“, erklärt
Tapasztö. „Die Anpassung ist aufwendig, bietet Fehlsichtigen aber eine
wertvolle Alternative zur Laserchirurgie. Der Endverbraucherpreis ist
aufgrund des hohen Aufwandes auch knapp unter dem Niveau einer refraktiven
Chirurgie. Neben dem Ortho-K Segment vertreiben wir auch alle anderen
Arten von Kontaktlinsen“, so Tapasztö. Aufgrund eines halbjährigen Wien-Aufenthaltes
in der Vergangenheit und eines weiteren Firmensitzes in Wilmington/USA
beantwortet sich die Frage nach einem Interesse internationaler Kontakte
bei TAPASZTO OPTIC von selbst. Zur Zeit sucht Tapasztö übrigens einen
Distributeur für seine Kontaktlinsen in Österreich.


v.l.n.r. Ing. Jaroslav Flek mit Barbara
Belyus (Dolmetsch) und Oliver Svadlenak
(Wiener Optiker)

Am
Stand von OPTIMUM DISTRIBUTION plaudern wir ein wenig über den
tschechischen Kontaktlinsenmarkt. Das Unternehmen vertreibt die Produkte
von Bausch & Lomb in der Tschechischen Republik. Außerdem wird in die
Slowakei und Polen exportiert. „In der Tschechischen Republik tragen etwa
nur 1% der Bevölkerung Kontaktlinsen (Anm. der Redaktion: In Österreich
etwa 2,5% der Bevölkerung bzw. 5% der Fehlsichtigen). Wir decken in der
Tschechischen Republik etwa 30% des Marktvolumens ab. Der Versand von
Kontaktlinsen an Endverbraucher ist in der Tschechischen Republik verboten.
Der noch geringe Anteil an Kontaktlinsenträgern läßt auf ein hohes Potential
für die Vergrößerung des Marktes in der Zukunft hoffen.“, resümiert Flek.


Karel und Mgr. Blanka Tomancak: „Weiche
Kontaktlinse für Keratokonus-Anpassung“

Im
Pressecenter der OPTA treffen wir uns mit Karel Tomancak und seiner Tochter
Mgr. Blanka Tomancakova von ARGOLENS. Die Firma, mit dem Sitz in
Olmütz, beschäftigt sich mit Distribution von Kontaktlinsen in Zentraleuropa
und vertreibt Linsen der Firmen Ultravision und Cantor + Nissel. Außerdem
ist Argolens auf das Coaching von Kontaktlinsenoptikern bei aufwendigen
Anpassungen spezialisiert. Alle Kontaktlinsen sind CE-zertifiziert. „Manchmal
kann ein Keratokonus nicht mit formstabilen Kontaktlinsen versorgt werden
– etwa bei einer Keratoplastik oder bei erhöhter Sensibilisierung. Unsere
weiche Kontaktlinse Igel Kerasoft hilft bei der Korrektion eines Keratokonus.
Das Linsenmaterial ist deutlich stabiler als herkömmliche Weichlinsenmateialien“,
so Tomancak. Neben herkömmlichen formstabilen Kontaktlinsen bietet Argolens
auch eine Tauschlinse an, welche besonderen Augenmerk auf die Korrektion
der Abbildungsfehler höherer Ordnungen legt. „Die mittlere quadratische
Abweichung bzw. Standardabweichung der Wellenaberrationen höherer Ordnungen
ist bei der Tauschlinse Specialty Select (SA = 0,16 µm) nur halb so groß
wie bei üblichen Kontaktlinsen-Systemen (SA = 0,31 µm)“, betont Tomancak.


Das Team von Alfred Servis – links im Bild
Tatjana Skopljak

Ein
junges Team finden wir am Stand von ALFRED SERVIS
vor. Das Hauptgeschäft wird mit Werkzeug, Schleifautomaten
und Laborgeräte gemacht. Zusätzlich bietet ALFRED
SERVIS Fassungen und Brillengläser an. „Derzeit
liefern wir nur in der Tschechischen Republik. In der
Vergangenheit wurde bereits versucht auch zu exportieren.
Leider hat es nicht geklappt“, erklärt uns Tatjana
Skopljak.


Simona Baldova: „Im Westen sind andere
Etuidesigns gefragt“

Etuis,
Fertiglesebrillen und Brillenfassungen fanden wir bei FEBA TURNOV.
Frau Simona Baladova beantwortet unsere Fragen. „Der Westen ist an anderen
Arten von Etuidesigns interessiert. So exportieren wir nur in die Slowakei.
In der Tschechischen Republik beliefern wir 90% der Augenoptiker, da nicht
viele Etuihändler anbieten“, gibt sich Baladova sicher. Bei FEBA TURNOV
ist man sich aber noch nicht ganz so sicher ob ausländische Kontakte von
Interesse sind.


Ing. Jiri Peterka: „Schwerpunkt bei
Gleitsichtgläsern“

Ganz
anders bei OMEGA OPTIX. Der Brillenglashersteller exportiert neben
der Slowakei auch nach Deutschland und Frankreich. Das Unternehmen ist
seit 1993 am Markt, ab 1999 mit eigener Erzeugung. OMEGA OPTIX ist der
tschechische Vertriebspartner von NIKON. Veredelungen werden mit Technologien
von Satis Vacuum erzielt. Ab 2001 wurde der Bereich Geräteoptik ergänzend
in das Unternehmen integriert. „Wir sehen einen Schwerpunkt in der Erzeugung
von Spezialprodukten wie Brillengläser mit progressiven Flächendesigns“,
erklärt Ing. Jiri Peterka.


Thomas
Scheibl bereits seit 10 Jahren mit TS Optik
in Tschechien vertreten

Als
einziger österreichischer Lieferant stellt TS OPTIK auf der OPTA
Brünn 2003 aus. TS OPTIK ist nun schon 10 Jahre am tschechischen Markt
präsent und bietet den Optikern in unseren Nachbarland seine bewährte
Geräteoptik an. Wir baten Thomas Scheibl um eine Einschätzung des tschechischen
Marktes. „In der Tschechischen Republik gibt es etwa 700 Outlets. Zusätzlich
die Ketten Fokus und Grand Vision 01 (Anm. der Redaktion: 64 Filialen
von Fokus Optik, 4 Outlets von Grand Vision 01). Das Niveau der Ausbildung
zum Optiker und der Weg zur Gewerbeausübung ist sehr unterschiedlich.
Die Kaufkraft ist in den Städten ungleich höher als bei der Bevölkerung
am Land. Der Anteil an mineralischen Brillengläsern ist noch deutlich
höher als jener der organischen Brillengläsern. Der Anteil von Gleitsichtgläsern
ist noch sehr gering. Die OPTA ist eine Ordermesse, aber dieses Jahr ein
wenig gegenüber den Vorjahren geschrumpft. Der Freitag war relativ ruhig,
dafür war die Besucherfrequenz am Samstag sehr zufriedenstellend“, meint
Scheibl.


Stoffbrille mit Zipp

Kreativität
bewiesen Studenten und junge Designer. 46 Personen entwarfen 59 Kreationen
im Rahmen eines Designwettbewerbes.


Mützenbrille 2003

Der
Wettbewerb „Brille 2003“ soll aufzeigen, dass die Brille nicht nur ein
Accessoire, sondern auch eine Botschaft der Person sein kann, die auf
diese Weise ihren Charakter, ihre Energie und ihr intellektuelles Niveau
kommuniziert. Unter den Entwürfen der Mittelschüler, die durchwegs experimentell
mit Materialien arbeiteten, fanden sich interessante Modelle wie die in
eine Mütze integrierte Brille oder Werkstoffe wie Stoffe mit eingearbeiteten
Reißverschlüssen.