Optometrisches Screening – ein neues Standardwerk der Optometrie

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Andreas Berke hat ein umfassendes Buch zum Thema „Optometrisches Screening“ verfasst, welches im DOZ Verlag erschienen ist. Dieses Buch ist nicht nur fachlich brandaktuell. Es passt auch gesellschaftpolitisch, da sich die Rolle des Bürgers im Gesundheitswesen massiv gewandelt hat. Patienten wollen vermehrt in an Entscheidungsprozessen hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes beteiligt sein. Dadurch entsteht ein deutlich höheres Informationsbedürfnis gegenüber der Vergangenheit.

Das Screening durch Augenoptiker und Optometristen im Rahmen der Brillenglasbestimmung und Kontaktlinsenanpassung erfüllt dabei einen nicht zu unterschätzenden ökonomischen Auftrag in unserer Gesellschaft, welcher in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Früherkennung durch optometrisches Screening

Der Leser erhält am Beginn des Werkes Informationen zu den allgemeinen Grundlagen des Screenings. In diesem Zusammenhang weist Berke auf die Bedeutung der Prävention hin. Eine Vermeidung von Erkrankungen und die Verminderung von Risikofaktoren ist auch Aufgabe von Augenoptiker und Optometristen. Screeningteste müssen laut der WHO sieben Kriterien erfüllen: Einfachheit, Akzeptanz der Klienten, Genauigkeit, Kosten/Nutzen-Verhältnis, Reproduzierbarkeit, Sensitivität, Spezifität und einen Einsatz bei Pathologien wo Screenings sinnvoll sind. Hessel und Wasem haben so zum Beispiel den finanziellen Nutzen am Beispiel der Tonometrie im Zusammenhang mit der Glaukomfrüherkennung durch Augenoptiker und Optometristen anhand 3 Millionen deutscher Augenoptikerkunden ausgerechnet. Etwa 185 Millionen Euro Screeningkosten stehen demnach 720 Millionen Ersparnis durch vermiedene Erblindungen gegenüber.

Zentrale Sehschärfe

Ein Schwerpunkt des Buches ist die wahrscheinlich am häufigsten überprüfte Sehfunktion: die zentrale Sehschärfe. Berke erklärt die unterschiedlichen Sehschärfendefinitionen und Pathologien, die zu einer deutlichen Reduktion der zentralen Sehschärfe bzw. zu einer Veränderung des Augenbrechwertes und damit der Fernpunktrefraktion führen können. Anschließend wird die Akkommodation und das Nahsehen betrachtet. Neben umfassenden Grundlagen werden auch in diesem Zusammenhang Pathologien und Medikamente angeführt, die eine Akkommodationsstörung auslösen können.

Binokulares-, Farb-, und Kontrast-Sehen

Augenoptiker und Optometristen sind bestrebt mit ihren Korrekturen ein gutes Stereosehen zu ermöglichen. Berke vermittelt unter anderem die Grundlagen des Binokularsehens und erklärt verschiedene Stereotests. Im nachfolgenden Kapitel zum Thema Farbsehen wird die Physiologie des Farbsehens, Tests zum Aufdecken von Farbsinnstörungen und mögliche Beeinträchtigungen analysiert. Wie in den Kapiteln zuvor werden auch hier Medikamente und Stoffe gelistet, die zu einer temporären oder dauerhaften Farbsinnstörung führen können. Als weiteren wesentlichen Bestandteil der visuellen Funktion erklärt der Autor im Kapitel des Kontrastsehens unter anderem den Zusammenhang von Kontrast und Ortsfrequenzen und den Einfluss von Pathologien auf die Kontrastempfindlichkeit. Trübungen der Augenmedien, Medikamente, neurologische Erkrankungen und Netzhauterkrankungen können zu einem erhöhten Blendungsempfinden führen. Neben den pathologischen Ursachen werden auch die unterschiedlichen Auswirkungen einer Blendung behandelt.

Perimetrie, Tonometrie, Pupillenmotorik und Augenbewegung

Im Kapitel Perimetrie beschreibt der Autor zuerst den Verlauf der Nervenfasern in der Netzhaut und die Sehbahn zum Gehirn. Desweiteren werden ausführlich unterschiedliche Möglichkeiten der Perimetrie und Indizes erklärt. Gesichtsfeldausfälle werden klassifiziert dargestellt und möglichen Pathologien zugeordnet.

Auch die Tonometrie gehört immer häufiger zu den Standardmessungen der hiesigen Optometristen. Berke erläutert die Physiologie des Augendrucks, Pathologien welche einen erhöhten Augendruck verursachen und verschiedene Arten der Druckmessung.

Störungen der Pupillenmotorik sind durch geübte Augenoptiker und Optometristen bei jeder Brillenglasbestimmung oder Kontaktlinsenanpassung schnell zu erfassen. Der Autor zeigt verschiedene Möglichkeiten die Pupillenmotorik zu testen und gibt einen Überblick über unterschiedliche Pupillenstörungen. Störungen der Augenbewegungen können ebenfalls rasch erfasst werden. Berke erklärt Tests und Pathologien die Störungen zugeordnet werden können.

Ophthalmoskopie und Spaltlampenuntersuchung

Neben einem kurzen Abriss der Fundusanatomie werden die Möglichkeiten der Ophthalmoskopie und häufigere pathologische Erscheinungsbilder übersichtlich dargestellt. Im Kapitel der Spaltlampenuntersuchung befasst sich der Autor mit den Auffälligkeiten des vorderen Augenabschnittes. Auch die Messung der Vorderkammertiefe nach dem van-Herick-Verfahren findet sich in diesem Teil des Werks.

Tipps und mathematische Grundlagen

Am Ende des Buches finden sich noch praxisnahe Tipps zur Durchführung eines optometrischen Screenings und mathematische Grundlagen zum Screening. Ein Literatur- und Stichwortverzeichnis komplettiert das vorliegende Werk.

Zusammenfassung

Dem renommierten Optometristen Andreas Berke ist mit seinem 562 Seiten starken Buch ein deutschsprachiges Standardwerk der Optometrie gelungen. Es wird allen in Ausbildung stehenden und den praktizierenden Optometristen als Lehrbuch und zum gezielten Nachlesen dienen. Die anschauliche und übersichtliche Aufarbeitung verdient Anerkennung und Lob. Das im DOZ Verlag erschienene Buch kostet 59,90 Euro und kann bequem online bestellt werden.