Bericht zur 74. SBAO Fachtagung in Bern

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20180319 74. SBAO Kongress

Mit Schweizer Präzision organisiert und mit einem äußerst interessanten Vortragsspektrum wartete der Schweizerische Berufsverband für Augenoptik und Optometrie letztes Wochenende mit einer zweitägigen Fachtagung in Bern auf. Die Anreise für die etwa 230 Teilnehmer/innen hatte sich sicher gelohnt – Prädikat empfehlenswert.

Armin Duddek und Michael Goldschmidt

Zur Eröffnung der Veranstaltung wurde Michael Goldschmidt von SBAO Präsident Armin Duddek für sein langjähriges Engagement im Schweizerischen Berufsverband für Augenoptik und Optometrie geehrt. Danach folgten zwei Tage hochwertige Vorträge, welche  die Themen Kontaktlinsenoptik, Sportoptometrie, Kinderoptometrie, Einfluss des Blaulichts auf den Menschen, Gleitsichtglastechnologien und beleuchtungstechnische Aspekte bei der Refraktion beinhalteten. Im Nachfolgenden finden Sie eine Zusammenfassung der einzelnen Vorträge vom optikum.  

Ian Cameron
Ian Cameron: „Ist es an der Zeit, sich beim Verbessern von Kontaktlinsen auf Kundenerfahrungen zu fokussieren – nicht nur auf die Kontaktlinsen selbst?“

Ian Cameron, Managing Director der in Edinburgh ansässigen Cameron Optometry Ltd, betrachtete in seinem Vortrag die Perspektiven in der aktuellen Entwicklung von Kontaktlinsensystemen. Er hinterfragte die aktuelle Fokussierung der Industrie auf minimale Produktunterschiede und regte mit Hilfe mehrerer Beispiele an, stattdessen die Anforderungen der Kontaktlinsenträger/innen mehr in den Vordergrund zu stellen.

Frank WidmerDipl. Ing. Frank Widmer: „Wissenswertes und KL-Anpassung nach LASIK“

Dipl. Ing. Frank Widmer referierte zu Kontaktlinsenanpassungen nach LASIK. Eine besondere Herausforderung, da diese nicht jeden Tag vorkommen. Der Vortrag beleuchtet die aktuellen Verfahren der refraktiven Hornhautchirurgie. Auch zeigte Widmer, welche Probleme und Nebenwirkungen durch eine LASIK entstehen können. Der Vortragende sensibilisierte, wann eine Kontaktlinsenversorgung sinnvoll ist und welche Kontaktlinsentypen dazu dann in Frage kommen.

Stefan FacherDipl. Ing. (FH) Stefan Facher: „Hybridlinsen – Das Beste aus zwei Welten“

Hybridkontaktlinsen verbinden die Eigenschaften formstabiler und weicher Silikonhydrogel-Kontaktlinsen in einem Stück. Produktionsleiter Dipl. Ing. (FH) Stefan Facher informierte über aktuelle Strategien, die Optik von formstabilen Kontaktlinsen mit dem Tragekomfort von weichen Kontaktlinsen zu kombinieren anhand einer konkreten Bauform.

Andy Dätwyler
Andy Dätwyler, MSc: „Myopie Management“

Optometrist Andy Dätwyler, MSc ist unter anderem dafür bekannt, dass er das „Myopia Profile“ auf Deutsch übersetzt hat. Es handelt sich dabei um eine Endverbraucherplattform im Internet, in dem man sich zum Risiko einer Myopieprogression informieren kann. In seinem Vortrag referierte er zu den aktuellen Erkenntnissen im Myopie Management.

Bernd WillerAugenoptikermeister Bernd Willer: „Mehr Spass und Erfolg mit der Sportoptik“

Mit der Aufforderung mehr Profil zu zeigen, startete Augenoptikermeister Bernd Willer seine Begeisterung und Motivation zum Thema Sportoptik. Der Vortragende berichtete über Chancen und das oftmals unterschätzte Potenzial im Falle einer sportoptischen Spezialisierung. Willer gab einen Überblick über die ersten Schritte zu einer erfolgreichen Spezialisierung und skizzierte unter anderem auch einen Leitfaden für zielführende Beratungs- und Verkaufsgespräche.

Johannes HoffmannDipl. Ing. (FH) Johannes Hoffmann: „Zukunft der Sportbrillengläser“

Für den Referenten Dipl. Ing. (FH) Johannes Hoffmann gibt in der Brillenoptik kein anspruchsvolleres und gleichzeitig mit so viel Spass und Leidenschaft verbundenes Produkt, wie Sportbrillen. Er gab in seinem Vortrag unter anderem Einblicke für die optimale Beratung, der Erfassung von Individualparametern, der Auswahl der Optik, unterschiedliche Materialanforderungen, die Brillenglasfertigung und gängige Filtertechnologien.

Friedemann BruskeFriedemann Bruske: „Kinderbrillen – viel mehr als nur klein“

„Kinder und Kinderbrillen werden in der Augenoptik eher als Stiefkind behandelt“, resümierte Augenoptikermeister Friedemann Bruske, „sie sind ein Nischenprodukt“. Bruske überzeugte in seinem Vortrag, dass man mit dem Verkauf von Kinderbrillen Erfolg haben und dies auch nachhaltig zum Unternehmensgewinn beitragen kann. Der Referent zeigte auf, was am Weg zum Erfolg wichtig oder eher unwichtig ist und welche besonderen Fachkenntnisse dazu dienlich wären.

Prof. Hannu LaukkanenProf. Hannu Laukkanen: „Wesentliches für Optometristen bei kindlichen Gehirnerschütterungen“

Zum Thema Gehirnerschütterungen bei Kindern und Jugendlichen und den damit zusammenhängenden okulären Auswirkungen, referierte Prof. Hannu Laukkanen von der Pacifik University Oregon in seinem äußerst spannenden Vortrag. Er veranschaulichte die Auswirkungen, die selbst bei leichten Gehirnerschütterungen entstehen können. Sie zeigen im schlimmsten Fall ein Leben lang Auswirkungen. Diese Folgen können auch das visuelle System betreffen und stellen damit eine Herausforderung in der optometrischen Praxis dar. Laukkanen schärfte den Blick auf Symptome und Zeichen und bot dem Auditorium auch einen Ausblick auf aktuelle Strategien bei Gehirnerschütterungen.

Eveline Gentile
Dipl. Orthoptistin Eveline Gentile: „Vertikale Phorie – wie weiter?“

„Horizontale Heterophorien kommen häufig vor und sind meistens harmlos. Bei vertikalen Phorie können die Ursachen jedoch recht umfassend sein“, berichtete Orthoptistin Eveline Gentile vom Inselspital Bern bei Ihrem Vortrag zum Binokularsehen. Im Rahmen ihres Vortrages zeigte Sie unter anderem unterschiedliche Syndrome und deren okulären Auswirkungen mit vertikalen Augenabweichungen auf. Gentile brachte dazu anschauliche Videos mit und erklärte unter anderem ausführlich die Nutzung des Motilitätstests und notwendige Abgrenzungen zu Pathologien.

Volkhard Schroth
Volkhard Schroth, B.Sc. (optom): „Das optimale Prisma – Realität oder Wunschvorstellung?“

Mit der Aussage, dass „je nach Untersuchungsmethode unterschiedliche Prismenwerte gemessen werden können“, eröffnete Volkhard Schroth, Dozent der Fachhochschule Nordwestschweiz sein Referat. „Das optimale Prisma gibt es nicht“, verriet Schroth gleich zu Beginn seines Vortrages. Er riet dem Auditorium zur Verordnung von Korrektionsprismen nicht nur assoziierte Testmethoden wie die MKH zu verwenden, sondern immer auch mit dissoziierten Testmethoden ohne Fusionsanreiz zu messen. Im Weiteren seines Vortrages brachte er – anhand von Fallbeispielen – Vergleiche von unterschiedlich hoch gemessenen Prismenwerten mit Hilfe etablierter Methoden.

Dr. sc. hum. Arne Ohlendorf
Dr. sc. hum. Arne Ohlendorf: „Licht und okulare Gesundheit“

Zum Thema „blaues Licht“ und deren Auswirkungen auf das Auge, sowie auf das allgemeine Wohlbefinden referierte Dr. sc. hum. Arne Ohlendorf, Leiter des Zeiss Science Lab. Er berichtete über diesbezügliche, aktuelle Forschungsergebnisse mit Hinblick auf die Augengesundheit, über das Risiko zur Entwicklung von Augenerkrankungen aufgrund hoher Lichtexposition, sowie über den Einfluss von blauem Licht auf den Tag- Nachtrhythmus.

Prof. John Lawrenson
Prof. John Lawrenson, MSc, PhD, FCOptom: „Blaulicht filternde Brillengläser: verschreiben oder nicht verschreiben“

Kritisch beäugte John Lawrenson, Professor of Visual Science der City University of London,  das Thema Blaulicht und Auge. Er berichtete unter anderem über in diesem Zusammenhang nicht haltbare Werbeaussagen – konkret zu blauem Licht und digitalen Geräten. So wurde von der britischen Optometristenvereinigung GOC für eine falsche Werbeaussage kürzlich eine Strafe verhängt. Der Vortragende mahnte, dass ungeachtet der Schutzwirkung solcher Gläser, Mutationen in der Farbwahrnehmung, Sehschärfenreduzierungen unter skotopischen Bedingungen und Veränderungen im Tag- Nacht-Rhythmus beachtet werden müssen. 

Coralie Barrau, Bert-Elmar Pawlow, John Lawrenson, Arne Ohlendorf, Manuel Kovats

Prof. John Lawrenson, SBAO Moderator Manuel Kovats, MSc, Dr. Arne Ohlendorf, Coralie Barrau (Essilor) und Bert-Elmar Pawlow (technisches Marketing bei HOYA/Knecht & Müller) führten im Anschluß eine Podiumsdiskussion zum Thema „Blue Light Panel“.

Optometrist Harald Belyus, MScHarald Belyus, MSc: „Beleuchtungstechnische Aspekte in der Refraktion“

„Aktuell ist eine Überarbeitung der Norm DIN EN ISO 8596 zur Brillenglasbestimmung im Gange“, berichtete Harald Belyus, MSc, Optometrist und Geschäftsführer der Wiener Ausbildungsstätte OHI. In der aktuellen, gültigen Norm sind neben vielen Aspekten noch die ausgehenden Leuchtdichten innerhalb des 10° und außerhalb des 10° Gesichtsfeldes vom Probanden geregelt. Eine vorgeschriebene Beleuchtungsstärke – also jene Lichtenergie die beim Probanden ankommen darf – findet sich allerdings nicht in der Norm.  In der überarbeiteten, noch nicht gültigen Norm findet sich noch weniger konkretes Zahlenmaterial zur Beleuchtung im Refraktionsraum, kritisierte Belyus. Die Empfehlungen in der Fachliteratur zur „richtigen“ Beleuchtungsstärke in einem Refraktionsraum sind relativ unterschiedlicher Natur. Die Ratschläge reichen von „Tageslichtbeleuchtung“ bis hin zu „gerade noch Lesen können“. Belyus gab einen Überblick zu Studien und Ratschläge für die Beleuchtung im Refraktionsraum.

Johannes Schubart, MScJohannes Schubart, MSc: „Moderne Brillenglasberechnung – Ist das volle Potential tatsächlich bereits ausgeschöpft?“

„Bei der Brillenglasoptimierung hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten einiges getan“, so Rodenstock Produktmanager Johannes Schubart, MSc. Brachten vor allem die Freiformtechnologie der Jahrtausendwende und die danach eingeführte Berücksichtigung individueller Parameter entscheidende Verbesserungen mit sich, so stehen heute neue Herausforderungen an. Der Vortragende verwies darauf, dass die Berechnung von Gleitsichtgläsern anhand des normativen Gullstrandsauges im Premiumsegment unzureichend sei. Der Nutzen einer diesbezüglichen individuellen Messung von Vorderkammertiefe, Topografie der Hornhaut und Aberrationen höherer Ordnung nebst Berücksichtigung dieser Werte in der Gleitsichtglasproduktion wurde vorgestellt.

Andrea SedlakQualitätsmanagementbeauftragte Andrea Sedlak: „Die Kunst des gemeinsamen Nenners“

Modernde Gleitsichtgläser führen bei Berücksichtigung individueller Parameter zu breiteren Sehbereichen und höherer Verträglichkeit. Augenoptikermeisterin und Qualitätsmanagementbeauftragte Andrea Sedlak hinterfragte in ihrem Vortrag die Abweichungen von den ursprünglich gemessenen Parametern bei der letztendlich abgegebenen Brille. Diese Differenzen können zum Beispiel dadurch entstehen, dass beim Messen Planscheiben in der Brille montiert waren, das abgegebene Brillenglas jedoch je nach Wert eine deutlich andere Basiskurve aufweist. Sedlak sah in der umfassenderen Berücksichtigung der technischen Fassungsparameter in der Gleitsichtglasfertigung ein weiteres Entwicklungspotential.

Diskussion Harald Belyus Manuel Kovats Andrea Sedlak Johannes Schubart

Harald Belyus, MSc, SBAO Moderator Manuel Kovats, MSc, Andrea Sedlak und Johannes Schubart, MSc (Rodenstock Produktmanager) führten im Anschluß eine Podiumsdiskussion zu ihren Vortragsthemen.

Nächste SBAO Tagung im September 2018

Die kommende 75. SBAO- Fachtagung mit Workshop findet von Sonntag, 16. September bis Montag, 17. September 2018 im Swissôtel, Zürich-Oerlikon statt. Der Anmeldeschluss endet am 4. September 2018.
 


Das optikum dankt dem SBAO Vorstandsmitglied, Augenoptikermeister Alexander Tsiounis für die Zurverfügungstellung der Tagungsfotos!