Seminarbericht zum Tag der Augenoptik und Optometrie

Über 70 Teilnehmer pilgerten am 24. März nach Mondsee, um sich über neue Erkenntnisse in der Augenoptik und Optometrie zu informieren. Landesinnungsmeister KommR Peter Gumpelmayer begrüßte die anwesenden Tagungsteilnehmer und bedankte sich bei der Firma Silhouette, die auch heuer wieder das Tagungsbuffet zur Verfügung stellte. Tagungsorganisator Dr Johann Klein* freute sich, dass sein Aufruf aus 2017 „voneinander lernen und miteinander arbeiten“ erhört worden ist und begrüßte Referenten aus der Ophthalmologie, der Forschung und den verschiedenen Disziplinen der Augenoptik/Optometrie.

Im ersten Vortrag von Dr. Peter Gorka, Augenarzt, wurde den Teilnehmern ein Update in Sachen Myopieregulation gegeben. Weltweit nimmt die Kurzsichtigkeit immer mehr zu und Gesundheitsberufe sind gefordert, entsprechende Mittel und Wege zu finden, um dieser Entwicklung möglichst effektiv entgegenzuwirken. Studien zeigen, dass ein Aufenthalt im Freien von mindestens zwei Stunden am Tag in hohem Maße vor der Entwicklung einer Myopie schützt. Bei bereits vorhandender Kursichtigkeit sind Ortho K, weiche multifokale Kontaktlinsen und niedrig dosiertes Atropin geeignete Methoden um das Fortschreiten der Myopie einzubremsen.

„12 Stunden den Bildschirm vor Augen und dann ?“ fragten Josefine Dolata MSc und Philipp Hessler MSc , beide Optometristen und Doktoranden an der FH Jena. Sie präsentierten Ihre Forschungsergebnisse und gaben Tipps für die Arbeit am Bildschirmarbeitsplatz. Die Referenten gaben zu bedenken, dass aufgrund des hohen Blaulichtanteils von Tablet u. Co die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird, was sich wiederum störend auf den circadianen Rhythmus auswirkt. Am besten wäre es auf Bildschirmarbeit vor dem Schlafengehen zu verzichten. Es wurde auch gezeigt, dass das andauernde Arbeiten am Bildschirm Stress für unser visuelles System bedeutet und sich dadurch Refraktionsstatus transient verändern kann.

Oliver Kolbe, M.Eng, ebenfalls Optometrist und Doktorand an der FH Jena, referierte über seine Forschungsergebnisse zum Thema „ Presbyopie und Bildschirmarbeit“. Kaum zu glauben ist es, dass ein hoher Anteil der Computernutzer von Ihrem Augenoptiker/Optometristen oder Augenarzt nicht darüber aufgeklärt wurde, dass es spezielle Bildschirmbrillen gibt. Es wurde mittels einer groß angelegten Studie gezeigt, dass nur die speziell für die Bildschirmarbeit konzipierte Nahbrille für die Arbeit am Monitor geeignet ist. Ebenfalls wurde die Problematik des Sehens und die Prävalenz des Computer Vision Syndroms thematisiert.

Die Netzhaut bietet einen freien Blick auf die Gefäße. Diesen Umstand macht sich die Firma Imedos Systems zunutze und entwickelte eine Software, die es erlaubt die retinalen Gefäße sehr genau zu analysieren, um Rückschlüsse eventuell vorhandene Augen oder Allgemeinerkrankungen zu ziehen. Cornelia Schmidt, MSc, Optometristin und Applikationsmanagerin der Firma Imedos, führte die Tagungsteilnehmer in diese neue Technologie ein.

Vor der Mittagspause wurden die anwesenden Sieger des Landeslehrlingswettbewerbes, Johanna KARL und Oliver Kastner, Optik Orso GmbH, von Landesinnungsmeister KommR Peter Gumpelmayer und Bundesinnungsmeister Dr. Markus Gschweidl, ausgezeichnet.

Nach der Pause ging es dann mit optometrischen Praxisfällen weiter. Dr Johann Klein*, Optometrist, präsentierte Fälle von Patienten mit einer Cornea Guttata und erklärte in diesem Zusammenhang, dass das Erkennen einer solchen Hornhautveränderung eine entsprechend akribische Untersuchung mit geeigneter Beleuchtung und Vergrößerung voraussetzt. Wichtig ist auch in diesen Fällen, ein hochsauerstoffdurchlässiges Material anzupassen, da es sonst zu einer zusätzlichen Endothelveränderung und vorübergehenden Hornhauteintrübung kommen kann.

Peter Gumpelmayer, B Optom EurOptom, berichtete über eine Patientin mit akuter Sehverschlechterung, die an einem Freitagnachmittag bei Ihm im Geschäft erschien. Es zeigte sich eine massive Einblutung aufgrund einer diabetischen Retinopathie. Die Klientin wurde sofort in die Klinik überwiesen. Leider gab es weder von der Klinik noch von der Patientin eine Rückmeldung über den weiteren Verlauf. „In solchen Fällen wäre ein kurzes Feedback hilfreich“, so der Referent und plädierte für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Ophthalmologen und Optometristen/Augenoptiker.

Daniel Eckstein, BSc, Optometrist, erläuterte in seinem Vortrag „Strategien zur Myopiekontrolle“ ebenfalls die neuen Erkenntnisse zum Thema Myopie. Verschiede Tools zur Risikoberechnung und Strategien zum Einbremsen einer Myopieprogression wurden vorgestellt.

Dipl. Ing. (FH) Gustav Pöltner, Optometrist, zeigte, dass es auch bei Tageslinsen zu massiven Beeinträchtigungen des Auges kommen kann, wenn diese nicht richtig auf das Auge passen. „Generell wäre es für die Anpassung von Weichlinsen wichtig, dass der Hersteller die Scheiteltiefe der jeweiligen Kontaktlinse angeben würde“, so der Vortragende. Eindrucksvoll präsentierte der Referent anschließend auch gelungene Speziallinsenanpassungen, bei denen wohl einige Anpasser und Hersteller das Handtuch geworfen hätten. Am Schluss wurde noch der neue Fachhochschullehrgang Augenoptik an der Fachhochschule für Gesundheit in Innsbruck vorgestellt. 

*Aus rechtlichen Gründen weist der Autor, die Fachgruppe der Gesundheitsberufe Oberösterreich darauf hin, dass dieses wissenschaftliche Doktorat nicht zur Ausübung des Arztberufes in Österreich berechtigt.

Fotos: Mag. Bernhard Steiner, Ordinationstechnik