Welche Vorteile haben Kontaktlinsen beim Sport?

Obwohl sich von der Entwicklung her in den letzten Jahrzehnten sehr viel im Bereich der Kontaktlinsenmaterialien und auch des Zubehörs (wie z.B. Kontaktlinsenpflegemittel, Reinigungsgerät, etc.) getan hat und immer mehr Menschen Sport treiben, steigen die Zahlen der Kontaktlinsenträger kaum an. Wenn man sich fragt woran das liegt, dann wird man nach einiger Recherche herausfinden, dass ca. 30 bis 40% der Fehlsichtigen ihren Sport völlig ohne Korrektur betreiben, wodurch automatisch die Unfallgefahr steigt.

Was kann der Anpasser und Kontaktlinsenträger tun, um die Freude an Kontaktlinsen möglichst lange zu erhalten?

In vielen Fällen ist das Aufsetzen der Brille lästig, und Kontaktlinsen wurden noch gar nicht ausprobiert. Interessanterweise darf man bei entsprechender Sehschwäche ohne Korrektur kein Fahrzeug führen, allerdings ist es erlaubt Ski zu fahren oder auch andere Sportarten „ohne“ zu betreiben. Nicht nur die Sehleistung steigt durch geeignete Kontaktlinsen, sondern auch die sportliche Leistungsfähigkeit kann um einige Stufen verbessert werden, was dann wiederum mehr Spaß und Erfolg beim Sport bedeutet.

Wie funktioniert der Stoffwechsel am Auge und beim Sport?

Die Hornhaut bezieht den notwendigen Sauerstoff für ihren Stoffwechsel in erster Linie über die Atmosphäre und erst in zweiter Linie von innen mit Hilfe des Kammerwassers. Ungefähr 85% des Gesamtstoffwechsels am Auge finden im anaeroben Bereich, d.h. unter Sauerstoffmangel statt. Dafür wird bereits im Ruhezustand relativ viel Glukosezufuhr benötigt. Nur 15% des Stoffwechsels spielt sich im aeroben Bereich ab, der dafür 18-mal mehr Energie liefern kann als der anaerobe Stoffwechsel. Bei sehr starker Belastung, wie z.B. bei Sport leert sich der Glykogenspeicher (Glukoselieferant) durch anaeroben Stoffwechsel automatisch sehr schnell. Die Folgeerscheinungen sind Hornhaut-Trübungen wegen verstärkter Ödembildung und Ansammlung von Stoffwechselendprodukten. Verantwortlich dafür ist das Hornhaut-Endothel, dessen Aufgabe es ist die Transparenz der Cornea zu gewährleisten. Durch aktive Dehydratation (durch „Abpumpen“) der Flüssigkeit wird dies realisiert. Nur wenn der Stoffwechsel optimal funktioniert und somit ausreichende Versorgung mit Glukose und Sauerstoff gewährleistet ist, können sich alle Gewebearten der Hornhaut regenerieren. Da Fruktose physiologisch gesehen auch ein Glukoselieferant ist, kann eine Einnahme von Fruktose (Traubenzucker), die sehr schnell in Glukose gespalten wird, beim Sport nicht nur für die Augen hilfreich sein.

Der Stoffwechsel der Hornhaut

aerob
(15% des Gesamtstoffwechsels)
Pfeil
Stärke (Glykogen)
Pfeil
Stärkeabbau in Glukose
Pfeil
(oder Fruktose) => Glukose
(ca. 10% des Stoffwechsels)
Pfeil
Zitronensäurezyklus
Pfeil
Atmungskette
Pfeil
Kohlendioxid und Wasser

= 36 Energieeinheiten

anaerob
(85% des Gesamtstoffwechsels)
Pfeil
Stärke (Glykogen)
Pfeil
Stärkeabbau in Glukose
Pfeil
(oder Fruktose) => Glukose
(ca. 85% des Stoffwechsels)
Pfeil
Laktat (Milchsäure)

= 2 Energieeinheiten

Regenerations-Stoffwechsel der Hornhaut
(ca. 5% des Stoffwechsels)

D. Schnell, Sport mit Kontaktlinsen, Sonderdruck aus ZPA, Kadenverlag, 2003

Warum ist das Hornhaut-Endothel am meisten gefährdet?

Die Aufgaben des Endothels sind äußerst vielfältig. Es ist nicht nur für den Wassergehalt der Hornhaut verantwortlich, sondern versorgt auch noch die Cornea mit Glukose, füllt die Glykogenreserven wieder auf und transportiert Stoffwechselendprodukte wie Laktat (Salz der Milchsäure) und Kohlendioxid über die Vorderkammer ab. Das Endothel besitzt fatalerweise keine Regenerationsfähigkeit und ist somit einem „gewissen natürlichen Verschleiß“ unterworfen. Allerdings kann es auch durch Unterversorgung mit Sauerstoff zu Zellverlusten kommen.

Gesundes Endothel mit unterschiedlicher Ausgangszellzahl (genetisch bedingt):

Endothel
Gesundes Endothel von fünfjährigen
(200fache Vergrößerung: Links 2312 Zellen/qmm; rechts 3831 Zellen/qmm
aus: Dieter Schnell,“ Das kann ins Auge gehen“, Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Köln

Krankes Endothel aufgrund von Unterversorgung:

Endothel
Krankes Endothel
(200fache Vergrößerung: Links 451 Zellen/qmm; rechts 616 Zellen/qmm
aus: Dieter Schnell,“ Das kann ins Auge gehen“, Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Köln

Wie hoch muss nun die Sauerstoffdurchlässigkeit einer Kontaktlinse sein, um eine dauerhafte Schädigung der Hornhaut möglichst gering zu halten?

Seit der Erfindung der Silikonhydrogele wird erneut diskutiert, ob eine Erhöhung der Sauerstofftransmissibität, des so genannten Dk/t-Wertes, einen zusätzlichen Vorteil für die Hornhaut bringt. Nach einer Studie aus dem Jahre 2004 von Noel Brennan gibt es allerdings nur einen minimalen zusätzlichen Vorteil an Sauerstoff für die inneren Schichten der Cornea, wenn man über die Dk/t- Werte von 24 (bei offenem Auge) und 87 (bei geschlossenem Auge) hinaus geht. Dies wurde bereits vor Jahren von Holden-Mertz beschrieben. Der Grund hierfür ist, dass die Hornhaut an sich schon eine gewisse Barriere für Sauerstoff darstellt und somit bei Erhöhung der Sauerstoffdurchlässigkeit der Kontaktlinsen auch nicht wesentlich mehr aufgenommen werden kann.

Endothel
Graphische Abbildung des 8-schichtigen Modells der Cornea zur Berechnung der Sauerstoffdurchlässigkeit nach Brennan.

Welches Kontaktlinsenmaterial sollte der Anpasser nun auswählen?

Da es bei Sportlern aufgrund des erhöhten Stoffwechsels auch vermehrt zu Ablagerungen auf Kontaktlinsen kommt und dadurch zusätzlich die Sauerstoffdurchlässigkeit darunter leidet, ist ein Kontaktlinsenmaterial, das aus der FDA Gruppe 2 stammt und zudem hoch-wasserbindend ist, ideal für den Sport geeignet (siehe Abbildung „FDA-Einteilung“). Denn Kontaktlinsen der Gruppe 2 neigen weder stark zu Lipidablagerungen noch stark zu Proteinablagerungen.

FDA- Einteilung weicher Kontaktlinsen und deren Tendenz zu Ablagerungen:

Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 3
Gruppe 4
< 50 % H20
Polymer
nicht-ionisch
> 50 % H20
Polymer
nicht-ionisch
< 50 % H20
Polymer
ionisch
> 50 % H20
Polymer
ionisch

Neigung zu
Lipid-Ablagerungen

Neigung zu
Protein-Ablagerungen

Silikonhydrogele befinden sich in der FDA-Gruppe 1, viele gängige Tauschlinsensysteme sind in der FDA-Gruppe 4 zu finden. Wegen der erhöhten Ablagerungstendenz dieser beiden Gruppen kann die Materialauswahl durchaus von entscheidender Bedeutung für den Trageerfolg nicht nur beim Sport sein.

Aufgrund folgender Materialeigenschaften eignet sich für Situationen beim Sport hervorragend das GMAqua™ Material aus der FDA-Gruppe 2:

  • Gute Benetzbarkeit
  • Niedriger Modulus (Materialsteifheit)
  • Minimierte mechanische Reizung am Auge
  • Geringe Ablagerungsneigung
  • Ausreichende Sauerstoffdurchlässigkeit (Dk/t > 24) für Tagestragen
  • Geringer Wasserverlust und schnelle Rehydratation
  • Gutes Preis / Leistungsverhältnis

Fazit

Bei der Complete Aquavision™ Kontaktlinse handelt es sich um ein GMA-p-HEMA Copolymer, das in der Gruppe 2 nach FDA zu finden ist. Es neigt im Vergleich zu Kontaktlinsen, die sich in den anderen Gruppen befinden weniger stark zu Ablagerungen. Es ist hoch-wasserbindend und kann die Sauerstoffdurchlässigkeit über den gesamten Tragezeitraum sehr gut aufrechterhalten. Somit ist die Complete Aquavision™ ideal für gutes Sehen und angenehmen Tragekomfort besonders beim Sport geeignet.

Die Complete Aquavision™ Kontaktlinse
Material GMA-pHEMA Copolymer (GMAqua™), blaue Handhabungstönung
FDA Klassifikation Gruppe 2 (nicht-ionisch, hoch-wasserhaltig)
Wassergehalt 60%
Linsendesign drei-kurvige Vorderfläche, sphärische Rückfläche
Dk/t- Wert 26 x 10 E-9 (35°C)
Mittendicke 0.08 (-3.00 dpt)
Herstellung Erweitertes Cast Moulding
Basiskurve 8.7 mm
Durchmesser 14.2 mm
Stärken -0.25 bis -8.0 in 0.25 dpt Schritten
+0.25 bis +6.00 in 0.25 dpt Schritten
Verpackungseinheit 6 Kontaktlinsen / Box
Tragemodalität täglich im Monatstauschsystem
Pflegeempfehlung des Herstellers: Complete Moisture Plus™

Complete Aquavision

Literatur:

  • D. Schnell, Sport mit Kontaktlinsen, ZPA Sonderveröffentlichung, Kadenverlag, 2003
  • Noel A. Brennan, Corneal oxygenation during contact lens wear, Clin Exp Optom 2005; 88: 2: 103-108

Autor und Kontaktadresse:

AMO
AMO Germany GmbH
Eye Care

Alexandra Spiegler

Rudolf-Plank-Straße 31
D- 76275 Ettlingen

Tel.: +49 7243 – 729-0
Fax: +49 7243 – 729-315
www.amo-inc.de