Zeitungsredaktion wird zum Augenoptikfachgeschäft

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Ende Juni 2013 wurden die Redaktionsräume der Obdachlosenzeitung Augustin für einen Tag in ein Augenoptikfachgeschäft verwandelt. Dank der beiden Organisatoren, Jürgen Mauch, MSc (Jö-Schau Optik, Eisenstadt), und dem Augenoptiker und Journalisten, Mario Lang, wurde ein perfektes Arbeitsumfeld geschaffen. Gemeinsam mit ihren Kollegen Hannes Führinger (Optik Führinger, Wien), Peter Siedl, MSc (Panoptik, Wien), Stefan Guba, MSc (Kontaktlinseninstitut Andreas Nolze, Wien) und Christian Zsidek (Hoya) führten sie alle Tätigkeiten aus, die zum Alltag des Augenoptikers gehören, um 60 obdachlose Menschen kostenlos mit neuen Brillen zu versorgen.

Schoaf wia a Pfefferoni

An zwei Stationen wurde ab 9 Uhr früh refraktioniert. Die zahlreichen, wohlgemeinten Hilfestellungen seitens der Kunden („Wissen´s, i hob` nämlich a Hornhautentrümpelung!“) erwiesen sich zumeist als Hörfehler und wurden durch die Refraktion zum Glück nicht bestätigt. Selbst mitunter ungenaue Angaben („I schätz` des is a „A“ oda so ähnlich…) konnten in gute Refraktionsergebnisse („Schoaf wia a Pfefferoni!“) umgesetzt werden.

Anschließend wurde im „Verkaufsraum“ die passende Fassung unter Anwendung ausgefeilter Gesprächsführungstechniken gewählt. Kunde: „Gibt´s die Brülln a in Blau?“ Optiker: „Leider haben wir sie nur in dieser Farbe hier.“ Kunde: „In dera Foarb gfoits ma sowieso bessa!“ Auch gegenseitige Beratungsgespräche unter den Kunden waren hilfreich und trugen zur guten Stimmung bei. Eine etwa 50jährige Dame: „Mit der Brülln schau´ i um zehn Joar jünger aus!“ Kommentar aus dem Hintergrund: „Jo, jetzt schaust aus wia 80!“ Die Fassungslieferanten, Optik Anton Kösslbacher (Tamsweg), Optikhaus Schwarz (Graz), Optik Strassberger (Retz), Jö Schau Optik (Eisenstadt), Optik Roland Bischel (Traiskirchen) sorgten mit ihrer Großzügigkeit dafür, dass das komplette Spektrum des Brillendesigns, von Avantgarde bis Traditionell, präsentiert werden konnte. So fand sich für jeden Typ und jeden Geschmack ein passendes Modell.

Kooperation mit Hoya

Nach dem Beratungsgespräch wurden die Aufträge aufgenommen und die Gläser bestellt, welche von der Firma Hoya kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Die Einarbeitung der Gläser übernahmen Jürgen Mauch, Roland Bischel und Hannes Führinger. Etwa vier Wochen später konnten die Kunden ihre neue Brille abholen. Zu diesem Zweck opferte Mario Lang einen Teils seines Redaktionsschreibtisches und richtete eine Kleinwerkstatt ein, um, gemeinsam mit Jürgen Mauch, die fachgerechte Anpassung der Brillen zu gewährleisten.

Für alle Beteiligten war es eine wunderbare Erfahrung, da man als Augenoptiker nur selten Gelegenheit hat in derart entspannter Atmosphäre seinen Beruf auszuüben. Außerdem wurde uns Optikern wieder verstärkt zu Bewusstsein gebracht, wie bedeutend der Sehprozess ist und wie sehr wir mit unserer Tätigkeit die Lebensqualität der Menschen positiv beeinflussen können.

Coverfoto: von links Mario Lang, Jürgen Mauch, Peter Siedl, Johann Führinger, Stefan Guba und Christian Zsidek